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Carolinchen89
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Tiefenbronn

Bewertungen

Insgesamt 90 Bewertungen
Bewertung vom 04.01.2026
Xander, Iliana

Der Boss - Ist er ein Monster oder ein Genie?


weniger gut

Puh, wie fange ich nur an. Solche Rezensionen fallen mir wirklich schwer, weil ich das Buch so gerne mögen wollte.

Aber wir fangen mal mit dem Inhalt an. Natalies beste Freundin Cara liegt im Koma. Warum, weiß man nicht genau. Nur, dass Cara am Vorabend mit einem Fremden mitgegangen ist. Natalie möchte das nicht auf sich beruhen lassen und fängt an selbst zu ermitteln. Als sie erkennt, um wen es sich bei dem Unbekannten handelt, schleust sie sich in sein Haus ein und erkennt viel zu spät, in welche Gefahr sie sich damit begibt.

Das Buch fing richtig gut an. Der Prolog war flott, spannend und ließ mich mit vielen offenen Fragen zurück. Genau das, was ich bei einem guten Thriller brauche. Auch die Geschichte selbst beginnt dann wirklich vielversprechend und ich war gespannt, was hinter Caras Geschichte steckt.

Doch dann ging es schon mit den ersten Punkten los, die mich leider sehr gestört haben. Normalerweise mache ich mir beim Lesen keine Notizen, schreibe meine Rezensionen aus dem Gedächtnis. Doch hier kamen immer mehr Punkte zusammen, sodass ich tatsächlich angefangen habe, mir Stichpunkte zu notieren.

Kommen wir zunächst mal zu Schreibstil. Ich finde ihn leider echt einfach nicht gut. Er ist zwar sehr gut zu lesen, aber das liegt daran, dass das Buch auch brutal einfach geschrieben ist. Als dann auch noch die Männer angefangen haben, Natalie ständig "Schätzchen" zu nennen, habe ich gemerkt, wie sich in mir eine brutale Abneigung angebahnt hat. Normalerweise hänge ich mich nicht an einzelnen Worten auf, aber hier hat es mich fast aggressiv gemacht, weil ich es so unpassend fand.

Neben dem Schreibstil fand ich die Hauptperson Natalie einfach auch unfassbar nervig und anstrengend. Zu keinem Zeitpunkt fand ich sie sympathisch oder ihre Handlungen nachvollziehbar. Sie handelt unfassbar naiv und dumm. Sie bringt sich in Gefahr und macht ungefähr jeden Fehler, den man machen kann. In einem Horrorfilm wäre sie die Person die einen in den Wahnsinn treibt, weil sie dauernd dumme Entscheidungen trifft. Selten habe ich so oft meine Augen verdreht aufgrund einer Protagonistin.

Das Buch ist irgendwie auch nicht so richtig spannend. Es soll ja ein Thriller sein und fängt auch auch sehr spannend an. Das Setting ist auch durchaus über die ganze Zeit bedrückend und man merkt, dass irgendwas im Hintergrund lauert. Aber ich hatte nie diese Sogwirkung, dass ich unbedingt wissen muss, was hinter allem steckt. Ich war nie so gefesselt, wie ich es mir gewünscht hätte. Gegen Ende wurde die Geschichte tatsächlich spannend und bekam richtig Tempo. Allerdings fand ich das Finale dann völlig übertrieben und brutal. Es ist zwar fesselnder als der Rest der Geschichte, aber nicht nur einmal dachte ich "echt jetzt".

Leider wimmelt das Buch zudem vor Schreibfehlern, was ich bei Büchern einfach immer ganz schlimm finde. Wenn man ein Fehler durchrutscht, ist das überhaupt kein Problem, das kann immer mal passieren. Aber wenn ständig kleine Fehler auftauchen, dann stört es den Lesefluss. Das sollte nicht passieren.

Die Auflösung hat mich tatsächlich auch ein bisschen überrascht, das habe ich so nicht alles kommen sehen. Allerdings hätte ich auch hier den Epilog nicht gebraucht, weil er für mich nicht zu einem Thriller passt. Ist nicht wahnsinnig schlimm, aber irgendwie einfach nicht passend.

Alles in allem kommt das Buch leider nicht gut weg bei mir. Ich wollte die Geschichte so gerne mögen, sie hatte so viel Potential. Aber vor allem die naive, nervige Hauptperson hat mir das Lesevergnügen echt verdorben. Ihre "ist mir egal, wenn das dumm ist, mache ich jetzt trotzdem so, weil ich es Will" - Haltung, fand ich einfach nur zum Kopfschütteln. Auch andere Protagonisten handeln - vor allem gegen Ende - sehr naiv. Das scheint also ein Muster des Buches zu sein.

Sehr schade, da das Buch sich trotzdem sehr schnell lesen lässt und die Idee eigentlich echt gut ist. Hier kann ich nicht näher darauf eingehen, weil ich sonst spoilern würde. Leider überzeugt der Rest nicht und so war ich froh, als ich das Buch beenden konnte.

Bewertung vom 29.12.2025
Borrmann, Mechtild

Lebensbande


ausgezeichnet

"Lebensbande" ist ein Buch das von drei Frauen erzählt, die durch eines der schrecklichsten Ereignisse der Zeitgeschichte miteinander verbunden sind. Den zweiten Weltkrieg. Da ist Nora, die Krankenschwester ist und mit der Zeit beginnt zu merken, dass etwas nicht stimmt und Menschen, die nicht ins System passen aussortiert werden. Sie schaut nicht tatenlos zu und folgt ihrer inneren Überzeugung. Sie rettet dem Leo, dem Sohn ihrer Cousine Lene, das Leben. Leo, der nicht ins System passt. Leo, der als schwachsinnig bezeichnet wird, weil er stottert und aussortiert werden soll. Und dann ist da noch Lieselotte mit der Nora lange Zeit in einem russischen Arbeitslager als Gefangene lebt und dort unvorstellbaren Zuständen ausgesetzt ist. Allein ihre Freundschaft und ihr Mut halten die beiden Frauen am Leben. Und doch müssen sie am Ende eine Entscheidung treffen, die die schwerste ihres Lebens sein wird.

