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Paul Zanker war Professor für Klassische Archäologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom. Heute lehrt er als Professor für antike Kunstgeschichte an der Scuola Normale Superiore in Pisa.
Mit dem Aufstieg Roms zum Zentrum eines riesigen Imperiums nahm auch die römische Kunst ihre spezifischen Züge an. Paul Zankers meisterhafte Darstellung zeigt, welche Rolle dabei die Aneignung der griechischen Kultur spielte und wie sich die Bildwelten des öffentlichen und des privaten Raumes in Republik und Kaiserzeit entwickelten. Dabei…mehr

Produktbeschreibung
Paul Zanker war Professor für Klassische Archäologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom. Heute lehrt er als Professor für antike Kunstgeschichte an der Scuola Normale Superiore in Pisa.
Mit dem Aufstieg Roms zum Zentrum eines riesigen Imperiums nahm auch die römische Kunst ihre spezifischen Züge an. Paul Zankers meisterhafte Darstellung zeigt, welche Rolle dabei die Aneignung der griechischen Kultur spielte und wie sich die Bildwelten des öffentlichen und des privaten Raumes in Republik und Kaiserzeit entwickelten. Dabei bringt er die Bilder mit ihren Botschaften, die sie in ihrem jeweiligen historischen Kontext vermittelten, für uns zum Sprechen.
Autorenporträt
Mit dem Aufstieg Roms zum Zentrum eines riesigen Imperiums nahm auch die römische Kunst ihre spezifischen Züge an. Paul Zankers meisterhafte Darstellung zeigt, welche Rolle dabei die Aneignung der griechischen Kultur spielte und wie sich die Bildwelten des öffentlichen und des privaten Raumes in Republik und Kaiserzeit entwickelten. Dabei bringt er die Bilder mit ihren Botschaften, die sie in ihrem jeweiligen historischen Kontext vermittelten, für uns zum Sprechen.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 13.02.2008

Vasenmaler, bitte mal herhören!

Diese unzivilisierten Barbaren: Zwei Bände widmen sich auf unterhaltsame Weise der griechischen und römischen Kunst.

Archäologie, so denken viele an der griechischen und römischen Antike Interessierte, ist in erster Linie Ausgrabungswissenschaft. Insbesondere das Fernsehen verbreitet diese Vorstellung, denn für dieses Medium sind Anschaulichkeit und Novität oberste Kriterien für die Auswahl der Stoffe. Die Popularität einer auf Anschaulichkeit ausgerichteten Archäologie hat längst auch Rückwirkungen auf den Forschungsbetrieb, nicht zuletzt an den Universitäten. Feldforschung und alles, was damit zusammenhängt, lässt sich gut für die allseits geforderte Drittmitteleinwerbung einsetzen und erlaubt eine öffentlichkeitswirksame Präsentation, gleich wie hoch die wissenschaftliche Relevanz ist.

Von dieser Zeiterscheinung ihres Faches, der Klassischen Archäologie, sind Tonio Hölscher und Paul Zanker gänzlich unberührt, obwohl auch sie mit den beiden kompakten Bänden der Serie "Kunstepochen" aus der Reihe "Wissen" des Beck-Verlags ein Publikum nicht nur innerhalb der akademischen Welt ansprechen wollen. Die Inhaltsverzeichnisse zeigen, dass hier der Anspruch besteht, zentrale Aspekte der griechischen und römischen Kunst in dichter Darstellung zugänglich zu machen. Die Gliederung folgt im Wesentlichen jeweils der konventionellen Epocheneinteilung, von der archaischen zur hellenistischen Zeit und von der Republik zur Kaiserzeit bis an den Übergang zur christlich bestimmten Spätantike. Und doch haben auch Hölscher und Zanker eine eigene und sehr dezidierte Perspektive auf ihren Gegenstand. Von "Kunst" ist ausdrücklich nicht oft die Rede, umso häufiger dafür von "Bildern". Für den Laien ist der hier angewandte erweiterte Bildbegriff, der im Grunde jede gestaltete Form umfasst, vom schlichten Ornament bis zur kolossalen Marmorstatue, ja im Grunde bis zum "Stadtbild" einer entwickelten urbanen Struktur, vielleicht noch etwas gewöhnungsbedürftig. In der wissenschaftlichen Praxis ist er dagegen etabliert, mit der Konsequenz, dass die Erforschung der antiken Kunst zu einem Feld der historischen Bildwissenschaften wird.

