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Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
Hilou
Wohnort: 
Bielefeld

Bewertungen

Insgesamt 178 Bewertungen
Bewertung vom 29.03.2025
Elbfeuer
Wollschlaeger, Nicole

Elbfeuer


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
In Kophusen stellt der Zirkus Puccini seine Zelte auf. Kurz darauf wird der Zirkusdirektor tot in seinem Wohnwagen aufgefunden. Alle Spuren deuten auf einen Suizid hin. Doch Goldberg bleibt der Fall weiterhin suspekt. Denn angefangen mit dem handschriftlich verfassten Abschiedsbrief, den das Opfer hinterlassen hat, und den recht emotionslosen Angehörigen ereignen sich später noch einige seltsame Vorfälle. Die Pythonschlange wird eines Nachts freigelassen und ein Esel erleidet eine blutige Verletzung. Goldberg vermutet, dass jemand dem Zirkus schaden will, doch die Zusammenhänge geben zunächst Rätsel auf...

Meine Leseerfahrung:
Es ist inzwischen der neunte Teil der Elb-Reihe und ich freue mich jedesmal riesig auf die Fortsetzungen. Nicole Wollschlaeger hat immer ein interessantes Setting und kreative Fälle zu bieten. Dieses Mal beginnt die Geschichte im Prolog mit einem Selbstmord, der allerdings zu Anfang bereits Fragen aufwirft. Auch wenn der Tote einen Abschiedsbrief hinterlassen hat, ist der Fall insgesamt eher mysteriös. Goldberg lässt sich nicht beirren und ermittelt zunächst weiterhin im Hintergrund. Nach weiteren unerklärlichen Geschehnissen ist sofort klar, dass hier tatsächlich etwas faul ist und Goldberg völlig richtig liegt mit seiner Spürnase. Die Ermittlungsarbeit des Kophusener Trios ist wieder sehr spannend und unterhaltsam. Dafür sorgen weiterhin die humorvollen Dialoge und natürlich: Hauke Thomsen.

Hauke ist tatsächlich mal in einer festen Beziehung und ich bin froh, dass seine Verliebtheit nicht dieselben Züge annimmt, wie beim dritten Teil "Elbspiel". Die kitschig anmutende Liebelei mit Sophie fand ich damals recht anstrengend. Mit Freija scheint er aber endlich sein Liebesglück gefunden zu haben und wirkt durch sie geerdeter als sonst. Da können wir auch über seinen Handy-Klingelton "Love is in the air" hinwegsehen bzw. es erdulden.

Verglichen mit den Vorgängern ist "Elbfeuer" deutlich ruhiger und zeigt keine so starke düstere Atmosphäre, was aber nicht bedeutet, dass dieser Band nicht spannend ist. Ganz im Gegenteil, ich habe die Story genauso genossen wie die vorherigen Fälle von Goldberg. In diesem Buch wird das Zirkusleben eingehender durchleuchtet und Themen wie schwierige Familienverhältnisse, Drogenkonsum und Obdachlosigkeit angerissen. Zudem kommen wir gegen Ende des Buches in Goldbergs Vergangenheit einen großen Schritt weiter, so dass sich der Kreis langsam schließt. Vielleicht kommt er im nächsten Band endlich zur Ruhe und kann sich voll und ganz seiner Beziehung zu Magda widmen. Ich bin weiterhin gespannt...

Fazit:
"Elbfeuer" von Nicole Wollschlaeger glänzt wieder mit einem sympathischen Ermittler-Trio, facettenreichen Nebencharakteren, spannendem Plot und einer guten Portion Humor. Diese Krimireihe darf nie enden!

Bewertung vom 08.03.2025
Leather & Lark - Hass und Liebe liegen nah beieinander / Ruinous Love Bd.2
Weaver, Brynne

Leather & Lark - Hass und Liebe liegen nah beieinander / Ruinous Love Bd.2


sehr gut

Zum Inhalt:
Lachlan "Leather" Kane ist nicht nur der ältere Bruder des Serienkillers Rowan "Butcher", sondern arbeitet selbst als Auftragskiller für die Unterwelt. Doch er möchte aussteigen und endlich ein friedlicheres Leben führen, was sowohl ihn als auch seinen Bruder Rowan und dessen frisch angetraute Frau Sloane in die Schusslinie bringt. Sloanes beste Freundin Lark Montague macht Lachlan daraufhin einen Vorschlag: Eine Heirat mit ihr, um ihn von seinen "dunklen" Verpflichtungen zu befreien und allen Angehörigen Schutz zu bieten, insbesondere Schutz vor Larks zwielichtiger Familie. Lachlan geht notgedrungen auf den Deal ein, obwohl die beiden sich gegenseitig nicht ausstehen können. Während sie zur Zielscheibe eines gemeinsamen Feindes werden, wird aus ihrer Abneigung zueinander pure Leidenschaft...

