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Bookwood
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Bad Honnef

Bewertungen

Insgesamt 108 Bewertungen
Bewertung vom 16.03.2025
Coast Road
Murrin, Alan

Coast Road


ausgezeichnet

Emotional berührend
Alan Murrin ist es mit seinem Erstlingswerk „Coast Road“ gelungen, ein emotional sehr berührendes Werk zu schreiben. Dazu taucht er in das Irland von 1994 ein. Zu dieser Zeit ist es noch nicht möglich, sich in Irland scheiden zu lassen. Die Frauen, die tatsächlich den Mut aufbringen, sich von ihren Männern zu trennen, müssen als Geächtete der Gesellschaft leben. Um dies zu verdeutlichen erzählt der Autor die Geschichte von Colette Crowley, einer Dichterin, die einen Mann aus dem kleinen Küstenstädtchen Ardglas geheiratet hat. Colette, die schon immer durch ihre extravagante Art anders war als die anderen Bewohner des Ortes, bricht aus ihrer Ehe aus und verlässt ihren Mann und ihre drei Söhne, um mit ihrem Geliebten in Dublin ein neues Leben zu beginnen. Als sie erkennt, dass sie an der Trennung von ihren Kindern zu zerbrechen droht, kehrt sie nach Ardglas zurück, um ihnen nahe zu sein. Sie sucht die Freundschaft und Unterstützung von Izzy, die ebenfalls in ihrer Ehe mit einem Lokalpolitiker nicht glücklich ist. Als Colette das Feriencottage von Dolores und Donal mietet, steuert sie unaufhaltsam einer Katastrophe entgegen, die niemand mehr aufzuhalten vermag.
Was mich an diesem Buch besonders beeindruckt, aber auch irritiert hat ist die Tatsache, dass es von einem Mann geschrieben wurde. Alan Murrin setzt sich aber so gekonnt mit dem Thema auseinander, dass die Frauengestalten seines Romans absolut authentisch beschrieben werden und auch durchaus die Kritik an einem System, in dem Männer auch im 20. Jahrhundert noch problemlos über das Leben ihrer Ehefrauen bestimmen konnten, wird mehr als deutlich. Außerdem hat er wirklich sehr treffend die Gefühlswelt von Colette und Izzy geschildert, denen ihre Kinder so wichtig sind, dass sie ihre eigenen Interessen zurückstellen. Das hat mich wirklich überzeugt.
Für mich war das Buch eine tolle Lektüre, die den Zeitgeist Irlands kurz vor der Zulassung der Ehescheidung hervorragend trifft.
Die äußere Gestaltung des Buches finde ich mega schön, besonders gelungen die „Überraschung“, wenn man den Schutzumschlag entfernt. „Coast Road“ sollte man unbedingt lesen, nicht nur wenn man Irland-Fan ist.

Bewertung vom 27.02.2025
Verlassen / Mörderisches Island Bd.4
Ægisdóttir, Eva Björg

