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Brombeere

Bewertungen

Insgesamt 266 Bewertungen
Bewertung vom 04.01.2026
Kingsley, Felicia

The Heat is on - Something's Cooking Between Us


sehr gut

unterhaltsam und erstaunlich tiefgründig

Worum geht es?
Für Ermittlungen schlüpft FBI-Agent Dwight Faraday in die Rolle des Kochs Romeo. Er soll die Familieninterna der Familie Villa herausfinden und daher mit Tochter Julia gemeinsam im neu gegründeten Restaurant kochen. Aus anfänglichen Streitigkeiten entwickelt sich immer mehr und Dwight fällt seine Rolle zunehmend schwer.

Worum geht es wirklich?
Familie, Eigenständigkeit, Vertrauen und Hoffnung.

Lesenswert?
Ja, hat mich wunderbar unterhalten. Das Buch ist recht humorvoll und schafft es dabei auch tiefgründige Themen anzusprechen, auch wenn es trotzdem Klischees beinhaltet.
Alleine die Kombination aus Romeo und Julia, die zusammen in der Küche stehen und immer wieder in merkwürdige Situationen stolpern, ist voller Witz. Manchmal vielleicht ein wenig übertrieben und unglaubwürdig, aber doch herrlich unterhaltsam. Julia entpuppt sich dabei als eigensinnige junge Frau, die oft wie ein behütetes Küken behandelt wird - sehr zu ihrem eigenen Ärger. Für Romeo ist zu Beginn das ganze nur ein Job, aber immer mehr kommen Gefühle und Interesse ins Spiel und er gerät in Erklärungsnot.
Sprachlich (Übersetzung Nina Restemeier) hat mir das Buch sehr gut gefallen. Der italienische Einschlag bleibt auch im deutschen wunderbar bestehen, auch wenn die Familienstrukturen oft von Klischees geprägt sind.
Die Hauptfiguren Julia und Romeo sind beide super sympathisch, auch wenn sie am Anfang sehr rau miteinander umgehen. Dies wird im späteren Verlauf anders und zeigt viel gegenseitiges Verständnis.
Der Handlungsverlauf ist eher klassischer Natur mit Drama im vorletzten Teil. Hier konnte ich teilweise die Reaktionen der Figuren nicht verständlich und finde die Lösung auch nicht ganz nachvollziehbar.
Trotzdem hat mich dieses Buch positiv überrascht und sehr gut unterhalten: Die Figuren sind spritzig und die Anziehung ist sehr schön beschrieben, es werden überraschend viele ernste Themen behandelt und auch wohlwollend besprochen.
Dies hat mich auf jeden Fall davon überzeugt, dass ich weitere Bücher der Autorin lesen wollen würde!

Bewertung vom 04.01.2026
Bichon, Malou

Musenrausch (Nektar und Ambrosia, Band 1).


gut

Worum geht es?
Plötzlich sitzt ein fremder Mann auf Wandas Sofa und entpuppt sich als ihre leibhaftige Muse Neo. Eigentlich sollte sie ihn nicht sehen und nun sind die beiden aneinander gebunden und können sich nicht mehr voneinander entfernen. Währenddessen scheint die Welt ins Chaos zu stürzen.

Worum geht es wirklich?
Kunst, Mythologie und Schicksal.

Lesenswert?
Ja, auch wenn es mich nicht überzeugen konnte. Definitiv toll ist der Schreibstil von Malou Bichon, der poetisch und wunderschön ist. Sprachlich ist das Buch definitiv eine schöne Wahl. Auch das zauberhafte Cover überzeugt und die Themen und Vielfalt, denen sich Bichon annimmt. Künste und Musen, Künstlerdasein und Schaffenskrise sind eindrücklich dargestellt. Bichon schildert Menschen in ihrer Vielfältigkeit und auch abseits von Normbildern. Zudem eine schöne Umkehr des männlichen Künstlers und seiner weiblichen Muse. Funktioniert auch anders herum offenbar einwandfrei.
Leider gibt es auch Punkte die mich nicht überzeugt haben. Trotz der schönen Sprache konnte ich den Bildern teilweise nicht folgen und wurde nicht in das ganze eingesogen - wie ich persönlich es beim Lesen eigentlich sehr gerne habe.
Die vielen Namen (geschuldet dem Mythologie-Thema) haben mehrfach für Unübersichtlichkeit gesorgt und schlussendlich konnte ich dem Plot auch nicht ganz folgen. Die Beschreibungen der Orte zwischendrin sind gelungen, aber das ganze Zwischenmenschliche hat mich nicht gepackt oder berührt. Im mittleren Teil war es für mich ein wenig besser und logischer, wurde dann jedoch wieder unklarer und schlechter.
Ich würde definitiv noch ein Buch von Malou Bichon lesen wollen, weil mich die Sprache und Vielfalt überzeugen konnten. Diese konkrete Reihe werde ich jedoch nicht weiter verfolgen.
Trotzdem würde ich das Buch empfehlen, gerade wenn man sich mit Mythologie etwas besser auskennt oder viele Namen kein Problem darstellen.

Bewertung vom 04.01.2026
Kingfisher

Dornenhecke


sehr gut

Worum geht es?
Krötling, mal Kröte und mal Mensch, sitzt in der dicken Dornenhecke und beobachtet aufmerksam, wer sich nähert. Denn die Dornenhecke verbirgt möglicherweise unter Umständen etwas. Glücklicherweise wenden sich die meisten wieder ab. Doch ein Ritter wagt sich näher an die Dornen und Krötling muss plötzlich eingreifen.

Worum geht es wirklich?
Schicksal, Annäherung und Überraschungen.

Lesenswert?
Ja, hat mir gut gefallen. Das Buch ist märchenhaft, erzählt jedoch eine völlig andere Geschichte als man normalerweise kennt. In diesem Buch kommen die Figuren zu Wort, die sonst in einem Märchen nur am Rande auftauchen.
Krötling als Wächterin mit überraschender Vergangenheit und ein Ritter, der sich ganz anders als verhält als man es von einem eingebildeten strahlenden Kämpfer gewöhnt ist. Beide sind sehr sympathisch und ganz wundervolle Protagonist*innen, die oft auch mit sich hadern oder nicht immer die klügste Entscheidung treffen.
Sprachlich (Übersetzung Elena Helfrecht) hat mir die Geschichte gut gefallen und das Design der einzelnen Kapitel und des Covers ebenfalls.
Nach und nach erfährt man beim Lesen die ganzen Hintergründe. Zuerst sehr spannend, in welche Richtung sich das ganze entwickelt und dann spannend, wie es weiter gehen wird, wie Krötling mit der Situation umgehen wird. Ich mag, wie die Autorin dabei oft mit Klischees bricht und man überrascht wird.
Das Märchen bringt zwar eine gewisse Düsternis mit sich, jedoch weniger Horror-Elemente als andere Bücher der Autorin.
Man bekommt hier eine spannende Neuinterpretation so mancher Märchen-Stoffe und einen neuen Blickwinkel.
Obwohl die Handlung düster ist, so sind die Figuren trotzdem wohlwollend, nett und ihre Eigenschaften wohl durchdacht.
Ein hübsches Geschenk für Märchenfreund*innen, die neugierig auf moderne und neue Blickwinkel sind.

Bewertung vom 22.11.2025
Wittwer, Tara-Louise

NEMESIS' TÖCHTER


ausgezeichnet

Worum geht es?
Um female rage (was sich nicht 1:1 mit weiblicher Wut übersetzen lässt), der jahrhundertelangen Unterdrückung von Frauen, ihrem Wissen, ihren Körpern, ihrer Selbstbestimmung. Es geht um Frauen, die anders waren. Um Frauen, die Gemeinschaften gebildet haben. Um wütende Frauen.

Worum geht es wirklich?
Wut, Zusammenhalt und Befreiung.

Lesenswert?
Ja, absolut. Ich finde Taras Schreibstil super angenehm und klug. Die Kapitel sind eher kurz, aber voller Informationen. Es scheint einfach jeder Satz dort zu sein, wo er hingehört. Gerade auch die weniger berichtenden, als vielmehr… poetischen (?) Einschübe haben mir super gefallen. Diese Sätze sind lange nachgehallt und am liebsten würde man direkt wieder von vorne beginnen.
Tara schreibt über ihre eigene Erfahrung, ihre Erfahrungen mit Social Media und zieht bei allem so geschickt und klug Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten.
Zeitgleich reflektiert sie sich auch, erzählt wie sie früher viel mehr Wert auf die Anerkennung durch Männer gelegt hat und wie sich dies geändert hat. Dadurch wirkt ihre Erzählung nahbar und nicht ermahnend. Man findet sich in ihren Erzählungen wider, man sieht sich selbst in ihr.
Und, da bin ich ehrlich: Taras Wut ist ansteckend. Was leicht beginnt, wird irgendwann zu dem Wunsch einfach nur ob der Umstände zu schreien.
Ich habe mich selten so gesehen und bestärkt gefühlt, so bestärkt darin Frauenfreundschaften zu festigen und zu stärken und grundsätzliche Dinge zu hinterfragen.
Es ist wunderbar, wie Tara es schafft, trotz all der unterdrückenden Informationen Hoffnung und Mut zu stiften.
Ich würde dieses Buch generell allen Frauen empfehlen, sprachlich finden sich jedoch vermutlich jüngere Personen eher wieder. Auch das Hörbuch (gelesen von der Autorin selbst) ist eine super Empfehlung, da man hier noch einmal die Betonungen und Intentionen ganz anders erlebt.
Die Lektüre war bereichernd und ich wünsche uns allen mehr Mut und mehr Mut zum laut sein!

