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Blondschopf
Wohnort: 
Tübingen

Bewertungen

Insgesamt 83 Bewertungen
Bewertung vom 10.03.2025
Strandkorbbriefe / Nordsee-Reihe Bd.2
Merburg, Marie

Strandkorbbriefe / Nordsee-Reihe Bd.2


gut

Auf der Suche nach dem Geheimnisvollen Absenders eines vermeintlich an sie gerichteten Liebesbriefes bereits Merle nicht nur einen Teil Ostfrieslands, sondern führt mehrere Liebespaare zusammen, erfährt eine wundersame Heilung der physischen und psychischen Schäden ihres Dienstunfalls, streitet und versöhnt sie sich mit ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin. Und natürlich findet sie selbst auch die große Liebe – natürlich ganz unverhofft und bevor es zum Happy End kommt macht sie auf wenigen Seiten noch eine Verhaltens- und Beziehungstherapie so erfolgreich durch, dass dann am Ende auch wirklich alle nur denkbaren Probleme weggeräumt sind. Elternkomplexe, Beziehungsdramen, Traumata, Bindungsstörungen alles kommt irgendwie vor und wird auf wenigen Seiten abgehandelt.
Man weiß, es geht alles gut aus und fragt sich ein bisschen, warum gar so viele kleine Dramen hineingepackt wurden in ein gut zu lesendes und leicht geschriebenes Buch. Wirklich Tiefgang hat es nicht, aber wer ein Beispiel braucht, dass man selbst in Krisenzeiten nicht die Hoffnung verliert, der findet es in Merle.

Bewertung vom 03.03.2025
Sommernachtsküsse auf Fehmarn
Hof, Kira

Sommernachtsküsse auf Fehmarn


gut

Ein bisschen Amore am Urlaubsort
Ben und Merle finden sich, verlieben sich, verlieren sich und kriegen sich am Ende doch – das ist (wie so meist) die Kurzform auch dieses Buches. Irgendwie weiß man schon früh, wie es ausgehen wird und soll. Die angekündigten dramatischen Wendungen erscheinen dann im Buch längst nicht so aufregend und dramatisch, bzw. man weiß nicht recht, warum die Protagonisten um solche kleinen Mücken solch große emotionalen Elefanten machen.
Aber was soll´s. Die Autorin erzählt lebhaft, man bekommt einen Einblick in das Wechselhafte Wetter an der See und lernt nette Menschen kennen, die zueinander halten und füreinander einstehen.

Bewertung vom 03.03.2025
Das Parlament der Tiere
Schönberger, Sophie

Das Parlament der Tiere


ausgezeichnet

Dieses Buch ist einfach der Hammer und sollte in jedem Kindergarten und in jeder Grundschulklasse vorhanden sein - in jeder aufrechten Familie sowieso!
Es ist absolut kindgerecht erzählt und die Erwachsenen lernen auch noch etwas dazu. Die Geschichte regt zum Diskutieren und Erzählen an - genau so wie wir es für eine aufrichtige Demokratiebildung benötigen. Es werden auch nicht Herausforderungen und Schwierigkeiten verschwiegen - genau so, wie es in der politischen Realität ist. Am Ende zählen Kompromissfähigkeit und Freundschaft!
Auch zum Selberlesen ab der 2. Klasse geeignet.
Absolute Empfehlung!

Bewertung vom 03.02.2025
Die Eigensinnige
Müller, Lucca

Die Eigensinnige


sehr gut

Eine moderne Frau kämpft sich durch
Lucca Müller erzählt eindringlich und gekonnt aus dem Leben der Marie von Ebner-Eschenbach: Ihre Kindheit mit herrischem Vater und auf Anstand bedachter Stiefmutter, ihrer großen Liebe zu Cousin Moritz, glücklicher Ehe, unglückliche Versuche als Dramaturgin, Gesellschaftliche Anlässe der Damen der oberen Gesellschaft, Ehekrisen, Abschied von den Eltern und schließlich doch noch der große Literarische Erfolg. Die Situation der Zeit und die verschiedenen Perspektiven der verschiedenen Gesellschaftsschichten kommen dabei gut zum Ausdruck. Marie hat durchgehend einen Blick auch für Gleichberechtigung, Antisemitische Haltungen, Bildungsfragen und moderne Entwicklungen in Technik und Politik. Wie spannungsgeladen die Zeit war, kommt dadurch gut zum Ausdruck. Auf sehr angenehme Art lernt man sehr viel über die Zeit, ihre Werte und Probleme.
Durch viele Nebenthemen und ein Schwerpunkt auf ihr frühes Erwachsenenleben kommt die Biografie von Marie Ebner-Eschenbach streckenweise etwas kurz. Von ihrem Durchbruch wird nur noch sehr schnell erzählt, auch von ihren dadurch ermöglichtem sozialen Aktivitäten. Das ist angesichts der tatsächlich belegten Informationen über sie etwas schade. Um so mehr lenkt der Roman auch einen Blick auf den Mann an ihrer Seite, der uns Leserinnen als durchaus sympathischen und modern ausgerichteten Zeitgenossen vorgestellt wird.

