Ich muss das Werk sowohl für die Themenauswahl als auch für die tolle Ausführung loben. Die Themen sind nicht nur hochaktuell: Ukraine, Krim, Rolle der USA bei den Kernfragen der Weltpolitik zu Anfang von Putins Regierungszeit und heute, Kampf gegen Terrorismus, Beresowski und andere Oligarchen,
Blitzkrieg in Georgien 2008, Sotchi 2014, etc. Die besprochenen Punkte liefern den Lesern die…mehrIch muss das Werk sowohl für die Themenauswahl als auch für die tolle Ausführung loben. Die Themen sind nicht nur hochaktuell: Ukraine, Krim, Rolle der USA bei den Kernfragen der Weltpolitik zu Anfang von Putins Regierungszeit und heute, Kampf gegen Terrorismus, Beresowski und andere Oligarchen, Blitzkrieg in Georgien 2008, Sotchi 2014, etc. Die besprochenen Punkte liefern den Lesern die Einsichten, sowie eine plausible Erklärung der gegenwärtigen politischen Lage. Dabei werden die Interessen der jeweiligen Seite klar genannt und begründet.
Die Ausführung lässt keine Wünsche offen: Eine klare, aussagekräftige Sprache in Kombination mit der sachlichen wie entspannten Haltung zur Person und Machtmenschen Putin sorgen nicht nur für die hohe Glaubwürdigkeit, sondern bereitet ein Lesegenuss, der seinesgleichen sucht. Das Buch liest sich sehr angenehm und leicht.
Es ist ein hochspannendes Material, den H. Seipel seinen Lesern liefert. Definitiv KEIN 08/15 Zeitungswissen. Zum ersten Mal las ich von der Rolle von Fr. Merkel als Mittelerin im ukrainischen Konflikt 2014, die nun gar nicht so positiv ausfällt, wie man es sonst aus den Öffentlich-rechtlichen und den Tageszeitungen entnimmt.
Die komplexesten Dinge sind gut verständlich und anschaulich geklärt. Die Ursache-Wirkung Verhältnisse, wie die Zusammenhänge perfekt formuliert auf den Punkt gebracht, unabhängig davon, welches Thema gerade besprochen wird, ob es um die Rolle der Medien und der dt. Journalisten geht oder um die schwierigen Fragen der Beziehung Russlands zur EU oder USA. Als Beispiel des soliden, hochprofessionellen und hochqualitativen Journalismus kann man guten Gewissens dieses Werk nennen.
Zwei kleine Kostproben: „Die beiderseitige Abneigung ist über die Jahre gewachsen. Die Pose der moralischen Überlegenheit, die der US-Präsident in öffentlichen Auftritten zum Thema Russland an den Tag legt, nervt Putin. Wie zuletzt jene Attacke, als Obama Russland als Regionalmacht und den russischen Präsidenten als unkonzentrierten Schuljungen in der letzten Schulbank verspottete. Wladimir Putin hat sich bislang mit persönlichen Angriffen zurückgehalten. Er attackiert dafür regelmäßig den alleinigen Großmachtanspruch der USA.“ S. 27. Oder das hier: „Unsere journalistischen Beziehungen zum neuen Russland sind ein emotionaler Cocktail aus Sympathie und eigener Größenvorstellung. Bereits nach dem Kollaps der Sowjetunion produzierten deutsche Journalisten im neuen Wir-Gefühl Tausende von Artikeln mit gutgemeinten Ratschlägen und strengen Warnungen vor Irrwegen. Wir haben nie damit aufgehört, Kopfnoten für korrektes Verhalten zu verteilen, und glauben stets genau zu wissen, wie der „failed state“ Russland auf dem Weg in den Westen weiter vorankommen könnte. Die russische Politik zeigt sich für das Engagement deutscher Reformpädagogik allerdings nur bedingt empfänglich. Auf die Richtung der Marschroute war keineswegs abgesprochen. Und so endetet die Beziehung bald dort, wo unerwiderte Leidenschaft in der Regel immer endet: im gegenseitigen Frust.“ S. 18.
Auch Waldimir Putin als Mensch kommt deutlich rüber. Schön fand ich die Geschichte der heiligen Elisabeth, zu Lebzeiten Alexandra Luise Alice von Hessen-Darmstadt, die er in der ihr gewidmeten Privatkapelle erzählt. So sieht man Herrn Putin kaum heute in Medien. Somit wird es klar, dass die Person Putin, seine Rolle in der Politik und die Sachverhalte, die mit seiner Tätigkeit einhergehen, vielmehr mit der Art der Darstellung, dem Bild, das ihm die Medien verpasst haben, zu tu hat und weniger mit dem, wie er ist, was er denkt und wie er seine Politik macht. Für mich sind es nun zwei verschiedene paar Schuhe.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und ich kann es wärmstens weiterempfehlen. Man muss sich dabei nicht brennend für Politik interessieren. Das habe ich auch nicht getan. Danach wird einem das Bild der heutigen politischen Situation klar, in der man steckt und wer welche Rolle dabei spielt oder zu spielen versucht.