Die rechte Hand des Teufels
"Goebbels Schatten - Die Naumann-Verschwörung" von Hans-Peter de Lorent ist ein fesselnder Tatsachen-Roman, der einen tiefen Einblick in die dunklen Geheimnisse, Klüngeleien und verschleierten Machenschaften der Nazis in der Nachkriegszeit bietet. Mit akribischer
Recherche und egroßem erzählerischen Geschick lenkt de Lorent die Leser:innen nicht nur durch die letzten…mehrDie rechte Hand des Teufels
"Goebbels Schatten - Die Naumann-Verschwörung" von Hans-Peter de Lorent ist ein fesselnder Tatsachen-Roman, der einen tiefen Einblick in die dunklen Geheimnisse, Klüngeleien und verschleierten Machenschaften der Nazis in der Nachkriegszeit bietet. Mit akribischer Recherche und egroßem erzählerischen Geschick lenkt de Lorent die Leser:innen nicht nur durch die letzten Tage im Führerbunker, sondern lässt sie auch an dramatischen Fluchten und den chaotischen Verhältnissen der Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, in denen alte NS-Strukturen versuchen, wieder Fuß zu fassen, teilhaben.
Es sind Szenen, die wie aus dem Film "Der Untergang" sich vor dem inneren Auge abspielen und dabei die Kaltschnäuzigkeit, Abgebrühtheit und den unbedingten Willen, die braunen Ideale hochzuhalten und wieder alltagstauglich zu machen, mit einer daratigen Klarheit und Vehemenz vermitteln, dass der Leserschaft der Atem stockt.
Die Geschichte des Werner Naumann ist nicht nur die eines unverbesserlichen NS-Funktionärs, sondern auch ein erschreckender Blick auf die Bedrohung der jungen Bundesrepublik durch reaktionäre Kräfte. De Lorent schafft es meisterhaft, die historische Genauigkeit für seine Lesenden informativ und zugleich kritisch aufzubereiten, damit sie die Intrigen dieser bedrohlichen Epoche nachempfinden und aus ihnen lernen können.
Durch den geschickten Einsatz von Einschüben und Hintergrundinformationen wird die Tiefe der Verschwörungen und der Einflussnahme ehemaliger Nazi-Funktionäre in Politik und Wirtschaft eindrucksvoll beleuchtet. Dabei kommen die Leser:innen nicht umhin, sich immer wieder mit der Motivation Naumanns auseinanderzusetzen, der bestrebt ist, die nationalsozialistischen Ideen in eine neue Zeit hinüberzuretten – ein Unterfangen, das bis ins politische Gefüge der 1950er Jahre reicht. Auch seine Verhaftung kann die rechte Hand des Teufels nicht ausbremsen und es ist erschreckennd zu lesen, wie weit verzweigt die alten Netzwerke in der Nachkriegszeit sind, um hier an einer Schraube zu drehen und dort wieder mit einer blütenweißen Weste und einem passenden Persilschein die - wirtschaftlichen und politischen - Geschicke der jungen Bundesrepublik zu lenken.
Das Samenkorn der hirnverbrannten Ideologien ist - einmal ausgesät - immer eine Handbreit mit Erde bedeckt und wartet nur darauf, wieder im Verbogenen zu keinem. Das Zitat/die Mahnung von Kirkpatrick auf Seite 531 brennt sich regerlecht ein, stimmt nachdenklich und fordert die Lesenden dazu auf, das aktuelle tagespolitische Geschehen zu hinterfragen:
Naumanns Geschichte ist eine Mahnung und "..enthält eine Lehre für die Zukunft. Es wäre töricht, anzunehmen, dass der Nazismus unter keinen Umständen, und auch nicht in anderer Form, im modernen Deutschland wiederstehen könnte".
Das Buch ist ein Weckruf, eine Mahnung und ein Statement zugleich: Nie wieder ist jetzt!