Kriegsszenarien waren schon seit der frühen Filmgeschichte elementare Bestandteile von Filmerzählungen. Doch wann handelt es sich um einen Kriegsfilm? - Unter Kriegsfilm versteht man eine filmische Reflexion der technisierten modernen Kriege seit dem Ersten Weltkrieg. Hat ein Film kriegerische
Auseinandersetzungen vor 1914 zum Thema, so wird er - trotz Schlachtengetümmel - als Historienfilm…mehrKriegsszenarien waren schon seit der frühen Filmgeschichte elementare Bestandteile von Filmerzählungen. Doch wann handelt es sich um einen Kriegsfilm? - Unter Kriegsfilm versteht man eine filmische Reflexion der technisierten modernen Kriege seit dem Ersten Weltkrieg. Hat ein Film kriegerische Auseinandersetzungen vor 1914 zum Thema, so wird er - trotz Schlachtengetümmel - als Historienfilm definiert. Und selbst der lupenreine Kriegsfilm kommt in verschiedenen Variationen daher: als Propagandafilm, als Klamotte oder als Antikriegsfilm.
Der amerikanische Journalist und Herausgeber Steven J. Schneider hat für seinen Bild-Text-Band „101 Kriegsfilme, die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist“ überwiegend Antikriegsfilme ausgewählt. Dabei reicht das chronologische Spektrum von „Der Geburt einer Nation“ (USA 1915, eher noch ein Historienepos) bis zu der amerikanisch-deutschen Co-Produktion „Inglourious Basterds“ (2009).
Der erste Antikriegsfilm von Weltrang war der amerikanische Streifen „Im Westen nichts Neues“ aus dem Jahre 1930, der noch heute als ein Meisterwerk des Tonfilms gilt. Er wurde mit dem ersten Oscar in der Kategorie „Bester Film“ ausgezeichnet. Natürlich be-finden sich in der Auswahl auch Antikriegs-Klassiker wie „Der große Diktator“ (1940), „Die Brücke am Kwai“ (1957), „Der längste Tag“ (1962), „Die Brücke von Arnheim“ (1977) oder „Schindlers Liste“ (1993). Neben dieser Hollywood-Dominanz empfiehlt der Band u.a. aber auch deutsche („Das Boot“ (1981), „Der Untergang“ (2004)) und sowjetische („Wenn die Kraniche ziehen“ (1957), „Die Ballade vom Soldaten“ (1959)) Filmproduktionen.
Zahlreiche Filmkritiker und -historiker haben zu jedem einzelnen Filmstreifen einen lesenswerten Begleittext verfasst, der neben einer kurzen Inhaltsangabe auch die filmgeschichtliche Bedeutung beleuchtet. In einer kurzen Informationsübersicht werden Angaben zu Regie, Produktion, Drehbuch, Kamera, Musik und den Hauptdarstellern gemacht.
Dieser Bild-Text-Band im kompakten Format von 15 x 12 cm gehört in den Schrank jedes Cineasten, denn selbst eingefleischte Kinogänger werden etwas entdecken, was sie noch nicht gesehen haben. Mit seinen zahlreichen Abbildungen (Filmplakate und Szenenaufnahmen) bringt er uns ein Filmjahrhundert der Panzer und Schützengräben, des Sterbens und der Heldentaten noch einmal näher. Wer etwas über Kriegsfilme wissen will, liegt mit diesem Handbuch genau richtig, denn hier ist im wahrsten Sinne des Wortes alles „friedlich“.
Manfred Orlick