"Lebensbande" ist nicht mein erstes Buch, welches zur Zeit des Nationalsozialismus spielt. Aber "Lebensbande" ist ein Buch, welches mich nochmal anders berührt hat. Der Fokus liegt hier ganz klar auf Leo, der stellvertretend für alle Menschen steht, die damals nicht ins System der Nazis gepasst haben. Alte, Kranke, Menschen mit Behinderung, Sprachfehler und und und. Die Erzählungen rund um Leo haben mich tief berührt. Der Umgang mit ihm an Grausamkeit kaum zu überbieten und außerhalb meines Vorstellungsvermögens, hätte diesem Jungen doch eine einfache Logopädie gereicht (in der heutigen Zeit). Ein kluger, stiller Junge, dessen Stottern zur tödlichen Gefahr für ihn wird.

Besonders beeindruckt haben mich die starken Frauenfiguren in dieser Geschichte, allen voran Nora. Gerade in der heutigen Zeit wird wieder deutlich, wie wichtig Zivilcourage ist. Und Nora zeigt nicht nur einmal, wie weit sie bereit ist zu gehen, um für das einzustehen, was sie für richtig hält. Dabei ist es nicht so, dass sie keine Angst hat oder unsicher ist. Und trotzdem folgt sie ihrem Herzen und steht dabei stellvertretend für so viele Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus nicht ruhig geblieben sind. Die Widerstand geleistet haben und gemerkt haben, dass etwas so ganz und gar nicht richtig läuft.

Die Sprache der Autorin, der Schreibstil, ist kurz, prägnant und präzise. Es bringt viele Dinge mit nur einem Satz auf den Punkt. Das Beeindruckende hier ist, dass die Autorin gar nicht mehr Worte benötigt. Sie schafft es so viel Klarheit und Eindeutigkeit in ihre Worte zu legen, dass sie die Schrecken nur andeuten muss und jedem klar ist, was sie meint. Für mich hat sie die Macht der Sprache definitiv verstanden, denn sie weiß ihre Worte ganz bewusst einzusetzen und das hat mich von Seite zu Seite mehr beeindruckt.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt - 1940 und die Folgejahre & 1993. Diese beiden Zeitebenen werden ganz wunderbar miteinander verbunden und ergänzen sich perfekt. Da sind 1993 die Erzählungen aus dem Gedächtnis und 1940 die Geschehnissen, an denen wir als Leser hautnah teilnehmen. Ich kann nicht sagen, welche ich grausamer fand, aber beide gemeinsam geben ein klares und schreckliches Bild der damaligen Zustände ab.

Durch die Thematik ist das Buch natürlich kein einfaches. Es gibt viele schwere, traurige und entsetzliche Momente. Und trotzdem schafft die Autorin es immer wieder auch einen Funken Hoffnung einzubauen. Ob es die Menschen sind, die Zivilcourage zeigen, die Menschen, die sich aktiv gegen den Krieg stellen, tiefe Freundschaften, Familie die zusammenhalten oder Häuser die immer wieder neu aufgebaut werden, weil die Menschen nicht aufgeben. Die Geschichte zeigt so viele starke Persönlichkeiten und auch Licht in einer so dunklen Zeit.

"Lebensbande" ist ein Buch, das mir sehr gut gefallen hat. Ich mochte es sehr, wie es mich auf so vielen Ebenen berührt und mitgenommen hat in eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte, das niemals vergessen werden darf. Und dafür sorgt auch dieses Buch. Basierend auf wahren Begebenheiten hat dies noch einmal eine ganz andere Tiefe. Bitte lest es, schaut nicht weg und gebt den Menschen, die damals Widerstand geleistet haben, den Raum, den sie verdient haben.

Bewertung vom 14.12.2025
Jacobs, Anne

Wie das Schicksal spielt / Der Dorfladen Bd.3


gut

"Der Dorfladen - Wie das Schicksal spielt" ist ein dritter Teil einer Reihe. Das Buch erzählt von den drei Schwestern Frieda, Ida & Herta, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ist Frieda, die als Schauspielerin fern ab ihrer Heimat an einem Theater ihr Glück versucht, Ida die einen Freund hat, dessen politische Tendenzen schwierig sind und Herta, die ungeplant und unehelich schwanger geworden ist. Alle drei kämpfen um ihr persönliches Glück in den zwanziger Jahren. Im Mittelpunkt allen Geschehens steht auch der Dorfladen, den ihre Mutter führt. Immer wieder gibt es Rückschläge, doch die Schwestern geben nicht auf.

Meine Meinung in Worte zu fassen, fällt mir nicht ganz so leicht. Ich muss direkt zu Beginn sagen, dass ich die beiden Vorgänger nicht gelesen habe und das jedem empfehlen würde, der sich für diese Reihe interessiert. Dadurch kann ich die Geschichte vermutlich nicht so beurteilen, wie ich es könnte, wenn ich die Vorgänger kennen würde. Einzig der Hinweis, dass Band 1 & 2 im besten Fall bekannt sein sollten, bevor man diesen dritten Band liest, den kann ich auf jeden Fall geben. Denn ohne die Kenntnis, fehlen einfach einige Zusammenhänge.

Und nicht nur das. Auch die Charaktere waren für mich tatsächlich eine echte Herausforderung. Da gibt es schon ziemlich viele, viele einzelne Charaktere, viele Verbindungen untereinander, einige Paar oder solche, die es gerne wären. Und das hat mich dann stellenweise schon sehr überfordert. Kennt man die ersten beiden Bände, dann ist das vermutlich nicht so ein Problem, da die Charaktere vermutlich langsamer in die Geschichte eingeführt werden. Aber wenn man nur diesen Band liest, dann sind das schon eine Menge. Was hier super gewesen wäre, wäre ein Personenverzeichnis gewesen oder auch ein Stammbaum.

