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Kam Graf Tolstoj nach San Michele all' Adige? Wohl eher nicht. Ein Bezug zwischen dem Verfasser von "Krieg und Frieden" und dem Weinbauerndorf im Etschtal ist gleichwohl verbürgt: Für seinen Obstgarten in Jasnaja Poljana bestellte der Graf frostresistente Apfelbäume im Agrarinstitut San Michele, dem ältesten seiner Art im damals zum Habsburgerreich gehörenden Welschtirol. Einst umfasste die Donaumonarchie auch große Teile Oberitaliens. In seinem Reisebuch "Auf den Spuren des Doppeladlers" sammelt Helmut Luther ebendort Zeugnisse des alten Österreich und lässt große wie kleine historische Momente lebendig werden. Etwa in Turin, wo Prinz Eugens Bildergalerie gehütet wird und in der Krypta der Basilica di Superga sein Herz beigesetzt ist. In Solferino, wo Henry Dunant das Rote Kreuz gründete. In Viareggio, wo die spätere Kaiserin Zita zur Welt kam und ihre Verlobung mit Karl I. feierte, dem letzten Herrscher des Habsburgerreiches. Als der Autor Peter Roseggers "Waldheimat. Erzählungen aus der Jugendzeit" aus dem Bücherschrank in der Villa Borbone nimmt, strömt ihm der Geruch von vergilbtem Papier entgegen. Mit zittriger Greisinnenschrift hat Erzherzogin Dolores, eine enge Verwandte Zitas, die in der Villa ihren Lebensabend verbrachte, ihren Namen hineingeschrieben. Kurz juckt es ihm in den Fingern - als austrophiler Trophäenjäger fühlt er sich für derlei Schätze verantwortlich. F.A.Z.
"Auf den Spuren des Doppeladlers.
Eine Nostalgiereise durch Italien" von Helmut Luther. Amalthea Verlag, Wien 2020. 256
Seiten, 50 Abbildungen. Gebunden, 25 Euro.
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