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Chuck Close, Mitbegründer des Fotorealismus, ist einer der bedeutendesten lebenden Künstler Amerikas. Seine monumentalen Portraits sind in allen bedeutenden Museen und Sammlungen der Welt vertreten. Zum ersten Mal erscheint jetzt eine Monographie, die das gesamte Spektrum seines Werkes zeigt, von den frühen Schwarz-Weiß-Arbeiten bis hin zu den farbigen Portraits jüngerer Zeit. Nicht zuletzt durch die enge Zusammenarbeit mit dem Künstler ist das Chuck Close-Buch entstanden.

Produktbeschreibung
Chuck Close, Mitbegründer des Fotorealismus, ist einer der bedeutendesten lebenden Künstler Amerikas. Seine monumentalen Portraits sind in allen bedeutenden Museen und Sammlungen der Welt vertreten. Zum ersten Mal erscheint jetzt eine Monographie, die das gesamte Spektrum seines Werkes zeigt, von den frühen Schwarz-Weiß-Arbeiten bis hin zu den farbigen Portraits jüngerer Zeit. Nicht zuletzt durch die enge Zusammenarbeit mit dem Künstler ist das Chuck Close-Buch entstanden.
Autorenporträt
Christopher Finch arbeitet als Kunstsachverständiger und ist Autor zahlreicher Bücher und Essays über zeitgenössische Kunst. Er ist seit den 60er Jahren ein enger Vertrauter von Chuck Close.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 24.08.2008

Wenn sich Gesichter auflösen
Im Bann der Illusion: Christopher Finchs Monographie über den amerikanischen Künstler Chuck Close

VON THOMAS WAGNER

Sie heißen schlicht Nancy, Joe, Frank, Phil, Robert, Susan, Nat, Leslie, Keith oder Linda, und sie sind alle Freunde, Verwandte oder Kollegen wie Richard Serra, Francesco Clemente und Roy Lichtenstein. Ihre Gesichter - stets frontal wiedergegeben - sind ausgeleuchtet bis in die letzte Hautpore. Wie Monstren, die aus den Laboratorien der Reproduktion entlaufen sind, fixieren sie den Betrachter. Es ist, als wolle die Malerei im Blow-up die Ungeheuerlichkeit des Gewöhnlichen demonstrieren und die flache Leinwand mit der Illusion eines menschlichen Gesichts amalgamieren.

Chuck Close ist ein Porträtist der besonderen Art, dessen gesamtes Werk darzustellen sich Christopher Finchs opulente Monographie vorgenommen hat. Finch, ein Engländer, der 1968 als Kurator des Walker Art Center in die Vereinigten Staaten kam und vor allem durch seine Biographie Walt Disneys bekannt geworden ist, besuchte Close im selben Jahr erstmals in dessen Atelier in der Green Street im New Yorker Stadtteil Soho - damals noch eine ziemlich heruntergekommene Gegend. Es habe ihm, so Finch, einfach "die Schuhe ausgezogen", als er dort das Bild einer liegenden Nackten und das monumentale fotorealistische "Big Self-Portrait" mit schwarzer Hornbrille, Schnurrbart, Zigarette im Mundwinkel und zerzausten Haaren gesehen habe. Die beiden wurden nicht nur Freunde, auch der erste, schockartige Impuls hat nachgewirkt. Finchs Faszination ist auch dann noch zu spüren, wenn er das komplexe Gefüge unterschiedlicher bildgenerierender Strategien untersucht, die Close seitdem entwickelt hat. "Close", erklärt er, "malt Porträts, doch ihn als Porträtist zu beschreiben ist unangemessen." Alles ist Oberfläche, auch das Gesicht. In den frühen Arbeiten wird es zu einer zerklüfteten Landschaft und verwandelt sich in ein Zeichen der Vergänglichkeit allen Fleisches. Das Memento reicht indes nicht an die jeweilige Person heran, es verwandelt sich - nach der guten alten Rezeptur der Avantgarde - in eine Reflexion der Mittel, die das Bild hervorbringen. Close habe, so Finch, aber nicht nur ein Genre neu erfunden, er habe auch sich selbst immer wieder neu erfunden. Eine wesentliche Stärke seines Werks liege darin, dass es nie in Mode gewesen sei. Mithin konnte es auch nie aus der Mode kommen.

In zehn reichhaltig illustrierten Kapiteln durchmisst Finch den Weg, den Close in vierzig Jahren gegangen ist. Und selbst dort, wo er dessen Biographie heranzieht - Close war als Kind Legastheniker und litt unter Prosopagnosie, der Unfähigkeit, eine Person an ihrem Gesicht erkennen zu können, und seit 1988 sitzt er aufgrund einer Lähmung, die durch eine verstopfte Arterie verursacht wurde, im Rollstuhl -, verliert er die Strategien nie aus dem Auge, mit deren Hilfe er sein Terrain beackert hat. Minutiös und in immer neuen Anläufen schildert Finch die Entwicklung. Man erfährt sehr viel über den Maler, seinen Werdegang, seine Methode - nur manchmal schlüpft der Autor zu sehr in die Haut des Künstlers.

Wie schafft man ein Porträt und hält dabei zugleich dessen Auflösung fest? Wie kann ein Gemälde erkennbar ein Gemälde sein und zugleich ein Illusionsraum? Eine Möglichkeit besteht darin, seine eigenen, farbigen oder schwarzweißen "Pixel" zu erfinden, in die das fotografische Bild zerlegt und gerade so weit aufgelöst wird, dass ein Gesicht erkennbar bleibt. Das geht so weit, dass Close innerhalb eines groben Rasters mit winzigen abstrakten Gemälden arbeitet, die, so Finch, betrachtet man das Bild als Ganzes, eine überzeugende Ähnlichkeit mit einem Porträt aufweisen. Auch aus Schnipseln, Papierbrei und Fingerabdrücken - dem ironischem Rest der magischen Kraft der Hand des Künstlers - entstehen solche prismatischen Bildnisse.

Es ist der alte Kampf der Malerei mit der Fotografie, den Close aufnimmt. Finch sieht dessen besondere Leistung darin, den Illusionismus der frühen flämischen Malerei aufgegriffen und unter den Bedingungen der Moderne neu durchdacht zu haben. Ihren Höhepunkt erreiche diese Malerei deshalb in den prismatischen Rasterbildern, deren abstrakte Elemente noch immer die Illusion eines Gesichts hervorbringen, das von einer Linse erzeugt wurde. Das Gesicht - ein Phantom der Malerei.

Christopher Finch: Chuck Close, Work. Englisch. Prestel Verlag, München, Berlin, London, New York 2007. 336 S., geb., 69 Euro.

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