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vo.nicole

Bewertungen

Insgesamt 42 Bewertungen
Bewertung vom 03.01.2026
Woywod, Torsten

Mathilde und Marie


gut

In „Mathilde und Marie“ nimmt uns Torsten Woywod mit in das kleine belgische Bücherdorf Redu. Redu ist ein Ort, an dem die Zeit langsamer zu laufen scheint und das Leben bewusst einfacher ist. Die junge Französin Marie lässt ihr bisheriges Leben in Paris hinter sich und strandet eher zufällig hier, wo sie auf eine Gemeinschaft trifft, die ihr fremd und gleichzeitig überraschend vertraut vorkommt. Zwischen Buchläden und besonderen Begegnungen beginnt für sie ein leiser Neuanfang.

Der Schreibstil ist sehr bildhaft und ruhig, fast poetisch. Gerade im ersten Teil wird viel Raum für Naturbeschreibungen und Atmosphäre gelassen – mir persönlich war das stellenweise etwas zu langatmig und handlungsarm. Dafür hat mich der zweite Teil deutlich mehr abgeholt: Die Figuren gewinnen an Tiefe, Dynamiken werden greifbarer und vor allem die Entwicklung einzelner Charaktere – insbesondere auch Mathildes – hat mir gut gefallen.
Außerdem mochte ich die wechselnden Perspektiven und die Grundstimmung des Romans, die viel Wärme und Menschlichkeit transportiert.

Alles in allem ein ruhiger, gemütlicher Wohlfühlroman mit schöner Sprache und liebenswerten Figuren, mit kleinen Längen, aber auch mit vielen stillen, berührenden Momenten.

Bewertung vom 28.12.2025
Hoersch, Judith

Niemands Töchter


ausgezeichnet

Judith Hoersch erzählt in "Niemands Töchter" die Geschichte von vier Frauen. Alma wächst in den Achtzigerjahren in der Eifel mit ihrer Mutter Gabriele auf, fühlt sich in ihrer Familie fremd und lebt mit einem Schweigen über ihre Herkunft. Isabell lebt in Berlin und vermisst ihre Mutter Marie auf eine Weise, die ihr gesamtes Fühlen und Handeln bis in die Gegenwart hinein prägt. Als sich ihre Wege schicksalhaft kreuzen, entfaltet sich eine Geschichte, die über Generationen hinweg von Verlust und der Suche nach Zugehörigkeit erzählt.

Besonders gefallen hat mir die Sprache des Romans. Sie ist poetisch, ruhig und voller Sätze, die zum Innehalten einladen. Ich habe mir beim Lesen einige Zitate notiert (z. B. "Verzeihen und verstehen haben nicht wirklich etwas miteinander zu tun.") Zudem finde ich die Verknüpfung der verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen sehr gelungen. Die oft kurzen Kapitel, die vielen Zeitsprünge und die unterschiedlichen Stimmen der vier Frauen sorgen für ein hohes Tempo und einen durchgehend spannenden Erzählfluss. Die Geschichte nähert sich dabei behutsam den Themen Identität, Mutterschaft und Herkunft und gibt immer wieder entsprechende Denkanstöße. Die Protagonistinnen sind mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet: komplett unterschiedlich in ihren Persönlichkeiten und Lebenswegen, dabei aber stimmig und glaubwürdig in ihren Entwicklungen.

Einziger kleiner Kritikpunkt ist für mich das Zusammentreffen von Alma und Isabell, das (ohne zu viel vorwegzunehmen) etwas konstruiert und von einigen Zufällen getragen wirkt. Dennoch fügt es sich für mich insgesamt passend in die Erzählung ein.

Alles in allem ist "Niemands Töchter" ein sehr berührender, poetischer und leiser Roman. Ein tolles Debüt von Judith Hoersch, das ich sehr gerne weiterempfehle.

Bewertung vom 28.12.2025
Borrmann, Mechtild

Lebensbande


ausgezeichnet

Mechtild Borrmann erzählt in "Lebensbande" die Lebensgeschichten von Lene, Nora und Lieselotte, deren Wege sich zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Fall der Berliner Mauer kreuzen. In einer Zeit von Angst und Gewalt entstehen Freundschaften, die Halt geben. Besonders die Geschichte um den kleinen Leo, der wegen eines Handicaps als „Reichsausschusskind“ gilt, zeigt früh, wie grausam die Realität jener Zeit war. Die Erzählung führt vom Niederrhein über Danzig bis in ein sowjetisches Gulag und macht sichtbar, wie tief die Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt.

