Marktplatzangebote
Ein Angebot für € 45,00 €
  • Gebundenes Buch

Showcasing Fairey's entire body of work, from his early OBEY Giant campaign to his prodigious print output, increasingly ambitious large scale street work and beyond, this massive retrospective covers 20 colourful years. Fairey helped catalyse a movement from his unique vantage at the intersection of art, popular culture and Design and this tome documents it all. Through the lens of esteemed writers and critics such as Carlo McCormick, Steven Heller, Henry Rollins, Rob Walker, Roger Gastman and more, readers can learn about Shepard Fairey and his groundbreaking work.

Produktbeschreibung
Showcasing Fairey's entire body of work, from his early OBEY Giant campaign to his prodigious print output, increasingly ambitious large scale street work and beyond, this massive retrospective covers 20 colourful years. Fairey helped catalyse a movement from his unique vantage at the intersection of art, popular culture and Design and this tome documents it all. Through the lens of esteemed writers and critics such as Carlo McCormick, Steven Heller, Henry Rollins, Rob Walker, Roger Gastman and more, readers can learn about Shepard Fairey and his groundbreaking work.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 12.03.2009

Propaganda ohne Auftrag

Berühmt wurde der amerikanische Künstler Shepard Fairey mit einem Porträt von Barack Obama. Ein Buch über ihn zeigt: Das ist längst nicht alles.

Von Julia Voss

Nein, werden Sie vielleicht einwenden, das ist aber nun wirklich nicht neu: Künstler, die im öffentlichen Raum Bilder, Sprüche oder Poster an die Wand sprühen, zeichnen, kleben oder malen, Künstler, die Aufkleber entworfen haben, Stempel oder Logos, die kennen wir doch längst. Der Amerikaner Keith Haring wurde bereits Ende der siebziger Jahre mit seinen Kreidezeichnungen in der New Yorker U-Bahn berühmt; in den Achtzigern beschriftete der großartige Jean-Michel Basquiat zusammen mit einem Freund unter dem Pseudonym SAMO© Manhattan mit Graffiti-Sprüchen. Und zuletzt erfreute ein unter dem Namen Banksy bekannt gewordener englische Künstler ein weltweites Publikum, mit Schablonengraffitis in Städten oder auch Aktionen, wie über Nacht ins Gehege der Pinguine im Londoner Zoo einzusteigen und in riesigen Buchstaben die Botschaft "We're Bored of Fish" zu hinterlassen.

Das gab es alles schon. Richtig. Und trotzdem hat Shepard Fairey einen Künstlertypus erfunden, der noch nicht zum Repertoire der Kunstgeschichte gehört. Während sich Generationen von Künstlern immer noch ironisch, kritisch oder grüblerisch - oder auch ganz ungewollt ulkig und bierernst wie Markus Lüpertz - am alten Geniekult abarbeiteten, fuhr der 1970 in Charleston, South Carolina, geborene Shepard Fairey Skateboard, besuchte später eine Kunstschule und schrieb sich schließlich für ein Studium an der renommierten Rhode Island School of Design an der amerikanischen Ostküste ein. Während seines Studiums, er war gerade neunzehn Jahre alt geworden, entwarf er seinen ersten Aufkleber, eine Art Trockenübung für das, was danach kommen sollte: Das Pionierprodukt zeigte das Gesicht von "Andre the Giant", einem französischen Wrestler und Schauspieler, der an einer Wachstumsstörung litt und seinen Spitznamen wegen seiner Körpergröße von zweihundertdreizehn Zentimetern erhielt. Im Grunde ist das aber nebensächlich: Denn in diesem Fall, so muss man rückblickend sagen, ging es noch gar nicht um die Person, sondern um ein Prinzip. "Es fing als Witz an", schreibt Fairey in einer autobiographischen Passage seines bei Gingko Press erschienenen Buchs, "aber dann wurde ich wie besessen."

Fairey begann damit, den Sticker zuerst in Providence, wo er studierte, an Hauswände, Mauern, Telefonzellen oder Briefkästen zu kleben. Das war im Sommer 1989. Im Herbst erschien in einer Lokalzeitung eine Anzeige, in der eine Belohnung ausgesetzt wurde für den, der Hinweise über Herkunft und Bedeutung von "Andre the Giant" geben könne. Vom eigenen Erfolg überrascht, weitete Fairey sein Gebiet aus. Er verbrachte seine Freizeit jetzt an Kopiergeräten, in Schreibwarenläden und bei Bürobedarfsgroßhändlern. Er experimentierte mit Papier, Kleber, Folie und Farben. Er nahm den Zug ins nahegelegene Boston und New York und wiederholte, was er in Providence getan hatte: kleben, kleben, kleben. "Andre the Giant" war in die Großstadt eingezogen.