Für die römische Kunst ist dies eine vertraute Betrachtungsweise. Ihr Kunstcharakter hat immer weniger interessiert als ihr Quellenwert für die Erschließung der politischen, gesellschaftlichen und mentalen Verhältnisse. Zanker fasst die neueren Erträge der Forschung in konziser Form zusammen; der Text ist, nicht anders als Hölschers Buch, auch ohne fachwissenschaftliche Vorkenntnisse gut verständlich. Zunächst geht es um die Bilderwelt der späten Republik und ihre treibenden Kräfte: Einerseits die umfassend rezipierte griechische Kunst, die die Formen der Denkmäler wesentlich bestimmte, andererseits die politische Konkurrenz der Aristokraten, aus der zu einem guten Teil die "Botschaft" der öffentlich aufgestellten Porträts und Denkmäler resultierte. In der Kaiserzeit sind es zwei andere Kategorien, die sich gegenüberstehen: hier die "Kaiserkunst", also die vom Kaiser selbst und mehr noch die für ihn in Auftrag gegebenen Werke, die meist Herrscherlob betreiben; dort die private Welt der mythologischen Darstellungen an den Wänden der Wohnhäuser und an den Sarkophagfronten in den Grabhäusern, die häufig die Wunschvorstellung eines von Pflichten und Sorgen befreiten Lebens visualisieren.

Anders als für die römische stellt für die griechische Welt die Betrachtung der Kunst als Bilderwelt eine unkonventionelle Sicht dar. "Die Welt der Griechen war voller Bilder" lautet denn auch der programmatische erste Satz des Eingangskapitels. Insbesondere für die archaische, aber auch für die klassische Epoche erscheinen die Statuen, Porträts und Vasenbilder als ein Mittel, das in erster Linie dazu dient, das Verhältnis der Individuen untereinander und des Einzelnen gegenüber der Gemeinschaft zu regeln. In den Bildern manifestieren sich Normen der Gesellschaft, sowohl im Positiven, zum Beispiel als Rollenbild des Bürgers, des Kriegers oder der Frau, wie auch im Negativen, etwa durch die Abgrenzung gegenüber normfernen Figuren wie den nach griechischen Maßstäben unzivilisierten "Barbaren". Konsequent das Zweckhafte der griechischen Kunst herauszustellen hat beinahe etwas Provozierendes - selbst der doch offenbar nach so etwas wie absoluter Kunst strebende Bildhauer Polyklet verkörpert nach Hölscher "Ideale der dorischen Aristokratie". Aber es bleibt bei dieser Sicht natürlich auch etwas auf der Strecke.

Phänomene wie die Entstehung der Großplastik, das fast obsessive Ringen der Vasenmaler, gleichsam zur Essenz ihres Mediums vorzudringen, oder die in der frühen Klassik entwickelte mimetische Darstellungsform als Symptom einer veränderten Weltsicht - all das findet nur am Rande Erwähnung. Erst für die Zeit des Hellenismus macht Hölscher die sinnliche Qualität der Werke und ihre geradezu physische Präsenz ausdrücklich zum Thema. Darum allerdings, dass die ästhetische Dimension der griechischen Kunst, ebendas also, was ihr immer die stärkste - und wie viele sagen würden: zu große - Bewunderung eingetragen hat, in der Forschung künftig ganz in den Hintergrund treten würde, muss man keine Sorge haben.

KLAUS JUNKER

Tonio Hölscher: "Die griechische Kunst". C. H. Beck Verlag, München 2007. 127 S., 73 Abb., br., 7,90 [Euro].

