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Leseratte
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Frankfurt

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Insgesamt 134 Bewertungen
Bewertung vom 05.03.2025
Portrait meiner Mutter mit Geistern
Edel, Rabea

Portrait meiner Mutter mit Geistern


ausgezeichnet

Das Buch „Portrait meiner Mutter mit Geistern“ ist ein Roman, der auf mehreren Ebenen spielt. Das ist sein Reiz, aber gerade auch die Herausforderung. An der Oberfläche erzählt er eine Familiengeschichte über mehrere Generationen hinweg, wobei die Frauen ganz klar im Fokus stehen. Die Männer bleiben eher im Hintergrund und sind oft problematische Figuren.

Die Autorin springt durch Raum und Zeit, im Fokus stehen immer andere Personen, was mir die Orientierung oder das Mitschwingen etwas erschwert hat. Zum Glück gibt es am einen Stammbaum, an dem man sich orientieren kann. Allerdings hat mich der ständige Wechsel der Erzählperspektive und des Schauplatzes schon ab der Mitte des Romans sehr gestört, weil mein Lesefluss so immer unterbrochen wurde.

Die Geschichte ist relativ komplex – keine der Figuren wirkt glücklich, alle scheinen irgendwie versehrt und leiden an ihrem Schicksal, das von Krieg, Missbrauch und Gewalt geprägt ist. Keine kann wirklich darüber reden, die Verletzungen scheinen zu tief zu sitzen – was es uns als Leser*innen aber auch nicht einfacher macht, sich in die Figuren einzufühlen. Nach und nach lösen sich einige Knoten, aber viele Fragen bleiben trotzdem…

Bewertung vom 26.02.2025
ICONS Glaubensheld*innen aus der Bibel und heute

ICONS Glaubensheld*innen aus der Bibel und heute


ausgezeichnet

Das Buch "Icons" ist wirklich ein Buch der ganz besonderen Art. Es liegt schwer in der Hand und macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Das gesamte Layout wirkt modern, ansprechend, künstlerisch und luftig. Das Buch stellt in zwölf Kapiteln eine Person aus der Bibel vor, darunter so vertraute wie Noah, Jakob und Josef, aber auch (mir) weniger bekannte wie Kohelet, Tamar oder die Witwe von Sarepta. Jeder Vorstellung folgt eine theologische Einordnung sowie kurze Aufsätze von drei verschiedenen Personen, die ihre Gedanken zu verschiedenen, mit der vorgestellten biblischen Figur verbundenen Themen äußern. Es geht um Kunst, Emotionen, Politik, Beziehungen, Zweifel - was sich hier etwas willkürlich anhört, ist in Wirklichkeit der Versuch, verschiedene Aspekte der Wirklichkeit und des Lebens abzudecken. Die Texte sind alles andere als Predigten, sie sind Reflexionen und Erfahrungsberichte, die ich mit größtem Gewinn gelesen habe und die mich zum Nachdenken angeregt haben. Auch wenn ich nicht zur Zielgruppe des Buchs, das sich vornehmlich an Teenager richtet, gehöre, habe ich es mit größtem Gewinn gelesen - es hat mir eine ganz neue Perspektive auf die Bibel eröffnet. Eine absolute Leseempfehlung - auch für Erwachsene!

Bewertung vom 04.12.2024
Leuchten am Meeresgrund
Fox, Brad

Leuchten am Meeresgrund


ausgezeichnet

Das Buch „Leuchten am Meeresgrund“ von Brad Fox ist ein außergewöhnliches Leseerlebnis, das mir viele spannende Stunden beschert hat. Der Autor erzählt darin von der ersten Tiefseeexpedition, die im Sommer 1934 stattfand. Dabei stützt er sich auf die originalen Logbücher und lässt seine Leser*innen dadurch hautnah teilhaben an diesem spannenden Abenteuer. Der Stil ist eine faszinierende Mischung aus Sachbuch, Biographie und Roman und der Autor schafft es sehr gut, uns die faszinierende Unterwasserwelt mit ihren so fremdartigen Lebewesen nahezubringen. Aber das ist noch lange nicht alles! Es geht natürlich auch um die an der Expedition beteiligten Menschen, ihre Geschichte(n), um Goethes Farbenlehre, um die Geschichte des Tauchens und und und. Dabei geht der Autor eher impressionistisch vor, sodass er der Gefahr entgeht, ein trockenes Sachbuch zu schreiben. Im Gegenteil: Ich fühlte mich sehr beflügelt, inspiriert und angeregt von seinen Ausführungen.
Mit zum Reiz tragen natürlich auch die wunderschönen Illustrationen bei. Sie verleihen dem Buch eine künstlerische Anmutung und laden zum Blättern und Staunen ein.

