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Annabell

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Insgesamt 495 Bewertungen
Bewertung vom 18.01.2026
Sveistrup, Søren

Der Kuckucksjunge


sehr gut

Hab dich

In Kopenhagen verschwindet eine geschiedene Mutter spurlos. Kurz zuvor bekommt sie auf ihr Handy noch die Nachricht "Hab dich" geschickt. Genau die gleiche Botschaft bekam eine 19-jährige Schülerin vor einigen Jahren auch geschickt, kurz bevor sie ermordet worden ist. Steckt möglicherweise derselbe Täter dahinter? Kommissarin Naia Thulin ist sofort alamiert. Sie muss ausgerechnet mit Mark Hess erneut zusammenarbeiten. Doch bevor sie ihrer ersten Spur folgen können, taucht eine grausam zugerichtete Leiche auf und eine weitere Person wird vermisst, wieder mit derselben Nachricht.

"Der Kuckucksjunge" ist im Prinzip eine Fortsetzung mit Naia Thulin und Mark Hess. Man muss den Vorgänger "Der Kastanienmann" aber nicht zwingend kennen. Der Fall ist in sich selbst abgeschlossen und die notwendigen Informationen zu den beiden Hauptprotagonisten werden so eingestreut, dass man ihnen dennoch schnell nahekommt.

Die Handlung wird im Wechsel aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Zudem wurde hier auch in einzelne Teile geteilt und man erlebt die schwierigen Ermittlungen in der Gegenwart sowie was in der Vergangenheit passiert ist. Das sorgt für Abwechslung und macht den Fall vielschichtig. Der Spannungsbogen wird überwiegend auf einem Level gehalten. Hin und wieder gibt es Spannungshöhepunkte mit Nervenkitzel, die jedoch relativ schnell wieder abflachen. Dann plätschern die Ermittlungen wieder vor sich hin. Man hat das Gefühl es geht nicht vorwärts.

Der Fall selbst ist komplex und die Ermittlungen gestalten sich entsprechend schwierig. Die Wendungen in dem Fall sind gut gemacht. Man glaubt den Täter zu kennen, nur um dann doch wieder auf eine falsche Fährte geführt zu werden. Die Auflösung kann für viele überraschend kommen, allerdings hatte ich recht schnell den richtigen Riecher. Die Auflösung ist sehr schlüssig, doch ein etwas kraftvollerer Showdown wäre wünschenswert gewesen nach so einem langen Aufbau.

Thulin und Hess sind interessante, aber nicht immer einfache Charaktere. Hess wirkt verschlossen, während Thulin mit ihrer Sturheit aneckt. Beides passt zu ihnen, nimmt aber manchmal zu viel Raum ein. Das Privatleben der beiden ist gut eingebunden, rückt jedoch gelegentlich zu sehr in den Vordergrund und bremst den Kriminalfall aus. Marie Holst, die Mutter der 19-jährigen Caroline, fand ich mit ihrem Verhalten sehr nervig und sehr unsympathisch.

Der Schreibstil ist flüssig und mit den bildhaften Beschreibungen der Jahreszeit mit Schnee und Kälte wurde eine tolle Atmosphäre geschaffen.

Mein Fazit:
Ein atmosphärisch starker Thriller mit einem komplexen Fall, aber dennoch mit einigen Längen. Ich vergebe trotzdem eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 18.01.2026
Habersetzer, Roland

Die 30 Kata des Shotokan Karate


sehr gut

Das Buch macht schnell deutlich, dass es das praktische Üben der Kata nicht ersetzen kann. Die Inhalte eignen sich zur Vertiefung, Reflexion und Korrektur. Man sollte von diesem Buch nicht erwarten, dass man dadurch eine Kata selbst erlernen kann.

Die einleitenden Kapitel sind ausführlich formuliert und recht einfach zu verstehen. Gleichzeitig wirken sie durch ihre Länge und Textfülle beinahe überwältigend. Man hat gelegentlich das Gefühl, von Informationen überrollt zu werden, bevor man überhaupt bei den eigentlichen Kata angekommen ist.

