Produktdetails
- Detskaja biblioteka
- Verlag: Eksmo
- Artikelnr. des Verlages: 0474
- Seitenzahl: 430
- Altersempfehlung: von 8 bis 10 Jahren
- Russisch
- Abmessung: 210mm
- Gewicht: 364g
- ISBN-13: 9785699007479
- ISBN-10: 5699007474
- Artikelnr.: 12613351
- Herstellerkennzeichnung Die Herstellerinformationen sind derzeit nicht verfügbar.
Mit der Strahlkraft Walter Triers: "Der 35. Mai" als Comic
Nach ihrem Erfolg mit "Emil und die Detektive" von 1928 suchten Erich Kästner und der Zeichner Walter Trier schnellstens einen neuen Stoff. Drei Jahre später brachten sie gleich zwei Bücher heraus: "Pünktchen und Anton" und "Der 35. Mai". Letzterer war die Antithese zum "Emil": weg aus der Großstadt, hinein in eine Phantasiewelt. Alles war leicht erzählt (und leichthändig bebildert); selbst die Anspielungen auf die wirtschaftliche Lage des Jahres 1931 kamen als witzige Aperçus daher. Wie aber geht man heute mit diesem versponnensten Werk des Duos um? Natürlich ist es immer noch erhältlich, obwohl 1968 alle Trierschen Bilder bis auf die Umschlagzeichnung gegen Illustrationen von Horst Lemke ausgetauscht wurden. Mittlerweile aber ist es sicher das am wenigsten gelesene. Deshalb ist es konsequent, daß sich Isabel Kreitz gerade dieses Buch für eine Comic-Adaption ausgesucht hat. Sie bedinet sich nicht zum ersten Mal einer literarischen Vorlage. Ihr Comic zu Uwe Timms "Die Erfindung der Currywurst" ist zu Recht hoch gelobt worden. Und seit Jahren bemüht sie sich vergeblich um die Genehmigung, die "Buddenbrooks" als Comic zeichnen zu dürfen.
Bei Kästners "35. Mai" hat sie es leichter. Dieser Text ist immer schon als illustrierter gedacht gewesen, und es gibt hier auch kein Lizenzproblem. Zudem ist Isabel Kreitz eine Bewunderin Triers, weshalb sie sämtliche Originalillustrationen zitiert, manches Arrangement auch bis in die Perspektive hinein übernimmt. So sind auch ihr Apotheker Herrn Ringelhut und dessen Neffe Konrad, die sich am 35. Mai auf die Reise in die Südsee machen, ganz von Trier und nicht von Lemke inspiriert. Selbst die Farben wurden nach Fertigstellung der Pastellkolorierung so nachbearbeitet, daß sie die triersche Strahlkraft erreichen, die man von seinen Titelbildern kennt - die Zeichnungen im Text des "35. Mai" waren alle in Schwarzweiß gehalten.
Warum dann aber nicht gleich das Original mit Trier lesen? Weil der Comic durchaus eigenständige Lösungen zu bieten hat. Wie behutsam Isabel Kreitz die Vorlage modernisiert, dafür nur ein Beispiel: "Er trug eine Badehose", heißt es bei Kästner über Seidelbast, den Präsidenten des Schlaraffenlandes, "die anderen Kleidungsstücke waren ihm auf die Haut gemalt." Diesen textilen Rest an Dezenz hat Frau Kreitz als unzeitgemäß abgetan, die Badehose von Seidelbast entfällt auf ihren Bildern und auch im Text - ohne daß man sich wundern würde und ohne jeden Anflug von Obszönität. Solche Entscheidungen greifen in den Originaltext ein. Aber das tut jede Adaption, sei es als Film, Oper oder eben Comic. Isabel Kreitz ist graphisch so nahe an der Vorlage geblieben, wie man es nur kann, und erzählerisch tun ihre moderaten Eingriffe nicht weh. Nur daß sie offenbar nicht erkannt hat, daß die Geschichte ihren Ausgang in Dresden nimmt, könnte man ihr vorwerfen. Sonst nichts.
ANDREAS PLATTHAUS.
Erich Kästner: "Der 35. Mai". Als Comic gezeichnet von Isabel Kreitz. Cecilie Dressler Verlag, Hamburg 2006. 100 S., Abb., geb., 16,90 [Euro]. Ab 8 J.
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