Bewertung vom 30.10.2024
So gehn wir denn hinab
Ward, Jesmyn

So gehn wir denn hinab


sehr gut

„So geh’n wir denn hinab“ ist der Titel von Jesmyn Wards neuem Buch. Er verweist auf das „Inferno“ in Dantes Göttlicher Komödie und wahrhaft höllisch ist Annis‘ Schicksal. Sie lebt als Sklavin zusammen mit ihrer Mutter, mit der sie eine tiefe Liebe verbindet, auf dem Besitz ihres Sire und ist dessen Willkür und sexuellen Übergriffen ausgesetzt. Als sie sich in eine andere Frau verliebt, verkauft ihr „Besitzer“ sie nach New Orleans. Wenn schon ihr Schicksal im Haus des Sire unerträglich war – der mehrere hundert Kilometer dauernde Höllenmarsch „hinunter“ nach New Orleans ist erst der Beginn eines wirklich unglaublichen Leidenswegs. Eine Art von Trost schöpft Annis allein aus der Verbindung zu diversen Naturgeistern, die sich ihr offenbaren und die eine Verbindung zu ihren afrikanischen Wurzeln darstellen. Diese verleihen ihr auch die Kraft, alles auf eine Karte zu setzen…

Das Buch zerfällt für mich in zwei Teile. Da ist zum einen der Teil, der detailreich und bildhaft das Leben und Schicksal von Annis erzählt, die grausame Realität der Sklavenhaltergesellschaft, die Gewalt, die Willkür, der die Schwarzen ausgesetzt sind, die Sklavenmärkte, die Trauer um den Verlust der Mutter, die vom Sire ebenfalls verkauft wurde, und vieles mehr. Die bildhaften Schilderungen waren für mich oft schwer zu ertragen – keine leichte Kost. Auf der anderen Seite waren da die Schilderungen der Geisterwelt und Annis‘ Interaktion mit ihr. Dieser Teil nimmt im Laufe des Romans einen immer größeren Raum ein und war für mich etwas mühsam zu lesen, denn mir fehlten die Hintergründe dazu und so richtig hat sich mir nicht erschlossen, was es mit Der, die sich erinnert, Denen, die Nehmen und Geben, den Windgeistern, dem WASSER und all den anderen Naturgeistern auf sich hat. Es wäre schön, wenn die Autorin in einem Nachwort etwas Klarheit geschaffen hätte.

Das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt. Die Sprache der Autorin manchmal drastisch, manchmal zart, oft poetisch und immer eindrucksvoll und bildhaft. Das Ende ist hoffnungsvoll und bewegend. „So geh’n wir denn hinab“ ist ein Buch, das für mich noch lange nachhallen wird.

Bewertung vom 29.10.2024
Lauf wie der Wind, Sky!
Parry, Rosanne

Lauf wie der Wind, Sky!


