Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension
Hochinteressant findet Barbara Stollberg-Rilinger das Thema von Axel Gotthards Buch zur Raumwahrnehmung des vormodernen Menschen, aber insgesamt ist sie damit dennoch nicht recht glücklich. Der Autor, Historiker der Frühen Neuzeit, zeigt vornehmlich an Reisebeschreibungen, dass der Raum hauptsächlich aus der Perspektive des Wanderers wahrgenommen wurde, der eher noch als politische oder konfessionelle Unterschiede verschiedener Gegenden Ortschaften und ihre Entfernungen voneinander registrierte, so die Rezensentin. In seinem essayistischen Streifzug spreche Gotthard viele interessante Punkte an, wie zum Beispiel das Heimatgefühl, das nicht an Herrschaftsgebiete, sondern an vertraute Landstriche gebunden war oder die unterschiedlichen Kriterien, was als "teutsch" empfunden wurde, meint Stollberg-Rilinger. Aber sie bedauert, dass der Autor diesen Fragen nicht systematisch auf den Grund zu gehen versucht und stattdessen mal im Plauderton, mal etwas lehrerhaft seine Lektürefunde zum Besten gibt. Und so wirkt das Buch auf sie so ein bisschen wie das Ergebnis einer Suchmaschinen-Recherche und die Beobachtung, dass ungefähr ein Viertel des Buches durch Anmerkungen eingenommen wird, facht ihre Leselust auch nicht gerade an.
© Perlentaucher Medien GmbH
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