Die Geschichte selbst ist mit 600 Seiten echt umfangreich und hatte für meinen Geschmack doch einige Längen. Es gab Szenen, die waren für mich recht langatmig und gaben mir das Gefühl nicht so richtig vorwärts zu kommen. Bei so vielen Handlungssträngen, wie diese Geschichte hat, ist es glaube ich normal, dass einem der eine mehr zusagt, als der andere. Und so hatte natürlich auch ich meine Favoriten, die ich sehr gerne und schnell gelesen habe und die, die mich etwas weniger interessiert haben. Auch bei den drei Schwestern hatte es mir vor allem die Geschichte von Frieda angetan, die eine junge Frau ist, die ihren eigenen Weg gehen möchte und dabei doch vor die ein oder andere Herausforderung gestellt wird. Andere Nebenschauplätze konnten mich nicht ganz so erreichen.

Ich glaube sprachlich war das einfach auch nicht ganz meine Geschichte. Das heißt keinesfalls, dass die Geschichte schlecht geschrieben ist. Nein, lediglich, dass der Schreibstil nicht so ganz meiner war. Auch damit musste ich nämlich hin und wieder kämpfen. Es gibt immer wieder Stellen in denen Dialekt gesprochen wird, bzw. Redewendungen, die ich so nicht kenne. Der Schreibstil war daher für mich einfach nicht so flüssig zu lesen, was es mir zusätzlich relativ schwer machte, konzentriert an der Geschichte dran zu bleiben.

Gegen Ende, bzw. auf den letzten 200 Seiten, nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf. Und das in so gut wie allen Handlungssträngen, was sie sehr dicht macht und natürlich auch das Tempo erhöht. Für meinen Geschmack hätte das schon etwas früher der Fall sein dürfen, denn genau dann habe ich anfangen zu merken, wie die Geschichte mich packt und ich gerne wissen möchte, wie sie ausgeht. Wie es mich reizt zu erfahren, was mit den Charakteren passiert und ob alle das Ende bekommen, was ich mir vorstelle bzw. wünsche. Denn über so viele Seiten, wachsen einem die Charaktere natürlich ans Herz.

Das Buch und ich sind vielleicht einfach zu einem falschen Zeitpunkt aufeinander getroffen. Vielleicht gebe ich Band 1 noch eine Chance, einfach um die Charaktere richtig kennenlernen zu können und auch mehr über die Hintergründe zu erfahren, die zu den Geschehnissen in Band 3 führen. Leider blieb für mich die Sogwirkung hier aus, aber das Buch bietet auf jeden Fall den ein oder anderen Handlungsstrang, den ich sehr lesenswert fand. Auch die meisten Charaktere sind mir dann doch ans Herz gewachsen und mir bricht es ein bisschen das Herz, dass ich nicht voller Begeisterung über die Geschichte sprechen kann. Wer aber Familiengeschichten, mit geschichtlichem Hintergrund, vielen Handlungssträngen und Charakteren mag, der ist hier genau richtig.

Bewertung vom 14.12.2025
Rosenthal, Rena

Entscheidung aus Liebe / Der Eispalast Bd.3


sehr gut

Bei "Der Eispalast - Entscheidung aus Liebe" handelt es sich um den dritten Teil einer Buchreihe. Deshalb könnte sowohl die Inhaltsangabe, als auch die Rezension Spoiler enthalten. Für mich war es tatsächlich das erste Buch der Eislaufreihe. Die Geschichte erzählt von Julianna, die nach langer Abwesenheit zu ihrem Verlobten nach Hause kommt, der gerade dabei ist eine Eiskunstlaufhalle zu bauen. Doch leider läuft nichts wie geplant und Leo kämpft mit großen Existenzsorgen. Dazu kommen noch erste Unstimmigkeiten mit Julianna. Und dann geschieht etwas, das ihre komplette Welt ins Wanken bringt und ihre Liebe für immer zerstören könnte.

Da das Buch für mich der erste Band der Reihe war, brauchte ich zu Beginn kurz, um in das Geschehen einzutauchen. Anders als den Lesern, die Band 1 & 2 gelesen haben, waren mir die Protagonisten noch nicht bekannt. Ebenso war das Setting mir fremd und so brauchte ich kurz, um mich daran zu gewöhnen. Ich muss aber sagen, dass es mir die Autorin extrem leicht gemacht hat. Ich kam super schnell in die Geschichte rein und die anfängliche Kennenlernphase dauerte wirklich nicht lange.

Schnell wurde klar, wer die Hauptpersonen sind und welche Pärchen es in der Geschichte gibt. Alle haben gemein, dass sie Standesunterschiede aufbrechen und ihren eigenen Weg gehen. Was sie für mich zu sehr starken Protagonisten macht. Schön fand ich es auch, dass die Frauen hier im Vordergrund stehen. Sie geben den Ton an und setzen das durch, was sie gerne möchten. Was im ersten Ansatz vielleicht negativ klingt, soll es aber gar nicht sein. Starke Frauen waren Anfang des 20. Jahrhunderts nicht erwünscht und die Protagonisten in dieser Geschichte beweisen das Gegenteil. Und das finde ich einfach wahnsinnig schön.

Ich fand die Protagonisten auch recht überschaubar und habe mich schnell zurechtgefunden. Dadurch, dass sich die Geschichte auf ein paar wenige Personen konzentriert, hatte ich hier keinerlei Schwierigkeiten dem Geschehen zu folgen. Natürlich fehlen mir ein paar Hintergrundinformationen, die es vermutlich in den ersten beiden Büchern gab. Aber auch dies hat nicht groß gestört.

Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir die Thematik rund ums Eislaufen. Ich habe noch nicht viele Bücher gelesen, die dieses Thema hatten und gar keines, welches die Anfänge des Eislaufens beleuchtet. Denn in dieser Geschichte wird die erste Eiskunstlaufhalle gebaut. Vor welche Schwierigkeiten Leo damit gestellt wird und was es damals alles zu beachten gab, sowie die Skepsis der Menschen, wird hier in dieser Geschichte ganz wunderbar thematisiert. Die Geschehnisse haben mich wirklich mitgenommen und sehr gut unterhalten.