Das Buch hat mich sehr beeindruckt. Durch die verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven bleibt die Geschichte durchweg spannend und gleichzeitig sehr kurzweilig. Die historische Einbettung ist dabei gelungen: Fakten zur Zeitgeschichte fügen sich passend in die Handlung ein und lassen die Ereignisse umso greifbarer wirken. Man bekommt ein eindringliches Gefühl dafür, wie das Leben in Kriegs- und Nachkriegszeiten ausgesehen haben muss.

Gleichzeitig ist der Roman traurig und aufwühlend, regt aber auch zum Nachdenken an. Die Figuren sind so gezeichnet, dass man schnell Nähe zu ihnen aufbaut und mit ihnen hofft und bangt. In meinem Fall habe ich das Buch als Hörbuch gehört und die Sprecherinnen haben die Atmosphäre und Emotionalität der Geschichte sehr eindrucksvoll transportiert.

Alles in allem ist "Lebensbande" ist ein sehr starkes und bewegendes Buch, das lange nachhallt.

Bewertung vom 27.12.2025
Groh, Kyra

The Pumpkin Spice Latte Disaster / Pumpkin Spice Latte Bd.1


gut

Kyra Groh erzählt in "Pumpkin Spice Latte Desaster" die Geschichte von Jude, die eigentlich nur für die Hochzeit ihrer Schwester in ihr englisches Heimatdorf Lower Whilby zurückkehrt. Doch kaum angekommen trifft sie James, einem Barista und Sohn ehemaliger Brit-Pop-Stars. Aus einer Zweckgemeinschaft im Café entwickelt sich eine Annäherung, die Jude vor die Frage stellt, ob sie zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich ankommen kann.

Besonders gelungen ist die liebevolle Ausarbeitung des kleinen Ortes und seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Lower Whilby wirkt lebendig und authentisch. Auch der Schreibstil ist insgesamt kurzweilig, und die wechselnden Perspektiven sorgen für Abwechslung und Tempo.

Gleichzeitig blieb bei mir jedoch eine gewisse Distanz zu den Figuren. Mit Jude konnte ich mich kaum identifizieren, und auch ihre Schwester wirkte in ihren Haltungen für mich nur schwer nachvollziehbar. Viele Dialoge waren mir etwas zu forsch und mir fehlte der emotionale Tiefgang, gerade in der Beziehung zwischen Jude und James.

Insgesamt ist Pumpkin Spice Latte Desaster ein schöner Roman für zwischendurch, bei dem ich mir inhaltlich und emotional jedoch etwas mehr erhofft hatte.

Bewertung vom 18.12.2025
Bähr, Julia

Hustle


gut

Julia Bähr erzählt in "Hustle" die Geschichte von Leonie, die ihr Leben nach ihren eigenen moralischen Maßstäben ausrichtet. Als ihr in München das Geld ausgeht, gerät sie in ein Umfeld von Frauen, die sich ihren Lebensstil mit fragwürdigen Methoden finanzieren. Fasziniert von deren Unabhängigkeit entdeckt Leonie eine eigene Geschäftsidee: bezahlte Racheaktionen für Menschen mit gebrochenem Herzen. Doch mit dem Erfolg kommen auch die Zweifel an sich selbst.

Der Roman lebt vor allem von seinem zynischen Ton und den satirischen Spitzen, mit denen gesellschaftliche Erwartungen und Entwicklungen angeprangert werden. Der Schreibstil ist flüssig und sehr kurzweilig, wodurch sich das Buch schnell lesen lässt. Gleichzeitig hatte ich jedoch große Schwierigkeiten, mich mit der Protagonistin zu identifizieren. Leonies moralische Haltung blieb für mich schwer nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass manches unrealistisch oder klischeehaft wirkt, insbesondere die Darstellung Münchens und des dortigen Lebensstils. Zwar ist die Geschichte unterhaltsam, doch mir fehlte eine klare Entwicklung in der Handlung als auch bei Leonie selbst. Das Ende kam für mich recht abrupt und einige Fragen blieben offen.

Insgesamt ist "Hustle" ein flüssig geschriebener Roman mit Unterhaltungswert, der für mir jedoch noch etwas mehr Tiefe hätte vertragen können.