Die Bildqualität ist okay, aber man hätte sie moderner gestalten können. Sie erfüllen aber dennoch ihren Zweck.

Ganz stark fand ich die detaillierten Technikbeschreibungen. Die Techniken werden nicht nur in ihrer Endposition gezeigt, sondern auch in ihrem Bewegungsverlauf. Sowohl die Bilder als auch die Texte führen Schritt für Schritt durch die Ausführung. Ein wertvoller Ansatz, der das Verständnis der Kata deutlich vertieft.
Allerdings besteht ein praktisches Problem durch die räumliche Trennung von Abbildungen und Schrittbeschreibungen. Die ausführlichen Erklärungen stehen oft mehrere Seiten vor den entsprechenden Bildern, was ständiges Hin- und Herblättern nötig macht. Eine direkte Zuordnung wie etwa kurze Schritttexte direkt unter den Bildern oder daneben würde die Nutzung deutlich erleichtern.

Ein deutlicher Schwachpunkt ist die fehlende Transparenz bezüglich der Verbandszugehörigkeit. Die Darstellung der Kata orientiert sich nicht klar an einem Verband. Ich trainiere im DJKB und mir fehlten hier insbesondere die neueren Anpassungen des JKA-Verbands. Diese wurden (noch) nicht berücksichtigt. Das kann zu Verwirrung führen, besonders für Karateka, die sich an aktuellen JKA-Standards orientieren. Zudem trainieren wir 26 Shotokan-Kata und nicht wie in diesem Lehrwerk 30 Kata.

Mein Fazit:
Aus Alt macht Neu - es ist mehr oder weniger eine Neuauflage. Es ist ein fundiertes, detailreiches Werk, das vor allem fortgeschrittenen Karateka als wertvolles Nachschlagewerk dient, ist aber eher ungeeignet für Anfänger. Die Fülle an Informationen, die Komplexität der Abläufe und die teilweise sehr dichten Textpassagen setzen ein gewisses Grundverständnis voraus.

Bewertung vom 11.01.2026
te Marveld, Saskia

Blutwild


sehr gut

Temporeich und extrem spannend
Die ehemalige Polizistin Anka kämpft immer noch mit den Folgen ihrer grausamen Entführung aus der die vor sechs Jahren entkam. Als sie nun eine verstörende SMS mit GPS-Daten und dem Wort HILFE erhält, wird sie erneut in ihren Albtraum gerissen. Die GPS-Daten führen sie zu einer abgelegenen Waldhütte, in der sie auf ein grausames Kunstwerk aus menschlichen Körperteilen stößt. Für sie ist es ein deutlicher Hinweis auf ihren früheren Peiniger. Doch ist er wirklich zurück, oder spielt jemand ein perfides Spiel? Ankas alte Todesangst kehrt mit voller Wucht zurück.

Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Es wird aus Sicht von Anka erzählt und man bekommt hin und wieder auch direkte Einblicke in die Gedankenwelt des Täters. Es wird schonungslos, brutal, kompromisslos erzählt und erzeugt damit eine unheimliche, düstere Atmosphäre. Manche Passagen sind wirklich nichts für schwache Nerven.

Der Schreibstil ist flüssig und treibt das Geschehen temporeich voran. Schon auf den ersten Seiten baut sich eine Spannung auf, die über das gesamte Buch hinweg konstant hoch bleibt. Zudem kommt der Nervenkitzel dabei nie zu kurz. Immer wieder entstehen Momente, in denen man das Gefühl hat, selbst in dieser düsteren, bedrohlichen Welt gefangen zu sein.

Die psychologische Zeichnung der Protagonistin Anka ist sehr gut gezeichnet. Ihre innere Zerrissenheit, die Angst, der ständige Kampf gegen die Schatten ihrer Vergangenheit wirkt glaubhaft, intensiv und emotional greifbar. Gleichzeitig bleibt sie aber dennoch recht blass. Man bekommt nur wenige Hintergrundinformationen zu ihr und ihrer Entführung vor sechs Jahren. Dadurch entsteht ein gewisser Abstand, der zwar Spannung erzeugt, aber auch das Gefühl hinterlässt, Anka nicht vollständig greifen zu können.

