„Verzweifelte Engel“ – der Titel klingt erst mal spontan nach Fantasy-Literatur. Weit gefehlt! Es ist ein guter und spannender Mystery-Thriller.
FBI Agent Nathanial Caim machte auf mich anfangs den Eindruck eines arroganten Überfliegers, was sich jedoch schnell änderte. Intellektueller
Überflieger – ja, aber nicht arrogant, eher verletzlich. Mit seiner Kollegin Tandra Romano ermittelt er in der…mehr„Verzweifelte Engel“ – der Titel klingt erst mal spontan nach Fantasy-Literatur. Weit gefehlt! Es ist ein guter und spannender Mystery-Thriller.
FBI Agent Nathanial Caim machte auf mich anfangs den Eindruck eines arroganten Überfliegers, was sich jedoch schnell änderte. Intellektueller Überflieger – ja, aber nicht arrogant, eher verletzlich. Mit seiner Kollegin Tandra Romano ermittelt er in der Szene der okkulten Sekten auf der Suche nach einem Serienmörder, der seinen Opfern Engelsflügel tätowiert.
Ich muss gestehen, Sekten jagen mir immer wieder einen Schauer über den Rücken – genauso wie Fanatiker jeglicher Couleur. Sie sind unberechenbar und skrupellos, und somit nichts was eine friedliebende Gemeinschaft braucht, und zu letzterem zähle ich den größten Teil der Menschheit.
Neben den spannenden Fragen nach dem Mörder und seinem Motiv, ist es die Beschreibung der psychischen Situation der Hauptfigur, die den Leser fesselt und einen guten Krimi zum Thriller macht. E. M. Ross versteht es, dessen Seelenleben so zu schildern, dass es nicht langatmig wirkt. Dies geschieht leider häufig, deswegen finde ich es so erwähnenswert, dass dem Autor hier diese Gratwanderung so gelungen ist.
Nathaniel Caim befindet sich in den Fängen einer Sekte, wird gefoltert und überlebt, aber ein seelischer Knicks bleibt. Es ist sehr spannend wie er danach weiter lebt, wie sich sein Leben dadurch verändert. Auch die Frage „Was kommt jetzt noch?“ treibt die Spannung in die Höhe, es sind ja noch einige Seiten zu lesen, nachdem er aus den Fängen der Sekte herauskommt.
Interessant finde ich auch die Verbindung der Sekte mit dem Glauben an Engel. Diese symbolisieren in der Regel etwas durch und durch Gutes. Man denkt automatisch an den klassischen Schutzengel. Aber da gibt es ja auch noch die andere Seite – die gefallenen Engel. Es ist immer wieder faszinierend, worauf sich Sekten begründen können – bzw. könnten – es ist ja schließlich ein Roman und kein Tatsachenbericht. Der Autor schildert alles jedoch so plastisch, dass man das manchmal fast vergessen könnte. Fast schon gruselig.
Auch wenn Engel und Sekten ein nicht ungewöhnliches Thema im Mystery-Thriller sind, finde ich den Roman sehr gelungen. Die kleinen Schauer, die er einem über den Rücken jagt, sind gut platziert und wirken nicht plump, weil sie gut dosiert sind. Ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Band. Im Laufe des Buches hat sich Agent Caim von einem arroganten Schnösel zu einer sehr interessanten Person entwickelt. Ich möchte wissen, wie es weitergeht, wie er sich weiter entwickelt.