Die Näherin Stine und Graf Waldemar entdecken ihre gegenseitige Zuneigung. Anders als in -Irrungen, Wirrungen- findet sich das ungleiche Paar hier nicht mit den -Verhältnissen- ab: Waldemar will Stine heiraten. Sein Wunsch nach einem Andauern ihres Glücks bedeutet aber, daß es ein um so schnelleres Ende nimmt.
Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Keine leichte Sache ist es, Fontane vorzulesen, warnt Tilmann Spreckelsen erst einmal, bevor er auf die zehn von Gert Westphal gelesenen Romane des Autors zu sprechen kommt. Es lauere nämlich die Gefahr, der Subtilität Fontanes durch Überdeutlichkeiten in den Rücken zu fallen. Und der, bedauert der Rezensent, ist Westphal nicht immer entgangen. "Stine" ist das ausführlich besprochene Beispiel. Als größten Kunstgriff des Romans sieht der Rezensent die in ihm konsequent durchgeführte Opposition von Sehen und Sprechen, die allerdings durchweg nebenbei aufgebaut werde. Indem Westphal hier allzu starke Akzente setze, bringt er, so Spreckelsen, Fontanes Komposition immer wieder aus dem Gleichgewicht. Weitere Kritikpunkte: Das Berlinern der Figuren ist deutlich penetranter als im Buch; die Kapitelzäsuren werden verschliffen; die Differenzierung der Einzelfiguren durch unterschiedliche Stimmlagen gerät immer wieder ins Karikatureske. Gelobt wird immerhin die Tatsache, dass das Hörbuch den ungekürzten Text enthält - und die Kritik scheint als Formulierung von Vorbehalten eher denn als Verdammung gemeint zu sein.
© Perlentaucher Medien GmbH
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