Bis zum Herbst 1992 war George Soros nur wenigen außerhalb des Exklusivkreises der Hochfinanz ein Begriff. Das änderte sich schlagartig im September 1992: Er setzte darauf, das Großbrittanien aufgrund der immer flauer werdenden Wirtschaftslage zu einer Abwertung des britischen Pfundes gezwungen sein würde - und seine Spekulation ging auf. Als das Pfund am 15. September 1992 tatsächlich abgewerte wurde, verdiente Soros buchstäblich über Nacht eine Milliarde Dollar. - Ein Star war geboren. Unbestritten nimmt George Soros den Rang des weltweit berühmtesten Investors ein. Kein anderer hat über einen so langen Zeitraum hinweg derart hervorragende Ergebnisse erzielt wie Soros. Seit 1969, dem Gründungsjahr seines Quantum-Fonds, hat Soros mit seinen Investitionen einen unglaublichen Rekord aufgestellt. Ein im Jahr 1969 in den Quantum Fonds investierter Betrag von 1.000 Dollar wäre bei Wiederveranlagung der Dividenden bis zum Jahre 1995 auf 2.150.000 Dollar angewachsen. Dieses Buch gibt die hinter Soro's phänomenalen Investitionserfolgen stehenden Anlage- und Wertpapierstrategien preis. Für den Leser ergeben sich neue faszinierende Perspektiven und Ideen, die sich finanziell lohnen könnten. Zwar ist die Kenntnis der Geheimnisse hinter Storo's Investitionserfolgen sicherlich keine Garantie dafür, daß der Leser über Nacht eine Milliarde Dollar verdienen wird. Doch kann er, indem er sich ein Bild von der Denk- und Arbeitsweise George Soro's verschafft, seine Schlüsselstrategien nachvollzieht, zu einem besseren Verständnis der komplexen Welt der Hochfinanz gelangen: er kann dann selbst ein gewisses Gespür dafür entwickeln, das Geschehen in den Finanzmärkten richtig zu interpretieren und daraus Gewinne zu erzielen.
Im Jahr 1992 sprach der amerikanische Hedge-Fonds-Manager George Soros mit dem damaligen Bundesbank-Präsidenten Helmut Schlesinger. Die europäischen Währungen waren im Ungleichgewicht, zum Beispiel das britische Pfund. Schlesinger zeigte keine Absicht, anderen Ländern zur Seite zu springen. Soros nahm Milliardenkredite auf und spekulierte gegen das britische Pfund. Am Ende musste Großbritannien das Europäische Währungssystem verlassen, George Soros hatte zwei Milliarden Dollar verdient - und war fortan der bekannteste Hedge-Fonds-Manager der Welt.
So erzählt es der "Time Magazine"-Journalist Robert Slater in seiner neuen Soros-Biographie, die am Ende der Woche in den Buchläden ankommen wird. Er sprach nicht nur mit George Soros, Soros gab auch seinen Mitarbeitern die Erlaubnis, Slaters Fragen zu beantworten. Herausgekommen ist ein Buch, das Soros nahekommt, aber nur seine Perspektive einnimmt.
Über die Kritik, die Soros' Spekulationen hervorgerufen haben, erfahren die Leser wenig. Umso mehr darüber, wie Soros sein Geld verdient: Er geht stur seinen eigenen Weg und setzt immer voll auf seine Ideen. Seine wichtigste ist die "Reflexivität": Soros betont, dass in der Welt oft die Handlungen der Menschen auf die Welt zurückwirken - wie an den Finanzmärkten. Slater erzählt, dass Soros gerne Philosoph geworden wäre. Dafür sei er nicht gut genug gewesen. Einer der reichsten Menschen der Welt wurde Soros trotzdem.
bern.
Robert Slater. "George Soros". Finanzbuch Verlag, 29,90 Euro. Erscheint in der kommenden Woche.
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