ausgezeichnet

„Lauf wie der Wind, Sky“ erzählt die bewegende Geschichte von Sky, einem Wildpferd, das inmitten seiner Herde in der amerikanischen Prairie ein freies und glückliches Leben führt. Doch die Idylle dauert nicht ewig, denn die heranwachsenden Hengste müssen die Herde verlassen. Nach der Trennung von seiner Herde gerät Sky in die Hände von Menschen und in Gefangenschaft. Ein mitreißendes und berührendes Abenteuer beginnt. Wird es Sky gelingen, sich zu befreien?
Das Buch ist aus der Sicht von Sky geschrieben, was dem Leser / der Leserin ermöglicht, tief in die Welt der Pferde einzutauchen. Rosanne Parry schreibt kindgerecht, plastisch und bildhaft, aber trotzdem poetisch, sodass ich mich sehr gut in die Geschichte und Skys Charakter einfühlen konnte. Schöne und poetische Naturschilderungen tragen mit zum Reiz der Geschichte bei und erheben das Buch weit über eine reine Abenteuergeschichte hinaus.
Die Autorin behandelt in ihrem Buch Themen wie Familie, Freunde, Freiheit, Verlust und die Überwindung von Schwierigkeiten – alles Themen, die junge Leser*innen beschäftigen. Ganz nebenbei werden viele lehrreiche Informationen über Wildpferde vermittelt, was das Buch auch zu einer interessanten Lektüre für Erwachsene werden lässt.
Die schönen, stimmungsvollen Illustrationen runden die mitreißende Geschichte ab und bereichern sie. Sie regen die Fantasie an und tragen mit zur Atmosphäre der Geschichte bei.
Weiterhin ist hervorzuheben, dass das Buch für junge Leser*innen sehr lesefreundlich gestaltet ist. Die Länge der Kapitel, die angenehme Schriftgröße, das Verhältnis zwischen Text und Illustration sind genau richtig für Leser*innen ab neun Jahren, wobei sich die Geschichte auch ausgezeichnet zum Vorlesen eignet. Auch Erwachsene oder ältere Kinder werden ihre Freude an ihr haben.

Bewertung vom 10.10.2024
Von Angesicht zu Angesicht
Eulberg, Dominik;Hörren, Thomas;Danke, Thorben

Von Angesicht zu Angesicht


ausgezeichnet

Wow, was für ein tolles Buch! Schon der erste Eindruck ist begeisternd: Ich halte einen sehr großen, schweren Prachtband in Händen, der einen sehr hochwertigen Eindruck macht. Das Buch gibt, ganz übersichtlich in Käfer, Schmetterlinge und andere "Ordnungen" (ich hätte "Arten" gesagt") einen Einblick in die spannende Welt der Insekten. Das geschieht in Form von eindrucksvollen Makrofotos, die gestochenen scharf und ästhetisch sehr ansprechend die kleinsten Details eines Insektenkörpers zeigen - unglaublich faszinierend, einen Schmetterlingsflügel oder ein Insektenbein in Großaufnahme zu sehen. Nicht minder begeisternd sind die Texte. Sie vermitteln viel Interessantes, Kurioses, Spannendes über die Insekten und schaffen es, Informationen unterhaltsam darzubieten, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. So fühlen sich Fachleute und Laien gleichermaßen von diesem wunderschönen Buch angesprochen. Eine ganz klare Kaufempfehlung!

Bewertung vom 10.10.2024
Das Wohlbefinden
Lenze, Ulla

Das Wohlbefinden


ausgezeichnet

Ulla Lenzes Buch „Das Wohlbefinden“ spielt auf drei verschiedenen Zeitebenen und erzählt von drei Frauen, die auf verschiedene Art und Weise mit- und untereinander verbunden sind. Der erste Handlungsstrang spielt um die Jahrhundertwende, wo wir Johanna Schellmann, Arztfrau und Schriftstellerin kennenlernen. In den Beelitzer Lungenheilstätten trifft sie auf Anna, eine Fabrikarbeiterin, die als Medium und Hellseherin berühmt wurde. Eine zweite Ebene spielt in den 1960er Jahren, wo wir Johanna wiedertreffen, die nun allein und von der Welt vergessen, nur betreut von ihrem Pfleger, in Berlin lebt. Eine dritte Ebene spielt in den 2020er Jahren, mitten in der Coronazeit, wo Vanessa, Johannas Urenkelin, in Berlin auf Wohnungssuche ist.

„Das Wohlbefinden“ hat mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen. Besonders gut gefallen haben mir die eindrucksvollen Beschreibungen von Beelitz. Ein Besuch der Location steht auf jeden Fall auf meiner Bucket-List, wenn ich das nächste Mal wieder in Berlin bin. Die Autorin versteht es sehr gut, durch ihre Sprache die einzelnen Personen zu charakterisieren und ein Gefühl für die Zeit, in der die einzelnen Geschichten spielen, zu vermitteln.

So konnte ich sehr gut in das Buch eintauchen und war auch gespannt, wie sich die einzelnen Handlungsstränge entwickeln und am Ende zueinander finden. Leider konnte für mich das Buch die Spannung, die es in den ersten Kapiteln aufzubauen wusste, nicht so recht durchhalten. Ab der Mitte zerfasert die Handlung etwas und dümpelt so dahin, das Ende kommt dann recht abrupt und konnte mich nicht überzeugen.

