Tobias und seine Familie haben den Krieg grade so überstanden. Doch ihr Zuhause wurde zerstört und das Essen ist knapp. Zusammen mit anderen Kindern wird er über die Sommerferien zu Gastfamilien geschickt - zum Erholen und Aufpäppeln. Er landet auf einer einsamen Insel mitten im Meer. Während die
anderen Kinder in liebevollen Familien unterkommen, landet er bei der griesgrämigen und in sich…mehrTobias und seine Familie haben den Krieg grade so überstanden. Doch ihr Zuhause wurde zerstört und das Essen ist knapp. Zusammen mit anderen Kindern wird er über die Sommerferien zu Gastfamilien geschickt - zum Erholen und Aufpäppeln. Er landet auf einer einsamen Insel mitten im Meer. Während die anderen Kinder in liebevollen Familien unterkommen, landet er bei der griesgrämigen und in sich gekehrten Lothe. Die Fischerin lebt ganz allein in einem Haus, das über einer Klippe thront. Weder sie noch der Elfjährige sind besonders begeistert von diesem Arrangement. Denn Lothe kann neugierige Kinder nicht ausstehen und genau das ist die perfekte Beschreibung von Tobias. Er stöbert herum und findet einen Raum voller Kinderzeichnungen, die ihn sofort in ihren Bann ziehen. Er ist fest entschlossen dieses Rätsel zu lösen, in dem ein Leuchtturm, eine unzertrennliche Freundschaft und eine Tragödie eine Rolle spielen.
Für mich ist es mittlerweile das dritte Werk von Maja Lunde und Lisa Aisato und wieder bin ich absolut begeistert. Auch in den anderen Büchern ging es um ernste Themen, aber mir kommt dieses hier besonders düster, bedrückend und emotional vor. Tobias lebt in der Nachkriegszeit und hat so viele schlimme Erfahrungen gemacht, die niemand (vor allem aber kein Kind) je erleben sollte. Dementsprechend geht es um posttraumatische Belastungsstörungen, Ängste, Verzweiflung, Heimweh und eine Vergangenheit, die von Verlust, Trauer und Schmerz geprägt ist. Sehr berührend.
Als wäre dies alles nicht schon mitreißend genug, untermalt Lisa Aisato das Ganze mit ihren wundervollen und gefühlvollen Illustrationen. Diese sind unglaublich detailverliebt - mal grau und trist, dann wieder farbenfroh und voller Hoffnung und Lebensfreude. Ich liebe besonders die Gesichter, welche so viele Emotionen zeigen!
Trotz allem ist das Buch irgendwie märchenhaft und sehr phantasievoll, denn es erzählt außerdem die Geschichte der Windmacherin und des Waldhüters. Es geht um eine intensive Freundschaft, die Kraft der Fantasie und des Zusammenhalts.
Es ist immer, aber vor allem aktuell ein wichtiges Buch, weil es in der Welt da draußen Erwachsene gibt, die neue Kriege anzetteln, ohne darüber nachzudenken, was ein Krieg mit Kindern anrichten kann.