Bewertung vom 22.11.2025
Razavi, Parvin

Ein Fest für Gemüse


sehr gut

Was erwartet einen?
Eine Vielzahl an Kapiteln, die einzelnen Gemüsesorten gewidmet sind und verschiedenste Zubereitungsmethoden und Gerichte beinhalten. Zusätzlich noch Grundrezepte und generelle Tipps.

Was habe ich bisher getestet?
Ich habe aus den „Gemüsekapiteln“ 4-5 Dinge zubereitet und ebenfalls ein paar Rezepte aus den Grundrezepten ausprobiert. Bei den Rezepten habe ich nach (saisonaler) Verfügbarkeit entschieden.

Was gefällt mir gut / hat mich positiv überrascht?
Die Aufmachung und Konzeption, bei der einem Gemüse mehrere Seiten gewidmet sind, gefällt mir sehr gut. Es beginnt stets mit einer Doppelseite, die das Gemüse und ein paar grundsätzliche Informationen präsentiert und dann folgen eine Hand voll Rezepte, eines je Doppelseite. Die Bilder sind für mein Empfinden ansprechend gewählt und erzeugen durch ihre bunten Farben direkt gute Laune beim durchblättern. Die Gerichte variieren von Beilage zu Hauptgericht oder auch Snacks. Schön sind hierbei auch die Tipps und Kombinationsmöglichkeiten sowie genannten Alternativen.
Die benötigten Zutaten stellen größtenteils keine Hürde dar. Die Zutatenliste ist übersichtlich und die Anleitung kurz und knapp, jedoch ausreichend. Es gab keine Unklarheiten.

Was hat mir gefehlt?
Gerade da die Rezepte in ihrer Kategorie variieren, fiel mir oft die Mengeneinschätzung bzw. empfohlene Personenanzahl schwer. Natürlich immer super individuell, aber wenn man das Buch neu verwendet, ist man ab und zu ein bisschen ratlos ob man nachher zu viel oder zu wenig Essen auf dem Tisch stehen haben wird.
Und auch, wenn Zeitangaben ja oft nicht stimmen, helfen sie mir dennoch ein wenig. Daher hat mir hier auch die Zubereitungszeit gefehlt.

Fazit:
Ein schönes Buch (auch ein schönes Geschenk) für Menschen, die gerne neue Seiten von Gemüse entdecken möchten und Gewürzen nicht abgeneigt sind. Hilft auf jeden Fall, wenn man Gemüse X gekauft (oder geerntet) hat und nun eine Verwendung sucht.

Bewertung vom 22.11.2025
Clark, P. Djèlí

Die toten Katzen-Assassinen


sehr gut

Worum geht es?
Die tote Auftragsmörderin Eveen hält sich normal an alle geltenden Regeln für ihre Aufträge. Bis sie eines Tages in eine Zwickmühle gerät, bei der sie nicht mehr weiß wie sie agieren soll ohne von den Höllenhunden verschlungen zu werden.

