Spanien steckt voller Geheimnisse. Wie, beispielsweise, kommt es zur anhaltenden Liebe der Spanierinnen zum Hausmantel aus Polyester? Warum ist es in Spanien so laut? Und was nur, was macht die geliebte escapada, den Ausflug aufs Land, für die Spanier so reizvoll? Spanien muß man erklären - und Paul Ingendaay tut das auf ebenso kenntnisreiche wie amüsante Weise. Dabei erzählt er vom Fußball und von Cervantes, von silbernen Löffeln und deutschen Kolonien, vom Baskenland, Sex und dem traditionellen Stierkampf. Am Ende wird eines ganz klar sein: Spanien ist mehr als nur eine lange Küste.
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 28.09.2002PAUL INGENDAAY, Feuilletonkorrespondent dieser Zeitung in Madrid, hat eine Gebrauchsanweisung für Spanien geschrieben, das Land, in dem sich die Deutschen so wohl fühlen wie in ihrem eigenen Wohnzimmer. Das Buch handelt aber nicht von Bikinis und Sangria, sondern vom alltäglichen Spanien zwischen Sevilla und San Sebastián, Barcelona und Badajoz. Großzügigkeit, Lässigkeit und Anarchie sind die hervorstechenden Merkmale der iberischen Mentalität - weshalb die Spanier gern essen, trinken und reden, aber auch bei Rot über die Ampel fahren und hemmungslos ungetrennten Müll aus dem Auto werfen. Das Buch erzählt von alten Linken und neuen Rechten, von Wahrsagern, Schuhputzern, Tenören und Kellnern. Es besingt die Passionen des Fußballs, das Drama der Stiere und die Epik des Winterschlußverkaufs. Und es sieht im Ritual, ein Häppchen zu verzehren oder eine Glühbirne zu verpacken, die breite kulturelle Kluft, die Spanier und Deutsche nicht trennt, sondern verbindet. (Paul Ingendaay: "Gebrauchsanweisung für Spanien". Piper Verlag, München 2002. 180 S., geb., 12,90 [Euro].)
F.A.Z.
Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension
Nicht übermäßig begeistert klingt Rezensentin Franziska Meier von dieser Gebrauchsanweisung für Spanien. Zwar präsentiere ihr Autor "mit leichter Feder" einen Reigen persönlicher Erlebnisse, erhellender wie nützlicher Betrachtungen und kurzer Einblicke in die Geschichte des Landes. Dabei richte er sich eigenem Bekunden zufolge an Reisende, die das "eigentliche, noch nicht vertouristete Spanien" kennenlernen wollten. Ihrer Ansicht nach fehlt es dem Buch des derzeitigen Kulturkorrespondenten der FAZ in Madrid allerdings an Eigentümlichkeit und Originalität. Auch fand sie es den Belangen und Klischees des "flüchtig interessierten Lesers weithin angepasst", weshalb sie auch den antitouristischen Anspruch letztlich für nicht eingelöst hält. Unfreiwillig kurios schließlich wirkte die Gebrauchsanweisung auf die Rezensentin, wenn Ingendaay sich bemüht, darin seinen deutschen Lesern "spanische Verhältnisse als etwas für sie schlichtweg Unbegreifliches näher zu bringen", dann allerdings mit auch hierzulande weithin Bekanntem aufwarte.
© Perlentaucher Medien GmbH
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