Jewgeni Sidorow, von allen Sid genannt, ist auf der Flucht vor Interpol. In schrecklich drückenden Schuhen ist er aus Estland bis in die dänische Provinz gewandert. Zusammen mit seinem Leidensgenossen Hanuman, einem Inder, der den Namen des vielgesichtigen Affengottes nicht umsonst trägt. Unterschlupf finden die beiden Illegalen im Flüchtlingslager Farsetrup - hier, zwischen unerträglich nach Gülle stinkenden Feldern und blendend strahlenden Vorgärten, vegetieren die Gestrandeten dieser Welt vor sich hin. Immer bedroht von der Abschiebung, warten sie apathisch auf Bescheide eines ominösen Direktoriums und erzählen sich das Asylantenmärchen vom Paradies: Amerika, und wenn schon nicht Amerika, dann doch wenigstens Lolland, wo einem Ecstasy in den Mund fällt und scharenweise bildhübsche Mädchen warten.Doch auch wenn die Legende von Hanuman erzählt, er könne mit einem Sprung ganze Ozeane überqueren, aus der Ödnis des Lagers scheint es kein Entkommen zu geben. Ständig abgebrannt und auf der Suche nach dem nächsten »business«, um an ein wenig Geld zu kommen, lassen sich die beiden mit dem diabolischen Potapow und seinem Lakai Duratschkow ein - und das kann böse enden ...
Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension
Rezensent Ulrich M. Schmid muss leider gestehen, dass er nicht besonders zufrieden mit Andrei Iwanows neuem Roman "Hanumans Reise nach Lolland" ist. Dabei hatte sich der Kritiker auf den ersten Seiten dieses Schelmenromans über den multikulturellen Asyltourismus in Dänemark bestens amüsiert. Zunehmend beginnen Schmid aber Iwanows Helden, der Russe Jewgeni und der Inder Hanuman, die sich mit geschmuggelten Zigaretten, Marihuana und Speed über Wasser halten, die dänischen Asylbehörden mit dramatischen Geschichten versorgen und bei viel Sex und Alkohol von einem Leben auf der Ostseeinsel Lolland träumen, zu ermüden. Nach der Lektüre muss der Kritiker enttäuscht feststellen, dass der in der russischen Minderheit in Estland aufgewachsene Autor seine ziemlich sinnfreie Geschichte in allzu viel "Klamauk und pubertärem Humor" erschöpft.
© Perlentaucher Medien GmbH
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