Liebes- und Beziehungsratgeber gibt es jede Menge. Sie füllen ganze Buchregale, von den zahlreichen Artikeln in Frauen- und Männermagazinen mal abgesehen. Und doch scheint das Thema noch nicht ausgeschöpft zu sein, wie die Bücher von Chérie Carter-Scott und Michael Mary zeigen, die sich dem Thema über Liebesregeln und Liebeslügen nähern.
1) Chérie Carter-Scott: "Wenn die Liebe ein Spiel ist, sind dies die Regeln"
Think positive und regle die Liebe selbst - so in etwa hat Sandra Kluwe die Botschaft der amerikanischen Bestsellerautorin verstanden. Doch fragt sich die Rezensentin nach der Lektüre des Ratgebers etwas ratlos, um welche Art des Spiels es sich bei der Liebe überhaupt handeln soll: Glücksspiel, Machtspiel, Rollenspiel,
Bettspiel, Funktionsspiel, Traumspiel? Die Autorin bleibt ihr die Antwort darauf schuldig. Der Empfehlung, bei der Entscheidung für einen Partner oder eine Partnerin wie bei einem Autokauf vorzugehen, mag Kluwe jedenfalls nicht folgen. Den Ausführungen Carter-Scotts merke man leider überdeutlich an, dass die Verfasserin zu viel Managementtraining und Unternehmensberatung betrieben habe, denkt die Rezensentin. Erotik und Minnespiel jedenfalls hätten hier keinen Platz: "In Carter-Scotts gesammelten Liebesrezepten freilich lesen sich die zehn Regeln zur geschickten Verknotung von Ihm und Ihr etwa so romantisch wie die Anleitung eines 'FÜR SIE'-Frisuren-Dossiers über den richtigen Gebrauch des Styling-Curls."
2) Michael Mary: "Fünf Lügen, die Liebe betreffend"
Mit mehr Wohlgefallen hat Kluwe da eher den Anti-Liebesratgeber von Michael Mary gelesen. Der schreibe nämlich genau gegen die Bücher à la Carter-Scott an, die die Umsetzung von Beziehungsregeln propagierten und so Abertausende von krisengeschüttelten Paaren in den sexuellen Leistungsstress stürzten, referiert die Rezensentin. Mary plädiere vielmehr dafür, dass die Abkühlung von Leidenschaft und Erotik in einer Langzeitbeziehung als ganz normaler Vorgang zu betrachten ist, der keiner Therapie bedürfe. Und besonders erfreut ist die Rezensentin darüber, dass der Autor die Annahme, man könne über bestimmte Techniken mehr Spannung ins Beziehungsleben bringen, als Lüge entlarvt. "Wer die Botschaft Michael Marys hört", resümiert Kluwe, "dem sollte jeder Glaube an den Machbarkeitswahn der Liebesratgeber abhanden kommen."
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