Zeitlose Geschichten von einem der wichtigsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts
Richard Yates, der Meister der klaren Worte, prägte eine ganze Generation von Schriftstellern. Seine Kurzgeschichten gehören zum Besten, was je in diesem Genre geschrieben wurde, und er gilt als der wichtigste literarische Chronist des amerikanischen Durchschnittslebens der 1930er- bis späten 1960er-Jahre. In »Verliebte Lügner« zeichnet Richard Yates mit lakonischer Schärfe die Schattenseiten des amerikanischen Traums. Zutiefst einfühlsam, gleichzeitig ehrlich und unsentimental kreisen seine Geschichten um das Streben nach Glück - und um dessen unvermeidbares Scheitern.
Hinweis: Dieser Artikel kann nur an eine deutsche Lieferadresse ausgeliefert werden.
Richard Yates, der Meister der klaren Worte, prägte eine ganze Generation von Schriftstellern. Seine Kurzgeschichten gehören zum Besten, was je in diesem Genre geschrieben wurde, und er gilt als der wichtigste literarische Chronist des amerikanischen Durchschnittslebens der 1930er- bis späten 1960er-Jahre. In »Verliebte Lügner« zeichnet Richard Yates mit lakonischer Schärfe die Schattenseiten des amerikanischen Traums. Zutiefst einfühlsam, gleichzeitig ehrlich und unsentimental kreisen seine Geschichten um das Streben nach Glück - und um dessen unvermeidbares Scheitern.
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»Yates zu lesen ist immer ein Gewinn.« Süddeutsche Zeitung
Erst vor einigen Jahren wurde Richard Yates, der 1991 starb, in seiner amerikanischen Heimat wiederentdeckt. Der Chronist der Angst, wie Stewart O'Nan ihn nennt, fühlte mit den Versagern. Nun gibt es seinen zweiten Erzählungsband auch auf deutsch.
Der 1926 in Yonkers, New York, geborene Schriftsteller Richard Yates, der vermutlich auf Grund seines hohen Alkohol- und Zigarettenkonsums mit sechsundsechzig Jahren verstarb, hat sein Mitgefühl für vermeintliche Außenseiter früh bewiesen. Selbstmitleidige Jammerlappen, autoaggressive Huren, ambitionierte Möchtegern-Schriftsteller, saufende, geschiedene Mütter oder ungeliebte Väter sind bereits viele Figuren seines Erzählungsbandes "Elf Arten der Einsamkeit" von 1962.
Mit Yates' Wiederentdeckung in den Vereinigten Staaten, wo sich Kollegen wie Kurt Vonnegut, Stewart O'Nan oder Richard Ford zu dem writer's writer bekannten, setzte zeitversetzt auch seine postume Anerkennung in den deutschsprachigen Ländern ein. Nach den Übersetzungen zweier Romane - "Easter Parade" und "Zeiten des Aufruhrs", der inzwischen gar von Oscar-Preisträger Sam Mendes mit den Hollywood-Stars Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in den Hauptrollen verfilmt wird - ist Yates nun wieder in seiner genuinen Form, als Meister der short story, präsent.
"Verliebte Lügner", seine zweite und zugleich letzte Sammlung von Erzählungen, erschien im Original 1981, führt aber vorwiegend zurück in die Nachkriegszeit der späten vierziger und fünfziger Jahre, in ein stets aufs Neue ausgerufenes, amerikanisches "Age of Anxiety", als dessen unbestechlichen Chronisten Stewart O'Nan den Kollegen apostrophierte. Konsequent zieht sich die Angst als dunkelroter Faden durch Yates' Kurzgeschichten: Die ersten sexuellen Erfahrungen fürchtend, betrinkt sich etwa der GI Paul Colby, Protagonist von "Urlaub aus privaten Gründen", um ziellos durch Paris zu schlendern, in der Hoffnung, dieser eigentlich vielversprechende Ausflug möge bald ein Ende finden.
Zunächst gibt er der von seinen Kameraden zweideutig angepriesenen Stadt die Schuld: "Hatte irgendwann einmal irgendjemand zugegeben, dass ihn diese beschissene Stadt erschreckte, verwirrte und langweilte und dass er sich hier außerdem mutterseelenallein fühlte?" Schließlich gesteht er sich ein, nicht an Schüchternheit oder Unbeholfenheit zu leiden; Angst und Feigheit zwingen ihn zu demütigenden Selbstverleugnungen. Erst die Begegnung mit seiner Schwester Marcia, die getrennt von ihm und seinem Vater in London aufwuchs, befreit ihn von seinen Beklemmungen, auch wenn er zuerst nicht weiß, ob er "dankbar sein oder noch tiefer im Unglück versinken sollte"; seinen eingeübten draufgängerischen Gang, der über alle Unsicherheiten hinwegtäuschen musste, kann er jedenfalls endlich hinter sich lassen.