Neben der Eislaufthematik nimmt eine große Ziegelfabrik noch einen Teil der Geschichte ein. Die Arbeitsbedingungen, die Bezahlung und ein Streik werden hier deutlich geschildert und beruhen stellenweise auf wahren Begebenheiten. Denn ganz zum Ende des Buches gibt die Autorin in einem kleinen Glossar Auskunft, welche Teile der Geschichte einen echten historischen Hintergrund haben und welche ihrer Fantasie entsprungen sind. Sowas finde ich bei historischen Büchern, ganz gleich in welcher Zeit sie spielen, immer sehr gut und hilfreich.

Schon zu Beginn ist natürlich relativ klar, wie die Geschichte ausgehen wird. Und genau das erwartet und möchte man als Leser ja auch so. Alles andere als ein Happy End, hätte mich sehr enttäuscht. Allerdings schafft das Buch trotzdem an der ein oder anderen Stelle zu überraschen. Auch wenn einige Dinge doch vorhersehbar waren, so sind die Geschehnisse in sich schlüssig und auch zum Ende hin gut auserzählt.

Ein rundum gelungenes Buch, das gerade jetzt in den Wintertagen super schön zum Abtauchen, mitfiebern und mitfühlen ist und das ich wirklich sehr gerne gelesen habe. Die anderen beiden Teile wandern auf die Wunschliste und werden dann im Nachgang noch irgendwann gelesen.

Bewertung vom 29.11.2025
Blum, Ingo

Der Bär hat heute Lust zu feiern - Today, The Bear Wants to Party


ausgezeichnet

"Der Bär hat heute Lust zu feiern" erzählt von vielen Tieren, die sich gemeinsam auf den Geburtstag des Bibers vorbereiten. Sie backen Kuchen und packen Geschenke. Doch als sie dann beim Biber ankommen, teilt dieser ihnen mit, dass er gar nicht Geburtstag hat. Die Tiere merken, dass sie angelogen wurden und sind zunächst bitter enttäuscht. Doch dann beschließen die Tiere das Beste daraus zu machen und endlich mal wieder Zeit miteinander zu verbringen.

Die zweisprachigen Bilderbücher des Kleine-Leute-Verlags sind alle einen Blick wert. Für mich sind besonders die interessant, die Deutsch-Englisch sind, da ich Englisch einfach auch sehr gut verstehe. Es gibt sie aber auch in anderen Sprachen. Was ich besonders schön finde, ist dass man durch solche Bilderbücher die Möglichkeit hat, viel mehr Kinder zu erreichen, auch die, deren Muttersprache vielleicht nicht Deutsch ist. Ich habe meinen Kindern die Bücher bisher immer auf Deutsch vorgelesen. Meine älteste Tochter hat allerdings schon Englisch in der Schule und schaut sich dann natürlich auch immer ganz interessiert den englischen Text an. Sie erkennt bereits einzelne Wörter und ist dann immer ganz stolz darauf. So kann man das Bilderbuch auch zum Lernen und Üben nutzen. Die Empfehlung im Buch ist es, dass man das Buch in der eignen Muttersprache vorliest, deshalb bleibe ich bei Deutsch. Aber gerade für Kindergärten oder auch Grundschulen, finde ich diese Art Bücher richtig gut. Da es dort ja immer Kinder mit verschiedenen sprachlichen Hintergründen gibt.

Dieses Buch erzählt die Geschichte eines Hasen, der sich einsam fühlt und unbedingt mal wieder Zeit mit seinen Freunden verbringen möchte. Daher überlegt er sich die Lüge einer Party, weil er sich sicher ist, dass dadurch alle wieder zusammenkommen. Als die Lüge allerdings auffliegt, bekommt der Hase einiges an Ärger zu spüren. Schnell merken die anderen Tiere aber, dass da viel mehr als eine bloße Lüge dahintersteckt.

Die Geschichte zeigt, dass Lügen natürlich nicht schön und richtig ist. Dass man nicht lügen sollte, um Dinge zu erreichen, Aber dass man auch verzeihen kann, wenn der andere die Lüge wirklich bereut. Dass es aber auch wichtig ist, sich zu entschuldigen und daraus zu lernen. Und dass Freundschaft auch bedeutet, dass man Dinge offen ansprechen kann , ohne dafür verurteilt zu werden. Der Hase in der Geschichte lernt daraus und lügt nie wieder. Die letzte Seite im Buch hat mich etwas zu sehr an Harry Potter erinnert, wenn ich ehrlich bin "I will not lie again" mehrfach auf einen Zettel geschrieben. Kenner werden wissen, was ich meine. Da Kinder das nicht wissen, finde ich das aber nicht so schlimm.

Als ich den Klappentext gelesen habe, war ich auf jeden Fall sehr gespannt, wie das Thema "lügen" umgesetzt wird. Ich denke jeder, der Kinder hat, hat schon Erfahrungen damit gemacht, dass er mal angelogen wird. Daher ist es auf jeden Fall wichtig, mit Kindern über dieses Thema zu sprechen und es auch kindgerecht aufzubereiten. Deshalb finde ich es schön, dass in dem Buch ganz klar wird, dass Lügen nicht toll ist, es aber keinen Grund ist, dass man einander nicht verzeihen kann. Ich finde es super schön, wie die Tiere das Beste aus der Situation machen und alle gemeinsam eine gute Zeit haben. So wird die Lüge zu etwas Schönem und der Hase lernt auch noch daraus.

Die Geschichte ist also wirklich schön und kindgerecht geschrieben. Dadurch, dass der Text auch nicht besonders lang ist, reicht auch die Aufmerksamkeitsspanne von kleinen Kindern, um der kompletten Geschichte zu folgen. Ein weiterer riesiger Pluspunkt der Geschichte, sind die Illustrationen. Sie sind so wahnsinnig liebevoll und super schön. Die Gestaltung der Tiere gefällt mir unheimlich gut, die Mimik und Gestik ist super getroffen.

Ich bin ein großer Fan dieser zweisprachigen Bilderbuchreihe und lege allen ans Herz, sich mal ein Exemplar zu gönnen. Es ist völlig egal, wenn ihr nur eine Sprache Zuhause sprecht. Irgendwann kommt die zweite durch die Schule dazu und dann können auch diese Bilderbücher genutzt werden, um den Wortschatz zu erweitern.

