Ein sehr lesenswertes Buch - mit einem etwas irreführenden Titel. Denn um die "Rattenlinie" - die Fluchtroute nach Südamerika, die v.a. die katholische Kirche den NS-Verbrechern ermöglichte - geht es nur am Rande.
Das Buch ist quasi ein verschriftlicher Dokumentarfilm über SS-Brigadeführer Otto
Wächter, der in den 30er Jahren an der Ermordung des österreichischen Kanzlers Dollfuß beteiligt war…mehrEin sehr lesenswertes Buch - mit einem etwas irreführenden Titel. Denn um die "Rattenlinie" - die Fluchtroute nach Südamerika, die v.a. die katholische Kirche den NS-Verbrechern ermöglichte - geht es nur am Rande.
Das Buch ist quasi ein verschriftlicher Dokumentarfilm über SS-Brigadeführer Otto Wächter, der in den 30er Jahren an der Ermordung des österreichischen Kanzlers Dollfuß beteiligt war und im 2. Weltkrieg Gouverneur des Distrikts Galizien amtierte, in welchem während seiner Herrschaft 100.000de Juden, Ukrainer und Polen ermordet wurden.
Der Autor beginnt damit, dass Wächter 1949 in Rom unter falschem Namen an einer Vergiftung gestorben war, und rollt dessen Leben mit Hilfe von Zeitzeugen und Dokumenten auf. Er beschreibt nicht nur die Ergebnisse - wie in einem historischen Buch zu erwarten wäre - sondern beschreibt vor allem auch die Arbeit des Suchens und Findens. Besonders großen Raum nimmt der Sohn von Otto Wächter ein, der seinen Vater fast gar nicht gekannt hat, aber sich - wie wohl viele Millionen Deutsche und Österreicher, deren Väter im Krieg waren - ein idealisiertes Bild von seinem Vater macht. Obwohl er die Nazigräuel durchaus nicht leugnet, bezweifelt er, dass sein Vater etwas damit zu tun gehabt habe. Eine Haltung, die der Autor auch durch Vorlage vieler Beweise nicht erschüttern kann.
Eine interessante Herangehensweise - die Spurensuche als Ziel der Darstellung.