Im ersten Teil des Werkes werden neun verschiedene Todesbilder beschrieben: Der Tod als Zerrissenheit des Körpers, als soziale Isolation, die Idee des Totengerichts, Leichnam, Mumie, Seele und Ahnengeist des Toten, der Tod als Trennung und Übergang, als Heimkehr und als Geheimnis kommen hier zur Sprache. Der zweite Teil behandelt eine Auswahl von Riten, in denen solche Todesbilder in sprachliche und rituelle Handlung umgesetzt werden. Dabei ergeben sich von den Totenbildern und -riten aus immer wieder Einblicke in den Gesamtzusammenhang und die Eigenart der altägyptischen Kultur.
"So erscheint uns Heutigen die ägyptische Totenreligion als das Unikum eines die gesamte Wirklichkeit bestimmenden, unendlich komplexen, differenzierten und in seinen extremen Formen geradezu abstrusen Phänomens. Dabei tritt hier nur auf eine freilich besonders elaborierte Weise in Erscheinung, was zu den typischen Formen des Totenglaubens gehört, und es ist eher unsere eigene Kultur, die mit ihrer A b -, wenn nicht Ausblendung jeglichen Totenkults und ihrer allgemeinen Ausgrenzung des Todes aus der Kultur eine Ausnahme darstellt. Daher kann uns die Begegnung gerade mit der ägyptischen Totenreligion vor Augen führen, was wir aus dem Blick verloren haben."(Aus dem Vorwort)
"So erscheint uns Heutigen die ägyptische Totenreligion als das Unikum eines die gesamte Wirklichkeit bestimmenden, unendlich komplexen, differenzierten und in seinen extremen Formen geradezu abstrusen Phänomens. Dabei tritt hier nur auf eine freilich besonders elaborierte Weise in Erscheinung, was zu den typischen Formen des Totenglaubens gehört, und es ist eher unsere eigene Kultur, die mit ihrer A b -, wenn nicht Ausblendung jeglichen Totenkults und ihrer allgemeinen Ausgrenzung des Todes aus der Kultur eine Ausnahme darstellt. Daher kann uns die Begegnung gerade mit der ägyptischen Totenreligion vor Augen führen, was wir aus dem Blick verloren haben."(Aus dem Vorwort)
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 02.09.1999Ferne
"Ägypten. Eine Sinngeschichte" von Jan Assmann. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1999. 550 Seiten. Broschiert, 34,90 Mark. ISBN 3-596-14267-9.
Bei diesem Titel handelt es sich nur insofern um ein Reisebuch, als die Muse der Ferienzeit ungestörte geistige Tätigkeit ermöglicht. Mit professioneller Akribie macht Jan Assmann, Ägyptologe und Kulturwissenschaftler von internationalem Rang, begreiflich, wie wirkungsmächtig das ägyptische Erbe für Europa ist. Denn mit Israel und Griechenland ist nicht das ganze Spektrum der das Abendland prägend kulturellen Traditionen abgedeckt, und beide bezogen sich wiederum in hervorstechender Weise auf Ägypten. In sechs Teilen stellt der Autor eine immense Vielfalt von politischen und kulturellen Faktoren dar, etwa die archaischen Spuren des Staates und die dynastischen Strukturen der Alten, Mittleren und Neuen Reiche. Ausführliche Kapitel behandeln detailliert die Gründungssemantik der Reichseinigungszeit, die Symbolik der Pyramide, die Vorstellung der Grenze, den Kosmotheismus als Wissensform, die Entstehung von Vergangenheit durch Traditionsbruch im Neuen Reich, die libysche Polyarchie, den mit religiösen Komponenten belasteten Mythos des Aussätzigen als einen der Ursprünge des Antisemitismus. Alle diese Aspekte fügen sich in logischer, progressiver Weise zu einem Verständnis der Geschichte Ägyptens. Dabei bezieht sich der Autor auf Jacob Burckhardt, der in seinem Text "Über das Studium der Geschichte" die Unmöglichkeit einer geistigen Entwicklungsgeschichte Ägyptens zu formulieren beklagt, und sei es in "hypothetischer Form". Das Buch, schreibt der Autor, "knüpft an dieses unmögliche, allenfalls in Klammern und in hypothetischer Form zugestandene Projekt an", wobei die Begriffe "Geist und Entwicklung" in das Paradigma einer Geschichtsphilosophie, die uns fremd geworden ist, gehören. Allenfalls einige Karten und Graphiken könnten dieses Buch noch bereichern. (G.W.M.)
Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
"Ägypten. Eine Sinngeschichte" von Jan Assmann. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1999. 550 Seiten. Broschiert, 34,90 Mark. ISBN 3-596-14267-9.
Bei diesem Titel handelt es sich nur insofern um ein Reisebuch, als die Muse der Ferienzeit ungestörte geistige Tätigkeit ermöglicht. Mit professioneller Akribie macht Jan Assmann, Ägyptologe und Kulturwissenschaftler von internationalem Rang, begreiflich, wie wirkungsmächtig das ägyptische Erbe für Europa ist. Denn mit Israel und Griechenland ist nicht das ganze Spektrum der das Abendland prägend kulturellen Traditionen abgedeckt, und beide bezogen sich wiederum in hervorstechender Weise auf Ägypten. In sechs Teilen stellt der Autor eine immense Vielfalt von politischen und kulturellen Faktoren dar, etwa die archaischen Spuren des Staates und die dynastischen Strukturen der Alten, Mittleren und Neuen Reiche. Ausführliche Kapitel behandeln detailliert die Gründungssemantik der Reichseinigungszeit, die Symbolik der Pyramide, die Vorstellung der Grenze, den Kosmotheismus als Wissensform, die Entstehung von Vergangenheit durch Traditionsbruch im Neuen Reich, die libysche Polyarchie, den mit religiösen Komponenten belasteten Mythos des Aussätzigen als einen der Ursprünge des Antisemitismus. Alle diese Aspekte fügen sich in logischer, progressiver Weise zu einem Verständnis der Geschichte Ägyptens. Dabei bezieht sich der Autor auf Jacob Burckhardt, der in seinem Text "Über das Studium der Geschichte" die Unmöglichkeit einer geistigen Entwicklungsgeschichte Ägyptens zu formulieren beklagt, und sei es in "hypothetischer Form". Das Buch, schreibt der Autor, "knüpft an dieses unmögliche, allenfalls in Klammern und in hypothetischer Form zugestandene Projekt an", wobei die Begriffe "Geist und Entwicklung" in das Paradigma einer Geschichtsphilosophie, die uns fremd geworden ist, gehören. Allenfalls einige Karten und Graphiken könnten dieses Buch noch bereichern. (G.W.M.)
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension
Ludwig Ammann lobt zwar die "dichte Beschreibung" und die Fülle des Materials, das der Ägyptologe Jan Assmann in 30 Jahren eigener Forschung zusammen getragen hat, er kritisiert aber dessen Kulturbegriff. Assmann wolle beweisen, dass der Tod das "Sinnzentrum" jeder Kultur sei, nicht nur der ägyptischen. Dabei gebe Assmann den anthropologischen Kulturgebriff preis, indem er Kultur auf "echte Kultur" reduzieren wolle. Wie der Rezensent findet, ist die Stärke des Buches aber gerade die Beschreibung eines einzelnen Falls, nämlich Ägyptens. Assmann präsentiert dazu ein "Text-Museum" mit einer "Ausstellung von Todesbildern", so Ammann. So sei der Himmel zunächst nur den Gottkönigen vorbehalten gewesen, die durch Gedenken wie den bis heute unübersehbaren Pyramidenbau unsterblich geworden wären. Die einfachen Leute hätten nur durch die Abwendung einer Todesschuld Eingang in den Kreislauf der Wiedergeburt gefunden. Um dieses Denken zu veranschaulichen, hat der Autor seinem Buch zahlreiche Übersetzungen der ägyptischen Totenliteratur beigefügt, erläutert der Rezensent.
© Perlentaucher Medien GmbH
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