Bewertung vom 16.12.2024
Wir leben unsere Träume / Himmelsstürmerinnen Bd.2
Lark, Sarah

Wir leben unsere Träume / Himmelsstürmerinnen Bd.2


gut

Kunstvolle Themenvielfalt
Eines gleich vorweg: Man kann – wie ich – den 2. Band auch ohne Kenntnis des ersten lesen. Wir haben ein gunstvoll komponiertes Opus Magnum vor uns, das anhand von einem knappen Dutzend an Personen ums ganz verschiedene Szenen des ersten Viertels des 20. Jahrhunderts vorstellt. Die Erzählweise ist sehr lebendig und präzise. Man gewinnt die Figuren liebt und lebt mit ihnen einige Jahrzehnte in einer Zeit voller Umbrüche. Von der Szenerie her bewegen wir uns zwischen Südafrika, Nordamerika, Schottland und Frankreich – das allein schon eine Herausforderung. Auch die verschiedenen Familien haben sehr unterschiedliche Hintergründe und Interessen. Das eigentlich verbindende Thema der Astronomie geht da manchmal unter. Zumal sich die Autorin auch noch der Herausforderung gestellt hat, gleich eine ganze Reihe an zeitgeschichlichen intensiven Spezialthemen mit zu verarbeiten: z.B. die Orphan Trains in Nordamerika, die Pestepidemie in Johannesburg sowie den ersten Weltkrieg, die Existenz des Scottish Women's Hospital in Royaumont (Frankreich), die Emanzipationsbewegungen, Prohibition, Rassentrennung usw. Da es sich dabei um sehr gewichtige Themen handelt, steht die berechtigte Kritik im Raum, dass diese jeweils nur oberflächlich abgehandelt und sehr schnell glücklich gelöst werden. Wie immer: Auch hier wäre weniger mehr gewesen.

Bewertung vom 18.11.2024
Was wir nicht kommen sahen
Seck, Katharina

Was wir nicht kommen sahen


ausgezeichnet

Ein absolut wichtiges Buch
Das Buch erzählt sehr gelungen das Drama um eine junge Videogamerin, die das Cybermobbing in den Suizid treibt. Wir lernen neben ihrer eigenen Perspektive auch die der Eltern, der Freundin und – besonders eindrucksvoll – auch die verschiedener digitaler Anonymitäten kennen. Damit gelingt es dem Buch, das komplexe Thema in seiner Vieldimensionalität deutlich zu machen. Man merkt, dass das Buch von einer jungen Autorin geschrieben ist, die sich im Metier auskennt. Nebenbei thematisiert sie auch noch Fragen der Gleichberechtigung und der Frauenbenachteiligung im öffentlichen Diskurs. Das Buch macht eindrucksvoll deutlich, wie wichtig es ist, dass wir uns alle als Gesellschaft mit dem Thema Cybermobbing auseinandersetzen, insbesondere alle, die Kontakt mit Jugendlichen haben (Familie, Schule…). Erschreckend wird deutlich, dass unser Rechtssystem und auch unser Bildungssystem in keiner Weise auf dieses ja nicht ganz neue Phänomen vorbereitet ist und so beide letztlich den Opfern keinerlei Schutz bieten. Ich halte das Buch deshalb für eine Pflichtlektüre für alle Lehrerinnen und Lehrer und alle Eltern von Jugendlichen. Auch erzählerisch und sprachlich ist es sehr gelungen.

Bewertung vom 28.10.2024
Ein Funke nur, ein kleines Licht - Eine Geschichte über Liebe und Mut
Shan, Milla

Ein Funke nur, ein kleines Licht - Eine Geschichte über Liebe und Mut


gut

Das Buch erzählt in Reimform ein Mäuseleben, das von dem Motto "Liebe und Mut - mehr braucht es nicht" getragen ist. Wunderschön gestalte und liebevoll gezeichnet. An sich ein Motto, das wir den Kindern gerne mitgeben möchten und das sie für´s Leben stärkt.
Leider wurde beim Erzählen der Geschichte nicht auf das Alter der kleinen Leserinnen und ihre kognitiven Fähigkeiten, sowie ihre Wirklichkeitswahrnehmung geachtet. Sehr plötzlich wird von partnerschaftlicher Liebe und eine Seite später vom Tod erzählt. Immer nur in sehr wenigen Worten und viel zu voraussetzungsreich für die Zielgruppe. Hier fehlt definitiv medienpädagogisches Geschickt.