Trotzdem habe ich die Lektüre sehr genossen und ich habe eine Menge mitgenommen – nicht zuletzt auch historisches Wissen. Das Buch hat mich dazu angeregt, darüber nachzudenken, wie sich bestimmte Konstanten durch die Zeiten hindurchziehen und sich nur in anderem Gewand darstellen: Von der Tuberkulose zu Corona, von der in prekären Verhältnissen lebenden Fabrikarbeiterin bis hin zur schlecht bezahlten Contentmanagerin, die sich keine Wohnung in Berlin leisten kann, vom Okkultismus bis hin zur spirituellen Sinnsuche – es hat mich beeindruckt zu erkennen, wie die Themen und Herausforderungen eigentlich ähnlich sind. Die Zeiten und die sozialen Umstände mögen sich ändern, aber die fundamentalen menschlichen Fragen bleiben doch die gleichen.

Bewertung vom 21.09.2024
Akikos stilles Glück
Sendker, Jan-Philipp

Akikos stilles Glück


ausgezeichnet

„Akikos stilles Glück“ von Jan-Philipp Sendker ist ein Roman, der mich sehr berührt hat. Der Autor greift hier die Themen Einsamkeit und Selbstfindung vor einer eindrucksvollen japanischen Kulisse auf.
Akiko führt ein beschauliches, selbstgenügsames Leben, das geprägt ist von Arbeit, Essen und Schlfen. Sie ist so etwas wie eine Aussteigerin, die sich den gesellschaftlichen Normen (Heiraten, Kinder bekommen) entzieht. Auch ihr Jugendfreund Kento, den sie zufällig trifft, führt ein zurückgezogenes Leben, nur noch extremer, da er als Hikikomori seine Wohnung kaum noch verlässt. Während sich die beiden langsam annähern, erfährt Akiko etwas, das ihr Selbstbild radikal infrage stellt. Sie beginnt, ihr bisheriges Leben und ihre Vorstellung neu zu betrachten und zu hinterfragen…
Der Schreibstil ist angenehm und flüssig, was das Lesen zu einem echten Vergnügen macht. Die Beschreibungen der japanischen Gesellschaft und des Lebens sind detailreich und überzeugend und sie lassen den / die Leser*in tief in die fremde Kultur eintauchen. Auch die Charaktere sind überzeugend und authentisch geschildert und wenn mir doch manche (Wert)vorstellungen fremd sind, schafft der Autor es doch sehr gut, das Innere von Akiko so empathisch und einfühlsam darzustellen, dass ich trotz der kulturellen Unterschiede ihre Gedanken und Gefühle nachvollziehen konnte. Man leidet und bangt mit ihr mit und geht mit ihre auf die Suche (mehr wird nicht verraten, um nicht zu spoilern…)
Fazit: Ein wunderbares, zartes, zärtliches Buch, das uns mit ins ferne Japan nimmt und uns anregt, darüber nachzudenken, wer wir sind, was uns ausmacht und was uns wichtig ist.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 27.08.2024
Artemisia Gentileschi und Der Zorn der Frauen
Jaskulla, Gabriela

Artemisia Gentileschi und Der Zorn der Frauen


ausgezeichnet

In ihrem Buch „Artemisia Gentileschi und Der Zorn der Frauen“ widmet sich Gabriela Jaskulla der faszinierenden, heute vielleicht nur ausgewiesenen Kunstexperten bekannten Barockmalerin Artemisia Gentileschi und ihrer dramatischen Lebensgeschichte. Mit ihrem Buch schafft Jaskulla es, diese bemerkenswerte Frau aus dem Dunkel der Geschichte zu holen und schenkt ihr die Aufmerksamkeit, die ihr gebührt.

Gentileschi ist aber auch durch ein dramatisches Ereignis aus ihrer Jugend bekannt. Sie wurde im Alter von 17 Jahren durch ihren Lehrer vergewaltigt und zeigte Mut und Entschlossenheit, indem sie den Mann vor Gericht anklagte. Der Prozess, der damals viel Aufsehen erregte und dessen Akten immer noch zugänglich sind, ist auch Thema des Buchs und eine der vielen Demütigungen, die Gentileschi in ihrem Leben erleiden musste – allein, weil sie eine Frau war.

