Nach dem Tod seines Vaters wächst Giovanni in den 50er Jahren zunächst bei den Großeltern in einem kleinen sizilianischen Dorf auf, bevor er mit 11 Jahren zu Mutter und Schwester nach Sciacca zieht. Dort freundet er sich mit dem gleichaltrigen Santino an. Beide haben Mütter, die sich gezielt mit
einflussreichen Männern einlassen und schon früh die Zukunft ihrer Söhne planen. Insbesondere …mehrNach dem Tod seines Vaters wächst Giovanni in den 50er Jahren zunächst bei den Großeltern in einem kleinen sizilianischen Dorf auf, bevor er mit 11 Jahren zu Mutter und Schwester nach Sciacca zieht. Dort freundet er sich mit dem gleichaltrigen Santino an. Beide haben Mütter, die sich gezielt mit einflussreichen Männern einlassen und schon früh die Zukunft ihrer Söhne planen. Insbesondere Giovannis Mutter Cettina zieht im Hintergrund die Strippen für Giovanni, der einmal ein möglichst reicher Anwalt werden soll. Santiano wird Bauunternehmer, verstrickt sich in undurchsichtige Geschäfte, und auch Giovanni gerät als Anwalt in denselben Kreis aus Abhängigkeiten von der Cosa Nostra.
Simonetta Agnelli Hornby zeichnet anhand der Lebenswege von Giovanni und Santiano ein eindrückliches Bild von der sizilianischen Gesellschaft der 50er bis 90er Jahre. Auch wenn die Verstrickungen der beiden in die Geschäfte der Cosa Nostra zentral sind, liegt der erzählerische Schwerpunkt auf der persönlichen und familiären Ebene. Die mächtigsten Personen im Roman sind die beiden Mütter Cettina und Assunta, denen ihre Söhne treu ergeben sind. Santiano und Giovanni wirken schwach, sind echte Muttersöhnchen, ohne Rückgrat und moralischen Kompass. Insbesondere Giovanni wirkt wie eine Marionette seiner Mutter, die für ihn Beruf, Ehefrau und Haus auswählt und unablässig für ihn netzwerkt. Ich muss gestehen, dass mir bis auf Anna Di Giorgio, eine Kommilitonin Giovannis, und Giovannis Großeltern alle Personen des Romans sehr unsympathisch waren, da sie extrem opportunistisch handelten. Es mag sicherlich so sein, dass es in gewissen Berufen auf Sizilien nahezu unvermeidlich ist, mit der Mafia in Kontakt zu kommen und es schwierig ist, sich deren Einfluss zu entziehen, doch ich konnte bei Santiano und Giovanni auch nicht den Versuch, sich integer zu verhalten, feststellen.
Fazit: Der Roman gibt einen interessanten Einblick in die gesellschaftlichen Strukturen Siziliens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ich hätte allerdings gerne noch etwas mehr über die konkreten Verflechtungen im Bau- und Anwaltsgewerbe mit der Mafia erfahren. So bleibt mir manches zu vage.