Meine Leseerfahrung:
Der erste Teil dieser Dark RomCom Reihe hatte mich tatsächlich kalt erwischt. Eigentlich gar nicht so mein Genre, und doch wurde ich sehr gut unterhalten und hatte spaßige Lesestunden mit Butcher und Blackbird. Die Geschichte von Lachlan und Lark dagegen ist bei Weitem nicht so turbulent, dafür aber voller Emotionen. Und damit ist die Story auch viel entspannter und ruhiger als erwartet. Mir fehlte hier die Brutalität und auch all die skurrilen Momente des ersten Teils. Daher fand ich den Nachfolger im Ergebnis etwas schwächer, aber nicht weniger unterhaltsam.

Die Hauptcharaktere sind bereits aus dem ersten Band bekannt, wobei ich nicht auf dem Schirm hatte, dass diese beiden einen gemeinsamen romantischen Weg einschlagen würden. Was hier mit einer deutlichen Abneigung beginnt, entwickelt sich allmählich zu einer tiefen Bindung, wobei Brynne Weaver sich mit Lachlan und Lark offensichtlich eingehender beschäftigt hat. Die Entwicklungen beider Figuren erscheint viel strukturierter im Vergleich zu Butcher und Blackbird. Kein Wunder, denn sowohl Lachlan als auch Lark haben eine heftige Leidensgeschichte in jungen Jahren. Einerseits verbindet sie ihre dunkle Vergangenheit, andererseits ihre Sensibilität für die Menschen, die sie lieben und beschützen wollen. Damit sind sie im Gegensatz zu Butcher und Blackbird nicht ständig in der Täterrolle, sondern müssen Gefahren an allen Fronten abwehren.

Der gemeinsame Faktor dieser Reihe ist der trockene Sarkasmus und der schwarze Humor, der auch beim 2. Teil nicht zu kurz kommt. Hier sollte man die Triggerwarnungen ebenfalls ernst nehmen, auch wenn extreme und spicy Szenen bei Weitem nicht so heftig sind wie beim 1. Teil.

Fazit:
"Leather & Lark" von Brynne Weaver knüpft erfolgreich an den Vorgänger an. Trotz einer abgeschwächten Killer-Story, sorgt das Buch für gute Unterhaltung mit sarkastischen Dialogen, schwarzem Humor und einer langsam kochenden Liebesgeschichte, die für knisternde Spannung sorgt.

Bewertung vom 22.02.2025
Vierhundert Seelen
Kendi, Ibram X.; Blain, Keisha N.

Vierhundert Seelen


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Der bekannte Rassismusforscher Ibram X. Kendi und die Historikerin Keisha N. Blain haben 80 Autoren und Autorinnen und 10 Dichter/innen der afroamerikanischen Community in ihrem gemeinsam herausgegebenem Buch "400 Seelen" zusammengebracht, um 400 Jahre afroamerikanische Geschichte aus ihrer ganz persönlichen Sicht in Erzählungen und Gedichten zusammenzufassen. Beginnend mit 1619, als die ´White Lion` mit etwa 20 schwarzen Sklaven an der Küste von Virginia anlegt, noch vor der Mayflower, fängt somit auch die afroamerikanische Geschichte an. Jeder einzelne Beitrag in diesem Buch befasst sich mit historischen Geschehnissen und bedeutsamen Ereignissen, die vermutlich in kaum einem Geschichtsbuch zu finden sind. 

Meine Leseerfahrung:
Nachdem ich die Antirassismus-Bücher von Ibram X. Kendi gelesen hatte, hatte ich bereits die Erfahrung, Geschichte aus einem völlig anderen Blickwinkel zu erleben. Mit "400 Seelen" führt uns Kendi tiefer in die afroamerikanische Geschichte ein und stellt uns vergessene oder verdrängte Geschehnisse, erlassene Gesetze und zum Teil historische Persönlichkeiten vor, die sonst nirgends in Geschichtsbüchern auftauchen, sie aber gleichwohl Amerika in den letzten vier Jahrhunderten auf ihre eigene Art und Weise mitgeprägt haben. 

Das Buch ist in 10 Teile unterteilt; die einzelnen Beiträge behandeln bestimmte zeitliche Abschnitte der Geschichte, wobei das gesamte Buch chronologisch aufgebaut ist. Am Ende gibt es einen Teil mit Anmerkungen zu den Fußnoten sowie einen Anhang mit Infos zu den Autoren und Autorinnen. Selbst die deutschen Übersetzer und Übersetzerinnen der Texte werden ganz zum Schluss vorgestellt. 

Besonders bewegt hat mich beispielsweise die Geschichte der Sally Hemings, die in sehr jungen Jahren zur Konkubine des Außenministers Thomas Jefferson (Amtszeit 1790-1794) wurde und in "wilder Ehe" mehrere Kinder mit ihm gezeugt hat. Unvorstellbar und skandalös zu dieser Zeit und wahrscheinlich auch deswegen eine totgeschwiegene Begebenheit. Im Gegensatz dazu wurde 1630 ein Weißer wegen Beischlafs mit einer Schwarzen Frau noch ausgepeitscht, und das in aller Öffentlichkeit - an anderer Stelle in einem Essay von Ijeoma Oluo nachlesbar. 
Ebenfalls ein sehr bewegender Text ist auch "Baumwolle" von Kiese Laymon. Hier wird der Baumwollanbau angeprangert, ohne den womöglich keine Sklaven in den Süden Amerikas geschickt worden wären. Wie sähe das heutige Amerika dann wohl aus?
Gegen Ende sind dann auch Beiträge enthalten, die eher die Neuzeit ab den 80er Jahren betreffen: Themen wie die amerikanische Drogenpolitik, Hip-Hop und die Five Percent Nation, Hurrikan Katrina und schließlich Black Lives Matter.

Mit 672 Seiten ist das Buch ein ordentlicher Schmöker, aber die Reise in die wahre Vergangenheit ist es auf jeden Fall wert. Es ist nicht nur ein Buch über Leid und Trauma, sondern auch eins über Stärke, Ausdauer, Gleichberechtigung und jahrhundertelangem Kampf ums Dasein. 

Fazit:
Ibram X. Kendi hat mit "400 Seelen" ein herausragendes Werk zusammengetragen, das einen völlig anderen Blickwinkel in die afroamerikanische Geschichte bietet und für tieferes Verständnis im Hinblick auf die Entstehung der Schwarzen Community und der BLM-Bewegung sorgt. Ein sehr starkes und bewegendes Buch über den jahrhundertelangen Kampf der Afroamerikaner gegen Unterdrückung, Intoleranz und Hass!

Bewertung vom 07.02.2025
Stadt der Sterne
Summers, Georgia

Stadt der Sterne


gut

Zum Inhalt:
Die Familie Everly lebt schon seit Jahrhunderten mit einem grausamen Fluch. Jede Generation muss das talentierteste Mitglied der Familie mit der mysteriösen Penelope, die nie zu altern scheint, entsenden, um eine ewige Schuld zu begleichen. Niemand weiß, was mit diesen Menschen passiert, sie kommen niemals zurück. Violet Everly ist zehn Jahre alt, als ihre Mutter Marianne sie bei ihren Onkeln zurücklässt und spurlos verschwindet; angeblich entschlossen, den Fluch zu brechen. Doch seitdem gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihr. Penelope setzt Violet ein Ultimatum: 10 Jahre um ihre Mutter zu finden. Wenn ihr das nicht gelingt, muss sie anstelle ihrer Mutter Penelope begleiten. Die Zeit rennt und Violet hat nur eine Spur, die nach Fidelis führt, in die Stadt der Sterne....

Meine Leseerfahrung:
Wenn ich mal eine Pause von Fantasy-Reihen brauche, nehme ich mir gerne mal ein Stand-Alone vor. Bei "Stadt der Sterne" passte einfach der Plot und ich hatte auf eine schöne abgerundete Geschichte gehofft, bei der nicht noch zig Fortsetzungen folgen und man irgendwann den roten Faden verliert. Was hier aber vielversprechend begann, wurde leider allmählich konfus und verpuffte in einer langatmigen Story mit jede Menge unbeantworteter Fragen.