Verlassen / Mörderisches Island Bd.4


ausgezeichnet

Intensives Familiendrama in düsterer Kulisse
Für mich ist Eva Björg Aegisdottir eine der besten Autorinnen der isländischen Krimiszene. Das beweist sie nicht zuletzt wieder durch ihren neuesten Band ihrer im isländischen Akranes spielenden Krimiserie.
Dieser Band ist etwas anders als die Vorgängerbände. So fehlt hier völlig die sonst mitermittelnde Polizistin Elma, die erst auf der letzten Seite des Buches als zukünftige Kollegin erwähnt wird. Warum dieser Teil der Serie plötzlich als „Prequel“ daherkommt erschließt sich mir nicht wirklich. Es hat abervmeiner Lesefreude in keinster Weise geschadet und wer weiß, vielleicht hat diese Konstruktion ja noch einen tieferen Sinn bei den Folgebänden der Reihe.
Inhaltlich beschäftigt sich das Werk mit einem Familientreffen der schwerreichen Unternehmerfamilie Snaeberg. Dieses findet in einem einsam gelegenen Hotel statt und schnell wird klar, dass es jede Menge Spannungen unter den Anwesenden gibt. Besonders Petra Snaeberg scheint sehr unter einem traumatischen Ereignis aus der Vergangenheit zu leiden, das sie nicht verarbeiten kann. Auch ihre Tochter Lea hat große Probleme und kapselt sich immer mehr von ihrer Familie ab. Sie sucht Trost im Chat mit einem Jungen, doch gibt es ihn wirklich oder verbirgt sich jemand anders hinter einem Fake-Profil?
Das Familientreffen wird in Rückblenden aus der Sicht verschiedener Familienmitglieder erzählt. Parallel dazu beginnt ein Team der Kriminalpolizei Akranes in einem Mordfall zu ermitteln, der sich im Laufe der Geschichte im Rahmen des Familientreffens ereignen wird. Was mir besonders gut gefallen hat ist die Tatsache, dass man beim Lesen bis zum Schluss des Buches nicht nur rätseln muss, wer der Mörder ist, sondern dass man auch nicht weiß wer das Mordopfer war. Das ist wirklich gut gemacht und auch einmal eine ungewöhnliche Vorgehensweise in einem Krimi.
Toll fand ich aber auch wieder die gruselige Atmosphäre, die von der Autorin heraufbeschworen wird. Da stimmt wirklich alles vom Sturm bis zur apokalyptischen Lavalandschaft. Für mich war „ Verlassen“ wieder ganz hervorragende Krimiunterhaltung, genauso wie ich sie mag. Bitte noch mehr davon!

Bewertung vom 27.02.2025
Der Gott des Waldes
Moore, Liz

Der Gott des Waldes


ausgezeichnet

Absolut toll!
Wow, so wie „Der Gott des Waldes“ von Liz Moore hat mich schon lange kein Buch mehr in seinen Bann gezogen. Und dabei ist der Roman mit seinen fast 600 Seiten alles andere als ein Leichtgewicht, das aber trotz dieses Umfangs keinerlei Längen aufweist.
Besonders gefallen hat mir, dass das Werk sowohl Elemente eines Thrillers mit denen eines vielschichtigen Familienromans vereint und beides zu einer wirklich stimmigen Mischung vereint.
Die Geschichte, die erzählt wird, spielt auf verschiedenen Zeitebenen und wird aus der Perspektive verschiedener Personen geschildert, was anfangs von den Lesern allerdings einige Aufmerksamkeit erfordert. Hilfreich ist aber, das in den jeweiligen Kapitelüberschriften angegeben wird, an welchem Punkt der Zeitleiste sich die Erzählung gerade befindet.
Im Mittelpunkt des Geschehens steht die reiche Familie Van Laar, deren kleiner Sohn 1961 spurlos verschwand und dessen Leiche nie gefunden wurde. Im Jahr 1974, der eigentlichen Handlungszeit des Buches, scheint das Schicksal die Familie erneut hart zu treffen, denn nun ist ihre Tochter Barbara verschwunden. Eine fieberhafte Suche beginnt, bei der sich langsam herausstellt, dass schon damals, beim Verschwinden von Bear van Laar, nicht vernünftig ermittelt wurde. Als die junge Polizistin Judyta allmählich begreift, wie das Verschwinden der beiden Kinder zusammenhängt, enthüllt sie Familiengeheimnisse verschiedenster Familien, deren Schicksale schon über mehrere Generationen miteinander verknüpft sind.
Selten ist es meines Erachtens einer Autorin so gut gelungen einen so vielschichtigen Familienroman zu einem so stimmigen und runden Werk zu formen. Die Personen sind alle überzeugend gezeichnet. Besonders gelungen finde ich Alice van Laar, die verzweifelte Ehefrau, die an ihrem Leben zerbricht und natürlich T.J. die so anders ist, als alle anderen, aber letztendlich alle Fäden in den Händen zu haben scheint.
„Der Gott des Waldes“ ist wirklich ein ganz großer Roman und hat die positiven Feedbacks, die man auf dem Cover findet, absolut verdient. Von mir gibt es eine 100%tige Leseempfehlung.

