25 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion steckt Europas Demokratie in der Krise. Altepolitische Lager lösen sich auf. Die Linke tauscht Revolution gegen Nationalismus, unddie Rechte borgt sich von der Linken als nützlichen Feind die Banken. Mit Bestürzung hört Boris Schumatsky den Beifall, den die russische Autokratie von überall bekommt. Ob links, rechts oder Mitte: Herrschaft macht Spaß, Freiheit strengt an. In den 1990er Jahren ritt man auf der Welle der Postmoderne in den ewigen Frieden. Nun istdaraus ein populistisches Monster entstanden. Scharf analysiert Boris Schumatsky die politischen Bewegungen der Gegenwart und blickt in eine mögliche Zukunft.
Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension
Der Slawist und Kritiker Ulrich M. Schmid liest Boris Schumatskys Essay mit Gewinn - und als Gegenstück zu Michel Eltchaninoffs Studie "In Putins Kopf". Schumatsky, der als Autor seit 20 Jahren in Berlin lebe, interessiere sich weniger für den Präsidenten als für die Auswirkungen der Kreml-Politik auf das Denken der Bürger, wie Schmid schreibt. So zeige er, wie die politische Führung den Krieg auf der Krim als Frieden tarne. Außerdem nehme Schumatsky die "Putin-Versteher" in Deutschland in den Blick. Laut Schmid konstatiert er mit Unverständnis, wie sich bei den sogenannten Montagsmahnwachen prorussische Verschwörungstheoretiker, Europaskeptiker und Kapitalismuskritiker von links und rechts versammeln. Schumatsky warnt vor den Lügen und dem "diskreten Charme" des Kremls und ermuntert zugleich zu einer offenen, aufgeklärten Demokratie - Schmid kann er dabei ganz auf seiner Seite wissen.
© Perlentaucher Medien GmbH
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