An sich bietet das Buch eine solide Fantasy-Geschichte mit Portalen zu anderen Welten, Astralen (für mich gänzlich neue Sternenwesen) und machtgierigen Scholaren, die mit einem geheimnisvollen Sternenmetall namens Reveurit ganze Städte erschaffen können sowie eine zarte Romanze, die sich sehr langsam über die Jahre aufbaut. Der Grundgedanke ist tatsächlich sehr interessant und für junge Menschen vielleicht sogar märchenhaft erzählt. Für mich persönlich war das Buch eher halbfertig. Vom Titel ausgehend sollte man meinen, dass der Fokus vermehrt auf der Sternenstadt Fidelis liegen sollte. Aber gerade dieser Ort kommt mE einfach zu kurz und ist nicht authentisch genug gezeichnet, so dass ich große Schwierigkeiten hatte, sie in meiner Vorstellung aufleben zu lassen. Ich hätte mir eine detailliertere tiefergehende Darstellung von Fidelis gewünscht. Dasselbe Problem hat man übrigens auch mit den einzelnen Charakteren. Bis auf Violet bleiben alle anderen Figuren recht blass und unnahbar. Die einzige interessante Persönlichkeit war für mich die Nebenfigur Caspian, die allerdings nicht oft genug auftauchte. Caspians Rolle in der Geschichte hätte man definitiv stärker ausbauen können.

Und schließlich sind im Verlauf der Geschichte auch zu viele schwache Stellen, die in ihrer Gesamtheit das Buch nicht ganz ausgereift erscheinen lassen. Vielversprechend startende Handlungsstränge verpuffen einfach ohne Ergebnisse, was für die Story total sinnlos erscheint. Es bleiben damit viele Fragen offen, die nicht mal zum Ende des Buches beantwortet werden, wie zB was nun mit Marianne wirklich passiert ist, weshalb sie nicht zurückkam etc.. Mir persönlich bleibt es auch ein Rätsel, warum Penelope so besessen von ihrem Assistenten Aleksander war und wieso sie gerade ihn auserkoren hatte, ihr zu dienen. Zu viele offene Fragen und fehlendes Hintergrundwissen erschwerten es mir, mich völlig auf das Buch einzulassen. Einen Leseabschnitt habe ich tatsächlich erneut lesen müssen, weil ich dachte, dass ich eventuell nicht aufmerksam genug war und mir wichtige Details womöglich entgangen sein könnten. Es lag aber einzig und allein an fehlenden Emotionen, mangelhaften Darstellungen des Settings und halbherzig gezeichneten Charakteren.

Schade um die Grundidee, die viel Potential hat, aber sich in den falschen Händen nicht entfalten konnte.

Fazit:
"Stadt der Sterne" von Georgia Summers startet vielversprechend und hätte mit der faszinierenden Grundidee ein solides gutes Fantasybuch werden können. Es scheitert allerdings daran wegen einer unausgereiften Erzählstruktur und einer halbherzig aufgebauten Fantasywelt.

Bewertung vom 19.01.2025
Todesspur / Sabine Nemez und Maarten Sneijder Bd.8
Gruber, Andreas

Todesspur / Sabine Nemez und Maarten Sneijder Bd.8


sehr gut

Zum Inhalt:
Terroranschläge erschüttern Deutschland und ein Ende ist nicht in Sicht. Die nächste Generation der extremistischen Gruppe RAF plant noch eine Reihe von weiteren Anschlägen. Ein Hauptverdächtiger, Paul Conrad, entgeht ganz knapp seiner Festnahme durch das BKA-Ermittlerteam von Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez. Während die beiden herauszufinden versuchen, was die Terrorgruppe weiterhin plant, rückt die zunächst eher unbeteiligte Lea Fuchs immer mehr in den Fokus der Ermittlungen. Doch die verfolgt wiederum ganz andere Pläne...

Meine Leseerfahrung:
Im deutschsprachigen Raum ist Andreas Gruber bereits eine bekannte Größe unter den Thriller-Autoren, für mich sogar einer der Besten. Ich habe fast alle Teile der Sneijder/Nemez-Reihe gelesen und wurde bisher nie enttäuscht. "Todesspur" weicht allerdings deutlich von den Vorgängern ab. Zum Einen steht diesmal organisierte Kriminalität auf politischer Ebene im Vordergrund, was bereits für sich genommen eine heikle und komplizierte Thematik in sich birgt; zum Anderen ist das Setting mit Urlaubsfeeling auf Mallorca diesmal sehr ungewohnt. Es gibt zudem zwei Handlungsstränge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Bis der rote Faden erscheint, wird es leider etwas langatmig.

Die Story bekommt nach und nach mehr Spannung, indem die ersten Morde auf Mallorca stattfinden. Damit nehmen die Ermittlungen auch mehr Fahrt auf. Sneijder und sein Team befinden sich zu diesem Zeitpunkt als Undercover-Beamte im Hotel. Die Geschehnisse überhäufen sich plötzlich nacheinander und dermaßen verstrickt, dass ich einige Leseabschnitte erneut lesen musste, um den Überblick behalten zu können.