Bewertung vom 27.02.2025
Schmerz
Jónasson, Jón Atli

Schmerz


ausgezeichnet

Neues Krimi-Highlight aus Island
„Schmerz“ von Jon Atli Jonasson hebt sich für mich deutlich von den meisten Scandi-Krimis ab. Das Ermittlerduo Dora und Rado ist wirklich für mich sehr besonders und aussergewöhnlich individuell. Der zu lösende Fall tritt fast zwischenzeitlich etwas in den Hintergrund, was aber absolut nicht negativ zu werten ist.
Dora und Rado sind beide Außenseiter, die sich bei den Ermittlungen erst zusammenraufen müssen. Ein Mädchen verschwindet während eines Schulausfluges spurlos. Es fehlen jegliche Anhaltspunkte, was dem Teenager passiert sein könnte.
Dora hat im Laufe der Untersuchung immer mehr mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, die von einer alten dienstlichen Verletzung herrühren. Rado gerät durch die kriminellen Machenschaften seiner Familie in seiner Ermittlergruppe ins Abseits. Beide sind aber selbst in ihren extremen Lebenssituationen noch so geniale Polizisten, dass sie letztendlich, trotz einiger Fehleinschätzungen, das Rätsel um das Verschwinden der Schülerin lösen können.
Für mich war der Krimi besonders überzeugend wegen seiner düsteren Atmosphäre, die ja viele isländische Krimis auszeichnet. Korruption und Drogenhandel werden eingebettet in die Beschreibung eindrucksvoller persönlicher Schicksale. Das Buch gewinnt nicht durch grosse Effekte oder durch übertriebene Schockelemente, sondern eindeutig durch die tragischen Schicksale von Dora und Rado.
Wer Island kennt wird diesen Krimi feiern, denn er atmet irgendwie die isländische Seele.
Für mich ein wirklich tolles Buch, das ich uneingeschränkt empfehle und auf dessen Fortsetzung ich jetzt schon ungeduldig warte.
Die Covergestaltung passt auch. Den Farbschnitt hätte man m.E. weglassen können.

Bewertung vom 27.02.2025
Die Schanze
Menz, Lars

Die Schanze


sehr gut

Packendes Krimidebüt
Das Cover von Lars Menz Krimi-Erstling hat mich direkt angesprochen. Die schwarzweiße Winterlandschaft kombiniert mit den Streifen in Signalgrün ist ein wirklicher Hingucker. Dazu kommt dann noch der Farbschnitt in der passenden Farbe, der für mich allerdings nicht unbedingt notwendig wäre. Von der Gestaltung her also auf jeden Fall ein Buch nach dem ich in der Buchhandlung greifen würde, um mir den Klappentext anzuschauen.
Aber auch inhaltlich hat mich das Buch absolut überzeugt, zumal weil es bis zur Seite richtig spannend bleibt.
Die Geschichte ist relativ schnell erzählt: Die junge Ärztin Ellen kehrt nach einer gescheiterten Beziehung in ihren Heimatort zurück, um dort eine Hausarztpraxis zu übernehmen. Schnell wird klar, dass sie nach dem Abitur quasi nach Hamburg geflohen ist, um ein traumatisches Erlebnis zu verdrängen. Sie war der Überzeugung, dies erfolgreich verarbeitet zu haben, doch als gleich nach ihrer Rückkehr zwei bestialische Morde geschehen, wird sie erneut mit ihren Dämonen konfrontiert. Doch es gibt mehrere Personen, die als Täter für die Verbrechen in Frage kommen. Korruption und Betrug kommen zutage und auch Ellen ist sich nicht sicher, welche Rolle sie bei den Vorkommnissen spielt. Obwohl der Krimi mit seinen 300 Seiten zu den eher kürzeren Werken gehört, gelingt es dem Autor, eine komplexe Geschichte zu erzählen. Gekonnt verwebt er die Geschehnisse aus Ellens Vergangenheit mit denen der Gegenwart. Dabei ist einiges nicht so, wie es scheint. Obwohl verhältnismäßig schnell klar wird, was Ellen als Abiturientin widerfahren ist, dennoch kann der Mörder erst auf den letzten Buchseiten entlarvt werden. Für mich hat Lars Menz mit „Die Schanze“ ein gelungenes Krimidebüt gegeben, das sich flüssig lesen lässt und gut unterhält. Ich bin gespannt, welches Thema sein nächstes Buch hat.