Trotz der vielen Stärken wirkt manches, etwas zu konstruiert, gerade bei dem was Anka widerfährt. Auch das Ende war für mich nicht ganz gut. Für mich wirkte nicht alles fertig aufgeklärt. Man hatte das Gefühl, dass die Autorin sich nur auf das Wesentliche um Anka beschränkt hat.

Mein Fazit:
Ein düsterer, harter Thriller mit enormem Tempo, psychologischer Tiefe und einer Atmosphäre, die unter die Haut geht. Wer Spannung sucht und starke Nerven hat, wird hier definitiv fündig. Eine klare Leseempfehlung von mir.

Bewertung vom 04.01.2026
Åslund, Sandra

Dann ruhest auch du / Maya Topelius Bd.3


sehr gut

Persönlicher Fall für Maya
In den Ruinen des Schlosses Borgholm auf Öland wird eine Journalistin tot aufgefunden. Es ist bereits der zweite Mord mit demselben Muster. Kriminalinspektorin Maya Topelius und ihr Partner Pär werden nach Kalmar geschickt, um die Hintergründe aufzudecken. Doch kaum haben sie mit den Ermittlungen begonnen, erschüttert ein weiterer Mord die Region. Die Spuren weisen in ein gefährliches Netzwerk rechtsextremer Strukturen auf dem Land. Für Maya wird der Fall zur Zerreißprobe, als sie eine Verbindung zu einem verdrängten Erlebnis aus ihrer Schulzeit erkennt. Alte Narben brechen auf – und sie muss sich fragen, ob sie der emotionalen Last standhalten kann oder daran zerbricht.

"Dann ruhest auch du" ist Teil 3 der Serie mit der Ermittlerin Maya Topelius. Dieser Teil soll auch zugleich den Abschluss der Reihe darstellen, auch wenn das Ende durchaus Raum für eine mögliche Fortsetzung lässt. Man kann den Krimi grundsätzlich auch ohne Vorkenntnisse, doch wie bei vielen Serien ist es von Vorteil, die Vorgänger zu kennen, da sich die private Entwicklung der Figuren über die Bände hinweg aufbaut.

Die Spannung entfaltet sich eher langsam. Der eigentliche Höhepunkt liegt erst im letzten Drittel und ist dann recht schnell vorbei, was den Lesefluss zwar nicht stört, aber etwas mehr dramaturgische Ausgewogenheit wünschenswert gemacht hätte. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen. Die atmosphärischen sowie bildhaften Beschreibungen transportieren ein schönes Schweden‑Flair.

Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, die für zusätzliche Dynamik sorgen und den Blick auf das Thema Rechtsextremismus facettenreich erweitern. Der Fokus liegt klar auf der Ermittlungsarbeit, doch die privaten Geschichten der Protagonisten kommen nicht zu kurz. Sie sind gut eingebunden, ohne wirklich vom eigentlichen Fall abzuschweifen. Sie lockern die Handlung etwas auf und geben einen tieferen Einblick in die einzelnen Protagonisten. Dadurch werden sie greifbarer.

Maya Topelius bleibt eine starke Hauptfigur. Sie ist empathisch, aber auch eigensinnig, mit gutem Gespür für Ermittlungsarbeit, aber hat leider eine Neigung, sich selbst in Gefahr zu bringen. Ihre Intuition und ihre Ideen zur Falllösung machen sie greifbar und interessant.

Mein Fazit:
Ein schöner solider Schweden-Krimi mit langsamen Spannungsaufbau, aber sympathischen Protagnonisten. Ich hoffe darauf, dass es möglicherweise doch noch eine Fortsetzung geben könnte. Eine Leseempfehlung für alle, die atmosphärische Schwedenkrimis mit ruhigem Spannungsaufbau mögen.