Um zu verstehen, was Shepard Fairey aber schließlich aus der Armada von sogenannten Street-Art-Künstlern heraushob, sollten Sie einen Blick auf das Bild unten rechts werfen. Der Porträtierte ist sofort zu erkennen: George W. Bush, von 2001 bis 2009 Präsident der Vereinigten Staaten. Auf dem Plakat aus dem Jahr 2004 hat ihm Fairey ein Vampirgebiss in den Mund geschoben, die Pupillen zu Schlitzen langgezogen und einen Blutstropfen in den Mundwinkel gesetzt. Die Bildsprache versteht jeder sofort. Bush trägt die Fratze des Bösen, "One Hell of a Leader" steht darunter. Der Teufel trägt Schlips und Anzug. Es war das Jahr, in dem John Kerry für die Demokraten in den Präsidentenwahlen antrat und George W. Bush unterlag. "Ich war nicht allzu sehr beeindruckt von Kerry", schreibt Fairey, "aber ich startete eine ziemlich aggressive Kampagne gegen Bush."

Und eben das ist der Unterschied. Es gibt PR-Büros, die von Parteien im Wahlkampf engagiert werden. Es gibt Menschen mit festen Ansichten, die selber in die Politik gehen. Es gibt Künstler - und das mindestens seit Henri de Toulouse-Lautrec -, die Plakate entwerfen. Es gibt Künstler, die Propaganda im Auftrag eines Systems betreiben, zum Beispiel Diego Rivera für die Revolution in Mexiko oder Alexander Rodtschenko für Stalin. Und es gibt Künstler, die ihre persönlichen Zeichen im Stadtraum hinterlassen haben, darunter Haring, Basquiat oder Banksy. Aber was es bisher noch nicht gab, ist diese Form der Ein-Mann-Kampagne. Jemand, der ohne Geld oder eine Weisung zu erhalten, plötzlich Wahlkampf für oder gegen Kandidaten macht. Einen Künstler, der seine Zeit, seine Ressourcen, seine Kreativität in das Projekt steckt, im öffentlichen Stadtraum für oder gegen Präsidentschaftskandidaten Partei zu ergreifen. Ein Propagandist ohne Auftrag.

"Na, komm schon", neckte ihn der amerikanische Komiker Stephen Colbert, als Fairey in dessen Talkshow auftrat, "damit lässt sich doch Geld verdienen, Mann!""Ich profitiere ja davon", gab Fairey zufrieden zurück, "nämlich indem Barack Obama in wenigen Tagen Präsident wird."

Und das ist sicherlich nicht einmal übertrieben. Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht das Plakat für Barack Obama kennt. Angefangen hatte Fairey bereits, als Obama noch nicht einmal als Präsidentschaftskandidat nominiert war. Er schenkte dem Politiker eine selbstgemachte Kampagne mit einem Bildentwurf, der einfacher nicht sein könnte: Fairey nahm die Farben Amerikas, Rot, Blau und Weiß; er reduzierte Obamas Gesicht auf wenige Kontraste, ähnlich wie man es vom Bild Che Guevaras kennt; er nutzte als Vorlage eine Fotografie, die das Gesicht des Politikers von unten her aufgenommen zeigte, eine Perspektive, mit der auch John F. Kennedy in seiner Präsidentschaftskampagne geworben hatte. Das Produkt war eine Mischung aus Agitprop-Kunst und Pop-Art, es schlug ein wie eine Bombe. Ende Januar 2008 beauftragte ihn das Wahlkampfteam von Barack Obama offiziell, ein Plakat für die Kampagne zu entwerfen. Es stieg zur Ikone auf.

Natürlich verdient Fairey auch Geld. "Number One" heißt die Werbeagentur, die ihren Sitz in Los Angeles hat, wo er mit seiner Familie lebt. Vergleichen lässt sich Fairey vielleicht noch am ehesten mit Andy Warhol: dem Künstler nämlich, dem es noch einmal gelang, alle Bildmedien zurückzuerobern. Mit seiner Ausnahme war die Kunstgeschichte zu einer Verlustgeschichte geworden. Angefangen hatte sie damit, dass es die Maler waren, die die beeindruckendsten, größten, wichtigsten und wirkmächtigsten Bilder ihrer Zeit schufen. Dieses Monopol musste die Malerei mehr und mehr an andere abtreten, schon im neunzehnten Jahrhundert an die Reproduktionsmedien mit ihren Millionenauflagen, später an Fotografie und Film. Aus Malern waren im zwanzigsten Jahrhundert Leute geworden, die Bilder für Museen produzierten. Andy Warhol verstand es, Bilder in die Welt zu setzen, die wie die gefräßigen Nilbarsche im Victoriasee alle anderen Arten dominierten. Kaum jemand kennt noch die Namen der Fotografen, deren Vorlagen Warhol für seine "Marylins" oder "Jackies" benutzte.

In Faireys Fall sorgen die Fotografen gerade dafür, dass ihre Namen nicht vergessen werden: Die amerikanische Agentur Associated Press hat ihn wegen des Verstoßes gegen das Urheberrecht verklagt. Das Foto, das als Vorlage für das "Hope"-Plakat von Barack Obama diente, wurde von Manny Garcia vor drei Jahren in Washington geschossen. Zur Ikone machte es Fairey.

"Obey". Supply & Demand. The Art of Shepard Fairey. 20th Anniversary Edition. English. Mit Beiträgen von Shepard Fairey, Roger Gastman, Steven Heller, Carlo McCormick, Henry Rollins, Jeff Beer, Helen Stickler, Kevin Taylor, Rob Walker. Gingko Press, Berkeley/CA 2009. 446 S., 780 Farb-Abb., geb., 59,95 $.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr