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Benutzername: 
graphida
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Allgäu

Bewertungen

Insgesamt 22 Bewertungen
Bewertung vom 09.03.2025
Die Liebe am Horizont / Die Frauen der Villa Sommerwind Bd.3
Husen, Anna

Die Liebe am Horizont / Die Frauen der Villa Sommerwind Bd.3


schlecht

Scharfe Wangenknochen und Scherben im Herz... das war zu viel !

Leseeindruck zu Anna Husen: Die Liebe am Horizont.

Die Geschichte der Villa Sommerwind in Timmendorf begann vielversprechend mit dem ersten Band, der uns an die Ostsee entführte – in einen kleinen, aufstrebenden Kurort zur Zeit der Jahrhundertwende. Henriette, die Tochter des Hauses, unterstützt ihren Vater beim Aufbau des Hotelbetriebes.

Nach einem Streit läuft sie davon und findet sich in Niendorf wieder, wo sie den Fischer Ole kennenlernt. Was folgt, ist eine Liebesgeschichte, die sich an den gesellschaftlichen Konventionen der Zeit bricht – eine Verbindung, die Henriette nicht leben darf.


Die ersten beiden Bände ließen sich gut lesen, obgleich es auch da schon sprachliche Verirrungen gab. Dennoch war ich gespannt auf Band 3 – doch leider konnte mich die Geschichte diesmal gar nicht in den Bann ziehen. Nach knapp 70 Seiten habe ich abgebrochen.

Für mich sollte ein Buch spätestens nach 100 Seiten eine gewisse Sogwirkung entfalten – das ist hier leider nicht passiert.

Die Handlung plätscherte dahin, die Protagonistin drehte sich im Kreis, ein klarer roter Faden war für mich nicht zu erkennen.

Auch die Sprache trug dazu bei, dass ich keinen Zugang zur Geschichte fand. Die Wortwahl wirkte sehr einfach, stellenweise sogar seicht und stellenweise war ich als Leserin sehr gefordert ruhig zu bleiben: Formulierungen wie scharf geschnittene Wangenknochen, an denen man sich schneiden könnte oder ähnliches empfand ich als zu bemüht, um mit bildhaften Vergleichen zu arbeiten. ‚Das Rauschen der Wellen dröhnte in ihren Augen‘, gerunzelte Augenbrauen und zusammengezogene Kehlen sind sehr gewagte Formulierungen. Und wie Frau hastig Tränen wegblinzelt ist mir nicht klar.

Der Satz wie „Worte stachen wie Scherben in ihr Herz“ war für mich der Moment, das Buch zur Seite zu legen. Sicherlich wird dieser Roman seine Leserschaft finden – ich gehöre nicht dazu. Band 3 hinterlässt den Eindruck, als sei er entstanden, weil die ersten beiden Bücher erfolgreich waren – nicht, weil es noch eine Geschichte zu erzählen gab.


Spannung kam für mich nicht auf und als Geschichte über Frauen kann ich das Buch erst recht nicht sehen. Im Gegenteil: Das Frauenbild ließ mich schaudern.

Dass die gesellschaftlichen Normen um 1900 andere waren, ist selbstverständlich – doch wie die Autorin die Geschichte in ihrer Wortwahl und Beschreibung umsetzt, empfand ich als schlichtweg unerträglich.

Band 1 und 2 eignet sich als leichte Strandlektüre. Es hätte der Geschichte, der Autorin und dem Verlag gutgetan, es bei zwei Bänden zu belassen.

Bewertung vom 09.03.2025
Der Pinguin, der fliegen lernte
Hirschhausen, Eckart von

Der Pinguin, der fliegen lernte


sehr gut

Leseeindruck: Eckart von Hirschhausen – Der Pinguin, der fliegen lernte

Der Autor hat mich schon mehrfach mit seinen Büchern überrascht, und ich möchte allen, die es noch nicht kennen, sein Buch Mensch Erde empfehlen.

In diesem kleinen Motivationsbuch bringt Eckart von Hirschhausen eine zentrale Erkenntnis auf den Punkt: Lebe in deinem Element, wenn du glücklich sein willst. Auf 161 Seiten zieht er Parallelen zwischen Pinguinen und Menschen, zwischen Eigenschaften, die verbinden, und solchen, die uns guttun würden.

