Schlehengrund ist der letzte Band der Eifel-Trilogie von Anna-Maria Caspari. Die Vorgängerbände Ginsterhöhe und Perlenbach habe ich auch gelesen. Die Trilogie stellt ein interessantes Zeitdokument über das Schicksal einer Familie in der Eifel im Zeitraum von hundert Jahren, zwischen 1865 und 1970,
dar. Über die Tagebucheinträge eines Lehrers erfahren wir, was währenddessen in der Welt passiert.…mehrSchlehengrund ist der letzte Band der Eifel-Trilogie von Anna-Maria Caspari. Die Vorgängerbände Ginsterhöhe und Perlenbach habe ich auch gelesen. Die Trilogie stellt ein interessantes Zeitdokument über das Schicksal einer Familie in der Eifel im Zeitraum von hundert Jahren, zwischen 1865 und 1970, dar. Über die Tagebucheinträge eines Lehrers erfahren wir, was währenddessen in der Welt passiert.
Das Dorf Wollseifen ist 1946 zum Sperrgebiet geworden, da das Land um das Dorf einschließlich der Urfttalsperre zuerst von den Briten und später den Belgiern als Truppenübungsplatz genutzt wird.
1950: Albert Lintermann und seine Familie finden eine neue Heimat in dem Eifeldorf Embken. Alberts Sohn Karl kehrt erst viele Jahre nach dem Krieg aus russischer Gefangenschaft zurück. Seine Frau Johanna hatte sich in seiner Abwesenheit mit Hilfe ihrer Schwiegereltern um Haus und Hof und Sohn Rolf gekümmert. Karl fällt es schwer, ins Leben auf dem Hof zurückzufinden. Er ist traditionsbewusst, während Johanna für neue Anbaumethoden und das Konzept der biologisch-dynamischen Landwirtschaft ohne Kunstdünger, Unkrautvernichter und mit viel Handarbeit plädiert. Die Eheleute sind sich in den Jahren, in denen sie getrennt waren, fremd geworden. Auch Rolf findet keinen Zugang zu seinem traumatisierten Vater.
Rolf freundet sich mit dem neu zugezogenen Arztsohn Horst an. Horst erzählt ihm von der nationalsozialistischen Gesinnung seines Vaters, der ihn bei geringsten Vergehen verprügelt. Mit Hilfe des Lehrers schafft er es, sein Elternhaus zu verlassen. Er geht zunächst nach Heidelberg und später zu seinem Bruder nach Berlin. Ende der 1960er Jahre besucht Rolf seinen Kindheitsfreund und staunt über sein Leben, das so anders als sein eigenes ist. „Eine dumpfe Ahnung stieg in ihm auf, wie sehr sich das Leben, das Horst in Berlin führte, von dem in der rheinischen Provinz unterschied. Bonn mochte die Hauptstadt sein, aber Berlin war trotz der Teilung die lebendigere Stadt. Hier befand sich alles im Aufbruch, das Leben war härter und schneller, und so auch die Menschen, die hier lebten.“
1963 fahren viele Familien nach Köln, der ersten Station auf der viertägigen Deutschlandreise der Kennedys. Gespannt werden die Prozesse gegen zweiundzwanzig Mitglieder der Lagermannschaft von Auschwitz verfolgt. „Dass die Prozesse achtzehn Jahre nach Kriegsende geführt werden, stößt nicht bei allen auf Verständnis – viele Deutsche möchten mit der Vergangenheit lieber nichts mehr zu tun haben.“
Ereignisse wie die Mondlandung, die Beerdigung Adenauers, Kennedys Rede in Berlin und diverse Unterhaltungsshows werden im Fernsehen übertragen, zuerst in schwarz-weiß und ab 1967 in Farbe.
Mir hat der Abschlussband der Trilogie genauso gut gefallen wie die beiden Vorgängerbände. Ich habe Albert und Leni, Johanna und Rolf genau wie die anderen ehemaligen Wollseifener ins Herz geschlossen. Im Nachwort erfahren wir, dass die Handlung an reale Schicksale angelehnt ist, von denen die Autorin in Gesprächen mit einer ehemaligen Bewohnerin von Wollseifen erfahren hat. Gerne empfehle ich die Trilogie an alle weiter, die historische Romane mögen und/oder eine Beziehung zur Eifel haben.