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Zwischen 1773 und 1894 heirateten vier Darmstädter Prinzessinnen nach Russland, zwei von ihnen bestiegen sogar als Zarinnen den Thron. Ob nun arrangiert oder gegen den Willen der Familie durchgesetzte Liebesheirat – die Ehen der nach St. Petersburg verheirateten Prinzessinnen standen unter keinem guten Stern. Der 150. Geburtstag Prinzessin Elisabeths von Hessen und bei Rhein, verheiratete Großfürstin Jelisaweta von Russland, ist nun der willkommene Anlass, die von Liebe und Glück, von Tragik und Trauer erzählenden Lebensgeschichten in einem Bildband vorzustellen.

Produktbeschreibung
Zwischen 1773 und 1894 heirateten vier Darmstädter Prinzessinnen nach Russland, zwei von ihnen bestiegen sogar als Zarinnen den Thron. Ob nun arrangiert oder gegen den Willen der Familie durchgesetzte Liebesheirat – die Ehen der nach St. Petersburg verheirateten Prinzessinnen standen unter keinem guten Stern. Der 150. Geburtstag Prinzessin Elisabeths von Hessen und bei Rhein, verheiratete Großfürstin Jelisaweta von Russland, ist nun der willkommene Anlass, die von Liebe und Glück, von Tragik und Trauer erzählenden Lebensgeschichten in einem Bildband vorzustellen.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 12.06.2015

Geschichten von Glück, Liebe und Tragik
Buch über das Schicksal von Darmstadts Prinzessinnen am russischen Hof

h.r. DARMSTADT. Alexa-Beatrice Christ hat ein überfälliges, aber auch ein trauriges Buch geschrieben. Überfällig, weil die Zahl von vier Darmstädter Prinzessinnen, die zwischen 1773 und 1894 in den russischen Hochadel einheirateten, für hessische Verhältnisse ziemlich ungewöhnlich ist und deshalb eine zusammenfassende Darstellung ihrer Biographien längst überfällig war. Traurig, weil die von der Leiterin des Schlossmuseums in Darmstadt skizzierten Lebenswege der Prinzessinnen Wilhelmine, Marie, Elisabeth und Alix zeigen, wie wenig romantische Fernsehbilder mit der Realität zu tun haben. Alle vier hatten kein einfaches, zwei von ihnen durch den Lauf der Weltgeschichte ein sehr schweres, schicksalhaft geprägtes Leben.

Zumindest Elisabeth von Hessen und bei Rhein ist aber gerade deshalb bis heute in Russland unvergessen. Im vergangenen Jahr versammelten sich ihr zu Ehren bei einem russischen Pilgertreffen so viele geistliche Würdenträger der russisch-orthodoxen Kirche in Darmstadt, wie man zuvor noch nie gesehen hatte. Sie alle waren gekommen, um der "heiligen Großmärtyrerin" in der Russischen Kapelle auf der Mathildenhöhe zu gedenken, der einstigen Privatkapelle des letzten Zarenpaares.

Ella, wie Elisabeth im Kreise ihrer Familie genannt wurde, war eine sehr schöne, aber auch sehr energische Frau, die ihre Absicht, den russischen Großfürsten Sergei zu heiraten, in der Familie "gegen alle Widerstände durchsetzte", wie Christ in ihrem Buch "Die Wahl ist getroffen ... Darmstädter Prinzessinnen in St. Petersburg" schreibt. Im Sommer 1884 fand die prunkvolle Hochzeit in St. Petersburg statt, der ein Leben in ehelicher Harmonie folgte. Es ist kennzeichnend für Christs Darstellung, dass sie das Familienleben der Prinzessinnen in den Vordergrund rückt und versucht, anhand der Quellen wie etwa der Briefe an die Darmstädter Verwandtschaft deren Seelenleben in der Weite Russland nachzuzeichnen. Sergei war, wie man heute sagen würde, ein erzkonservativer Adeliger, der seine junge Frau schulmeisterlich behandelte, aber sie offensichtlich liebte. Jedenfalls ist von ihm der Satz überliefert: "Ella ist ein Engel in jeder Hinsicht ... Gäbe es viele Frauen wie sie - dann wäre die Erde ein Paradies."

