Irgendetwas scheint mit ihrem Mitschüler Jarrod nicht zu stimmen. Kate hat dafür ein sicheres Gespür, denn sie selbst besitzt magische Fähigkeiten. Schließlich entdeckt sie, dass ein verhängnisvoller Fluch auf Jarrods Familie lastet. Durch eine Reise in die Vergangenheit gelingt es den beiden, die Wurzeln des Bannes aufzuspüren. Nun gilt es, einen dramatischen Kampf auf Leben und Tod zu gewinnen...
Marianne Curleys Fantasy-Roman "Im Kreis des Feuers"
Fantasy-Literatur lebt vom Kampf. Auf du und du mit bösen Magiern, Hexen und ähnlich veranlagten Wesen zeigen die Helden moralische Größe als mentale Kompetenz: guter Mensch, guter Zauber. Harry Potter heißt der aktuelle Glücksritter dieser lukrativen Gefechte. In seinem Kielwasser treibt nun "Im Kreis des Feuers" auf den deutschen Markt und flaggt Potterismen.
Das geht so: Das australische Mädchen Kate hat "die Gabe", eine Disposition zum transmentalen Penetrieren fremder Hirne - etwas Telekinese inklusive. Wie ihre Schwestern von der literarischen College-Front ist Kate Outsider am Ort und in der Schule. Dort erscheint der Jarrod, ist linkisch und hat auch "die Gabe". Ist er sauer, blasen Stürme oder bebt die Erde. Jarrod ist verflucht, ahnt Kate und beginnt eine gründliche éducation magique. "Ihre Hand berührt meinen Bauch, genau über meinem Nabel", erzählt Jarrod. "Es erfordert meine ganze Konzentration, genau das zu tun, worum sie mich bittet. Ihre Hand, ihre unheimliche, klanglose Stimme und ihre glasigen Augen haben einen seltsamen Effekt auf mich. Allmählich habe ich den Dreh raus, tief aus dem Bauch heraus zu atmen."
Wo die Zauberei eine Chiffre verklemmter Sexualität ist, führen die rites de passage nicht über die Autorücksitze der normalen Jugendliteratur, sondern durch antike Gemäuer - down under ein echtes Problem. Ein Ortswechsel muß her. Also reist man magisch ins englische Mittelalter und trifft den krähenumschwirrten Bösen. Der trägt urbanes Schwarz und fängt das Mädchen. Der Junge rettet sie mit Schwert und Zauber: Guter verletzt, Böser tot, Fluch weg. Später ist man wieder in Australien und, natürlich, ein Paar.
Das ist echter Trash. Aber selbst ironiebegabte Kinder wie unsere elfjährige Testleserin verzweifeln am Ernst dieser hölzernen Karikatur des Bildungsromans. Aus den kühlen Gründen new-age-kontaminierter Laienpsychologie wabert trüber Psychokitsch. "Es fehlt ihm ernsthaft an Selbstvertrauen. Ich frag' mich, warum? Was kann sein Selbstvertrauen derart zerstört haben? Vor allem angesichts dieser Kraft, die er in sich trägt?" Dazu paßt der Schwulst im Zwischenmenschlichen. Die Zauberreise der beiden liest sich wie eine Courths-Mahlersche Deflorationsphantasie: "Das Pochen in meinem Kopf nimmt so zu, daß ich das Gefühl habe, mein Verstand explodiert gleich. Ich lehne mich an Jarrods Brust, sein zitternder Kopf nähert sich mir. Dann spüre ich ein Ziehen, zuerst noch sanft, als ob mein Körper flüssig wird und ich nach oben in eine wirbelnde Regenbogenwelt gesaugt werde. Das Tempo beschleunigt sich und mit ihm die Farben um uns herum. Sie werden grell, blenden fast mit ihrer Strahlkraft." Derangiert erwacht Kate nach dem doppeldeutigen Erlebnis in der anderen Wirklichkeit: "Ich liege auf dem Rücken, mein Rock ist bis zu den Hüften hochgerutscht, kleine Steine pieksen mir in den Rücken."
Wir leisten Abbitte bei der tapferen Testleserin und fragen uns, wie einer unserer Lieblingsverlage dazu kommt, seine begehrte junge Leserschaft mit dem einzigen Leser zu verwechseln, den dieses Buch verdient: dem Psychoanalytiker.
HANS-JOACHIM NEUBAUER
Marianne Curley: "Im Kreis des Feuers". Aus dem Englischen von Johanna Walser. Carl Hanser Verlag, München, 2001. 364 Seiten, geb., 29,80 Mark. Ab 12 J.
Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Endlich mal Bücher über das Mittelalter, die nicht nur die gängigen Klischees bedienen, bemerkt Heike Byn dankbar bei der Besprechung von diesen zwei Jugendromanen.
1.) Rainer Gussek: "Der Fluch des Barden"
Dieses Buch begeistert die Rezensentin, die bereits die Krimi-Hörspiele des Autors schätzen gelernt hat und von denen das erste jetzt als Buch vorliegt. Sie lobt den Kinder-Krimi als "kurzweilig, spannend und witzig" und findet es deshalb auch nicht weiter schlimm, dass er auch einige "Ungereimtheiten" enthält. Besonders preist sie aber den Autor dafür, dass er durch seine Geschichte den jungen Lesern den mittelalterlichen Alltag näher bringt und zusätzlich mit einen Stadtplan, "detailgetreue Illustrationen und einem Glossar" mit schwieriger Begriffen und historischen Personen interessantes Wissen vermittelt.
2.) Marianne Curley: "Im Kreis des Feuers"
Auch von diesem Buch, dass zunächst im heutigen Australien spielt und dann von einer Zeitreise ins Mittelalter berichtet, ist die Rezensentin sehr angetan. Besonders, dass die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählt wird, findet sie gelungen, denn das gibt ihr ihrer Ansicht nach "mehr Profil" und erleichtert die Identifikation der Leser. Was sie allerdings mitunter "nervt", ist die Akribie, mit der die Autorin jeden Gesichtsausdruck ihrer Protagonisten "psychologisch" deutet.
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1.) Rainer Gussek: "Der Fluch des Barden"
Dieses Buch begeistert die Rezensentin, die bereits die Krimi-Hörspiele des Autors schätzen gelernt hat und von denen das erste jetzt als Buch vorliegt. Sie lobt den Kinder-Krimi als "kurzweilig, spannend und witzig" und findet es deshalb auch nicht weiter schlimm, dass er auch einige "Ungereimtheiten" enthält. Besonders preist sie aber den Autor dafür, dass er durch seine Geschichte den jungen Lesern den mittelalterlichen Alltag näher bringt und zusätzlich mit einen Stadtplan, "detailgetreue Illustrationen und einem Glossar" mit schwieriger Begriffen und historischen Personen interessantes Wissen vermittelt.
2.) Marianne Curley: "Im Kreis des Feuers"
Auch von diesem Buch, dass zunächst im heutigen Australien spielt und dann von einer Zeitreise ins Mittelalter berichtet, ist die Rezensentin sehr angetan. Besonders, dass die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählt wird, findet sie gelungen, denn das gibt ihr ihrer Ansicht nach "mehr Profil" und erleichtert die Identifikation der Leser. Was sie allerdings mitunter "nervt", ist die Akribie, mit der die Autorin jeden Gesichtsausdruck ihrer Protagonisten "psychologisch" deutet.
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"... ein Gebräu aus Abenteuer, Liebe und Zauberei, das höchst wirkungsvoll ist." Monika Klutzny, Die Welt, 10.2.2001