Bewertung vom 29.11.2025
Peters, Katharina

Todesflut / Emma Klar Bd.10


sehr gut

"Todesflut" ist der zehnte Fall von Emma Klar. Dieses Mal ermittelt sie im Fall einer entflohenen Mörderin, die ihren Exfreund ermordet haben soll. Sie soll helfen die Flüchtige zu finden. Doch dabei stößt sie auf einen Sumpf aus dunklen Geheimnissen, brutalen Machenschaften und nicht aufgeklärten Morden. Zunächst bleiben die Zusammenhänge im Dunkeln, aber je tiefer Emma gräbt, desto deutlicher wird, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt und vor allem nichts so ist, wie es auf den ersten Blick aussieht.

"Todesflut" ist zwar der zehnte Fall von Emma Klar, für mich war es jedoch der erste Fall, den ich von ihr gelesen habe. Die Ermittlerin und ihre Geschichte waren mir also bisher nicht bekannt. Tatsächlich war das aber gar nicht wirklich schlimm. Natürlich gibt es die ein oder andere Andeutung die auf alte Fälle hinweist und von Emmas Vergangenheit berichtet, doch das hat nicht wirklich gestört sondern eher dafür gesorgt, dass ich Lust bekommen habe, die vorherigen Bände auch noch zu lesen.

Emma Klar ist eine extrem sympathische Ermittlerin, die ich sehr gerne mochte. Sie ist klar im Kopf, hartnäckig und kann Zusammenhänge sehen, wo andere noch im Trüben fischen. Dabei hat sie ein starkes Team um sich, das sie unterstützt und ebenfalls voller kluger Köpfe ist. Um hier noch mehr Hintergründe zu erfahren, wie das Team zusammengefunden hat, müsste man vermutlich die Vorgängerbände lesen. Emma Klar ist nämlich eine freie Ermittlerin des BKA, die teilweise auch unkonventionelle Wege gehen kann und dies auch tut. Sie hält sich nicht so gerne an Dienstvorschriften und schafft es mit ihrer Art viel schneller an eine Lösung zu kommen.

Die Geschichte selbst war sehr spannend und hatte eine absolute Sogwirkung auf mich. Ich wurde richtig in die Geschichte reingezogen und flog nur so durch die Seiten. Je mehr Hintergründe aufgedeckt werden, desto entsetzter wurde ich mit der Zeit. Die Geschichte bekommt dadurch eine Tiefe, die in ihrer Grausamkeit kaum zu überbieten ist. Immer wieder wird man als Leser auf eine falsche Fährte geschickt und auch wenn ich zwischendurch immer mal wieder Vermutungen hatte, die sich am Ende als nicht ganz falsch rausgestellt haben, so wurde ich vom großen Ganzen doch überrascht.

Der Schreibstil ist so locker, dass er ebenfalls dafür sorgte, dass ich so schnell durch die Geschichte kam. Ich war auch sofort im Geschehen drin und brauchte keine große Anlaufphase, obwohl ich die Vorgänger nicht kannte.

Einen kleinen Minuspunkt gibt es leider. Es gibt relativ viele Rechtschreib - bzw. Schreibfehler. Teilweise so, dass ich eine Stelle mehrfach lesen musste, weil ich erst keinen Sinn darin gesehen habe. Dies war zwar eher ein Einzelfall, aber die Schreibfehler waren leider recht auffällig. Das finde ich immer sehr schade, denn das müsste nicht passieren. Manche stört das vielleicht nicht so, aber mich leider schon. Mein Lesefluss wird dadurch gestört und das ist einfach sehr schade.

Ansonsten ist das Buch aber wirklich toll. Als besonderes Highlight wird mir definitiv die Ermittlerin Emma Klar im Gedächtnis bleiben. Sie hat mir so viel Freude gemacht und mich mit ihrer Art extrem begeistert. Die Geschichte ist so spannend und hat so viele Tiefgang, schafft es auf Missstände hinzuweisen und dabei nie den Fokus zu verlieren, dass ich wirklich sehr begeistert bin und mir überlege, ob ich mir nicht direkt den ersten Band der Reihe kaufe.

Bewertung vom 21.11.2025
Groh, Kyra

The Pumpkin Spice Latte Disaster / Pumpkin Spice Latte Bd.1


ausgezeichnet

"Pumpkin Spice Latte Disaster" erzählt die Geschichte von Jude und James, die in der beschaulichen Kleinstadt Lower Whilby aufeinander treffen. Jude deren Herkunft in der Kleinstadt liegt, die aber eigentlich nichts dort hält, ist nur für die Hochzeit ihrer Schwester dort. Als sie aber erfährt, dass James der Sohn sehr berühmter Musiker ist, setzt sie sich zum Ziel ihn zu einem Interview für ihren Podcast zu bekommen. James hingegen wehrt sich mit Händen und Füßen und möchte nichts, als in Ruhe gelassen werden. Was als Katz und Maus Spiel beginnt, wird bald zu einer Geschichte, in der das Knistern förmlich in der Luft liegt.

Dieses Buch war mein erstes von Kyra Groh. Aber natürlich habe ich auch vorher schon oft von ihr gehört. Vielfach wurde ihr Humor gelobt und besonders hervorgehoben. Und so war ich ganz gespannt, was mich hier erwarten würde. Und ich wurde tatsächlich nicht enttäuscht. Der Humor nimmt einen sehr großen Part der Geschichte ein. Natürlich gibt es auch die ruhigen, ernsten und nachdenklichen Momente, aber dann kommt immer wieder auch der Humor hervor. Und dieser ist ganz besonders. Nicht nur einmal habe ich mich gefragt, wie man auf diese Ideen kommen kann (im positiven Sinne). Und ehrlicherweise habe ich auch zu Beginn kurz überlegt, ob mir das zu drüber ist. Ob mir das zu viel "jetzt muss wieder eine flapsige Szene eingebaut werden" ist. Aber dem war tatsächlich nicht der Fall. Denn ich habe mich nicht nur einmal dabei erwischt wie ein dickes Grinsen über mein Gesicht gegangen ist. Und das ist ja wohl das beste Zeichen, dass es geben kann. Ich mochte den Humor sehr gerne, fand ihn erfrischend und echt unterhaltsam.

Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven - meistens Kapitel für Kapitel abwechselnd - erzählt. Nämlich einmal aus ihrer und einmal aus seiner Sicht. Dies finde ich eigentlich immer ein echt gutes Mittel, weil man so das Gefühl bekommt, man hat einen Rundumblick auf die Geschichte. Man lernt alle Seiten kennen. Auch hier fand ich das wieder sehr gelungen.

Neben dem Humor ist der Schreibstil auch Grundsätzlich einfach sehr locker leicht und angenehm zu lesen. Das Kleinstadtfeeling, das ich sehr gerne mag, war bei mir sofort da und auch die herbstliche Kulisse war super schön beschrieben. Ich werde auf jeden Fall für Band 2 & 3 nach Lower Whilby zurückkehren.

Neben den humorvollen Szenen, wird es stellenweise auch wirklich tiefgründig. Beide Protagonisten haben ihre Vergangenheit. Beide haben ihren Grund, dass sie dort sind, wo sie jetzt sind. Jude deren Vergangenheit in Lower Whilby sie immer immer wieder droht einzuholen und deren Erfahrungen mit Männern, nicht auf besonders schöne Ereignisse beruhen. Und James, der das Gefühl hat, oft einfach nur der Sohn seiner Eltern zu sein und in dessen Vergangenheit ebenfalls nicht die besten Erfahrungen in Liebesdingen liegen.

Diese Historie führt dazu, dass zunächst ein absolutes Katz und Maus-Spiel zwischen den beiden Protagonisten beginnt, was sich aber schnell immer mehr intensiviert. Ich hatte direkt das Gefühl, dass wir hier kein Slow Burn haben. Denn auch, wenn es eine Weile dauert, bis sich die beiden wirklich näher kommen, so merkt man doch durchaus von Anfang an eine gewisse Anziehung. Ich mochte die beiden als Paar sehr gerne.

Und auch ansonsten sind es beide sehr interessante Protagonisten. Jude ist nicht unbedingt dafür gemacht, dass man sie auf den ersten Blick mag. Unangepasst, chaotisch, eckt gefühlt gerne an. Blickt man aber hinter die Fassade ist hier definitiv viel mehr. Genauso verhält es sich auch mit James, der auf den ersten Blick abweisend wirkt, aber direkt auf den zweiten spüren lässt, wie hilfsbereit und freundlich er ist.

Ein ganz wunderbares Herbstbuch, das ich unheimlich gerne gelesen habe. Der Humor ist hier besonders hervorzuheben, denn er hat mich im Verlauf der Geschichte nicht nur einmal zum Lachen gebracht.

Bewertung vom 18.11.2025
Koppel, Benjamin

Großmutters Geheimnis


sehr gut

"Großmutters Geheimnis" erzählt eine Geschichte auf zwei Zeitebenen. Da ist zum einen die Geschichte von Alexander im Jahr 2016. Alexander, ein Musiker, der gerne erfolgreicher wäre, als er ist und seine Unsicherheiten und seinen Misserfolg in Alkohol und Drogen erstickt. Da ist aber auch seine Freundin, die gerne eine Familie mit ihm gründen möchte und dafür nicht nur eine ärztliche Behandlung über sich ergehen lassen muss, weil der Wunsch nach einem Kind das Paar leider vor unerwartete Schwierigkeiten stellt.

Und dann ist da noch die Geschichte von Ruth. Sie selbst erzählt aus ihrer Vergangenheit - als Gefangene in einem Lager der Nazis. Ruth, die Alexanders Oma ist, ihn aber niemals kennenlernen konnte, weil alte Verletzungen in der Familie dafür gesorgt haben, dass diese entzweit ist. Doch Ruth lässt sich nicht abhalten und erzählt auch in hohem Alter schonungslos ihre Geschichte.

Dieses Buch ist durch die zwei Zeitebenen ganz besonders spannend, vor allem, was meine Perspektive bzw. Einstellung zu dieser angeht. Zu Beginn war ich tatsächlich mehr von den Geschehnissen rund um Alexander und seine Freundin gefesselt. Die Fruchtbarkeitsbehandlungen werden emotional geschildert und haben mich sehr mit den beiden mitfühlen lassen. Sie gehen durch eine unglaublich schwere Zeit und mit jeder Seite die verging, hatte ich mehr Mitgefühl mit den beiden.

Doch mit der Zeit wandelte sich das und die Geschehnisse in der heutigen Zeit verloren für mich an Bedeutung. Ruths Geschichte nahm mich immer mehr gefangen und ihre Abschnitte zogen mich quasi magisch an. Da Ruth ihre Geschichte selbst für ihren Enkel erzählt und auf Kassette aufspricht, bekommt diese eine ganz besondere Authentizität. Die grausamen Geschehnisse und Erlebnisse gingen mir stellenweise so nah, dass ich schwer schlucken und mit den Tränen kämpfen musste. Durch die persönlichen Schilderungen hatte ich das Gefühl, Ruth erzählt mir direkt ihre Geschichte. Ich konnte die Bilder vor meinem inneren Auge sehen. Ich fühlte Schmerz, Wut und absolute Fassungslosigkeit ob der Grausamkeiten zu denen die Nazis fähig waren. Dies ist bei weitem nicht das erste Buch, welches ich lese, das zu dieser Zeit spielt, aber es ist eines, das mir ganz besonders unter die Haut ging.

Der Autor geht hier auch relativ schonungslos vor. Er beschönigt nichts und schildert die unfassbar schlimmen Zustände genauso, wie sie vermutlich waren. Tod, Leid, Schmutz, Krankheiten und Hunger waren an der Tagesordnung. Und dies alles lässt Benjamin Koppel den Leser sehr deutlich spüren, was ich für diese Thematik aber genau richtig finde.

