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1893 erscheint bei Harper and Brothers in New York ein Buch mit dem lapidaren Titel Picture and Text. Sein Autor Henry James (1843-1916) publiziert in den hauseigenen illustrierten Zeitschriften Harper's Magazine und Harper's Weekly, und was er für diese Buchveröffentlichung aus seinen Texten auswählt, hat es in sich. Henry James ist bereits der gefeierte Autor großer Romanwerke, daneben verfasst er Kurzgeschichten, Reisebeschreibungen und Feuilletontexte für Magazine. Zur Bebilderung vonRomanszenen sowie für Porträts und Landschaften beschäftigen seine Auftraggeber zahlreiche Illustratoren -…mehr

Produktbeschreibung
1893 erscheint bei Harper and Brothers in New York ein Buch mit dem lapidaren Titel Picture and Text. Sein Autor Henry James (1843-1916) publiziert in den hauseigenen illustrierten Zeitschriften Harper's Magazine und Harper's Weekly, und was er für diese Buchveröffentlichung aus seinen Texten auswählt, hat es in sich. Henry James ist bereits der gefeierte Autor großer Romanwerke, daneben verfasst er Kurzgeschichten, Reisebeschreibungen und Feuilletontexte für Magazine. Zur Bebilderung vonRomanszenen sowie für Porträts und Landschaften beschäftigen seine Auftraggeber zahlreiche Illustratoren - diesem Metier und dem Lob der Schwarz-Weiß-Abbildung widmet sich Henry James nun in Picture and Text, und das nicht nur als Feuilletonist, sondern auch als persönlicher Freund.Für Liebhaber und Kenner des Schriftstellers ist diese bisher kaum beachtete Schrift unersetzlich, wird hier doch das journalistisch-künstlerische Milieu jener Zeit greifbar. Henry James, dem der Roman ein Bild ist, der die Werke der Kunstgeschichte wie selbstverständlich verlebendigt, beschreibt den Reichtum und die Technik des Illustrativen von Honoré Daumier, John Singer Sargent und den Künstlern um Harper's. Er bietet damit Bausteine für eine nach wie vor fehlende Illustrationstheorie zur Kunst und Publizistik um die Wende des 20. Jahrhunderts und positioniert sich als feinfühligerSprachstilist zwischen Realismus und Impressionismus.Der 100. Todestag des einflussreichen Schriftstellers ist Anlass genug, dieses Werk erstmalig in deutscher Sprache vorzulegen und es aus den Beständen des Düsseldorfer Melton Prior Instituts reichhaltig zu illustrieren. Das meiste Material dürfte heute unbekannt sein. Der große Kenner der Illustrationsgeschichte Alexander Roobkommentiert die deutsche Erstausgabe ausführlich, den Kunsthistoriker Michael Glasmeier beschäftigt die Bildmanie des Schriftstellers. Die Übersetzung stammt vom Literaturwissenschaftler und Henry James-Übersetzer Jan-Frederik Bandel.
Hinweis: Dieser Artikel kann nur an eine deutsche Lieferadresse ausgeliefert werden.
Autorenporträt
Glasmeier, MichaelMichael Glasmeier, 1951 in Bochum geboren, ist Professor für Kunstwissenschaft an der Hochschule für Künste Bremen. Er ist Essayist, Publizist und Ausstellungskurator.

Roob, AlexanderAlexander Roob, geboren 1956 in Laumersheim, arbeitete zuerst als Comiczeichner und Kirchenmaler, bevor er 2005 das Melton Prior Institut in Düsseldorf gründete. Er unterrichtet Freie Grafik und Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 28.11.2017

Um im Bild zu bleiben
Die Liebe des Romanciers Henry James zur Illustration

Dieses Buch ist ein kleines Kunststück. Schon sein kartonierter Umschlag zitiert mit der dunkelgrünen Gestaltung das amerikanische Original von 1893: die Textsammlung "Picture and Text" von Henry James, die nun von Jan-Frederik Bandel, einem Garanten für ungewöhnliche Literaturprojekte, erstmals ins Deutsche gebracht wurde. Nur, was soll ungewöhnlich daran sein, eine Lücke in der Werkpflege eines der in jüngster Zeit auch hierzulande populärsten Klassikers zu schließen? Es ist die Aufarbeitung dieser sechs Essays und eines humoristischen Dialogs. Denn dem Titel gemäß bot auch das Original vor 125 Jahren schon mit Bildern kombinierten Text: Acht Ansichten von für James' Ausführungen wichtigen Schauplätzen und Persönlichkeiten ergänzten das Buch. Das war damals recht viel und ebenso kosten- wie druckaufwendig. Heute haben wir es leichter, und so ist die deutsche Erstausgabe des Textes ein wahres Feuerwerk an Abbildungen geworden, teilweise sogar in Farbe. Henry James hätte von solch einem Auftritt nicht zu träumen gewagt.

Dabei war der immens populäre und zugleich umstrittene Schriftsteller - nur wenige seiner amerikanischen Landsleute begriffen die Faszination, die James für Europa und dessen Kultur hegte - ein Afficionado der Buchillustration. Gleich der erste Essay in "Bild & Text" stellt fest: "Man könnte sagen, dass Illustrationen in Büchern, mehr noch in Zeitschriften ein Produkt unserer Zeit sind, sofern man Vielfalt und Vielzahl als Maßstab nimmt; auf jeden Fall aber ist es der umfassende, erfindungsreiche, teilnahmsvolle Geist, in dem wir Illustrationen begreifen und betreiben." James betrieb zwar selbst keine Illustration (obwohl er als gutbürgerlich erzogener Mann des neunzehnten Jahrhunderts natürlich eine fundierte Zeichenausbildung erhalten hatte), aber er begriff sie, wie das Buch lehrt, wie kaum sonst jemand. Neben Essays über die auch damals längst anerkannten Künstler Honoré Daumier und John Singer Sargent schrieb James in seinem Buch über damals höchst populäre Illustratoren der amerikanischen Zeitschrift "Harper's", die aber namentlich kaum jemand kannte.

Heute kennen wir weder deren Namen noch deren Bilder, so dass die Kontextualisierung, die die beiden Herausgeber des Buchs, Michael Glasmeier und Alexander Roob, in umfangreichen Begleittexten leisten, gar nicht gereicht hätte - erst die großzügige Bebilderung belebt diese Zeichnermeister des späten neunzehnten Jahrhunderts neu und macht die Begeisterung von James für ihr Schaffen verständlich.

Dieses Buch ist der sechzehnte Band einer Reihe, die sich "KapitaleBibliothek" nennt und kunsttheoretische Texte versammelt, die sowohl wissenschaftlicher als auch autobiographischer Natur sein können. In Idealfällen wie "Bild & Text" sind sie beides. Wenn James seinen Essay über Daumier so beginnt: "Wir haben es uns inzwischen zur Aufgabe gemacht, die Historie sämtlicher Dinge zu schreiben, und so wäre es merkwürdig, wenn wir ausgerechnet die Annalen der Karikatur vernachlässigen würden", dann spürt man den Reiz der intellektuellen Herausforderung genauso wie die der Liebhaberei. Solche Texte sind die schönsten, die man sich wünschen kann.

apl

Henry James: "Bild & Text".

Hrsg. von Michael Glasmeier und Alexander Roob. Aus dem Englischen von Jan-Frederik Bandel. Piet Meyer Verlag, Bern 2017. 324 S., Abb., br., 28,40 [Euro].

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