Acht Jahre lang waren Delilah und ihre Mutter nicht mehr in Red Falls bei ihrer Großmutter zu Besuch. Bei der Beerdigung ihres Großvaters kam es zu einem Streit zwischen der Großmutter, Delilahs Mutter und deren Schwester, der zu einem völligen Bruch zwischen der Familie führte. Ein Anruf von Rachel
- Delilahs Tante - führt die Familie letztendlich wieder an den Ort, den sie alle acht Jahre lang…mehrAcht Jahre lang waren Delilah und ihre Mutter nicht mehr in Red Falls bei ihrer Großmutter zu Besuch. Bei der Beerdigung ihres Großvaters kam es zu einem Streit zwischen der Großmutter, Delilahs Mutter und deren Schwester, der zu einem völligen Bruch zwischen der Familie führte. Ein Anruf von Rachel - Delilahs Tante - führt die Familie letztendlich wieder an den Ort, den sie alle acht Jahre lang gemieden haben: die Großmutter ist verstorben und Rachel und Delilahs Mutter Claire müssen sich um die Formalitäten bezüglich der Beerdigung und der Haushaltsauflösung und des Hausverkaufs kümmern.
Die Fahrt nach Red Falls ist überschattet, doch nicht nur was den Familienstreit vor acht Jahren angeht, für den Delilah nie den Grund erfahren hat, auch die Gegenwart ist alles andere als rosig. Delilah ist ohne Vater aufgewachsen und ihre Mutter hat kaum Zeit für sie, da sie die letzten Jahre steil die Karriereleiter in ihrer Firma hochgeklettert ist und selbst auf der Autofahrt nach Red Falls Kundentelefonate führen muss.
Obwohl der Anlass für die Fahrt nach Red Falls kein erfreulicher ist, erwarten Delilah dort viele alte Bekannte, die sie sehr vermisst hat, unter anderem trifft sie schnell wieder auf ihren alten Freund aus Kindertagen, mit dem sie schon bald mehr als die frühere Freundschaft verbindet.
Bis auf die scheinbar üblichen Mutter-Tochter-Probleme scheint es sich bei "Der Geschmack des Sommers" zunächst noch um einen leichten Jugendroman zu handeln, der Teenagerprobleme behandelt und die erste Liebe, doch wer bereits ein Buch von Sarah Ockler gelesen hat, ahnt bereits, dass die Geschichte viel mehr zu bieten hat, und auch Ockler-Neulinge merken schnell, dass die Gründe für den damaligen Familienstreit auf schwerwiegenden Problemen beruhen.
Schon vor dem Tod des Großvaters, bei dem sich die Familie im Streit entzweite, war das Familienglück getrübt, denn im Alter von neunzehn Jahren - etwa ein Jahr vor Delilahs Geburt - starb ihre jüngste Tante. Delilah weiß kaum etwas von ihr, denn ihre Mutter und Tante Rachel möchten nicht über die Vergangenheit reden.
Im Laufe der Geschichte findet Del immer mehr Puzzleteilchen, die Hinweise auf das Leben und den Tod ihrer Tante Stephanie geben und die sie auch das Verhalten ihrer Großmutter und ihrer Mutter besser verstehen lassen. Unter anderem findet sie das verschollen geglaubte Tagebuch ihrer verstorbenen Tante, doch die Einträge geben nicht nur Antworten, sondern werfen auch neue Fragen auf.
Der Weg, bis die Familie wieder zusammenfindet und Delilah erfährt, was in der Vergangenheit passiert ist und dank dieses Wissens besser mit ihrer gegenwärtigen Situation umgehen kann, ist lang, und kostet sie beinahe ihre wichtigste Freundschaft.
Obwohl Sarah Ockler durchaus sehr schwierige Themen behandelt - in dieser Geschichte geht es unter anderem um Depressionen - und häufig ein melancholischer Ton mitschwingt, besitzt sie die Gabe alles in einem lockerleichten Schreibstil zu erzählen und neben all den Schwierigkeiten und Problemen, mit denen sich ihre Protagonisten auseinandersetzen müssen, die kleinen Dinge in ihre Geschichten einzuflechten, die das Leben schön machen. Neben den Protagonisten gewinnt man auch Red Falls lieb. Sarah Ockler findet immer genau den richtigen Weg zwischen detaillierten Beschreibungen, dass man sich direkt an den Ort des Geschehens versetzt fühlt, ohne die Szenen zu überladen, so dass man immer auch das Kopfkino nebenbei laufen lassen kann.
Sarah Ocklers Geschichten sind realistisch geschrieben, am Ende ist eben nicht immer alles gut, aber doch so tröstlich und "happy ending", wie es mit der Familiengeschichte von Delilah und ihren Angehörigen und Freunden nur werden konnte.
Sarah Ockler ist die Meisterin traurig-melancholisch-schöner Familien- und Freundschaftsgeschichten, in denen man sich zu gerne verliert, aber auch ganz viel an Weisheit und Werten findet, die man auf das eigene Leben münzen kann.