Bewertung vom 23.02.2025
In einem Zug
Glattauer, Daniel

In einem Zug


gut

Etwas enttäuschend
Der letzte Roman von Daniel Glattauer „Die spürst du nicht“ war für mich einer der Lesehöhepunkte des Jahres 2023. Deshalb habe ich sehr gespannt auf sein neues Werk „In einem Zug“ gewartet, wurde letztendlich aber etwas enttäuscht.
Glattauers Buch besteht ausschließlich aus einem Dialog zwischen dem einst sehr erfolgreichen Autor Eduard Brünhofer und einer jungen Frau mit Namen Catrin Meyr, die sich auf der Bahnreise von Wien nach München kennenlernen, weil sie im selben Zugabteil
sitzen. Brünhofer, der seit längerer Zeit an einer Schreibblockade leidet, wird in München seinen Verleger treffen, um ihm zu gestehen, dass er weiterhin nicht an einem vielversprechenden Buchprojekt arbeitet. Catrin erzählt, dass sie unterwegs zu ihrem Geliebten ist. Es entwickelt sich eine mehrstündige intensive Unterhaltung zwischen den beiden, bei der die junge Frau dem alternden Autor besonders bohrende Fragen zu seinem Liebesleben stellt.
Obwohl der Roman mit seinen 200 Seiten ja nicht besonders lang ist, gibt es Passagen, die ich als „langatmig“ bezeichnen würde. Innerhalb der Dialoge blitzt einfach zu selten die Ironie und Hintergründigkeit auf, für die ich Daniel Glattauer eigentlich so schätze. Ja, manches ist schon witzig, aber einige Gedankengänge erschienen mir auch etwas künstlich und aufgesetzt. Vielleicht hat mir das Buch auch weniger gut gefallen, weil einfach so wenig passiert ist. Da kann auch meines Erachtens der Plot am Ende des Werkes nicht mehr allzu viel herausreißen, denn eigentlich hat man ja schon geahnt, worauf das alles hinausläuft.
Ich werde trotzdem auch wieder das nächste Buch von Daniel Glattauer lesen und kann damit leben, dass „In einem Zug“ nicht eines meiner Lieblingsbücher von ihm sein wird.
Die Covergestaltung mochte ich und fand die gewählte Farbgebung schön.

Bewertung vom 12.01.2025
Die Tochter der Drachenkrone
Qunaj, Sabrina

Die Tochter der Drachenkrone


sehr gut

Frauen als Schachfiguren der Politik
Auf das Buch „Die Tochter der Drachenkrone“ von Sabrina Qunaj war ich sehr gespannt.
Es war für mich das erste Werk der Autorin, das ich gelesen habe. Die von ihr verfasste „Geraldine-Reihe“, an die sich der Roman wohl anschließt, kenne ich nicht, hatte aber auch nicht den Eindruck dass das Buch mit Kenntnis deren Inhalte einen Mehrwert bei der Lektüre gehabt hätte.
Die Covergestaltung hat mich sehr angesprochen. Die gewählten Rottöne in Kombination mit der goldenen Schrift ist wunderschön. Hilfreich beim Lesen sind die beigefügten Stammbäume der einzelnen Adelslinien, wo man doch hin und wieder mal unterstützend nachschauen muss, da man, gerade zu Beginn des Buches mit einer Flut von walisischen Namen konfrontiert wird.
Die Geschichte spielt im Wales des 12. Jahrhunderts, die Protagonistin ist Gwenllian, die Tochter des mächtigen Fürstens von Südwales.
Zusammengefasst geht es inhaltlich um die ständigen Auseinandersetzungen zwischen Briten und Normannen, bei denen die einzelnen walisischen Adelsfamilien je nach Interessenlage taktieren und Bündnisse schließen. Besonders die Frauen werden als Figuren auf dem Schachbrett der Politik eingesetzt und dazu gezwungen, strategisch sinnvolle Ehen einzugehen. Das wird hier im Roman eindrucksvoll geschildert. Auch wenn Gwenllian ihren eigenen Kopf hat und es ihr gelingt, vor einer besonders verhassten Ehe mit einem Freinc zu fliehen, muss sie sich letztendlich fügen und einer arrangierten Ehe zustimmen.
Ich hätte mir in der Geschichte mehr Tiefe in der Beschreibung des walisischen Hoflebens und des Lebens des walisischen Volkes gewünscht. Das bleibt alles so ein bisschen im Hintergrund und hätte der Erzählung wesentlich mehr Farbe verliehen. Auch die wunderschöne Landschaft, die Wales ja auch so besonders macht, kommt meines Erachtens etwas zu kurz.
Ansonsten hat der Roman zwar die ein oder andere Länge, eignet sich aber durchaus für lange gemütliche Leseabende in der dunkleren Jahreszeit.
Ich empfehle das Buch auf jeden Fall, habe aber schon spannendere und facettenreichere historische Romane gelesen.