Bewertung vom 09.12.2025
Beyer, Martin

Elf ist eine gerade Zahl


gut

Martin Beyer erzählt in "Elf ist eine gerade Zahl" von Katja und ihrer Tochter Paula, die mit nur vierzehn Jahren schwer erkrankt ist. Rund um die bevorstehende Operation versucht Katja, ihrer Tochter Halt zu geben und beginnt, ihr eine symbolische Geschichte über ein Mädchen und einen Fuchs zu erzählen.

Für mich lag die größte Schwierigkeit des Romans in der Gewichtung der beiden Erzählebenen. Die Fuchs-Geschichte nimmt einen breiten Raum ein, doch obwohl der Ansatz stimmig ist ist, hat sie mich emotional kaum abgeholt. Die Wechsel zwischen Realität und Erzählung wirken teilweise etwas abrupt. Gleichzeitig blieb die eigentliche Handlung rund um Paula für meinen Geschmack zu sehr im Hintergrund, ebenso wie wichtige Nebenfiguren, die nur angerissen werden und dadurch blass bleiben. Obwohl sie meiner Meinung nach viel Potenzial hätten.

Der Schreibstil des Buches ist hingegen sehr flüssig und das Cover gefällt mir ebenfalls gut.

Insgesamt ist "Elf ist eine gerade Zahl" ein Buch mit einer spannenden Grundidee – für mich jedoch ohne die emotionale Wirkung, die ich mir von der Geschichte erhofft hatte.

Bewertung vom 03.12.2025
Huth, Peter

Aufsteiger


sehr gut

Peter Huth erzählt in seinem Roman „Aufsteiger“ eine Geschichte, die tief in die Realität der Medienwelt eintaucht. Es geht um Macht, Moral und den schmalen Grat, der Absturz und Erfolg voneinander trennt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Felix Licht, der alles für die Karriere geopfert hat. Doch der letzte Schritt, die Berufung zum Chefredakteur seines Magazins, bleibt aus. Stattdessen wird Zoe Rauch in den Posten befördert. Jene junge und schöne Frau, an die Felix seit ihrem Praktikum vor zwölf Jahren denken muss.

Besonders spannend ist, dass viele aktuelle Themen aufgegriffen werden – vom Streit um „Klimakleber“ bis hin zu sprachlichen Debatten über das Thema Gendern oder die Nutzung des Worts „Indianer“. Man merkt zwar, dass das Buch wohl schon 2023 fertiggestellt wurde, doch büßt es dadurch nichts an Aktualität ein. Im Gegenteil: Gerade weil vieles noch immer diskutiert wird, wirken die Bezüge sehr nah an unserer Gegenwart.

Die Figuren sind präzise herausgearbeitet und an realen Vorbildern orientiert, was das Lesen umso spannender und authentischer macht. Huths Schreibstil ist dabei flüssig und kurzweilig, der Spannungsbogen bleibt über die gesamte Länge hoch – man möchte das Buch kaum aus der Hand legen.

Alles in allem ist „Aufsteiger“ ein kluges Buch, das die Mechanismen in der Medienwelt realistisch widerspiegelt und zugleich die Frage stellt, wie dünn die Linie zwischen Gold- und Schattenseite tatsächlich ist. Für mich ein sehr lesenswerter Roman und eine Empfehlung für jeden, der gerne mal einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte.

Bewertung vom 03.12.2025
Swidler, Nicole;Swidler, Uli T.

Herzlauschen


sehr gut

Nicole und Uli Swidler erzählen in ihrem Roman „Herzlauschen“ die Geschichte von Tessa Boden, einer gefeierten Sopranistin, die auf den größten Bühnen der Welt zu Hause ist und dennoch ein einsames Leben führt. Bei einem Konzert in der Berliner Philharmonie begegnet sie Paul, einem gehörlosen Bildhauer, dessen geheimnisvolle Ausstrahlung sie sofort in ihren Bann zieht. Zwischen beiden entwickelt sich eine ungewöhnliche und intensive Liebesgeschichte.

Besonders gelungen fand ich den flüssigen und leichten Schreibstil, der einen als Leserin direkt abholt. Auch die Charaktere sind sehr einfühlsam gezeichnet, und gerade die Einbettung des Themas Taubheit ist überzeugend umgesetzt. Man kann sich sehr gut in die Figuren hineinversetzen und mitfühlen.