Der Schreibstil ist ob der Thematik trotz allem relativ leicht und gut zu lesen und hat mich teilweise so in seinen Bann gezogen, dass die Seiten nur so dahin geflogen sind. Ruths Geschichte zu verfolgen war tatsächlich auch wirklich spannend, auch wenn das in diesem Zusammenhang vielleicht das falsche Wort ist. Ich war so beeindruckt wie der Autor ihre Geschichte beschrieben hat, wie immer wieder neue Dinge ans Licht kamen und wie dann kurz vor Schluss nochmal ein unfassbar grausamer Paukenschlag kommt, mit dem ich allerdings schon gerechnet habe.

Benjamin Koppel verarbeitet hier die verschiedensten Themen und scheut auch nicht davor zurück aufzuzeigen, wie schwer Traumata wiegen können. Wie Traumata dafür sorgen können, dass Menschen nicht mehr fähig sind zu lieben. Wie Traumata auch auf die nächste Generation übergehen können und dass es trotz allem eine Chance gibt, diese zu bewältigen.

Das Thema Musik ist ebenfalls eines, was recht groß geschrieben wird in der Geschichte. Gerade zu Beginn nimmt es viel Raum ein. Auch zum Ende hin, wird es wieder deutlich präsenter. Dadurch, dass ich keinen wirklichen Zugang zur Musik habe und damit nicht wirklich viel anfangen kann (gerade was klassische Musik angeht), waren diese Passagen für mich eher etwas langatmig und störend. Auch wenn sie zur Geschichte gehören, da der Autor selbst Musiker ist, das Buch von seiner Familiengeschichte inspiriert wurde und es außerdem von vorneherein klar ist, dass Musik zum Thema werden wird. Grundsätzlich finde ich es wahnsinnig schön, welch heilsame Kraft Musik haben kann. Das wird auch in dieser Geschichte sehr deutlich. Lediglich die Tiefe des Themas, die Fachbegriffe und das Ausführliche, waren mir stellenweise etwas zu viel. Ansonsten finde ich aber, dass das Thema "Musik" schön in die Geschichte eingebunden wurde.

Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses Buch lesen durfte. Eine tragische und berührende Geschichte einer Frau während der Ns-Zeit und deren Enkel, der mit seinen ganz eigenen Dämonen kämpft. Und eine Geschichte über Traumata, die Kraft der Musik und auch die Kraft der Vergebung und Aufarbeitung der Vergangenheit.

Bewertung vom 12.11.2025
Sandberg, Ellen

Rauhnächte


sehr gut

Ellen Sandberg ist das Pseudonym der Autorin Inge Löhnig, deren Krimis ich schon immer gerne gelesen habe. "Rauhnächte" ist die überarbeitete und abgeänderte Fassung eines etwas älteren Jugendbuches von ihr und wurde hier für Erwachsene neu adaptiert. Da ich das Jugendbuch auf dem diese Geschichte basiert, nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, in wie weit sich die Geschichten gleichen oder auch nicht.

"Rauhnächte" erzählt die Geschichte von Pia, die am Weihnachtsabend erfährt, dass ihre Eltern gar nicht ihre Eltern sind, sondern sie adoptiert wurde. Auf der Suche nach Antworten, stößt sie auf eine Mauer des Schweigens. Niemand will ihr etwas über ihre Vergangenheit oder ihre biologische Herkunft erzählen. Als Pia in den Ort zurückkehrt, in dem sie als kleines Mädchen gewohnt hat, stößt sie dort auf Ablehnung und Argwohn. Davon lässt sie sich jedoch nicht abhalten und sucht weiter nach der Wahrheit, bis sie in tödliche Gefahr gerät.

Zunächst einmal müssen wir über das Cover reden. Wie schön ist bitte dieses Cover? Die kalte Winterlandschaft mit dem Fuchs gefällt mir unheimlich gut und im Nachgang zum Lesen kann ich sagen, dass das einfach hervorragend zur Geschichte passt. Ein sehr gelungenes, treffendes Cover.

Und nun zur Geschichte selbst. Was ich ganz besonders hervorheben und extrem loben muss, ist die Atmosphäre, die dieses Buch verströmt. Es ist düster und gruselig und passt damit super zur Jahreszeit. Es gibt so viele Szenen, die diese Atmosphäre unterstreichen und dafür gesorgt haben, dass sich mit teilweise fast die Nackenhaare aufgestellt haben. Ich konnte sie so gut fühlen und mochte das wirklich sehr gerne.

Die Geschichte ist nicht nur düster. Nein, sie ist auch spannend und in Teilen auch sehr bewegend. Ich muss zugeben, dass ich bis zum Ende auf der falschen Fährte war, was ich echt gut finde. Stellenweise ist die Spannung auch nur unterschwellig vorhanden, was aber auch total gut ist und zu der düsteren Atmosphäre passt. Ich wusste gar nicht, was mich hinter der nächsten Seite erwarten würde und wurde von einigen Wendungen der Geschichte echt überrascht.

Eine große Rolle in dieser Geschichte spielen die titelgebenden Rauhnächte. Sie sorgen zusätzlich für eine mystische Atmosphäre. Ich habe so einiges über Bräuche und Glauben / Aberglauben was diese Zeit betrifft gelernt und fand es total spannend, darüber mehr zu erfahren, da ich mich bisher noch nicht wirklich damit beschäftigt hatte und nichts darüber wusste.

Auch der Schreibstil ist super gut. Er lässt sich total gut lesen, ist locker und die Seiten sind nur so dahingeflogen. Ich habe das Buch wirklich extrem schnell gelesen, da es so ein angenehmer Stil war. Das sorgte dafür, dass ich das Buch sehr gerne gelesen und beim Lesen gar nicht mehr auf die Zeit geachtet habe.

Und nun komme ich zu dem, was mich am Buch leider gestört hat. Ich bin bis zum Ende nicht mit der Hauptperson Pia warm geworden. Sie handelt oft kopflos, naiv und ist ihren Verhaltensweisen alles andere als reif. Sie stößt Leute völlig ohne Grund vor den Kopf und stellenweise hatte ich das Gefühl, dass es sich bei ihr um eine Person handelt, die noch nie in einer Zivilisation gelebt hat und den Smalltalk mit anderen nicht beherrscht. Im Verlauf der Geschichte wurde das auch leider nicht wesentlich besser.