Bewertung vom 01.01.2026
Graf, Lisa

Zwei Rivalen, ein Traum. / Lindt & Sprüngli-Saga Bd.2


ausgezeichnet

Bern 1863: Nur knapp entgeht Rudolphe Lindt als Kind in Bern nur einem Unfall. Ein Blumenmädchen konnte ihn gerade noch retten, bevor ihn eine Kutsche im Vorbeifahren erwischt hätte. Seitdem fühlt er sich zu Größerem bestimmt. Statt den Erwartungen seiner Familie zu folgen, bricht er die Schule ab und stürzt sich in das Abenteuer seine eigene Schokoladenfabrik in Bern zu eröffnen. Dabei schafft er etwas Einzigartiges - er entwickelt das Conchieren, eine bahnbrechende Technik, die die Schokoladenherstellung revolutioniert.

"Lindt & Sprüngli - Zwei Rivalen, ein Traum" ist der zweite Band der Lindt & Sprüngli-Saga. Während im Vorgängerband die Geschichte der Sprünglis erzählt worden ist, wird in diesem Band hauptsächlich die Geschichte der Familie Lindt und dem jungen Rudolf (genannt Rodolphe) Lindt erzählt. Vorkenntnisse aus dem Vorgängerband sind dennoch empfehlenswert, da auch die Sprüngli-Familie wieder einen Teil der Geschichte einnimmt und es nahtlos anknüpft.

Der Roman wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was der Handlung eine lebendige Dynamik verleiht. Besonders im Mittelpunkt steht hier hauptsächlich Rodolphe, dessen Weg in die Lehre und seine ersten Schritte in der Kunst der Schokoladenherstellung den Kern des Buches bilden. Gerade diese Einblicke in das Handwerk sind faszinierend. Man spürt, wie viel Wissen, Experimentierfreude und Leidenschaft hinter jeder einzelnen Tafel steckt.

Der Schreibstil ist sehr bildgewandt, atmosphärisch und zugleich wunderbar flüssig zu lesen. Orte und Menschen sind so eindrücklich beschrieben, dass sie beim Lesen förmlich lebendig werden.

Die Charaktere sind vielfältig, authentisch und emotional greifbar. Schnell findet man Zugang zu ihnen und fühlt mit ihnen, egal aus welcher Gesellschaftsschicht sie stammen. Gerade diese sozialen Unterschiede stehen im Vordergrund und verleihen dem Roman eine zusätzliche historische Tiefe.

Besonders beeindruckend ist, wie nahtlos Realität und Fiktion ineinanderfließen. Oft ist kaum zu erkennen, wo historische Fakten enden und literarische Gestaltung beginnt. Hier wurde wirklich großartige Recherchearbeit geleistet.

Mein Fazit:
Nachdem mich bereits der erste Teil der Saga begeistert hat, war klar, dass ich auch diesen Band lesen musste. Die Fortsetzung ist erneut grandios geschrieben und macht große Lust auf den dritten Teil, den ich definitiv ebenfalls lesen werde. Ein Roman, den ich definitiv weiterempfehle.

Bewertung vom 28.12.2025
Motte, Anders de la

Rostiges Grab


ausgezeichnet

Graumädchen
Leo Asker soll eigentlich befördert werden, doch ein alter, mysteriöser Mordfall holt sie ein. Eine vor zehn Jahren getötete Frau ähnelt einer uralten Moorleiche aus derselben Gegend, und als plötzlich ein lange verschwundener Finger des Opfers auftaucht, rückt der unheimliche Wald Rostskogen wieder ins Zentrum der Ermittlungen. Lost-Place-Experte Martin Hill kommt ihr zu Hilfe und versucht mit Leo, die Wahrheit über den Mord und die dunklen Geheimnisse des Waldes und seiner Bewohner aufzudecken.

"Rostiges Grab" ist der dritte Teil der Reihe mir der Ermittlerin Leonore Asker. Dieser Teil lässt sich auch ganz gut ohne Vorkenntnisse lesen, dennoch ist es wie bei allen Buchreihen empfehlenswert die Vorgängerbände zu kennen, denn die Geschichte um die Hauptprotagonistin Leo Asker wird weiterentwickelt.

Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven abwechselnd erzählt - Martin Hill, Leo Asker und Jonas Hellmann. Es verleiht der Geschichte die besondere Dynamik und Tiefe. Besonders spannend sind die rätselhaften Einschübe des sogenannten „Graumädchens“. Sie werfen Fragen auf, erzeugen Unbehagen und treiben die Neugier an – wer steckt dahinter, und wie fügt sich diese Stimme in das Gesamtbild ein?

Das Setting ist eindrucksvoll gewählt. Die eine verlassene Torffabrik ist ein klassischer Lost Place, der düster und unheimlich wirkt. Die bildhaften Beschreibungen lassen die düstere Atmosphäre durch den dunklen, verlassenen Wald, spürbar werden. Man bekommt Gänsehautfeeling und man wird es nicht mehr los.

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig. Die Szenen sind so lebendig gezeichnet, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Die Kapitel enden häufig mit Cliffhängern, die einen unweigerlich weiterblättern lassen. Die Auflösung des Falls ist schlüssig und selbst am Ende wartet ein weiterer, großer Cliffhanger, der die Vorfreude auf den nächsten Band deutlich steigert.

Mein Fazit:
Ein Thriller mit einer starken Sogwirkung: atmosphärisch dicht, spannend konstruiert und mit einer Protagonistin, deren Entwicklung man unbedingt weiterverfolgen möchte. Ein Thriller, der unter die Haut geht und Lust auf die Fortsetzung macht.

Bewertung vom 23.12.2025
Patch, Jessica R.

Garden Girls


sehr gut

Atmosphärische Spannung
Ein Serienkiller inszeniert seine Opfer vor Leuchttürmen und tätowiert ihnen Blumen, die zu ihren Namen passen. FBI-Agent Tiberius Granger erkennt darin nicht nur ein grausames Muster, sondern auch eine Verbindung zu seiner Vergangenheit – und zu seiner früheren Liebe Bexley, deren Schwester verschwunden ist. Während ein Hurrikan auf North Carolina zurast, führt die Jagd nach dem Täter Tiberius und sein Team auf eine abgelegene Insel, auf der ein düsteres Geheimnis lauert und der Killer es offenbar gezielt auf ihn und seine Liebsten abgesehen hat.

"Garden Girls" soll Band 3 der Reihe um FBI-Agent Tiberius Granger sein. Hier liegt bereits ein kleiner Wermutstropfen, da die Vorgängerbände bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurden, fehlt ein Teil des Hintergrundwissens, auf das dieser Band immer wieder Bezug nimmt. Dennoch kann man dem Fall ohne Vorkenntnisse ganz gut folgen.

Der Fall selbst ist komplex aufgebaut, voller Verwicklungen und persönlicher Betroffenheit: Tiberius steht nicht nur beruflich, sondern auch emotional unter Druck. Die bedrohliche Kulisse eines herannahenden Hurrikans verstärkt die ohnehin beklemmende Stimmung und sorgt für ein unterschwelliges Gefühl von Zeitdruck und Gefahr.

Die wechselnden Perspektiven zwischen Ermittler, Täter und Opfer sorgen für Dynamik und eröffnen immer wieder neue Blickwinkel auf das Geschehen. Gleichzeitig verlangt die Vielzahl an Charakteren ein konzentriertes Lesen, damit man die Zusammenhänge nicht verliert. Außerdem wird einem Nervenkitzel, zahlreiche falsche Fährten, überraschende Wendungen und reichlich Gelegenheit zum Miträtseln geboten.

Der Schreibstil wirkt stellenweise etwas langatmig, was den Lesefluss gelegentlich bremst und es schwer macht, vollständig in die Geschichte einzutauchen. Dafür sind die Dialoge zwischen den Figuren sehr gelungen. Sie wirken authentisch und mit einer Prise Humor sowie Sarkasmus, der die Handlung ein wenig auflockert.

Mein Fazit:
Mir fiel es durch den etwas langatmigen Schreibstil etwas schwer in die Handlung rein zukommen, aber wenn man einmal drin ist, hat man einen atmosphärisch dichten, unvorhersehbaren Thriller mit starken Momenten und einem spannenden Fall. Es lohnt sich zu lesen.