Worum geht es wirklich?
Versprechen, Vergangenheit und Trickserei

Lesenswert?
Ja, hat mich trotz seiner Kürze wirklich gut unterhalten. Man wird direkt zu Beginn voll in die Fantasy-Welt hineingeworfen. Protagonistin Eveen ist eine Untote, die keinerlei Erinnerungen an die Vergangenheit hat und als Auftragsmörderin tätig ist. Sie ist eine starke und laut fluchende Frau, die immer ihren Weg geht und dabei selten nach hinten zu schauen scheint. Bekannt ist sie als gnadenlose Ausweiderin.
Das Buch hat schon eine gewisse Brutalität und Grausamkeit, doch wird das ganze nicht sonderlich ausgeführt, sodass ich es angenehm gefunden habe. Auch gruselig ist es nicht, stattdessen eher voller Action und dem ein oder anderen derben Witz oder Fluch.
Die Protagonist*innen fand ich spannend und sympathisch.
Der Spannungsbogen war ebenfalls gut und das Buch hatte eine klar umrissene Handlung um die es geht. Dabei wird wenig nach rechts und links geguckt oder die Welt erklärt. Damit muss man klar kommen, wenn man sich für diese Lektüre entscheidet.
Trotzdem ist das ganze so gut gemacht, dass man einfach direkt voll eintauchen kann und sich gut zurecht findet.
Sprachlich (Übersetzung Bernd Sambale) ebenfalls gut, wenn auch manchmal umgangssprachlich. Am Ende des Buches erhält man einen Einblick in die Schwierigkeit der deutschsprachigen Übersetzung samt spannender Ausführungen. Das hat mich auf jeden Fall fasziniert.
Wenn man für eine kurze Geschichte in eine unglaublich fantastische Welt eintauchen möchte, dann kann ich dieses Buch guten Gewissens empfehlen! Habe auf jeden Fall große Lust auf weitere Bücher des Autors.

Bewertung vom 22.11.2025
Kinney, Wallis

A Dark and Secret Magic


ausgezeichnet

Worum geht es?
Die Hexe Hecate gehört einem Zirkel an und soll an Halloween, ihrem 31. Geburtstag, ihre magischen Fähigkeiten spezialisieren. Doch plötzlich bekommt sie Besuch von Matthew, den sie jahrelang nicht gesehen hat. Und er berichtet von dunklen Fähigkeiten und will Hecate warnen.

Worum geht es wirklich?
Familienbande, herbstliche Stimmung und Geheimnisse.

Lesenswert?
Ja, absolut. Dieses Buch ist eine durch und durch gelungene Herbstlektüre und gibt einem richtig tolle cozy witchy Vifes kurz vor Halloween.
Die Handlung spielt die paar Tage vor dem Fest, aber lässt sich sicher auch gut in den anderen herbstlichen Monaten lesen. Rezepte, Gerüche, Kräuter und Kürbisse, magische Rituale und nebelverhangene Wälder spielen eine Rolle und somit perfekt für die dunkler werdende Jahreszeit.
Sprachlich (Übersetzung Jasmin Humburg) sehr angenehm und hinsichtlich der Kapitelstruktur perfekt für abendelange Lektüre.
Mir haben die Protagonist*innen und das gesamt Setting unglaublich gut gefallen. Kate lebt mit ihrem Kater Merlin als Heckenhexe in einem kleinen Cottage und es erfüllt im besten Sinne alle Klischees die man sich für eine stimmungsvolle Lektüre nur wünschen kann. Matthew ist eine spannende zweite Figur und die Interaktion zwischen den beiden war für mich genau richtig. Auch wenn es um Gefühle geht und Dinge angedeutet werden, ist das Buch nicht spicy. Es besticht stattdessen voll und ganz durch die herbstliche Stimmung, die von wohlig warm bis zu düster und albtraumhaft reicht.
Das Worldbuilding, wie Magie funktioniert, fand ich richtig spannend und sehr gut vorstellbar.
Zu dem zauberhaften Cover und der Gestaltung muss man vermutlich gar nichts mehr sagen. Als wunderbaren kleinen Bonus gibt es nach der eigentlichen Geschichte noch Rezepte. Denn während der Lektüre läuft einem definitiv das Wasser im Mund zusammen.
Ich habe die Lektüre unglaublich genossen, weil sie mir genau das geliefert hat, was sie verspricht und mich voll in ihre Welt ziehen konnte.
Ich würde dieses Buch für Fantasyliebhaber*innen empfehlen, die sich richtig schöne Herbststimmung wünschen und mit einer klugen und sympathischen Hexenhecke mitfiebern wollen!

Bewertung vom 22.11.2025
Klein, Ezra;Thompson, Derek

Der neue Wohlstand


gut

Worum geht es?
Um die Optionen einen neuen Wohlstand (am Beispiel der USA) anzustoßen, der nicht nur auf Geldbesitz ausgelegt ist, sondern von anderen großen Themen gestärkt wird.

