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Florenz zur Zeit der Renaissance: Botticelli malt "La Primavera", das junge Universalgenie Pico della Mirandola träumt von der Wiedererweckung der Antike und hat der neuen Zeit ihr Manifest geschrieben - die ganze Stadt fühlt sich als Mittelpunkt der Welt. Da wird Pico della Mirandolas Freund, der Dichter Angelo Poliziano, in seinem Sommerhaus in Fiesole vergiftet. Della Mirandola macht sich auf, den Mörder zu finden - und investiert dabei sein ganzes Wissen: seine Kenntnis von 21 toten und lebendigen Sprache, der Kabbala und aller Geheimlehren des Orients und Okzidents. In dem rätselhaften…mehr

Produktbeschreibung
Florenz zur Zeit der Renaissance: Botticelli malt "La Primavera", das junge Universalgenie Pico della Mirandola träumt von der Wiedererweckung der Antike und hat der neuen Zeit ihr Manifest geschrieben - die ganze Stadt fühlt sich als Mittelpunkt der Welt. Da wird Pico della Mirandolas Freund, der Dichter Angelo Poliziano, in seinem Sommerhaus in Fiesole vergiftet. Della Mirandola macht sich auf, den Mörder zu finden - und investiert dabei sein ganzes Wissen: seine Kenntnis von 21 toten und lebendigen Sprache, der Kabbala und aller Geheimlehren des Orients und Okzidents. In dem rätselhaften Bild Botticellis glaubt er den Schlüssel für den Mord zu finden ...
Autorenporträt
Paul Claes, 1943 in Leuven geboren, ist heute "einer der gelehrtesten Autoren des Kontinents"
(Frankfurter Allgemeine Zeitung).

Hervorgetreten ist er u.a. als Übersetzer von Pound, Rimbaud, Mallarmé und D. H. Lawrence, seine Übertragung von James Joyces "Ulysses" wurde mit dem Aristeion-Preis ausgezeichnet. Paul Claes veröffentlichte neben einer Studie zu Rilke Gedichte ("Rebis", 1989), einen Band mit Erzählungen ("Das letzte Buch", 1992) sowie die Romane "Der Satyr" (1993) und "Der Sohn des Panthers" (1996). 2000 erschienen Erzählungen von ihm in der "Neuen Rundschau".
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 07.11.2001

Was die Kabbala nicht weiß
Paul Claes stochert im philosophisch-historischen Nebel

Eine in der Renaissance spielende Fortsetzung von Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose" will er sein, der neue Roman des Altphilologen und Schriftstellers Paul Claes. Seine Kulisse bildet das Florenz des Jahres 1494, mitten in der Blütezeit der Medici. Der junge Philosoph Giovanni Pico della Mirandola versucht den mysteriösen Tod seines Freundes, des Dichters Angelo Poliziano, aufzuklären, der vergiftet wurde. Der echte Pico della Mirandola war eine der interessantesten Gestalten der Renaissance. Nach dem Studium des Kirchenrechts in Bologna beschäftigte er sich mit Philosophie und Philologie in Padua, und er beherrschte zweiundzwanzig Sprachen "wie ein zweiter König Mithridates".

So spannend die historischen Fakten sein mögen, die Claes' Romanhandlung zugrunde liegen, so wenig findet man sie in seinem Buch wieder. Dies liegt nicht an der historischen Vorlage, sondern am Erzähler. Claes überführt die historischen Fakten in raunende, bedeutungsschwangere Sätze, welche die Schwäche des Spannungsbogens nur notdürftig verhüllen können. Die Atmosphäre eines Florenz der Dichter und Denker, der Religionsfanatiker wie Savonarola und der intriganten, dominanten Medici bleibt dünn und wirkt trotz der wahrhaft dramatischen historischen Ereignisse merkwürdig anämisch. Geschichte und Zeit werden in den Dienst der Erzählung gezwungen, was den sofortigen literarischen Tod aller Beteiligten zur Folge hat.

Claes läßt Pico seine Detektivarbeit anhand philosophischer Spekulationen verschiedener Provenienz leisten, um auf diesem Weg dem Täter auf die Spur zu kommen. Zu guter Letzt zieht er sogar die Kabbala zu Rate, wenn auch erfolglos. Das einzige, was er in Erfahrung bringen kann, ist, daß sein eigener Name zwar die Namen von Adam und Eva und sogar von Jesus enthält, nicht jedoch das Wort "senex", Greis. Aufgrund dieses Umstands ahnt Pico seinen eigenen, frühen Tod voraus. Claes versucht, mit solcherlei Ahnungen die Philosophie in den Fortgang der kriminalistischen Handlung einzubeziehen, doch gelingt es ihm nicht, eine solche überzeugend zu konstruieren. Was bleibt, sind aneinandergereihte Versatzstücke von Assoziationsketten, die das Interesse des Lesers nur mühsam zu fesseln vermögen.

Nachdem die Philosophie Pico nicht den gewünschten Erfolg bei der Aufklärung des mysteriösen Todes von Poliziano bringt, wird ein neuer Schlüssel zur Lösung des Rätsels ins Spiel gebracht: Sandro Botticellis Gemälde "Primavera". Bei Claes liest sich diese erneute Annäherung an das Rätsel so: "Pico sah die Lösung vor sich: Wenn die Welt eine Widerspiegelung der göttlichen Ordnung war und die Kunst ein Abbild dieser Widerspiegelung, konnte der Betrachter eines Kunstwerks durch den Nebel der Verweisungen das verborgene Netzwerk erkennen, das alles mit allem verband." Trotz aller rhetorischer Entzifferungskunst bleibt der Nebel dicht. Auch dieser Versuch, mit Hilfe schlichter Abbildtheorie den Mord aufzuklären, führt in die Irre.

Wie aber geht die Entwirrung der enigmatischen Lage bei Claes vonstatten? Im Todeskampf erscheint dem gleichfalls vergifteten Pico die Zweideutigkeit im Wortsinne: die auf ihren Schoß verweisende Mutter, die gleichwohl mit den Lippen einer Sibylle spricht. Dieses psychologisch-mythische Orakel beantwortet mit der uralten Frage nach dem Zusammenhang von Leben und Tod auch den Grund für Polizianos Sterben. Daß der "Tod die Kehrseite der Liebe" ist, daß also "jede Wahrheit paradox sei" und der Ermordete deshalb der Mörder - diese Erkenntnis verdanken wir dieses eine Mal der altphilologischen Gelehrtheit des Autors.

CARINA VILLINGER

Paul Claes: "Der Phoenix". Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2001. 189 S., geb., 36,97 DM.

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