Bewertung vom 21.12.2025
Sandberg, Ellen

Rauhnächte


sehr gut

Die 22-jährige Pia bekommt zufällig an Heiligabend ein Streigespräch zwischen ihren Eltern mit. Kurz darauf findet sie heraus, dass sie mit vier Jahren adoptiert worden ist. Auf der Suche nach ihrer Herkunft reist sie in den Heimatort ihrer leiblichen Mutter, nach Wasserburg am Inn. Dort, inmitten winterlicher Rauhnachtsbräuche und unheimlicher Gestalten, kommen alte Geheimnisse an die Oberfläche. Je näher Pia der Wahrheit kommt, desto bedrohlicher werden die Schatten der Vergangenheit – bis sie schließlich selbst in Lebensgefahr gerät.

Der Roman entfaltet von Beginn an eine düstere, winterlich‑mystische Atmosphäre, die perfekt zu den sagenumwobenen Tagen zwischen den Jahren passt. Besonders gelungen ist die Einbindung der alten Märchen, Sagen und Bräuche rund um die Rauhnächte, Prechten und den regionalen Aberglauben. Sie verleihen der Geschichte eine faszinierende Tiefe und einen angenehm unheimlichen Unterton. Dazu trägt auch der flüssige, sehr angenehm zu lesende Schreibstil bei, der die winterliche Stimmung und die beklemmende Atmosphäre der Rauhnächte eindrucksvoll transportiert.

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen, Gegenwart und Vergangenheit, die sich nach und nach zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. Anfangs plätschert die Handlung etwas vor sich hin, doch spätestens mit dem Schauplatz "Wasserburg" zieht die Spannung deutlich an. Ab da werden falsche Fährten gesetzt und unerwarteten Wendungen eingebaut, die einen immer wieder neu rätseln lassen, was damals wirklich geschehen ist. Im letzten Drittel legt die Spannung nochmal ordentlich zu und es wird so fesselnd, dass man das Buch kaum noch aus der Hand legen kann.

Die Figuren wirken authentisch und glaubwürdig, allen voran Pia, die als Hauptprotagonistin schnell Sympathie weckt. Man fühlt mit ihr mit, fiebert mit ihr mit und begleitet sie gern durch die verschneite, geheimnisvolle Kulisse.

Mein Fazit:
Trotz kleiner Längen zu Beginn es es insgesamt ein atmosphärisch dichter, gut aufgebauter Spannungsroman, der vor allem durch seine mystische Stimmung und das starke Finale überzeugt. Sehr lesenswert.

Bewertung vom 14.12.2025
Marshall, Kate Alice

Eisnebel


sehr gut

Familienintrige
Zusammen mit ihrem Verlobten Connor reist Theodora ins abgelegene Winterdomizil seiner wohlhabenden Familie Dalton. Doch bei seiner Familie stößt sie auf Misstrauen und Drohungen. Man versucht sie von Connor fernzuhalten. Nachts kehren bei Theodora alte Alpträume zurück und sie beschleicht das Gefühl schon einmal an diesem Ort gewesen zu sein. Sie geht auf dem Anwesen Idlewood auf eigene Entdeckungstour und macht in einer verlassenen Hütte eine erschütternde Entdeckung. Es beginnt eine gefährliche Reise in ihre eigene Vergangenheit und ihre verdrängten Kindheitserinnerungen kommen wieder hoch.

Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive von Theodora. Dadurch bekommt man einen tiefen Einblick in ihre Gedanken und Gefühle. Theodora ist selbst ein Rätsel. Sie hat keine klaren Erinnerungen an ihre Kindheit vor der Adoption. Es entsteht eine faszinierende Spannung zwischen Nähe und Distanz: Wir sind ganz nah an ihr dran, und doch bleibt sie uns fremd.

