Nie zuvor stand Hermann Hesse so sehr im Rampenlicht wie in den Nachkriegsjahren, als dem »Exponenten eines besseren Deutschland« nach dem Nobelpreis auch hier die ersten Ehrungen zuteilwurden. Aber auch nie zuvor hat sich Hesse entschiedener dem Zugriff der Öffentlichkeit entzogen; der über ihn hereinbrechenden Flut von Leserzuschriften entzog er sich indes nicht. Dass seine Bücher erst ab 1950 in dem auf sein Betreiben gegründeten Verlag von Peter Suhrkamp wieder lieferbar wurden, erschwerte die Lage.
Durch tausende von Briefen war Hesse über das Schicksal der deutschen Bevölkerung und die oft fragwürdigen Umerziehungsmethoden der Siegermächte bestens orientiert. So illustrieren seine Antwortschreiben zugleich die zunehmende in die Gründung zweier Nachkriegsstaaten mündende Polarisierung Deutschlands. Sie zeigen seine Skepsis gegenüber der Vergangenheitsbewältigung im Westen ebenso wie seine Enttäuschung über den obrigkeitshörigen Satellitenstaat im Osten. Was bei Hesses Antworten, über ihre zeitgeschichtlichen Einblicke hinaus, vor allem bewegt, ist seine Empathie für die Benachteiligten.
Durch tausende von Briefen war Hesse über das Schicksal der deutschen Bevölkerung und die oft fragwürdigen Umerziehungsmethoden der Siegermächte bestens orientiert. So illustrieren seine Antwortschreiben zugleich die zunehmende in die Gründung zweier Nachkriegsstaaten mündende Polarisierung Deutschlands. Sie zeigen seine Skepsis gegenüber der Vergangenheitsbewältigung im Westen ebenso wie seine Enttäuschung über den obrigkeitshörigen Satellitenstaat im Osten. Was bei Hesses Antworten, über ihre zeitgeschichtlichen Einblicke hinaus, vor allem bewegt, ist seine Empathie für die Benachteiligten.
Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension
Rezensentin Hendrikje Schauer liest Hermann Hesses Briefe aus den Jahren 1947 bis 1950 mit historischem, nicht literarischem Interesse. Dafür geben sie zu wenig her, meint sie. Von Geldsorgen, Raubdrucken und Reaktionen auf den 1946 verliehenen Literatur-Nobelpreis erfährt sie hier, auch Antworten auf Leserbriefe, Gutachten, etwa über Arno Schmidt und Briefe an Autoren und Autorinnen findet Schauer hier. Besonders interessant scheint ihr die Ambivalenz der Person Hesses, die sich auch in den Briefen offenbare. Hesse zeigte sich beispielsweise zwar verärgert über ein Buch, das ihm der NS-Schriftsteller Ludwig Finckh widmete, gleichzeitig nahm er Finckh in Schutz: Dieser habe im Nationalsozialismus keine Vorteile gehabt, sondern "reinen Herzens, gutgläubig" gehandelt.
© Perlentaucher Medien GmbH
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»... hochinteressant. [Die Briefe] zeigen, wie auch die Korrespondenz aus den Jahren zuvor, einen politisch ambivalenten, manchmal strauchelnden Autor.« Hendrikje Schauer taz. die tageszeitung 20211109