Gefangen im Netzwerk des Bösen - Botschaft zum Hin- statt Wegschauen
Cover:
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Die Person auf dem Cover, nur als Schatten erkennbar, will offenkundig raus, wird aber durch eine Wand, die für den Betrachter transparent ist, aufgehalten. Man ahnt hier schon, dass diese
Person unfreiwillig gefangen wurde und es passt auch zu der beklemmenden Stimmung, die in der…mehrGefangen im Netzwerk des Bösen - Botschaft zum Hin- statt Wegschauen
Cover:
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Die Person auf dem Cover, nur als Schatten erkennbar, will offenkundig raus, wird aber durch eine Wand, die für den Betrachter transparent ist, aufgehalten. Man ahnt hier schon, dass diese Person unfreiwillig gefangen wurde und es passt auch zu der beklemmenden Stimmung, die in der Geschichte entsteht.
Mein Eindruck
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Das Buch geht unter die Haut, schockiert und lässt einen mit Grauen zurück. Die Misshandlungen Kobys werden sehr eindrücklich geschildert, als stünde man selbst daneben. Die Schilderungen gehen einem an die Nieren, man fragt sich immer wieder, was denn jetzt noch passieren könnte und dann folgt noch Schlimmeres.
Furchtbar ist, dass es viele Mittäter gibt, viele schauen einfach weg, aus Angst, Bequemlichkeit oder weil sie selber einen Nutzen draus ziehen wollen oder nicht wollen, dass ihr guter Ruf (oder der Ihrer
Anstalt) beschädigt werden. Erschüttert hat mich leider auch, dass viele Eltern von dem allgemein vorherrschenden Missbrauch nichts bemerkt haben (wollen). Und dass das Rechtssystem in vielen Fällen leider eher auf der Täter- als auf der Opferseite steht, hat mich sprachlos zurückgelassen.
Der Titel passt sehr gut zum Inhalt, Koby befindet sich wirklich in einem Netzwerk des Bösen. Nachdem er das Internat hinter sich gebracht hat, widerfahren ihm in seiner Ausbildungsstätte sowie im
Sportverein ähnliche Schikanen und Misshandlungen. Er wird eingesperrt in Eiseskälte oder in einem Kofferraum mit Stromschlägen, wenn er zu weit an den Rand gerät. Auch hier will ihm keiner Glauben, jeder
vertraut den Betreuern, die alle miteinander verbandelt sind, keiner glaubt den Opfern (außer Koby sind es viele andere), keiner will etwas gehört oder gesehen haben. Und viele Opfer schweigen, weil sie das
Erlebte nicht noch mal durchmachen wollen durchs Erzählen, weil sie Angst vor den Tätern haben oder weil sie schlicht Angst haben, dass ihnen ohnehin keiner glauben wird.
Die Geschichte, die sich so (mit anderen Namen) tatsächlich ereignet hat, sollte jeder lesen. Sie ist aufrüttelnd, schockierend und zeigt, wohin wegschauen und nicht handeln führen kann. Es sollte an jeder
Schule diskutiert werden im Rahmen von Mobbing-Kampagnen.
Leider fehlt der Geschichte noch ein wenig der sprachliche Schliff. Manches wird zu oft wiederholt, hier hätte eine Wiedergabe der ohnehin schon schlimmen Taten gereicht. Manchmal hatte ich ein wenig den
Eindruck der "Bevormundung" des Lesers: Man wurde durch die indirekte Beurteilung der Autorin gleich in eine Gedankenschiene dirigiert, in die man vielleicht ohne diese explizite Lenkung auch alleine
gefunden hätte. Auch Grammatik und einige Satzbauten sind leider falsch, wobei das Lektorat hier noch mal gründlich nacharbeiten sollte. Einige Mitleser dieses Buches haben bemängelt, es sei nicht in der
Ich-Perspektive geschrieben worden und man hätte zu Koby dadurch zu viel Distanz. Diese Meinung teile ich nicht. Durch die Gräueltaten fühlt man auch so schon genug mit. Einzig fehlt es manchmal an
erklärenden Stellen, die nachvollziehen lassen, warum Koby so handelt. Auch ein Epilog/Ausblick über Koby am Ende wäre nicht schlecht gewesen oder ein Hinweis, in welchem Land das ganze stattfindet. Dafür,
dass es sich um eine wahre Geschichte handelt, hätte ich mir noch mehr Erläuterungen an manchen Stellen gewünscht, die Kobys Inneres und wie sein Alltag jetzt aussieht, besser nachvollziebar machen. Auch hätte ich thematische Überschriften mit entsprechenden Kapiteleinteilungen gut gefunden, das hätte dem ganzen einfach noch mehr Struktur gegeben.
Fazit:
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Inhaltlich sehr empfehlenswert, sprachlich und aufbautechnisch könnte noch einiges verbessert werden.