Ungemein faszinierend ist Yates' unprätentiöser Stil, die Durchsichtigkeit seiner Prosa, die nie um ihrer selbst willen um Aufmerksamkeit heischt. Geistreiche Bonmots, fein ziselierte Weisheiten und Manierismen wird man vergeblich suchen. Seine spröden Schilderungen, die oft banalen Dialoge, die auf den ersten Blick skizzenhaften Charakterisierungen und unauffälligen Wechsel der Fokussierung entfalten erst im Zusammenspiel ihre ganze poetische Kraft; gerade deswegen wirkt sein Schreiben, das Einflüsse von Vorbildern wie Ernest Hemingway oder F. Scott Fitzgerald nie verhehlt, so zugänglich und in einem kitschfreien Sinne erschütternd.
Wie distanziert und ergreifend zugleich dieser ehemalige Ghostwriter von Senator Robert Kennedy die Kehrseite des amerikanischen Traums ans Tageslicht zerren konnte, zeigt der Auftakt des neuen Bandes, "Ach, Joseph, ich bin so müde": Die Mutter des Erzählers erhält darin die Gelegenheit, eine Büste des gerade zum Präsidenten gewählten Franklin D. Roosevelt (unsere Abbildung) anzufertigen. Nach gescheiterter Ehe versucht sie sich als verkannte Künstlerin zu inszenieren, als Teil einer Boheme in Greenwich Village, die die eigene Armut glorifiziert und in ihr den Glauben daran nährt, "eine der interessantesten Persönlichkeiten von Amerika" zu werden.
"Sie war keine wirklich gute Bildhauerin", erläutert der Sohn euphemistisch, um anschließend die scheußlichen Gartenfiguren zu beschreiben, die ihrer Phantasie entsprangen. Der Anschein von Originalität und Unabhängigkeit bedeutet ihr alles. Vor Roosevelt beteuert sie, als "gute Republikanerin" für Hoover gestimmt zu haben, und während ihre Gäste über den Kommunismus diskutieren, behauptet sie, an die Aristokratie zu glauben, "aber es gab keinen Grund zu der Annahme, dass die Aristokratie jemals an sie glauben würde". Selbstverständlich wird die Mutter ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht; beiläufig thematisiert Yates ihren latenten Antisemitismus, ihren vergeblichen Kampf gegen den Alkohol und die armseligen Verhältnisse. Ihm gelingt jedoch, was seiner Figur verwehrt bleibt: Er macht diese untalentierte Frau mit ihren Lebenslügen für seine Leser zu einer der "interessantesten Persönlichkeiten Amerikas", ganz ohne Häme, aber mit literarischer Finesse.
Die Plots von Richard Yates sind oft desillusionierend und trotzdem voller ambivalenter Hoffnung. Vor einem voreiligen Fazit oder einem geheuchelten Verständnis sollte man sich gegenüber dem Personal dieser Geschichten also hüten. So einfach ist die Welt dieses Autors, die immer noch die unsere ist, nicht zu durchschauen.
ALEXANDER MÜLLER.
Richard Yates: "Verliebte Lügner". Short Storys. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Anette Grube. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007. 320 S., geb., 19,95 [Euro].
Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
"Ein grosser Erzähler, zu recht wiederentdeckt" Elke Heidenreich, LESEN!
"Endlich ist Richard Yates hierzulande angekommen." Die Welt
"Ein Meister der Sprache. Klar und messerscharf: Kein Wort ist zuviel und trotzdem ist alles gesagt." Bayerischer Rundfunk
"Yates ist eine Art Gott der Eingeweihten. Viele der besten US-amerikanischen Schriftsteller haben von ihm gelernt." Eva Menasse
"Eine Edward-Hopper-hafte Melancholie liegt über diesen Geschichten, eine elegische Hoffnungslosigkeit, die man schwer vergisst. Richard Yates' Short Stories gehören mit zum Vollkommensten, was je in diesem Genre geschrieben wurde." Österreichischer Rundfunk
"Einer der wichtigsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts." Frankfurter Allgemeine Zeitung
"Ein Meister der Sprache. Klar und messerscharf." Bayerischer Rundfunk
"Wer die Stories von Raymond Carver schätzt, wird 'Elf Arten der Einsamkeit' lieben - und einen Autor entdecken, der seiner Traurigkeit eine das Leben schmerzhaft durchdringende Sprache abgerungen hat." Der Tagesspiegel
"Die Kraft dieser Geschichten liegt in ihrer schonungslosen Klarheit, im Mut, den Irrsinn des Scheiterns nicht schönzureden [...]. 'Verliebte Lügner' zeigt [...] aufs Neue einen grandiosen Erzähler." Deutschland Radio Kultur
"Das grösste Werk der zeitgenössischen Literatur." Weltwoche