Ein wenig Struktur hat mir tatsächlich in diesem Teil schließlich doch gefehlt, weswegen ich "Todesspur" zu den eher schwächeren Bänden der Reihe zähle. Nichtsdestotrotz war es ein Lesegenuss für mich, einer neuen Ermittlungsarbeit des Teams beizuwohnen, wobei ich mir ein wenig mehr Präsenz von Nemez gewünscht hätte. Im Großen und Ganzen ist das Buch aber absolut unterhaltsam gewesen. Ich würde diesen Teil auch Neulesern empfehlen, die noch eine Möglichkeit suchen, in die Reihe reinzuschnuppern. Klar sollte man die anfänglichen Teile gelesen haben, um die Charaktere besser einschätzen zu können. Hintergrundwissen schadet hierbei nie. Allerdings kann der 8. Teil der Reihe auch völlig unabhängig von seinen Vorgängern gelesen werden.

Fazit:
"Todesspur" vereint politisch motivierte Kriminalität, ungewohnte Undercover-Ermittlung und ein sommerliches Urlaubsfeeling mit einer Prise Humor. Anders als gewohnt und mit leichten Schwächen, aber immer noch durch und durch unterhaltsam!

Bewertung vom 28.12.2024
Carmilla
Le Fanu, Sheridan

Carmilla


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Laura lebt mit ihrem Vater recht bescheiden in einem abgeschiedenen Schloss in der Steiermark. Ihr Leben ist einsam, Besuch empfangen sie eher selten. Eines Nachts bei einem Spaziergang taucht eine Pferdekutsche auf, die in der Nähe des Schlosses in einen Unfall gerät. Aus der Kutsche wird die junge Carmilla bewusstlos geborgen. Ihre Mutter muss nach eigenen Angaben die Reise, bei der es um Leben und Tod geht, aber fortsetzen und Carmilla auf Grund ihres Zustandes zurücklassen. Zur Freude von Laura bietet ihr Vater an, Carmilla im Schloss als Gast aufzunehmen. Zwischen den jungen Frauen entsteht eine tiefe Freundschaft, die bald ihre Opfer fordert...

Meine Leseerfahrung:
"Carmilla" ist 26 Jahre vor Bram Stokers "Dracula" erschienen. Und wenn man beide Geschichten gelesen hat, kann man deutlich erkennen, dass Stoker sich hiervon hat beeinflussen lassen. Mir war dieser Klassiker lange Zeit tatsächlich völlig unbekannt, obwohl ich eine Phase hatte, wo ich mich durch sämtliche Vampirromane hindurchgearbeitet habe. Als ich ihn dann endlich doch entdeckt habe, hatte ich auf Grund der altbackenen Buchcover kaum Anreiz, das Buch mal in die Hand zu nehmen. Nun hat die Hobbitpresse endlich mal ein überaus ansprechendes Exemplar herausgebracht, das mit einem sehr einprägsamen Buchcover glänzt.

Erwartet habe ich bei "Carmilla" eher einen zähen Erzählstil, war dann doch überrascht über den sich flüssig lesenden Text. Wie bei "Dracula" handelt es sich hierbei auch um einen Briefroman, der aus Lauras Sicht geschrieben ist. Das ist deswegen so interessant, weil Laura eine tiefe Bindung zu Carmilla aufbaut und im weiteren Verlauf die Veränderungen in der beinahe toxischen Freundschaft allmählich erkennt. Zudem wird sie nachts von Alpträumen geplagt, die wie Vorboten der aufkeimenden Gefahr wirken. Ihre eigenen Schilderungen zu den Geschehnissen wirken aus ihrer Feder sehr authentisch und glaubwürdig.

Die Atmosphäre ist und bleibt durchgehend düster und beklemmend. Zwischen den beiden Mädchen mutet es zuweilen leicht erotisch an, so dass man sich ständig fragt, ob es tatsächliche starke Anziehungskraft ist oder eine Art manipulierende Hypnose seitens Carmilla, die nach und nach einzelne Vampirfähigkeiten aufblitzen lässt. Wenn man bedenkt, in welcher Zeit dieser Roman geschrieben wurde, verwundert es mich schon ein wenig, dass hier eine sexuelle Spannung zwischen zwei weiblichen Figuren derart frei und offen erzählt worden ist.