Worum geht es wirklich?
Utopien, Bürokratieabbau und in gewisser Weise auch Naivität.

Lesenswert?
Ja, weil es viele spannende und interessante Aspekte gibt. Dennoch gab es auch einige Punkte, die ich eher kritisch sehe. Die beiden Autoren (Politikexperte und Journalist) beleuchten die 5 großen Säulen Wachsen, Bauen, Regieren, Erfinden und Anwenden, die mal mehr und mal weniger konkret die us-amerikanische Situation beleuchten, sich manchmal aber auch auf andere Länder beziehen (können).
Sprachlich (Übersetzung Katrin Harlass) ist das Buch wirklich angenehm und gut lesbar. Der Inhalt ist verständlich und erfordert wenig Vorkenntnis. Manchmal ist es jedoch schwierig, das Prinzip in den USA zu verstehen, wenn man aus Europa kommt. Die Aufteilung und die Kapitelaufteilung und -länge sorgen für eine angenehme Lektüre.
Inhaltlich kann ich jedoch nur einen Teil der Argumente und Gedankengänge nachvollziehen, sodass ich keinen so großen WOW!-Effekt hatte, wie ich mir vielleicht bei einem Buch dieser Art gewünscht habe.
Spannendes Thema zum Beispiel war der „Engstellenermittler“, bei dem es primär darum geht, zu erkennen, was gerade einen Fortschritt verhindert und wie man diese Situation gelöst bekommt. Auch die Hintergrundinformationen zu Corona-Impfstoffen und die verschiedenen Optionen der Finanzierung haben beeindruckt.
Schwierig hingegen empfinde ich die dauerhafte (und nicht differenziert betrachtete) Forderung nach Bürokratieabbau. Meines Wissens nach sterben in anderen Ländern so viele Menschen bei Erdbeben, weil es einfach keinerlei Bauvorschriften gibt und dann ganze Quartiere zusammenbrechen. Hier davon auszugehen, dass natürlich von sich aus die Baufirmen auf DIESEN Punkt achten werden, halt ich für gewagt. Ebenfalls im Zusammenhang mit Wohnungsthemen wird auch bemängelt, dass Wohnungen für Obdachlose bestimmte Vorschriften für den Bau haben. Frei nach dem Motto „Sollen sie doch froh sein, überhaupt etwas zu bekommen!“ - nein. Warum werden hier Menschen zweiter Klasse erschaffen?
Auch das Thema Atomkraft wird unreflektiert beworben und mit keinem Satz wird auf die Probleme von Endlagern oder Materialien eingegangen. Es wird ausschließlich auf die klimafreundliche Bilanz hingewiesen.
Dafür, dass das Buch so viele neue Ideen beherbergen will, gilt erstaunlich oft ein gewisses Gesetz des Stärkeren und eine Regellosigkeit, die meiner Meinung nach auch keine Lösung sein kann.
Trotzdem spannende Lektüre, viel gelernt und interessante Ideen bekommen.

Bewertung vom 03.11.2025
Levin, Amat

Black History


sehr gut

Worum geht es?
Um Schwarze Geschichte, sowohl in Afrika als auch in anderen Ländern, um längst vergessene Zeiten, dunkle Jahrhunderte und Freiheitskämpfe.

Lesenswert?
Ja, auch wenn ich mich zu Beginn etwas schwer getan habe, weil der Inhalt so voller neuer Informationen war. Der Autor (und Journalist und Podcaster) Amat Levin beschäftigt sich in vier großen Teilen mit alten Kulturen in Afrika, dann mit der Erforschung Afrikas und dem atlantischen Sklavenhandels, dem Ende der Sklaverei und dem Beginn des Kolonialismus und schließlich mit dem Kampf um die Freiheit. Jeder der Teile ist nochmal in ca. 10-25 Unterkapitel gegliedert, die von sehr unterschiedlicher Länge sind. Tatsächlich fand ich diese Längenunterschiede sehr angenehm beim Lesen. Ich würde sagen, dass es empfehlenswert ist, die Kapitel in der vorgegebenen Reihenfolge zu lesen, da die Themen oft nahtlos ineinander übergehen.

Sprachlich (Übersetzung Susanne Dahmann) handelt es sich hierbei um eine gut lesbare Lektüre, für die man auch keine sonderlichen Vorkenntnisse braucht. Ich habe jedoch gemerkt, dass es mir leichter fiel Kapitel zu verstehen, zu denen ich schon ein wenig Vorkenntnis hatte. Ist jedoch nicht zwingend notwendig.

