Mit dem seit 1968 kontinuierlich in Lieferungen erschienenen "Brandenburg-Berlinischen Wörterbuch" (BBW) ist es wohl zum ersten Mal gelungen, ein derart umfangreiches großlandschaftliches Mundartwörterbuch in einer solch knappen Publikationszeit vorzulegen: vier Bände im Lexikonformat mit ca. 5.000 Spalten liegen als abgeschlosse-nes Werk vor. Die Vorarbeiten Hermann Teucherts reichen bis ins erste Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts zurück, ein großer Teil der in einem zweiten Planungsentwurf 1939 begonnenen Sammlungen von Anneliese Bretschneider ging jedoch in Wirren den letzten Kriegstage in der Prignitz verloren, so daß das jetzt abgeschlossene Wörterbuch, von der Deut-schen Kommission an der Berliner Akademie 1949 in die Reihe der betreuten Projekte aufgenommen, mit etwas mehr als 50 Jahren eine bemerkenswert kurze Entstehungsgeschichte hat. Die Mundartforschung und Dialektwör-terbücher, deren Existenz und Fortführung Ende der 60er Jahre durch die Akademiereform in der DDR gefährdet war, nahm 1971 die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig in ihre Obhut und hat sie durch die Jahr-zehnte erfolgreich gestützt und gefördert. Besondere Probleme bei der Bearbeitung des BBW-Materials ergaben sich vor allem daraus, daß das Arbeitsgebiet sowohl nieder- als auch mitteldeutsche Mundarten umfaßt. Das hat rein formal einen doppelten Stichwortansatz dort bedingt, wo ein Lemma sowohl in hochdeutscher als auch in niederdeutscher Lautung vorliegt. Problematischer aber als dieser Aspekt in der formalen Anordnung der Lexeme wiegt die Tatsache, daß der mitteldeutsch-hochdeutsche Gegensatz im Arbeitsgebiet des BBW seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Mittelmärkischen zu einem zunehmenden Verfall der niederdeutschen Mundarten geführt hat. Von nachhaltigem Einfluß ist in diesem Zusam-menhang das Berlinische gewesen, das in den Städten der Mark seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts die zu-nächst sehr mundartnahen städtischen Sprachformen verdrängte. Von den märkischen Städten wiederum wurden vor allem die mittelmärkischen Mundarten in einer Weise angegriffen, daß sie sich hochdeutschem Einfluß öffneten. Die angedeuteten Probleme schlagen sich nachhaltig vor allem in dem durch Fragebogenerhebungen in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts gewonnenen Material nieder. Im Nordmärkischen zeigt sich im allgemeinen noch recht deutlich die mundartliche Grundschicht, im Mittelmärkischen deutet sie sich oft nur noch fragmentarisch an. Gerade die angemessene sprachliche Interpretation des Fragebogenmaterials stellte die Bearbeiter des BBW vor diffizile Probleme. Eine behutsame, kenntnisreiche Analyse führte aber doch dazu, ein Brandenburgisches Mund-artwörterbuch zu bearbeiten und abzuschließen und so für zukünftige Fragestellungen sprachhistorischer, siedlungs-geschichtlicher und namenkundlicher Art bereitzustellen und dem Philologen eine niederdeutsche Mundart zu dokumentieren.