Paul Zanker: "Die römische Kunst". C. H. Beck Verlag, München 2007. 127 S., 82 Abb., br., 7,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 07.08.2007

Es bleiben die schönen Werke als Trophäen
Antike und Renaissance: Im Verlag C.H. Beck erscheinen so subjektive wie begründete Essays über Kunstepochen
Es gehört Mut dazu, „Die griechische Kunst”, „Die römische Kunst” oder „Die Kunst der Renaissance” in Taschenbüchern auf akademischem Niveau zu erklären. Dieser Mut hat bislang in der deutschen Kunstpublizistik gefehlt. Es gab immer nur das eine oder das andere: entweder wissenschaftlich fundierte Einzelanalysen wie die Bildbetrachtungen in der Reihe „Kunststück” vom Fischer Verlag. Oder allgemein gehaltene Einführungsbücher für Laien wie „Die italienische Renaissance” von DuMont. Wer aber Überblick und Einblick zugleich suchte, der musste schon zu angelsächsischer Literatur greifen, etwa zu Peter Burkes so eingängigem wie forschungskritischem Bändchen „Renaissance” (auf Deutsch bei Wagenbach).
Destabilisierende Kunst
Nun ist im C.H. Beck Verlag eine Reihe erschienen, die im Stil angelsächsischer Essayistik einzelne Kunstepochen in ein Buchformat bringt, das in die Hand- oder Jacketttasche passt. Die Autoren sind renommierte Wissenschaftler, die Gemeinplätze meiden. Allesamt haben sie sich vom Geniekult verabschiedet, der in Deutschland immer noch durch die populäre Kunstvermittlung geistert. Stattdessen bemühen sie sich um historische Einordnung, fragen nach der identitätsstiftenden Funktion von Bildern, den Absichten der Auftraggeber und dem Spielraum der Künstler.
In seinem Renaissance-Band sieht Andreas Tönnesmann, auf den Pfaden Jacob Burckhardts, den Widerstreit von Gewalt und Kultur als ein Grundmuster der Kunst im 15. und 16. Jahrhundert. Die vielen, meist kriegerischen Regionalherrscher in Italien streben nach Aufmerksamkeit, und die Maler, Architekten und Bildhauer machen das Beste daraus: Sie reizen ihre ästhetischen und gedanklichen Freiheiten aus. Manchmal endet das im ironischen Spiel wie im Palazzo del Tè in Mantua, wo Giulio Romanos stürzende Giganten Wände und Betrachter in den Abgrund mitzureißen scheinen – wer sich als fürstlicher Besteller solch eine destabilisierende Kunst leistet, muss sich seiner Position sicher sein. Oder er tut wie der Mantuaner Markgraf alles, um Bewunderer in die Stadt im Sumpfgebiet zu locken und zu überraschen.
Manche Herrscher feilen mit Porträtkampagnen an ihrem Image, allen voran Federico da Montefeltro, der so von den Gerüchten um seinen Brudermord in Urbino abzulenken versteht. Andere lassen – entgegen aller üblichen Bescheidenheitsgesten – Familienbilder an die Wand malen, wie die Gonzaga, die Andrea Mantegna beauftragen. Auch die gut verkäuflichen Zuchtpferde des Hofes sind in seiner Camera picta zu sehen – ein vormodernes Product-Placement, wie Tönnesmann bemerkt.