Mir hat an der Geschichte nur noch etwas mehr Hintergrundwissen zu Carmilla gefehlt, was die Story sicher mehr gefüllt hätte. Trotzdem ist dieser Klassiker sehr lesenwert und eine willkommene Abwechslung zu all den aktuellen Vampirromanen, die lediglich Lesertrends bedienen und nichts Innovatives mehr zu bieten haben.

Fazit:
"Carmilla" ist eine kurzweilige Vampirgeschichte über eine toxische Freundschaft zwischen zwei jungen Frauen, die schaurige Lesestunden garantiert. Ein Muss für Vampir-Fans!

Bewertung vom 25.12.2024
Die Maske des roten Todes und andere geheimnisvolle Erzählungen
Poe, Edgar Allan

Die Maske des roten Todes und andere geheimnisvolle Erzählungen


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Die neueste Ausgabe von "Die Maske des roten Todes" von Edgar Allan Poe aus dem Anaconda Verlag bündelt die bekannteste Erzählung mit weiteren Geschichten aus der Feder des Meisters wie "Der Goldkäfer", "Das Fass Amontillado", "Der Untergang des Hauses Usher", "Eleonora" und noch viele mehr. Zudem beinhaltet die Ausgabe 29 schwarzweiße Illustrationen des seinerzeit berühmten britischen Künstlers Arthur Rackham. 

Meine Leseerfahrung:
Meine Rezension beschränkt sich hier einzig und allein auf die Zusammensetzung der ausgewählten Erzählungen sowie die Gestaltung der Ausgabe aus dem Anaconda Verlag. Zu den Geschichten kann ich als Poe-Fan nur sagen, dass man Poe entweder zu schätzen weiß oder einfach nicht versteht. Allseits bekannt und unumstritten ist aber, dass er das Kriminal- und Horrorgenre stark geprägt und auch nachfolgende bekannte Autoren beeinflusst hat. 

"Die Maske des roten Todes" war tatsächlich die erste Erzählung des Meisters, mit der ich als Kind in Berührung kam. Wenn ich mich richtig erinnere, gab es eine Comic-Geschichte in einer Sonderausgabe von Gespenstergeschichten, die an diese Erzählung von Poe angelehnt war und mich von Anfang an fasziniert hatte. Erst viel später las ich sie in einer Geschichtensammlung und verschlang daraufhin auch alle anderen Kurzgeschichten, die in der Ausgabe enthalten waren. Und doch fällt mir immer wieder auf, dass ich noch nicht jede Kurzgeschichte von Poe gelesen habe. 

Mittlerweile habe ich so einige Ausgaben angesammelt und fand die bisherigen Buchcover recht lieblos. Diese Ausgabe ist aber optisch sehr ansprechend und eignet sich daher auch perfekt als Geschenk. Sie reiht sich auch wunderbar im Regal mit anderen Klassiker-Ausgaben aus dem Anaconda Verlag ein. 
Enthalten sind sowohl die bekanntesten Erzählungen als auch einige weniger bekannte Geschichten. Abgerundet wird die Ausgabe mit den zeitlosen Illustrationen von Arthur Rackham, was wiederum sehr stark für die Anschaffung dieser Ausgabe spricht. Denn mir waren sie bisher noch nicht untergekommen. Übrigens gibt es am Ende des Buches ein Quellenverzeichnis, in dem man Originaltitel, Erscheinungsdatum und die erste Publikation nachschlagen kann, was ich stark begrüße. Was ich hier ein wenig vermisse, sind die bekannten Gedichte wie "Der Rabe" und "Annabel Lee". Aber es ist schließlich eine reine Geschichtensammlung, und vielleicht beschert uns der Anaconda Verlag demnächst eine Ausgabe mit Gedichten von Poe, ebenfalls mit entsprechenden düsteren Illustrationen und einem genau so stilvollem Buchcover.

In meinem Klassiker-Regal hat diese Ausgabe hier mit Sicherheit einen besonderen Platz in der Edgar-Allan-Poe-Nische verdient. 

Fazit:
Wunderschön gestaltete Ausgabe mit den prägendsten Erzählungen von Edgar Allan Poe, die nicht nur Fans begeistern dürfte. Auch Klassiker-Liebhaber können sich hiermit ein kleines Schmuckstück ins Regal stellen. 