Für mich ist das Buch ein Anreiz neues zu entdecken. Es hat, wie der Autor am Ende selbst schreibt, nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Er musste sich für einen Bruchteil der erwähnenswerten Eckpunkte entscheiden und könnte noch weitere Bücher mit mehr Informationen füllen. Das Buch lädt jedoch dazu ein, sich einfach mehr mit den Ländern zu beschäftigen, bestimmte Persönlichkeiten kennenzulernen und auch hier in die tiefere Recherche einzutauchen.

Generell ist das Buch für jede Person empfehlenswert, egal ob man selbst Schwarz ist oder weiß ist und in einem Land lebt, das vom Kolonialismus und der Ausbeutung profitiert hat. Das Buch räumt mit den Erzählungen vom unzivilisierten Kontinent auf und zeigt, wie Kulturen ohne Europäer existiert haben und welche Folgen das Verhalten von machtgierigen europäischen Ländern (bis heute) hat.

Ich kann das Buch empfehlen, wenn man sein Wissen erweitern möchte und gern erzählte Bilder hinterfragen mag. Man muss auch nicht alles in einem Rutsch lesen, sondern kann einfach Stück für Stück begreifen, auf sich wirken lassen und in die eigene Recherche abtauchen.

Bewertung vom 03.11.2025
Schreiber, Jasmin

Da, wo ich dich sehen kann


ausgezeichnet

Oh mein Herz!

Worum geht es?
Maja verliert ihre Mutter, da der Vater sie ermordet. Ein Großelternpaar verliert seine Tochter und eine junge Frau ihre Freundin. Emma hinterlässt eine klaffende Wunde und die Hinterbliebenen müssen nun mit der neuen Realität (über)leben.

Worum geht es wirklich?
Macht im Patriarchat, Trauer und Wut und neue vorsichtige Wege.

Lesenswert?
Ja, absolut. Gleich vorweg: Die Themen in diesem Buch sind schwer, sind düster und bedrückend. Und trotzdem wusste ich bereits vor der Lektüre, dass man sich beim Lesen einfach aus Jasmin Schreiber verlassen kann.

Ich weiß, dass sie sorgsam mit Bildern und Worten umgeht, dass sie Schwere gut verpacken kann und die lesende Person nie komplett zerstört zurücklässt. Und trotzdem hat dieses Buch einfach so viele Emotionen ausgelöst.

Wie erwähnt geht es um die Menschen, die zurück bleiben und weiter leben müssen, wenn eine Mutter/Tochter/Freundin ermordet wurde. Es geht nicht um die Tat und es geht in erster Linie auch nicht um die Tote. Stattdessen geht es um die, die übrig bleiben. Die, die vielleicht keine Worte finden. Die, dich sich fragen „Was wäre wenn?“ Und „Hätte ich es sehen müssen?“.

Alle Figuren fand ich auf ihre Art und Weise richtig gut dargestellt und vielschichtig im Umgang miteinander. Bedächtig und langsam baut Schreiber die Situation aus, wobei es sich nicht um eine konkrete Handlung dreht. Sondern um die pure Zeit nach der Tat.

Sprachlich konnte mich auch dieses Buch einfach überzeugen. Man fliegt nur so durch die Seiten und das Layout des Buches mit den schönen Kapitelsymbolen, den Einschüben von Texten und Berichten und den auftauchenden Sonderkapiteln ist einfach super gelungen und wirkt durchdacht und hochwertig.

Generell scheint in dieser Geschichte so vieles durchdacht und wunderbar zusammengefügt.

Auch wenn das schwere Thema bedrückend war - wie könnte es auch nicht - war es jedoch eine andere Tatsache, die mein Herz einfach völlig geschmerzt hat und mich bei der Lektüre hat weinen lassen: Jasmin Schreiber hat ihrer verstorbenen Hündin Chloé einen Auftritt in diesem Buch verschafft, genau so wie man die Hündin auf Instagram immer sehen durfte. Ihre Geschichte wird hier erneut erzählt - jedoch ohne alternatives Ende.

Und trotzdem war das so unfassbar schön und berührend, dass mein Herz schon beim ersten Auftritt geschmerzt hat.

Ich habe unglaublichen Respekt vor diese Entscheidung und bin sehr dankbar, dass die Autorin uns diese Einblicke ermöglicht hat.

Sollte man lesen! Man sollte jedoch auch Taschentücher bereit halten.