Dass Elisabeth für Russlands Gläubige zu einem Engel wurde, hing mit dem Tod ihres Mannes zusammen, der 1905 bei einem Attentat ums Leben kam. Nach dem Ende des Trauerjahres veräußerte sie den größten Teil ihres Besitzes und gründete ein Kloster, dem sie als Äbtissin vorstand. 1918 starb Ella wie ihr Mann eines gewaltsamen Todes: Die Bolschewisten ermordeten sie zusammen mit den anderen Familienmitgliedern der Romanows. 1992 erklärte das Moskauer Patriarchat Elisabeth, Großfürstin Jelisaweta Fjodorowna, zur Heiligen.

Elisabeths Schwester, Prinzessin Alix von Hessen und bei Rhein, erlitt das gleiche Schicksal. Auch sie hatte ihren Willen durchgesetzt und Großfürst Nikolaus geheiratet, der bald nach der Eheschließung als Nikolaus II. der letzte Zar des russischen Reiches werden sollte. Alix war zunächst mit ihrem "Nicky" unendlich glücklich, und auch Nikolaus sprach von seiner "lieben, geliebten Alix". Aber schon die Hochzeitsfeierlichkeiten, bei denen durch Unruhen mehr als 1000 Menschen ums Leben kamen, erwiesen sich, so Christ, "als Vorboten kommenden Unheils". Als Alix nach vier Töchtern den ersehnten Thronfolger zur Welt brachte, litt der kleine Alexei an der Bluterkrankheit. Es folgten Unruhen und Intrigen am Hof um den zur Hilfe gerufenen Wunderheiler Rasputin und schließlich die russische Revolution. In der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1918 wurde die gesamte Familie von den Bolschewisten hingerichtet.

Prinzessin Wilhelmine, die erste Prinzessin von Hessen-Darmstadt, die durch ihre Heirat 1773 mit dem Großfürsten Paul Petrowitsch, dem späteren Zaren Paul I., ein Mitglied des russischen Zarenhauses wurde, starb schon mit 20 Jahren bei der Geburt ihres erstes Kindes.

Prinzessin Marie, die 1841 Großfürst Alexander, den späteren Zar Alexander II., heiratete, litt an Tuberkulose und an der andauernden Liaison ihres Mannes mit einer russischen Fürstin, die Alexander samt den unehelichen Kindern ständig um sich haben wollte, weshalb er sie zur Hofdame seiner Gemahlin ernannte, ihr im Winterpalast eine Wohnung einrichtete und sie sogar zu den Verwandtschaftsbesuchen nach Schloss Heiligenberg bei Jugenheim mitnahm. "Zarin Marija Alexandrowna starb", so schreibt Christ, "von ihrer Krankheit und seelischem Leid gezeichnet, in der Nacht zum 22. Mai 1880 im Alter von nur 55 Jahren."

In Darmstadts Schlossmuseum, das der Geschichte des großherzoglichen Hauses von Hessen und bei Rhein gewidmet ist, ist der Lebensweg der vier Frauen nachzuvollziehen. Christs reich bebildertes Buch gibt einen Einblick in die dort ausgestellten Exponate und Dokumente, die von "Liebe und Glück, von Tragik und Trauer" zeugen, wie Donatus Landgraf von Hessen im Vorwort schreibt. Dass die Geschichte der vier Prinzessinnen weiter aktuell ist, zeigt die Zweisprachigkeit von "Die Wahl ist getroffen..." in Deutsch und Russisch. Und die Anwesenheit eines Vertreters der russischen Botschaft bei der Präsentation des Buches, er sprach von der besonderen Bedeutung des Kulturdialogs angesichts der gegenwärtigen "politischen Spannungen". Die Publikation des Schlossmuseums sei ein Schritt zu einem solchen Gespräch, weil sie "die Anknüpfungspunkte zu einer gemeinsamen Geschichte beider Länder" aufzeige.

Alexa-Beatrice Christ: "Die Wahl ist getroffen... Darmstädter Prinzessinnen in St. Petersburg" ist im Justus von Liebig Verlag erschienen, 88 Seiten, Preis 15 Euro.

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