Bewertung vom 19.12.2024
We hunt the Flame / Die Reiche von Arawiya Bd.1
Faizal, Hafsah

We hunt the Flame / Die Reiche von Arawiya Bd.1


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Zafira kann als einzige Person den verfluchten Wald durchqueren. Sie jagt für die Menschen in ihrem Dorf, allerdings immer als Mann verkleidet, da ihr sonst eine Bestrafung droht. Eines Tages erscheint ihr eine Hexe, die sie darauf ansetzt, ein bestimmtes Artefakt zu finden, mit dessen Hilfe der sich immer weiter ausbreitende Fluch gebrochen werden kann. Auch Nasir, der Sohn des Sultans, wird von seinem tyrannischen Vater auf genau dasselbe Artefakt angesetzt. Nasir, der auch Prinz des Todes genannt wird, erhält jedoch zusätzlich den Auftrag, den Jäger des verfluchten Waldes zu ermorden...

Meine Leseerfahrung:
Im Grundschulalter hatte ich mal ein altes Buch mit arabischen Märchen in die Hände bekommen und fand die Geschichten toll. Orientalische Märchen waren sozusagen meine ersten Fantasybücher. Daher war ich sehr gespannt auf die Welt, die Hafsah Faizal da für uns gezeichnet hat. Die Einbettung der Geschichte in ein arabisches Setting hat mich sehr beeindruckt.

Noch beeindruckender fand ich aber die facettenreichen Charaktere; jede einzelne Figur wurde ganz sicher mit Liebe zum Detail geschaffen. Zafira als starke Hauptprotagonistin habe ich direkt ins Herz geschlossen. Im Laufe der Geschichte entsteht zufem eine Schicksalsgemeinschaft von sehr unterschiedlichen Personen, die sich gemeinsam auf die Suche nach dem Artefakt begibt. Man merkt sofort, dass zwischen den einzelnen Personen einfach die Chemie stimmt. Das wird insbesondere an den Dialogen deutlich, die authentisch, geistreich und stellenweise sehr amüsant sind. Hinzu kommt, dass Faizal mit einer nahezu poetischen Erzählweise schreibt. Ich war sofort im Lesefluss und konnte vor Neugierde, was das nächste Kapitel bereithält, das Buch kaum aus den Händen lassen.

Die Story von Zafira und Nasir gefällt mir tatsächlich sogar besser als "A Tempest of Tea". Slow Burn vom Feinsten, denn für die Romanze muss man als Leser wirklich viel Geduld aufbringen. Aber die Spannung und das Knistern zieht sich bis zum Ende, und das wiederum macht das Buch regelrecht zu einem Pageturner.

Fazit:
"We hunt the Flame" ist großartige Romantasy mit starken Charakteren und einer magischen Geschichte mit Tiefgang. Eingebettet in eine lebhafte arabisch inspirierte Welt hebt sich das Buch deutlich im Fantasy-Genre ab und bietet ein einzigartiges Leseerlebnis.

Bewertung vom 10.11.2024
Verstummt / Georgia Bd.1
Slaughter, Karin

Verstummt / Georgia Bd.1


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Detective Michael Ormewood wird zu einem Tatort gerufen, bei der eine Prostituierte brutal ermordet wurde. Da der Fall Parallelen zu anderen Fällen mit vergewaltigten und ermordeten Mädchen aufweist, wird Ormewood der Special Agent Will Trent vom GBI zugeteilt, der mit ihm gemeinsam ermitteln soll. Als dann die junge Nachbarin von Ormewood tot aufgefunden wird, ist schnell klar, dass der Serienmörder ganz in der Nähe ist und alle Fälle auf irgendeine Weise zusammehängen müssen. Denn allen Opfern wurde die Zunge abgebissen...

Meine Leserfahrung:
Ich bin mittlerweile Fan der Bücher von Karin Slaughter, bin allerdings irgendwann in der Mitte in die Georgia-Reihe eingestiegen. Die ersten zwei Bücher mit Will Trent hatte ich noch nicht gelesen. Dass die Reihe einen neuen Coverlook bekommen hat, begrüße ich sehr. So kann ich auch die ungelesenen Bücher der Reihe nach und nach vornehmen.

"Verstummt" ist der Auftakt und ich bedaure es sehr, dass ich nicht schon früher damit angefangen habe. Im ersten Teil erfährt man bereits so viel über Will Trent und seine On-Off-Beziehung mit Angie Polaski sowie ihre gemeinsame Vergangenheit. Es gibt reichlich Rückblicke, sowohl bezüglich der Ermittler als auch der potenziellen Verdächtigen. Für manche mag das langatmig erscheinen, für den Fall sind die gelieferten Informationen jedoch enorm wichtig, zumal sich die Figuren ja durch die Reihe hindurch auch entwickeln. Außerdem hatte ich oft einen Aha-Effekt, wenn ich die Vorgeschichte von Will Trent las und Rückschlüsse zu den aktuelleren Büchern mit ihm schließen konnte.

