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Warlam Schalamow verbrachte als oppositioneller Journalist 17 Jahre in stalinistischen Gulags und arbeitete dort unter unmenschlichen Bedingungen. Erst nach Stalins Tod wurde er rehabilitiert. In den 50er Jahren begann er heimlich mit den Erzählungen aus Kolyma. Sie blieben in der UdSSR verboten, kursierten allerdings in illegalen Kreisen und gelangten in den Westen. Schalamow wurde daraufhin von der russischen Regierung gezwungen, eine Erklärung über die mangelnde Relevanz seiner Erzählungen zu veröffentlichen. Auf Russisch erschien erst 1978 eine Auswahl. Diese Erzählungen zählen zu den…mehr

Produktbeschreibung
Warlam Schalamow verbrachte als oppositioneller Journalist 17 Jahre in stalinistischen Gulags und arbeitete dort unter unmenschlichen Bedingungen. Erst nach Stalins Tod wurde er rehabilitiert. In den 50er Jahren begann er heimlich mit den Erzählungen aus Kolyma. Sie blieben in der UdSSR verboten, kursierten allerdings in illegalen Kreisen und gelangten in den Westen. Schalamow wurde daraufhin von der russischen Regierung gezwungen, eine Erklärung über die mangelnde Relevanz seiner Erzählungen zu veröffentlichen. Auf Russisch
erschien erst 1978 eine Auswahl. Diese Erzählungen zählen zu den bewegendsten Texten aus den sibirischen Gefangenenlagern.
Gabriele Leupolds Übersetzung erschien 2007 und wurde von der Presse euphorisch gefeiert. Hanns Zischler liest eine Auswahl, außerdem ist Schalamow selbst in einer seltenen Originaltonaufnahme mit zwei Gedichten aus den bislang unveröffentlichten Kolymaer Heften zu hören.

(2 CDs, Laufzeit: 2h 34)

Autorenporträt
Warlam Schalamow, geb. 1907 im nordrussischen Wologda als Sohn eines orthodoxen Geistlichen, ging 1924 nach Moskau, um dort 'Sowjetisches Recht' zu studieren. 1929 wurde er wegen 'konterrevolutionärer Agitation' (Artikel 58) zu Lagerhaft im Ural verurteilt. 1931 kehrte er nach Moskau zurück, wo er 1937 zum zweiten Mal verhaft et wird. Es folgte die Deportierung in die sibirische Kolyma-Region, dem Kältepol der Erde. 1956 durfte er nach Moskau zurückkehren, wo er 1982 starb.

Gabriele Leupold, geboren 1954 in Niederlahnstein, unterrichtete nach ihrem Studium der Slawistik und Germanistik Deutsch als Fremdsprache (u.a. ein Jahr lang an der Universität Fukui in Japan), verbrachte einen zehnmonatigen Forschungsaufenthalt in Moskau und widmete sich in Berlin, wo sie mit Unterbrechungen seit 1982 lebt, der Galeriearbeit. Seit ihrer Rückkehr aus Japan übersetzt sie, hauptsächlich aus dem Russischen, u.a. Osip Mandelstam, Michail Bachtin, Vladimir Sorokin, Andrej Belyj und Boris Pasternak, organisiert und leitet seit den 90er Jahren zahlreiche Workshops für Übersetzer und Studierende. Ihre Arbeit wurde 1997 mit dem Übersetzerstipendium der "Dialogwerkstatt Zug" und 2002 mit dem "Paul-Celan-Preis" ausgezeichnet. 2012 erhielt Gabriele Leupold den "Johann-Heinrich-Voss-Preis" für ihre Übersetzungen aus dem Russischen.

Hanns Zischler, geboren 1947, ist Schauspieler, Publizist und freischaffender Künstler. Neben zahlreichen Fernsehauftritten ist er in internationalen Filmproduktionen zu sehen, wie z.B. Wim Wenders' "Im Lauf der Zeit" und Steven Spielbergs "München".
Trackliste
CD 1
1Durch den Schnee00:00:22
2Durch den Schnee00:02:35
3Zimmerleute00:04:59
4Zimmerleute00:07:13
5Zimmerleute00:02:45
6Regen00:05:11
7Regen00:04:51
8Der Kant00:06:44
9Der Kant00:06:14
10Apostel Paulus00:04:58
11Apostel Paulus00:04:45
12Apostel Paulus00:04:13
13Beeren00:06:42
14Brot00:05:01
15Brot00:04:11
16Brot00:03:37
17Brot00:03:44
CD 2
1Cherry Brandy00:06:15
2Cherry Brandy00:04:24
3Cherry Brandy00:06:12
4Kondensmilch00:05:28
5Kondensmilch00:05:17
6Das Krummholz00:05:17
7Schocktherapie00:05:08
8Schocktherapie00:05:27
9Schocktherapie00:06:18
10Schocktherapie00:04:01
11Schocktherapie00:03:37
12Die Einzelschicht00:03:38
13Die Einzelschicht00:03:09
14Was ich im Lager gesehen und erkannt habe00:05:51
15Was ich im Lager gesehen und erkannt habe00:04:22
16In fremder Schrift00:00:21
17In fremder Schrift00:01:08
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Olga Martynova beschäftigt sich in einem Essay mit der Frage, warum Solschenizyns Roman "Ein Tag aus dem Leben des Iwan Denissowitsch" in der Sowjetunion veröffentlicht werden konnte und dem Autor letztlich zum Nobelpreis verhalf, während Warlam Schalamows "Erzählungen aus Kolyma" nahezu unbekannt blieb. Für die Rezensentin, das lässt sie durchblicken, ist Schalamow der größere Schriftsteller von beiden, dessen "Erzählungen aus Kolyma" in der Sowjetunion nicht mehr zu seinen Lebzeiten erschienen sind. In ihnen berichtet der Autor in "schonungsloser" Präzision und knapper Nüchternheit vom unmenschlichen Alltag in den Lagern der unwirtlichen Kolyma-Region, wobei für ihn die Erniedrigungen durch die mitinhaftierten "Kriminellen" noch schwerer zu ertragen waren als die menschenfeindliche Natur, so Martynova. Grundsätzlicher Unterschied zwischen Solschenizyn und Schalamow sei, dass ersterer sich in seinem Werk für "große Ideen" und Politik einsetzte, Schalamow dagegen, desillusioniert und verbittert, vor allem seine Erlebnisse dokumentieren wollte. Martynova erhofft sich, dass durch die deutsche Publikation der "Erzählungen aus der Kolyma" sich der Blick für das "herzzerreißend vollendete" Leben und Werk dieses Schriftstellers öffnet.

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