Jaskulla folgt den Spuren ihrer Hauptfigur von Rom über Florenz und Venedig und Neapel. Sie schafft es, eine längst vergangene Epoche zu Leben zu erwecken und viel interessantes Hintergrundwissen über die Malerei und die Künstlerszene des Barock in ihren Roman einfließen zu lassen. Eindrucksvoll vermittelt die Autorin die Schwierigkeiten, aber auch die Erfolge und Triumphe, die Gentileschi als Frau in einer von Männern dominierten Welt erlebte.

Neben dem historischen Hintergrund versteht es die Autorin ausgezeichnet, sich in ihre Hauptfigur einzufühlen und ihren Leser*innen Gentileschis Persönlichkeit – so wie sie sie sieht – nahezubringen. Sie beschreibt eine starke Frau, die trotz Schwierigkeiten ihren Weg als Künstlerin geht – gehen muss. An solchen Stellen wird GEntileschia Schicksal zum Sinnbild für den Kampf jeder Frau um Selbstbestimmung und -verwirklichung.

Die Erzählweise des Buches wechselt zwischen zwei Zeitebenen. Da ist zum einen die Ebene, die in der Barockzeit spielt und Gentileschis Leben nachzeichnet, eine andere Ebene liegt in der Jetztzeit und schildert, wie ein Filmteam versucht, das Leben der Malerin zu verfilmen. Diese Perspektivwechsel erlauben es uns, Gentileschis Geschichte in einem größeren Kontext zu sehen und zeigen, dass ihre damalige Lebensrealität auch heute noch von Bedeutung ist.

Fazit: Ein tolles Buch, eine spannende Künstlerinnenbiographie und ein faszinierender historischer Roman. Sehr empfehlenswert.

Bewertung vom 23.08.2024
Solito
Zamora, Javier

Solito


ausgezeichnet

In seinem Buch „Solito“ schildert der salvadorianische Dichter und Aktivist Javier Zamora auf eindringliche und berührende Weise die alptraumhafte Flucht aus seiner Heimatstadt La Herradura in die USA, wo seine Eltern als illegale Einwanderer leben.

Das Buch liest sich spannend und fast wie ein Abenteuerroman – dabei ist es leider traurige Realität für viele Flüchtende, die sich auf der Suche nach einem besseren Leben in die Hände gewissenloser Schlepper begeben. Zamora beschreibt aus der Perspektive eines Kindes in einfacher, dafür aber umso eindringlicherer Sprache, wie er und seine Weggefährten sich von Versteck zu Versteck hangeln, in einem offenen Boot auf dem Meer, in Lastwagen und auf gefährlichen Fußmärschen durch die Wüste um ihr Überleben kämpfen. Nicht selten geraten sie dabei in höchste Gefahr, immer auf Gedeih und Verderb auf die Schlepper und fremde Menschen angewiesen.

Inmitten all dieser Schrecken erfährt Javier aber immer auch Momente der Liebe und Fürsorge. So ist das Buch auch eine Geschichte über Solidarität, Verbundenheit, Mitgefühl und die Kraft, die in uns steckt und in Zeiten extremer Bedrohung und Verzweiflung Hoffnung gibt.

Dass der Autor die Reise als Kind selbst durchlebt hat und weiß, wovon er schreibt, macht das Buch so authentisch und berührend. Zamora schafft es perfekt, dass wir als Leser*innen uns mit seiner Hauptfigur identifizieren können und die Welt aus ihren Augen sehen. So leben, leiden und fiebern wir mit Javier – dass wir erahnen können, dass die Geschichte einen guten Ausgang nimmt, tut der Spannung keinen Abbruch.

Fazit: „Solito“ ist ein sehr wichtiges Buch, dass uns die Realität flüchtender Menschen eindringlich vor Augen führt und darstellt. Es gibt den Menschen, die in den Berichten nur allzu oft anonymisierend als „Flüchtlingsstrom“ bezeichnet werden, ein Gesicht und macht klar, dass hinter jedem dieser Menschen ein Schicksal steht.