Die Spannung wird erst nur langsam aufgebaut. Hin und wieder werden rätselhafte Einschübe und Andeutungen gemacht, die für ein beklemmendes Gefühl sorgen und einem bewusst werden lässt, dass etwas nicht stimmt. Geheimnisse und falsche Fährten durchziehen die Handlung wie Spuren im Schnee, die sich plötzlich verlieren oder in die Irre führen. Gerade diese Unsicherheit hält die Spannung hoch und macht das Lesen zu einem ständigen Abwägen. Man stellt sich zudem ständig die Frage wem man trauen kann und wem nicht. Und was ist real oder doch nur Fassade der einzelnen Charakteren.

Für das Setting wurde eine winterliche Kulisse mit dem abgelegenen Anwesen einzelner Hütten und einem verschneiten Wald gewählt. Das Setting ist nicht nur Hintergrund, sondern trägt entscheidend zur kalten, düsteren, frostigen Stimmung bei.

Am Ende gibt es eine schlüssige Auflösung, die die verstreuten Puzzleteile zusammenfügt, ohne die Atmosphäre der Ungewissheit völlig aufzulösen.

Mein Fazit:
Eisnebel ist ein Thriller, der weniger auf schnelle Action setzt, sondern auf das langsame, beklemmende Gefühl, dass unter der Oberfläche mehr verborgen liegt, als man ahnt. Wer winterliche Settings, geheimnisvolle Figuren und psychologisch dichte Spannung liebt, wird hier fündig. Ich vergebe hier eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 07.12.2025
Schörghofer, Manuela

Schatten über dem Kloster / Isabella Falk ermittelt Bd.1


ausgezeichnet

Allgäu 1376: In den Ruinen des Klosters Weißenfels wir die Leiche des Bürgermeisters gefunden. Es stellt sich recht schnell heraus, dass er noch vor dem verheerenden Brand ermordet worden ist. Rudolf Falk, der zuständige Richter Füssens, will den Fall um seinen Freund aufklären. Doch er erkrankt und übertragt daher seiner Ehefrau Isabella das Erbe mit der Aufgabe, den Mord aufzuklären. Bei der Aufklärung bekommt sie Hilfe von dem jungen Stadtschreiber Leonhard. Gemeinsam mit ihm folgt sie einer Fährte aus Verrat und Intrigen. Dabei gerät sie selbst in Lebensgefahr.

"Schatten über dem Kloster" ist der Auftakt in eine neue Reihe um Isabella Falk, die Ehefrau des verstorbenen Richters.

Die Handlung hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Unerwartete Wendungen und geschickt platzierte Twists lassen kaum eine Lesepause zu. Wechselnde Perspektiven sorgen zusätzlich für Abwechslung und Spannung. Der Mix aus Krimi und historischem Roman funktioniert hervorragend. Die Ermittlungen rund um den mysteriösen Todesfall verweben sich nahtlos mit dem historischen Setting. Ein Hauch von Humor lockert die Handlung an den richtigen Stellen auf.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig und leicht zu lesen, ohne dabei die Sprache der damaligen Zeit zu vernachlässigen. So entsteht ein stimmiges Bild, das die Epoche lebendig werden lässt. Durch die detailreichen Umgebungsbeschreibungen und den Schilderungen des Alltags kann man sich ganz gut ein Bild machen, wie das Leben sich damals zugetragen hat.

Die Figuren wirken durchweg lebendig und authentisch. Allen voran Isabella, ist eine starke Protagonistin, die sich dem Rätsel um den Tod des Bürgermeisters stellen muss, um ihr Erbe zu sichern. Ihre Entschlossenheit und Klugheit machen sie zu einer Figur, sie einem sympathisch erscheint und mit der man mitfiebert. Auch die Nebencharaktere sind interessant gezeichnet. Manche waren mir mehr, bzw. manche waren weniger sympathisch.

Mein Fazit:
Ein packender Auftakt in eine neue historische Krimi-Reihe mit einer starken Protagonistin. Der Cliffhänger am Ende der Handlung war sehr fies und hat mich jetzt umso neugieriger auf die Fortsetzung gemacht. Das Buch ist definitiv lesenswert.