Als großer Fan des Altphilologen Professor Karl-Wilhelm Weeber konnte ich mir sein neuestes Werk natürlich nicht entgehen lassen. Ich mag es einfach, wie er sich in der heutigen schnelllebigen Zeit für die Bewahrung der lateinischen Sprache und damit der antiken Kultur einsetzt.
In "Botschaften
aus dem Alten Rom" befasst sich Weeber mit antiken Graffiti und Dipinti aus Pompeji. Der Ausbruch…mehrAls großer Fan des Altphilologen Professor Karl-Wilhelm Weeber konnte ich mir sein neuestes Werk natürlich nicht entgehen lassen. Ich mag es einfach, wie er sich in der heutigen schnelllebigen Zeit für die Bewahrung der lateinischen Sprache und damit der antiken Kultur einsetzt.
In "Botschaften aus dem Alten Rom" befasst sich Weeber mit antiken Graffiti und Dipinti aus Pompeji. Der Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 n. Chr. (= terminus ante quem) ist ein Segen für die Altertumswissenschaften gewesen, nicht aber für die Pompejianische Bevölkerung. Denn auf diese Weise sind die Städte Pompeji und Herculaneum versteckt unter einer dicken Asche- und Staubschicht erhalten geblieben.
Weeber hatte unter den ca. 5600 überlieferten Graffiti die sprichwörtliche Qual der Wahl. Anders als die bekannten prosaischen Klassiker bilden jene Zeichnungen und Einritzungen das damalige Alltagsleben ab - inklusive sprachlicher Fehler, Eigenwilligkeiten und Obszönitäten. Unter den Wandkritzeleien, welche im Vergleich zu den heutigen aufwendigen Graffiti recht spartanisch wirken, dominieren vor allem einfache Namensinschriften. Daneben finden sich vermehrt Wahlaufrufe, persönliche Frotzeleien, Liebesbekundungen, Schreibversuche von Schülern sowie gezeichnete Kaufbelege unter den Wandbotschaften. Schaut man genauer hin, so fällt zudem auf, dass erstmals auch Frauen als Verfasser in Erscheinung traten - was mich wegen der damaligen patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen sehr überrascht hat. Darüber hinaus fand ich die direkte, unverblümte Sprache der einzelnen Graffiti recht spannend.
Wider Erwarten ist das vorliegende Buch keine nüchterne Studie allein für Lateinkenner, sondern durchaus eine vergnügliche Inschriftensammlung für jedermann. Das liegt zum einen an Weebers mitgelieferter Übersetzung ins Deutsche und zum anderen an seinen kurzen Infotexten, die jedem der 23 Kapitel vorangestellt worden sind. Auf diese Weise lässt sich der inhaltliche Kontext der Graffiti sehr gut nachvollziehen. Zudem erleichtert es die Lektüre ungemein, dass Weeber die oftmals ins Kursivschrift und ohne Interpunktion verfassten Botschaften in der Umschrift wiedergegeben hat.
FAZIT
Ein Muss für alle Leser, die einmal ins echte römische Leben eintauchen wollen. Dabei zeigt sich, dass die Römer uns in vielen Dingen nicht unähnlich gewesen sind.