Das Buch ist zudem mit wunderschönen Fotografien von Stefan Christmann bebildert – allein diese sind eine große Freude. Hirschhausen beschreibt auf humorvolle und unterhaltsame Weise das Leben der Pinguine und motiviert die Leserin oder den Leser dazu, sich eine Scheibe von der Pinguin-Philosophie abzuschneiden.

Manchmal braucht es eben den Sprung ins kalte Wasser und manchmal sollten wir einfach erkennen, dass wir am falschen Ort sind – und uns deshalb nicht in unserem Element fühlen können. Ich kann das nur allzu gut verstehen und habe mich selbst schon manches Mal als Pinguin in der Wüste gefühlt – mit Fähigkeiten, die nicht für jeden nachvollziehbar sind.

Vieles, was Eckart von Hirschhausen beschreibt, findet auch in meinen Seminaren Raum, denn es ist so wichtig, unsere eigenen Stärken nicht nur wahrzunehmen, sondern sie auch wirklich zu leben.

Das Buch war kurzweilig, inspirierend und eine Freude zu lesen. Es eignet sich wunderbar als Geschenk und ist nicht nur für Pinguinfreunde eine Bereicherung.

Bewertung vom 15.01.2024
Zwischen den Meeren / Nord-Ostsee-Saga Bd.1
Johannson, Lena

Zwischen den Meeren / Nord-Ostsee-Saga Bd.1


gut

Hintergründe in Romanform zum Nord-Ostsee-Kanal, interessant, ich hätte mir mehr Spannung gewünscht.

Nord-Ostsee-Saga von Lena Johannson
Vier Frauen und ein Jahrhundertbauwerk, das die Welt verändert
Band 1: Zwischen den Meeren
Band 2: Nach den Gezeiten

Lena Johannson bringt der LeserIn die Hintergründe des Nord-Ostsee-Kanals näher. Der Bau dieser Wasserstrasse war um 1890 ein Meilenstein und ein Bauwerk ungeahnter Dimension. Bevor 1895 der Kanal in einem pompösen Festakt eingeweiht werden konnte, mussten viele Menschen ihren Einsatz leisten, mitunter auch mit dem Leben bezahlen.

Im Mittelpunkt der Buchreihe stehen vier Frauen, die zur damaligen Zeit weder Rechte noch eine Meinung haben durften. Frauen haben die kleineren Gehirne und sind hysterisch, sie können sich kein Urteil bilden und schon gar nicht mit Zahlen umgehen oder Verantwortung übernehmen – so die damalige Meinung.
Die vier Protagonistinnen beweisen das Gegenteil und bemühen sich, eine jede auf ihre Weise, Stellung zu beziehen und sich zu behaupten.

So wird beispielsweise die Geschichte der Tochter des Kaufmann und Hamburger Reeder Hermann Dahlström erzählt. Nach dem Tod der Mutter motiviert sie den Vater, seinen Lebenstraum in die Tat umzusetzen. Dahlström erhält Unterstützung von durch Kaiser Wilhelm I. und Otto von Bismarck.
Die Pläne nehmen Gestalt an, die Organisation von Unterkunft und Umsetzung sind eine besondere Herausforderung, vor allem in der damaligen Zeit. Das alles ist für uns in der heutigen Zeit nicht mehr vorstellbar.

Fazit:
Die ersten beiden Bände der 3-teiligen Buchreihe waren interessant, obgleich ich mir mehr Spannung hätte vorstellen können durch die Devise ‚weniger ist mehr‘. Vier Frauen, vier starke Frauen die in besonderen Zeiten ihren Weg suchen. Vier Geschichten waren mitunter zu viel, zwei Lebenswege an denen ich als LeserIn teilhaben darf, wären mit lieber gewesen.
Es gab für mein Empfinden unnötige Längen und der Spannungsbogen hat darunter gelitten.
Gewünscht hätte ich mir auch im 2. Band eine Personenübersicht und eine zusätzliche Zeittafel.
Das Thema ist interessant, die Autorin hat sehr gut und umfassend recherchiert und aus den Tatsachen in Kombination mit schriftstellerischer Freiheit ein Werk über die heute meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt geschaffen.