Bewertung vom 12.01.2025
Dem Sturm entgegen
Ahern, Cecelia

Dem Sturm entgegen


sehr gut

Mystisches Irland
Eine regnerische Dezembernacht verändert das Leben der Ärztin Enya von einer Sekunde auf die andere. Sie ist allein auf einer einsamen Landstraße unterwegs und wird zu einem Unfall dazu gerufen, bei dem ein Junge angefahren und lebensgefährlich verletzt wurde.
Es gelingt ihr zwar, ihn wieder zu beleben, aber aufgrund dieses Erlebnisses beginnt sie ihre eigene Lebenssituation zu hinterfragen und erkennt, dass sie keine andere Wahl hat, als daraus auszubrechen. Enya stellt fest, dass es viele Probleme gibt. Sie hat den plötzlichen Tod ihrer Mutter nie verwunden, in ihrer Ehe ist sie unglücklich und auch ihr Sohn entgleitet ihr, obwohl er immer ihr Lebensmittelpunkt war. So erscheint es der Ärztin als glückliche Fügung, dass ihr eine Stelle als Landärztin in dem kleinen Ort Abbeydooley angeboten wird. Sie ahnt nicht, dass sie dort gezwungen wird, sich ihren eigenen Dämonen zu stellen.
Was mir an Cecelia Aherns neuem Roman „Dem Sturm entgegen“ besonders gefallen hat, ist die gute Mischung aus Mystik, die so untrennbar mit Irland verbunden ist und spannender Geschichte, bei der eine Fahrerflucht aufgeklärt wird. Die Protagonistin wird glaubhaft dargestellt in ihrer Zerissenheit. Ihre Verzweiflung, ihre Ängste, die sie immer wieder heimsuchen, sind bedrückend und bewegend. Der Schluss des Buches beinhaltet einen Twist, mit dem nicht unbedingt gerechnet hat. Ich mochte auch die Texte von Enyas Mutter durch die sie sich mit ihr verbunden fühlt. Sie geben dem Roman mehr Tiefe.
Besonders gelungen fand ich die Beschreibung des Rag Trees, an den die Menschen gleichsam ihre Hoffnungen knüpfen. Er passt so herrlich zur grünen Insel und ihren wundervollen Märchen und Mythen.
Für mich war der Roman ein wirklich schönes Buch, das zeigt, dass auch, wenn eine Lage aussichtslos erscheint, es immer einen richtigen Weg zum Neuanfang gibt.
Das Cover in Aquarellfarben ist sehr schön und auffallend.

