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Die Bitte der Autorin an die Firma Red Bull, die Überführung ihrer schwimmenden Buchhandlung von England nach Paris zu sponsern, wurde höflich abgelehnt: "Wir können Narrowboatfahren leider weder in die Kategorie Extremstunts noch Extremsportarten einordnen." Das ist natürlich lustig, denn was die Einhand-Steuerfrau Sarah Henshaw mit ihrem schmalen Bücherboot auf Englands Binnengewässern nautisch, sportlich, emotional und finanziell wagt, grenzt durchaus an extremen Spleen und Stunt. Der alte Kahn hat weder Küche noch Schlafzimmer, noch Toilette. Jeder Winkel ist mit Büchern gefüllt, die sie unterwegs gegen Kleider, einen Teller Lasagne, einen Haarschnitt, ein Bett, ein Bad, einen Abend im Pub oder eine helfende Hand tauscht, und manchmal verkauft sie auch ein Buch. Ein halbes Jahr tuckert sie mit ihrem "Joseph" von London über Bristol und Birmingham bis nach Yorkshire und zurück. Sie wird beklaut und bedroht, treibt ab, steckt fest, geht beinahe unter, doch obwohl sie es nie für nötig gehalten hat, zu lernen, "wie das Ding funktioniert oder wie man es steuert", meistert sie alle Schleusen und Drehbrücken. Was sie bewegt, ist die Liebe zur Literatur und der Glaube, dass Menschen in allen Lebenslagen Bücher brauchen; was sie auf dem Kanalboot ausharren lässt, ist seine Eignung als ideales Vehikel, das sie "in eine andere Welt transportiert". Einsamkeit und Bangigkeit sind ebenso Begleiter wie Glück und Übermut. Sarah Henshaw kennt weder Scheu vor Selbstironie noch vor ulkigen Menschen, woraus die dankbarsten Begegnungen rühren. Was ihr Buch so lesbar macht und über uninspirierte Zeugnisse vom Selbsterlebtem hinaushebt, ist der kluge Aufbau - zu wissen, was man dem Leser erspart - und der literarische Klang ihrer Sprache. Wie schön, dass "The bookshop that floated away", so der Originaltitel, am Ende doch noch in Frankreich festgemacht hat.
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"Mein wunderbares Bücherboot" von Sarah Henshaw. Eden Books, Hamburg 2018, 250 Seiten. Gebunden, 19,95 Euro.
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