Zusätzlich gibt es plötzlich auch eine Liebesgeschichte, die ich leider gar nicht gefühlt habe. Mir ging das viel zu schnell und auch die Gefühle zwischen den beiden Personen habe ich ihnen einfach nicht abgekauft. Das war für mich nicht echt und hätte man ehrlicherweise für den Plot auch überhaupt nicht gebraucht. Die Liebesgeschichte wirkte so mehr wie ein Überbleibsel aus dem vorherigen Jugendbuch, auch wenn ich natürlich nicht sagen kann, ob das stimmt. Das ist nur eine Vermutung.

Letztendlich habe ich das Buch wirklich sehr gerne gelesen. Es hat mich gepackt und gefesselt und bietet zudem einen sehr schlüssigen und logischen Schluss, der mich überrascht hat. Man erfährt einiges über die Rauhnächte und besonders die düstere und mystische Atmosphäre der Geschichte, hat mich in ihren Bann gezogen.

Bewertung vom 09.11.2025
Breidenbach, Ursi

Christmas Cake und Glitzerschnee


ausgezeichnet

"Christmas Cake und Glitzerschnee" erzählt die Geschichte von Jenny und Callum. Jenny, die eigentlich in Deutschland lebt wird für ein Forschungsprojekt nach Edinburgh geschickt. Dort sucht sie ihre Großmutter auf, zu der sie zeitlebens keinen Kontakt hatte. Verletzungen und Missverständnisse stehen im Raum und erst mit der Zeit gelingt es Jenny zu verstehen, was vor so vielen Jahrzehnten wirklich passiert ist. Bei ihrer Großmutter trifft sie auf den talentierten Bühnenbildner Callum. Ein typischer Schotte, der ihr direkt ans Herz wächst. Dieser macht es sich zur Aufgabe, Jenny - einen echten Grinch - davon zu überzeugen, wie schön Weihnachten eigentlich ist. Und dabei schleicht er sich ganz langsam immer tiefer in ihr Herz.

Ursi Breidenbach hat hier eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte geschrieben, die mich vom ersten Moment an verzaubert hat. Vom Wunsch Weihnachtskissen zu kaufen, über den Wunsch auf den Weihnachtsmarkt zu gehen und Plätzchen zu backen, bis hin zum dem Wunsch Weihnachten bei Jennys Oma zu verbringen. Die weihnachtliche Stimmung ist in dieser Geschichte ganz wunderbar greifbar und so schön erzählt, dass ich selbst jetzt noch in Weihnachtsstimmung bin.

Die Protagonisten in diesem Buch mochte ich ebenfalls sehr gern. Jenny ist zwar recht forsch und an diese Art musste ich mich erst gewöhnen, aber gerade bei ihr war es ganz toll zu beobachten, welche Entwicklung sie im Verlauf der Geschichte durchmacht. Wie sie beginnt eigene Einstellungen zu hinterfragen und hinter Fassaden zu schauen. Wie sie den alten Familienstreit versuchen möchte zu verstehen und sich eine ganz eigene Meinung dazu bildet. Eine ganz starke Frau, die das Herz am rechten Fleck hat und mit Callum einen perfekten "Mitspieler" bekommt. Seine Liebe zu Weihnachten ist auf jeder Seite spürbar. Seine Versuche Jenny in weihnachtliche Stimmung zu bringen, sind so schön, dass ich sehr gerne in echt dabei gewesen wäre. Callum ist ein Mann, den sich jede Frau nur wünschen kann. Respektvoll, zuvorkommend und eine absolute Green Flag. Gemeinsam bilden die beiden ein ganz hervorragendes Duo. Und dann ist da noch Jennys Großmutter, die mir ebenfalls sehr ans Herz gewachsen ist. Ihr wunderbar weihnachtlich geschmücktes Haus, ihre Liebe zum Backen und Basteln werden ebenfalls ganz toll erzählt Eine Frau, die ich sehr bewundere, hatte sie es doch nicht immer leicht in ihrem Leben. Gemeinsam mit den vielen Nebencharakteren, entsteht hier eine ganz wunderbare Mischung an Persönlichkeiten, die ich wirklich sehr gerne mag.

Ich habe noch nicht besonders viele Bücher gelesen, die in Schottland spielen - schon gar nicht zur Weihnachtszeit. Und so konnte ich auch einiges mitnehmen und lernen. Ich habe Schottland in so einer wunderschönen Zeit kennenlernen dürfen. Auch einige kulinarische Besonderheiten begegneten mir in der Geschichte. Die sind jetzt zugegebenermaßen nicht ganz so mein Fall, aber es war auf jeden Fall spannend zu erfahren, was dort so traditionell gegessen wird. Ganz wunderbar fand ich ebenfalls, dass schottische Begriffe in die Geschichte eingebaut werden. Dafür gibt es direkt am Anfang des Buches ein Glossar, sodass man auch keine Schwierigkeiten hat, diese zu verstehen. Das macht die Geschichte dann ganz besonders authentisch.

Und natürlich wäre es kein romantischer Weihnachtsroman, wenn es nicht auch eine wunderbar zarte Liebesgeschichte mit einem Happy End geben würde. Auch dieser Part des Buches hat mir sehr gut gefallen, denn genauso wie die Liebesgeschichte in das Geschehen eingebaut wird, ist sie perfekt. Gerade wenn ich so ein schönes Buch lese, dann brauche ich ein Happy End. Dann möchte ich das genau so und von daher war mein Herz am Ende des Buches einfach nur glücklich und zufrieden. Einziges Manko: Das Buch war viel zu früh zu Ende und ich hätte gerne noch 100 Seiten weitergelesen.

Ein wunderschöner Weihnachtsroman, dessen Cover schon der absolute Wahnsinn ist, das aber im Inneren genauso überzeugend ist, mich komplett abgeholt und verzaubert hat. Eine Lektüre, die glücklich macht und in Weihnachtsstimmung versetzt und vielleicht sogar den ein oder anderen Grinch davon überzeugen kann, wie schön Weihnachten eigentlich ist.