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Seit Elyas Jamalzadeh in Iran als Sohn illegaler afghanischer Einwanderer zur Welt gekommen ist, empfand er sich als überall abgelehntes "Flüchtlingskind". Angesichts ihrer rechtlich und wirtschaftlich prekären Lage in Teheran und aus Angst vor einer drohenden Abschiebung entschieden sich seine Eltern 2014 zur Flucht nach Europa. In seinem Buch nimmt Jamalzadeh den Leser von Iran bis nach Österreich mit auf die Suche nach einer Heimat. Und er wählt dabei die Form der direkten Anrede: "'Rabeneltern!', schreist du jetzt vielleicht die Buchstaben vor dir an . . ." Hinzu kommen Ellipsen, Metaphern und flapsige Formulierungen, die den geschilderten Eindrücken Unmittelbarkeit verleihen sollen. Dass dieses Verfahren nicht immer aufgeht, ist zu verschmerzen.
In Österreich hat Jamalzadeh 2015 schließlich das Gefühl, wirklich anzukommen. Sein Deutsch verbessert sich, und er freut sich über den Respekt, den man ihm entgegenbringt. In der evangelischen Jugendgruppe verliebt er sich in seine heutige Ehefrau Tabea Laimer. Die Reaktion der Familie auf seinen Glaubenswechsel spart Jamalzadeh, der mittlerweile als Friseur in Linz arbeitet, genauso aus wie Reflexionen über mögliche Konflikte in der Partnerschaft, die sich kulturellen Unterschieden verdanken. Dafür äußert er Kritik: am Schlepperwesen, an den Lebensverhältnissen illegaler Geflüchteter in Iran, auch an Facetten der afghanischen Kultur. Immer wieder kommen schlimme Fluchterlebnisse zur Sprache. Denkt er zurück an eine Nacht auf dem Mittelmeer, wird Paul Celan verarbeitet: "der Tod ist ein Meister aus Europa". Sein Bericht ist eine Erinnerung daran, über den Zahlen von Geflüchteten nicht die einzelnen Schicksale zu vergessen. JEANETTE SCHÄFER
Elyas Jamalzadeh: "Freitag ist ein guter Tag zum Flüchten".
Zsolnay Verlag, Wien 2022. 256 S., geb., 22,- Euro.
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