In der deutschen und der europäischen Literatur, und zwar derjenigen, die den Namen „Dichtung“ verdient – was keineswegs bei jedem Bestseller der Fall ist –, fällt auf, wie sich Autoren und Autorinnen immer wieder der Darstellung dessen gewidmet haben, was unvergängliche Frauengestalten genannt werden kann. Es sind dies Mädchen und Frauen, jüngere und auch ältere, die der dichterischen Phantasie ebenso wie der Erfahrung der Wirklichkeit ihrer Schöpfer entsprungen sind und die manchmal ihrer äußeren, in jedem Fall aber ihrer inneren Gestalt nach etwas darstellen, das sich dem Leser und der Leserin auf immer einprägt. Was das ist, läßt sich kaum objektiv in Worte fassen. Aber es ist vorhanden, und es läßt den Leser nicht mehr los. Es ist ein Phänomen, das jenseits all dessen liegt, was heute das „einzig richtige Rollenverständnis“ der Frau genannt wird – und es doch zugleich auch umfaßt. Etwas Emanzipierteres als Fontanes Mathilde Möhring läßt sich kaum denken. Sie nennt das nur nicht so, weil sie noch nichts vom Zeitgeist wußte – den „Faust“ schon ironisierte. Den hat sie nicht gelesen; statt dessen lenkt sie ihren Mann, und zwar ebenso unmerklich wie unnachgiebig und wirksam.
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