Der Spannungsbogen der Geschichte ist durchweg hoch und nimmt vor allem gegen Ende nochmal deutlich Fahrt auf. Gleichzeitig wirkte die Liebe zwischen Tessa und Paul auf mich stellenweise etwas zu idealisiert und "zu schön, um wahr zu sein". Ich bin teilweise gar nicht hinterhergekommen, wie intensiv die Gefühle der beiden bereits waren, ohne dass ein "echter Austausch" die Beziehung greifbar gemacht hat.

Trotzdem bleibt „Herzlauschen“ für mich ein schöner und vor allem berührender Roman, der voller Liebe steckt und durch seine besondere Konstellation im Gedächtnis bleibt.

Bewertung vom 03.12.2025
Bhatter, Ina

Drei Tage im Schnee


sehr gut

„Drei Tage im Schnee“ von Ina Bhatter erzählt die Geschichte von Hannah, die in einem übervollen Großstadtalltag gefangen ist. Termine, Verpflichtungen und Erwartungen bestimmen ihr Leben, bis sie sich für ein paar Tage in ein kleines Holzhaus am See zurückzieht. Dort begegnet sie der kleinen Sophie. Die beiden verbringen eine unbeschwerte Zeit miteinander und Hannah beginnt über ihr Leben zu reflektieren.

Der Schreibstil des Buches ist sehr klar und flüssig. Die Idee, das "innere Kind" in einer Figur wie Sophie sichtbar zu machen wurde sehr liebevoll umgesetzt. Ich habe mich oft in Hannah wiedergefunden und sie stellt vermutlich für sehr viele Menschen unserer heutigen Gesellschaft eine Identifikationsfigur dar. Manche Gedanken und Ratschläge, die im Verlauf auftauchen, sind nicht neu, aber dennoch wertvoll, weil sie einen daran erinnern, wie selten man ihnen im Alltag wirklich Raum gibt. Auf eine Art hat das Buch etwas von einem Ratgeber: nicht belehrend, aber als Anstoß zum Innehalten. Die Geschichte liest sich insgesamt schnell und ist perfekt für einen ruhigen Nachmittag zum Innehalten. Gleichzeitig wirkt vieles sehr geradlinig, fast glatt. Ich habe mich gefragt, ob man ein ganzes Leben in nur drei Tagen wirklich so nachhaltig verändern kann. An manchen Stellen hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.

Trotzdem bleibt „Drei Tage im Schnee“ ein sehr empfehlenswertes Buch, das einem wichtige Impulse mitgibt.

Bewertung vom 02.12.2025
Izquierdo, Andreas

Über die Toten nur Gutes / Ein Trauerredner ermittelt Bd.1


ausgezeichnet

Andres Izquierdo erzählt in seinem Roman „Über die Toten nur Gutes“ die Geschichte von Mads Madsen, der als Trauerredner arbeitet. Nach dem Tod seines alten Freundes Patrick soll er eine Rede halten – eine Aufgabe, die ihn auf eine Reise in die Vergangenheit führt und nicht nur sich selbst damit in Gefahr bringt.

Die Handlung spielt in Glücksburg an der Ostsee. Neben Mads lernt man auch sein direktes Umfeld gut kennen: Dazu gehört sein Vater Fridtjof, sein bester Freund Fiete, aber auch die zunächst unsympathische Kommissarin Luisa Mills.

Der Schreibstil von Andres Izquierdo ist die gesamte Geschichte hinweg sehr flüssig und durch die kurzen Kapitel entsteht ein hohes Tempo, das die Spannung laufend aufrecht erhält. Besonders gelungen fand ich die Mischung aus Humor und ernsteren Momenten: Während Mads vieles flapsig und fast naiv kommentiert, gewinnen die Ereignisse im Laufe der Geschichte immer mehr Tiefe. Gerade das letzte Drittel nimmt nicht nur erzählerisch Fahrt auf, sondern berührt auch emotional. Besonders die Geschichte rund um Mads Mutter fand ich sehr eindrucksvoll.

Sehr gefallen hat mir darüber hinaus auch die bildhafte Sprache, mit der Andres Izquierdo schreibt. Auch die Figuren sind facettenreich und bleiben im Gedächtnis: Mads als Hauptfigur mit seinem Humor und seiner Eigenart, aber auch Mills, die sich im Verlauf deutlich wandelt und Sympathiepunkte sammelt.

Alles in allem ein kurzweiliger, spannender und zugleich berührender Roman, der Lust auf mehr Geschichten mit Mads Madsen macht. Eine Empfehlung für alle, die Krimi, Humor und Tiefgang in einem Buch vereint sehen wollen.