Der größte Legitimationsdruck aber lastet auf den Päpsten, die nicht schon als Herrscher in spe zur Welt kommen. Jeder von ihnen muss von Neuem den Italienern und den Machthabern Europas beweisen, wie unabkömmlich der Vatikan ist. Mit Hilfe von Raffael und Michelangelo gelingt dies wie nie zuvor. Ihre Werke beziehen nicht nur die römische Antike, die Philosophie und die Literatur mit ein. Michelangelos Sixtinische Decke vereinnahmt auch die gesamte Weltgeschichte seit Erschaffung der Erde. Tönnesmann erinnert nachdrücklich daran, welche Verdrängungsleistung der römischen Kunst in den Renaissancejahren innewohnt. Immerhin gilt nördlich der Alpen der Neubau des Petersdoms als Inbegriff klerikaler Dekadenz. Erst 1527, als deutsche Landsknechte die Ewige Stadt plündern, realisieren die Römer, wie schlecht es um das Ansehen ihrer Kirche steht. Das Buch beschränkt sich nicht auf die italienische Sicht, sondern beschreibt auch die Spielarten der Renaissancekunst in Deutschland, Spanien, Frankreich und schließlich am Prager Hof von Rudolf II., dem besessenen Sammler. Mit dessen Tod 1612 sieht Tönnesmann das Ende der Epoche gekommen: Ihre Akteure sind tot, was bleibt, sind Kunstwerke, die fortan als Trophäen durch den Kontinent gereicht werden.
Natürlich kann auf nur rund 130 Seiten nicht alles gesagt werden; die venezianische Renaissancemalerei etwa kommt mit Ausnahme einiger erhellender Bemerkungen über Tizian zu kurz. Doch hat das Format den Vorteil, dass die Autoren ihre Überlegungen an konkreten Beispielen entfalten können, ohne sich mit einem kompletten Forschungsüberblick zu belasten.
Auch Tonio Hölschers Band zur griechischen und Paul Zankers Büchlein zur römischen Kunst sind pointierte, verdichtete Skizzen, die dem Leser an einem Nachmittag ein Gespür für die bildwissenschaftlich und sozialhistorisch relevanten Fragen vermitteln. So führt Hölscher in den Umgang der Griechen mit ihren Skulpturen ein, die viel gemeinschaftlicher rezipiert wurden, als wir es heute mit unseren Alltagsbildern tun. Man wusch und salbte die Werke, auf dass sie Unglück von der Stadt abwendeten. Es konnte auch passieren, dass eine unglücklich gestürzte Statue wegen Mordes verurteilt und verbannt wurde. Zanker interessiert sich ebenfalls nicht bloß für die staatspolitische Bedeutung der Kunst, sondern geht genauso dem privaten Bildgebrauch in den üppigen römischen Privatvillen nach.
Natürlich folgen alle Autoren der Bände auch ihren eigenen Forschungsinteressen. So aber bekommen die Leser nicht nur Schulbuchwissen serviert, sondern erhalten so subjektive wie begründete Ansichten zur Kunst der jeweiligen Epoche. KIA VAHLAND
TONIO HÖLSCHER: Die griechische Kunst (127 Seiten); PAUL ZANKER: Die römische Kunst (127 Seiten); ANDREAS TÖNNESMANN: Die Kunst der Renaissance (136 Seiten). Alle Bände im C.H. Beck Verlag, München 2007. 7,90 Euro.
Den Palazzo del Tè in Mantua stattete Giulio Romano (1499 - 1546) mit Fresken aus, darunter dem „Sturz der Giganten”. Foto: Bridgemanart.com
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Klaus Junker hat sich recht angetan Büchern der Reihe "Wissen" gewidmet, die verschiedene Kunstepochen für ein interessiertes Laienpublikum darstellen. Die Perspektive auf die römische Kunst als "historische Bildwissenschaft", die den Zweckcharakter von künstlerischen Darstellungen betont und die auch der Autor Paul Zanker einnimmt, hat sich in der Forschung durchgesetzt, betont der Rezensent, der angenehm berührt zur Kenntnis nimmt, dass Zankers Ausführungen kompakt und gut verständlich daherkommen. Der Autor stellt eingehend dar, wie die römische Kunst auf griechische Vorbilder zurückgreift, und zeigt die Veränderungen, die von der römischen Republik zur Kaiserzeit in der Intention vor allem öffentlich ausgestellter Kunstgegenstände abzulesen sind, stellt Junker zufrieden fest

© Perlentaucher Medien GmbH