"Ungemein faszinierend ist Yates' unprätentiöser Stil, die Durchsichtigkeit seiner Prosa, die nie um ihrer selbst willen um Aufmerksamkeit heischt. Geistreiche Bonmots, fein ziselierte Weisheiten und Manierismen wird man vergeblich suchen. Seine spröden Schilderungen, die oft banalen Dialoge, die auf den ersten Blick skizzenhaften Charakterisierungen und unauffälligen Wechsel der Fokussierungen entfalten erst im Zusammenspiel ihre ganze poetische Kraft; gerade deswegen wirkt sein Schreiben, das Einflüsse von Vorbildern wie Ernest Hemingway oder F. Scott Fitzgerald nie verhehlt, so zugänglich und in einem kitschfreien Sinn erschütternd." Alexander Müller, FAZ
"Bündige, informationsgeladene Anfangssätze ziehen in die Geschichten hinein. Yates platziert Rückblenden und Sprünge so, dass der Leser die Geschichte aus immer neuen Perspektiven wahrnimmt, kein beiläufig fallengelassenes Wort bleibt ohne Folge für die Wahrnehmung des Ganzen. Das ist vielleicht das Beeindruckendste an diesen Short Storys. Das Unglück, von dem sie handeln, ist in vollkommener Form aufgehoben." Süddeutsche Zeitung
"Auch in seinem Erzählband erweist Yates sich wieder als Meister des glasklaren Stils ..." Brigitte
"Endlich ist Richard Yates hierzulande angekommen." Die Welt
"Ein Meister der Sprache. Klar und messerscharf: Kein Wort ist zuviel und trotzdem ist alles gesagt." Bayerischer Rundfunk
"Yates ist eine Art Gott der Eingeweihten. Viele der besten US-amerikanischen Schriftsteller haben von ihm gelernt." Eva Menasse
"Eine Edward-Hopper-hafte Melancholie liegt über diesen Geschichten, eine elegische Hoffnungslosigkeit, die man schwer vergisst. Richard Yates' Short Stories gehören mit zum Vollkommensten, was je in diesem Genre geschrieben wurde." Österreichischer Rundfunk
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"Wer die Stories von Raymond Carver schätzt, wird 'Elf Arten der Einsamkeit' lieben - und einen Autor entdecken, der seiner Traurigkeit eine das Leben schmerzhaft durchdringende Sprache abgerungen hat." Der Tagesspiegel
"Die Kraft dieser Geschichten liegt in ihrer schonungslosen Klarheit, im Mut, den Irrsinn des Scheiterns nicht schönzureden [...]. 'Verliebte Lügner' zeigt [...] aufs Neue einen grandiosen Erzähler." Deutschland Radio Kultur
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"Ungemein faszinierend ist Yates' unprätentiöser Stil, die Durchsichtigkeit seiner Prosa, die nie um ihrer selbst willen um Aufmerksamkeit heischt. Geistreiche Bonmots, fein ziselierte Weisheiten und Manierismen wird man vergeblich suchen. Seine spröden Schilderungen, die oft banalen Dialoge, die auf den ersten Blick skizzenhaften Charakterisierungen und unauffälligen Wechsel der Fokussierungen entfalten erst im Zusammenspiel ihre ganze poetische Kraft; gerade deswegen wirkt sein Schreiben, das Einflüsse von Vorbildern wie Ernest Hemingway oder F. Scott Fitzgerald nie verhehlt, so zugänglich und in einem kitschfreien Sinn erschütternd." Alexander Müller, FAZ
"Bündige, informationsgeladene Anfangssätze ziehen in die Geschichten hinein. Yates platziert Rückblenden und Sprünge so, dass der Leser die Geschichte aus immer neuen Perspektiven wahrnimmt, kein beiläufig fallengelassenes Wort bleibt ohne Folge für die Wahrnehmung des Ganzen. Das ist vielleicht das Beeindruckendste an diesen Short Storys. Das Unglück, von dem sie handeln, ist in vollkommener Form aufgehoben." Süddeutsche Zeitung
"Auch in seinem Erzählband erweist Yates sich wieder als Meister des glasklaren Stils ..." Brigitte
Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Mit dem Band mit Erzählungen "Verliebte Lügner" kann man den bereits 1991 gestorbenen Richard Yates auch hierzulande als meisterhaften Beherrscher der Kurzgeschichte entdecken, freut sich Alexander Müller. Wie in seinen Romanen präsentiert der amerikanische Autor auch in seinen Erzählungen, die überwiegend in der als Epoche der Angst apostrophierten Nachkriegszeit spielen, glücklose Loser, erklärt der Rezensent. Diese Angst ist in den Geschichten durchweg präsent, zum Beispiel in der mit Alkohol betäubten Furcht des GI Paul Colby vor ersten erotischen Erfahrungen bei einem Ausflug in Paris. Begeistert ist der Rezensent vom "unprätentiösen" Stil Yates, der gerade durch seinen Mangel an artifiziellen Wendungen und durch seine klare, nüchterne Sprache seine Poesie und Vitalität erreicht, die sich gut lesen lässt und ohne Sentimentalität berührt, wie Müller schwärmt.
© Perlentaucher Medien GmbH
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