Bewertung vom 14.10.2024
Ein neuer Anfang / Palais Heiligendamm Bd.1
Grünig, Michaela

Ein neuer Anfang / Palais Heiligendamm Bd.1


sehr gut

"Palais Heiligendamm: Ein neuer Anfang" von Michaela Grünig ist ein fesselnder Auftakt einer historischen Familiensaga, die den Leser in die Welt der Hoteliersfamilie Kuhlmann im frühen 20. Jahrhundert entführt
Handlung und Charaktere
Die Geschichte spielt zwischen den Jahren 1912 und 1918 im neu eröffneten Palais Heiligendamm in Mecklenburg-Vorpommerns. Die älteste Tochter der Familie, Elisabeth ist eine starke, ihrer Zeit vorauseilende Frau mit beeindruckendem wirtschaftlichem Sachverstand. Ihre Entwicklung und ihr Kampf um Anerkennung in einer männerdominierten Welt sind besonders überzeugend dargestellt. Dabei verliert die Figur aber ab und zu den Bezug zu ihren Gefühlen und vor allem zu einem liebevollen Handeln ihrem Lebensgefährten gegenüber, was sie lettztlich in große Probleme führt. Ihre drei Geschwister verkörpern andere Figuren und Lebensthemen der Zeit (Homosexualität, Antisemitismus…)
Grüning gelingt es meisterhaft, die Geschichte des Hotels mit den dramatischen Ereignissen der Zeit zu verknüpfen. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs und seine verheerenden Auswirkungen werden schonungslos, aber nicht übertrieben dargestellt. Die Figuren sind vielschichtig und überwiegend authentisch gezeichnet. Die Autorin hat offensichtlich gründlich recherchiert und vermittelt ein lebendiges Bild der Epoche. Auch die Nebenfiguren haben ihre eigenen interessanten Geschichten. Eine Leseempfehlung für Liebhaber historischer Romane und Familiensagas. Der Cliffhanger am Ende lässt die Leserinnen gespannt auf die Fortsetzung warten.

Bewertung vom 07.10.2024
Weihnachten in der Rosenholzvilla
Bach, Tabea

Weihnachten in der Rosenholzvilla


gut

Ein schnelles Weihnachtsfest im Tessin
Wir erleben auf 144 Seiten einige wenige Tage um das Weihnachtsfest in der Rosenholzvilla. Alle Figuren des 1. Bandes kommen irgendwie wieder vor – in der Kürze der Zeit wirkt das sehr gedrängt. Außerdem sollen noch jede Menge Tessiner (und andere) Weihnachtsbräuche vorgestellt und wertgeschätzt werden. Und natürlich darf auch noch geliebt und gehasst werden. Für mich ein bisschen zu viel auf den wenigen Seiten. Es wirkt alles ein bisschen sehr gewollt.
Aber nichts desto trotz gibt es einige schöne Momente, die die Leserin auf das Weihnachtsfest einstimmen: klassische Musik, selbst auf von Hand gemachten Instrumenten gespielt, traditionelles Gebäck, Familie und Freunde, die zusammen feiern, Glockengeläut und ein kleines Naturwunder.

Bewertung vom 05.09.2024
9 Grad
Kolb, Elli

9 Grad


gut

Eisbaden als Allheilmittel
Es ist ein interessantes Buch. In mehrfacher Hinsicht. Sprache und Setting ist sehr modern. Wir befinden uns in der Welt von Studierenden der Geisteswissenschaften im Jahr 2024. Alle 4 Figuren haben ihre Päckchen zu tragen: Eine Essstörung, Depressionen, Gendeffekt. Alle 4 habe von ihrem Elternhaus noch zusätzliche Herausforderungen aufgeladen bekommen und alle 4 wissen nicht so wirklich, was sie vom Leben eigentlich wollen.
Wir begleiten diese 4 jungen Leute über ein paar Winterwochen. Wir erleben, wie sie sich verlieben, studieren, Freizeit genießen und eigentlich immer gern jemand anderes wären. Und dann entdeckt eine das Eisbaden für sich – und hat (wie die Autorin!) es sich zum Auftrag gemacht, alles anderen dazu zu überzeugen, dass das Baden genau für ihre Situation hilfreich sein könnte. Am Ende ist niemand gesund, niemand hat seinen Platz gefunden, sie sind sich weder näher gekommen noch haben sie sich entfremdet. Aber irgendwie sind alle anders geworden.