Karin Slaughters Schreibstil ist glasklar, direkt und authentisch. Nichts wird in Watte gepackt, sondern knallhart formuliert. Daher ist dieser Thriller wie auch ihre anderen Bücher nichts für Zartbesaitete. Auch wenn man bereits früh erahnen kann, wer hier der Täter ist, verliert das Buch kein bisschen Spannung. Und das ist schon eine Kunst für sich, die Slaughter sehr gut beherrscht.

Fazit:
"Verstummt" ist ein solider Auftakt der Georgia-Reihe um Will Trent, der die Leserschaft mit harten Themen wie Mord, Vergewaltigung, Pädophilie, Prostitution und Drogenmissbrauch konfrontiert. Keine leichte Lektüre, dafür aber sehr authentisch und aufrüttelnd. Ganz klare Leseempfehlung für alle Thriller-Begeisterte!

Bewertung vom 02.11.2024
Butcher & Blackbird - Selbst die dunkelsten Seelen sehnen sich nach Liebe / Ruinous Love Bd.1
Weaver, Brynne

Butcher & Blackbird - Selbst die dunkelsten Seelen sehnen sich nach Liebe / Ruinous Love Bd.1


sehr gut

Zum Inhalt:
Sloane und Rowan sind zwei Gleichgesinnte mit dunklen Seelen. Beide sind Serienmörder auf der Jagd nach anderen Serienmördern. Als die beiden aufeinander treffen, beginnt eine außergewöhnliche Freundschaft, die sich über Jahre hält. Einmal im Jahr treten sie gegeneinander an und jagen die übelsten Mörder Amerikas. Doch die freundschaftlichen Gefühle zwischen den beiden werden mit der Zeit intensiver und leidenschaftlicher. Und am Ende haben sie mehr zu verlieren, als sie gegen ein wahrlich böses Monster antreten. 

Meine Leseerfahrung:
Ich lese viel Thriller und Fantasy. Darin darf auch hin und wieder mal eine Romanze vorkommen. Aber reine Liebesgeschichten sind mir zuwider. Eine Dark RomCom hatte ich noch nie und wollte damit ein wenig aus meiner Komfortzone kommen. Abwechslung ist gut, dache ich. Ich hatte ja keine Ahnung.

Gereizt hat mich eigentlich eher die Tatsache, dass es um zwei rivalisierende Serienkiller geht, die gleichgesinnt sind und Jagd auf andere Serienkiller machen. Da ich aktuell die Serie "Dexter" durchsuchte, habe ich angenommen, dass dieses Buch genau das Richtige für mich wäre. Dann habe ich die vorangestellten Triggerwarnungen gelesen,... und ja, die sollte man wirklich ernst nehmen. Inhaltlich hätte ich mir ehrlich gesagt mehr Morde gewünscht, auch wenn das etwas makaber klingt. Schließlich sind hier Serienmörder am Werk. Die Handungsebene erschien mir daher leider etwas zu seicht. Aber es ist ja eigentlich eine Liebesgeschichte, wobei man diese in Anführungsstriche setzen kann. 

Da es meine erste Dark Romance ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht, wie ich das Buch insgesamt bewerten soll. Aber weil ich im Ergebnis sehr unterhaltsame Lesestunden hatte und auch nur so durch die Seiten geflogen bin, gibt es von mir gute 4 Sterne. Allerdings spricht mich der schwarze Humor auch an und heikler Content ist für mich persönlich auch kein Thema, da ich von Thrillern schon so Einiges gewöhnt bin. Was mich allerdings etwas kalt erwischt hat, war die absolut detailliert dargestellten Sexszenen. Von zarter Romanze kaum ne Spur, hier geht es direkt ins Eingemachte. Aber was kann man auch Anderes von zwei Serienkillern erwarten?

Ab Januar folgt bereits der zweite Teil und ich werde sicherlich wieder mit dabei sein. Ich brauche in diesem Genre definitiv noch mehr Vergleichsmöglichkeiten. 

Fazit:
"Butcher & Blackbird" von Brynne Weaver kombiniert schwarzen Humor und Serienkiller-Vibes mit Düsternis und extremen Spice. Nichts für schwache Nerven, aber auf seine verstörende Art sehr unterhaltsam!