Dass dies der erste Krimi für Erwachsene ist, den diese Autorin veröffentlicht, mag man kaum glauben. So genial ist der Mix aus tierischem Spaß und emotionalem Familienzwist, so perfekt die Balance zwischen Humor und Drama, zwischen ironischem Witz und höchster Spannung.
Dabei kommt der Roman in
einem ganz harmlosen Gewand daher, meint man, eine lustige Geschichte aus der Sicht tierischer…mehrDass dies der erste Krimi für Erwachsene ist, den diese Autorin veröffentlicht, mag man kaum glauben. So genial ist der Mix aus tierischem Spaß und emotionalem Familienzwist, so perfekt die Balance zwischen Humor und Drama, zwischen ironischem Witz und höchster Spannung.
Dabei kommt der Roman in einem ganz harmlosen Gewand daher, meint man, eine lustige Geschichte aus der Sicht tierischer Ermittler zu lesen, wie man sie beispielsweise von Leonie Swann oder anderen kennt. Doch dieser Roman ist anders.
Es gibt zwar sehr wohl etliche Kapitel aus der Sicht von Rocky, einem zu Höherem berufenen Amrock-Huhn, das nicht nur die neue Hühnersippe als Oberhuhn anführen soll, sondern auch die Menschen, bei denen die vier Hühner nun leben werden, akribisch beobachtet. Bei diesen Menschen handelt es sich um die Schwestern Helene und Hilde, beide über 70. Hilde, die Ältere, ist verwitwet und gegen deren Willen bei Helene eingezogen. Diese hatte beider Mutter bis zu deren Tod gepflegt und lebte nun weiter im gemeinsamen Haus. Bislang in herrlichem Frieden.
Das änderte sich jedoch schlagartig mit Hildes Einzug. Nicht nur, dass Hilde strikt gegen die Hühnerhaltung war und ohnehin ständig gegen alles stänkert, was Helene wichtig ist. Nicht nur, dass sie in der Garage Unmengen an Vorräten lagert, als müsse sie mehrere Kompanien versorgen, Hilde ist auch noch enorm nachtragend. Seit der Kindheit, eigentlich seit deren Geburt, ist sie nämlich auf Helene eifersüchtig und lässt es an keiner Schikane fehlen.
Lange begreift Helene nicht, was abläuft, doch als sie irgendwann dahinterkommt, eskaliert das Ganze, wird das Drama zum Schauplatz eines Mordes.
Dass es am Ende zu einem Mord unter den Schwestern kommt, ist von Beginn des Romans an bekannt. Doch wer von den Beiden wen tötet, das bleibt die ganze Zeit offen und genau daraus zieht der Roman eine ungemeine Spannung. Dazu kommt die unglaublich gute Erzählweise, die geschickt platzierten richtigen und falschen Hinweise. Sowie die sehr einfühlsam und mit Verständnis für beide Seiten geschilderten Szenen aus der Kindheit der Schwestern, die die ganzen Missverständnisse zeigen, die schuld sind am völlig zerstörten Verhältnis zwischen den beiden Frauen.
Auch die fein geschliffenen Charaktere machen die Lektüre zu einem großen Vergnügen. Keiner ist nur gut oder nur böse, auch die liebe Helene hat ihre Abgründe. Und dann natürlich die vier Hühner, als da sind die bereits erwähnte Rocky und ihre Schwester Amy, beide aus der amerikanischen Rasse der Amrocks sowie Susi und Heidi, zwei Sundheimer Hühner, badischer Herkunft. Letzteres schlägt sich dem herrlich kolportierten Dialekt nieder.
Geradezu genial die Szenen, in welchen die Hühner mit der Waschbärfamilie verhandeln, damit sie von diesen Jägern nicht gefressen werden. Oder wie sie den Fuchs übertölpeln. Und natürlich wie die vier Hühner schließlich dazu beitragen, dass Helene die größte Schandtat Hildes entdeckt.
Dieser Roman ist so spannend, so unterhaltsam und gleichzeitig berührend und ernsthaft, dass ich ihn nicht aus der Hand legen konnte, sondern ihn binnen weniger Stunden ausgelesen habe. Einzig der Schluss, ganz am Ende, der hat mich ein wenig enttäuscht, das hätte es nicht gebraucht. Aber davon abgesehen ist dieses Buch wärmstens zu empfehlen. Und ich hoffe sehr auf weitere Bücher aus der Feder von Anne C. Voorhoeve.
Anne C. Voorhoeve - Chicken impossible
emons, Februar 2025
Taschenbuch, 320 Seiten, 14,00 €