Bewertung vom 24.11.2024
La Louisiane
Malye, Julia

La Louisiane


ausgezeichnet

Ein besonderes Buch
Der Roman „La Louisiane“ von Julia Malye ist für mich eines der besonderen Bücher meines Lesejahres 2024. Es ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach zu lesen, dafür wirkt es aber bei mir besonders lange nach. Das liegt sicher an dem wunderbaren Schreibstil der Autorin, aber auf jeden Fall auch an den bewegenden Frauenschicksalen, die im Mittelpunkt von Julia Malyes Werk stehen. Wir werden in das Jahr 1720 entführt. Die Geschichte beginnt in Frankreich, genau genommen in der Hauptstadt Paris. Die Oberin der psychiatrischen Anstalt Salpetriere wählt Frauen aus, die in die französische Kolonie La Louisiane verschifft werden, um dem dortigen Frauenmangel entgegenzuwirken. Auf der Überfahrt lernen sich Charlotte, Petronille und Genevieve kennen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Trotzdem fühlen sich die drei Frauen fortan miteinander verbunden, obwohl sich ihre Wege vorübergehend trennen und das Schicksal für jede von ihnen eine unterschiedliche Zukunft bereithält. Jede kämpft ihren eigenen Kampf, oft machtlos in einer Welt, die ausschließlich von Männern bestimmt zu sein scheint. Doch schließlich gibt es für sie doch zumindest auch zum Schluss ein kleines bisschen Glück, das sie für all die harten Entbehrungen entschädigt.
Im Klappentext des Buches habe ich gelesen, dass die Autorin 10 Jahre für ihr Buch recherchiert hat. Ich finde auch, dass man dies ihrem Roman anmerkt. Die Beschreibungen der gesellschaftlichen Strukturen von La Louisiane erscheinen sehr fundiert. Der Fokus liegt hierbei nicht auf einer unterhaltenden Darstellung, was aber der Geschichte auch sehr viel Tiefgang verleiht. Man hat teilweise den Eindruck, dass man die Beschreibung einer zeitgenössischen Forschungsreisenden liest. Aufgebrochen wird dieser Eindruck allerdings durch den regelmäßigen Perspektivwechsel, der auflockernd wirkt.
Für mich ist „La Louisiane“ ein wirklich herausragender historischer Roman, der zum Nachdenken anregt. Lediglich die Covergestaltung gefällt mir nicht so gut, ist allerdings m.E. aber eher nebensächlich.

Bewertung vom 10.11.2024
Blutbuße / Hanna Ahlander Bd.3
Sten, Viveca

Blutbuße / Hanna Ahlander Bd.3


ausgezeichnet

Wieder mega-spannend
Viveca Sten hat bei mir mit ihrem Krimi „Blutbuße“ mal wieder voll ins Schwarze getroffen. War ich von den beiden ersten Bänden der Serie mit den Ermittlern Hannah Ahlander und Daniel Lindskog schon total begeistert, so setzt sich meine Begeisterung auch bezüglich des dritten Bandes fort.
Eine Stockholmer Immobilienentwicklerin wird in ihrer Hotelsuit auf brutalste Art und Weise erstochen. Es wird schnell klar, dass sie sich mit ihrem neuesten Projekt, ein altes Hotel abzureißen und ein Luxusressort an seiner Stelle aufzuziehen, überwiegend Feinde gemacht hat. Doch ist das wirklich der Grund, warum sie ermordet wurde, oder liegt das Motiv weit in ihrer Vergangenheit und der ihrer Familie?
Hannah und Daniel stehen anstrengende Ermittlungen bevor, die anfangs eher in die falsche Richtung gehen. Als noch ein zweiter Mord geschieht und eine Person aus dem Umfeld der Ermordeten entführt wird, erkennt Hannah, dass nur ein waghalsiger Plan dazu führen kann, eine Katastrophe zu verhindern.
Neben der durchgängig spannenden Story, mag ich an dieser Krimiserie besonders die zwischenmenschlichen Töne. Hannah gelingt es nicht, ihr Gefühlschaos in puncto Liebesbeziehungen in den Griff zu bekommen. So taff sie auch beruflich ist, so zögerlich ist sie in Liebesdingen und schafft es einfach nicht, sich selbst gegenüber bezüglich ihrer Gefühle ehrlich zu sein. Dabei ist sie mir sehr sympathisch in ihrer Verletzlichkeit. Auch ihre beiden Kollegen Daniel und Anton mag ich absolut. Daniel, der verzweifelt versucht ein guter Partner und Ehemann zu sein und am Spagat zwischen Beruf und Familie zu zerbrechen droht und Anton, der sich so schwer damit tut, sein Anderssein zu akzeptieren. Diese Kombination aus tollen Charakteren, einer superspannenden Story und einer wunderbar atmosphärischen skandinavischen Krimikulisse, das schon etwas frühlingshafte dennoch winterliche Are, führt dazu, dass man beim Lesen quasi jede Seite des Buches genießt. Ich bin weiterhin ein absoluter Viveca-Sten-Fan und fiebere schon dem Fortsetzungsband entgegen. Das Cover ist wieder in Weißtönen mit dem roten Akzent gut ausgesucht und hat natürlich zusätzlich einen Wiedererkennungseffekt.