Erster Eindruck:
Nachdem ich das Debüt der Autorin "Kanak Kids" gelesen und absolut geliebt hatte, stand für mich seit Ankündigung eines weiteren Buches fest, dass ich auch dieses lesen muss, sobald es erscheint. "People Pleaser", quasi der modernere Begriff für Menschen mit Helfersyndrom, ist
ein so aktuelles und wichtiges Thema, das die Autorin in diesem Jugendbuchroman mit so viel Humor,…mehrErster Eindruck:
Nachdem ich das Debüt der Autorin "Kanak Kids" gelesen und absolut geliebt hatte, stand für mich seit Ankündigung eines weiteren Buches fest, dass ich auch dieses lesen muss, sobald es erscheint. "People Pleaser", quasi der modernere Begriff für Menschen mit Helfersyndrom, ist ein so aktuelles und wichtiges Thema, das die Autorin in diesem Jugendbuchroman mit so viel Humor, Gefühl, Schlagfertigkeit und Witz verarbeitet, dass ich bereits hier mit meiner Meinung zum Buch spoilern muss: Ich hab es geliebt! Wieso? - Nun, lest selbst ...
Schreibstil:
Anna Dimitrova hat bereits in ihrem Debüt bewiesen, dass sie schreiben kann, was nicht zuletzt auch ihrem beruflichen Hintergrund als Drehbuchautorin geschuldet ist. Aber die Tatsache, dass People Pleaser noch einmal eine ordentliche Schippe drauflegt, zeigt, wie wichtig die Stimme dieser Autorin in der immer leiser werdenen, deutschsprachigen Jugendbuchwelt ist. So schafft die Autorin es einerseits auch in diesem Roman wieder gekonnt und nicht gewollt, Themen wie Ausgrenzung, Rassismus, Migration und Integration anzusprechen, legt den Fokus aber auf die Hauptfigur Nina und ihre Clique, denen Nina unentwegt helfen will, damit es ihnen gut geht. Anna Dimitrova haucht ihren Figuren dabei nicht nur Leben ein, sondern lässt sie derart authentisch und real wirken, dass man sich ihnen gar nicht näher fühlen könnte. Die Dialoge der Figuren sind witzig, unterhaltsam, einfach immer genau auf den Punkt. Man merkt deutlich, dass die Autorin den Figuren ihr Herz geschenkt hat, jede für sich genommen so detailliert und tiefgründig gestaltet hat, dass man sich in ihren einfach wiederfinden muss. Oftmals vermisste ich diese Verbundenheit mit den Figuren, doch der Umstand, dass auch People Pleaser wieder in einer deutschen Stadt spielt, trägt dazu bei, dass man als Lesender eine unglaublich angenehme Nähe zur Handlung aufbaut, die mir sehr gefallen hat.
Handlung:
Inhaltlich begleiten wir die hilfsbereite, ruhigere Nina, die mit ihrem jüngeren Bruder und ihren Eltern in München zusammenlebt. Ihre Mutter ist ein regelrechter Workaholic, immer zur Stelle mit neuen To-Dos für Nina, die diese mit einer akribischen Verlässlichkeit immer zur Zufriedenheit aller erledigt. Dieses Schema zieht sich auch in ihrem Freundeskreis durch. Jemand brauch noch Hausaufgaben? Nina erledigt das. Es fehlt etwas aus dem Supermarkt? Kein Problem, Nina ist stets da, um alles zu besorgen. Doch als Nina sich für ihre beste Freundin Teo sogar bei einer Therapeutin anmeldet geraten die Dinge eeetwas außer Kontrolle. Denn statt dort über ihre eigenen Probleme zu sprechen, tut sie so als wäre Teos Leben ihr eigenes, um mit den Ratschlägen der Therapeutin ihrer Freundin zu helfen. Blöd nur, dass Teo das so gar nicht cool findet. Als dann, zu allem Überfluss, ein neuer Schüler in ihre Stufe kommt, auf den die rebellische Teo direkt ein Auge wirft, will Nina ihre Freundin um jeden Preis vor dem prolligen Badboy schützen und beschließt diesen zu einem Goodboy zu therapieren, damit er gut genug für Teo ist. Und das geht gehörig nach hinten los ...
Fazit:
Ich hab dieses Buch von der ersten Seite an geliebt und kann es uneingeschränkt mit bestem Gewissen jedem Fan von gefühlvollen, witzigen, tiefgründigen und realistischen Jugendbüchern empfehlen. Großer Pluspunkt ist es, dass hier eine deutsprachige Autorin in einem deutschen Setting aktuelle Themen, Probleme und Phänomene aufgreift, die absolut aktuell und wichtig sind. Selbstliebe und Akzeptanz werden hier genauso beschrieben wie die Wichtigkeit sich in den richtigen Lebenslagen Hilfe zu holen und sich hierfür auf gar keinen Fall zu schämen. Ich mochte sehr wie die Autorin mit Klischees spielt, wie sie den Lesenden an vielen Stellen überrascht und wie sie mal mehr mal weniger auffällig bestimmte Botschaften in dieser Geschichte transportiert. Man merkt, dass die Autorin gewachsen ist und ich freue mich schon sehr, ihr weiter dabei zuschauen zu können ,wie sie sich weiterentwickelt und uns hoffentlich noch viele weitere, großartige und berührende Geschichten schenken wird.