Bewertung vom 11.01.2024
Rein in die Komfortzone! (eBook, ePUB)
Butler, Kristen

Rein in die Komfortzone! (eBook, ePUB)


gut

Kristen Butler: Rein in die Komfortzone!

Der Titel versprach einen etwas anderen Ratgeber und er hält, was er verspricht, soweit man sich mit der Thematik des Wohlfühlens bisher nicht befasst hat.

Da ich selbst Seminare zum Thema anbiete war es für mich nicht viel neues, aber dennoch:

Unterhaltsam geschrieben mit vielen Anregungen um sich selbst besser wahrzunehmen und nicht einem unsinnigen Trend hinterherzulaufen. Wer sagt denn das eine Komfortzone etwas Schlechtes ist und wieso sollen wir sie verlassen ?

Wohlfühlen ist angesagt und das geht eben nur in der jeweiligen Komfortzone.

Also liebe LeserIn: trau dich und lebe authentisch.

Bewertung vom 02.06.2023
Der Eisbär und die Hoffnung auf morgen
Ironmonger, John

Der Eisbär und die Hoffnung auf morgen


gut

Der Eisbär von John Ironmonger

Der Autor greift mit seinem Roman ein wichtiges Thema auf, welches im Untertitel bereits anklingt: 'die Hoffnung auf morgen'.
Alles beginnt etwas langatmig mit einer Wette. Der 20jährige Tom trifft im Pub auf den 40jährigen Poltiker Monty. Mit zunehmendem Alkoholgenuss entsteht eine Auseinandersetzung, an deren Ende eine Wette entsteht. Die Frage steht im Raum ob das Haus des einen in 50 Jahren unter Wasser steht und der Klimawandel Folgen zeigt

Die zwei Männer könnten unterschiedlicher nicht sein, der eine engagierter Student, der andere Politiker. Tom sieht die drohende Umweltkatastrophe, Monty hat in erster Linie seine Karriere im Blick.
Übertreibt der Eine und ignoriert der Andere das was geschieht ?

Wir alle befinden uns mittendrin und können, im Gegensatz zum Roman, nicht vorspulen '10 Jahre nach der Wette', '20 Jahre nach der Wette'. Wir können (könnten) handeln und haben die Wahl ob wir das, was geschieht ernst nehmen oder ignorieren.

Ich hatte Startschwierigkeiten und bin schwer in die Geschichte reingekommen, aber es wurde zunehmend interessanter, obgleich es nicht mit dem Vorgängerroman konkurrieren kann.
Stellenweise war mir das Buch zu langatmig, stellenweise zu unrealistisch und ich stelle mir vor, dass unsere Umweltministerin in die Arktis reist, nur um einen Interviewtermin zu vereinbaren...
Nichtsdestotrotz ist und bleibt das Thema des Buches wichtig.

»Wenn man kurz nicht hinsieht, hat man es vielleicht schon verpasst. Doch die wahren Veränderungen, die gefährlichen Veränderungen sind die, die sich still und leise vollziehen.«
Wir sollten hinsehen.

Fazit:
Ein wichtiges Thema, dass uns alle angeht. Der Eisbär und die Hoffnung auf morgen - Klimawandel dargestellt auf eine etwas andere Weise. Unterhaltsam, nicht belehrend, eindringlich.

Bewertung vom 13.11.2022
Über Menschen
Zeh, Juli

Über Menschen


gut

Juli Zeh: Über Menschen
Ein Stück unangenehmer Wirklichkeit. Unbequem. Unangenehm. Notwendig.

Dora zieht aufs platte Land. Brandenburg.
Ein renovierungsbedürftiges Haus und eine sehr naive Protagonistin.

Wer zieht denn in ein sehr in die Jahre gekommenes Gebäude ohne Möbel, ohne finanzielles Rücklagen, ohne PKW, wissend, dass der nächste Einkaufsmarkt zu Fuß nicht zu erreichen ist ? Für Dora ist es eine Flucht aus dem turbulenten Berlin, raus aus der Hauptstadt und rein in die vermeintliche Stille, weg von Robert, der mit seinem Engagement zu anstrengend wurde.

Das Buch ist wie ein Fleck auf dem Wohnzimmertisch, es klebt und eigentlich sollte man ihn einfach wegwischen und fertig, geht aber nicht; es klebt und man fragt sich: was um Himmels Willen ist das ? Man muss ihn immer wieder ansehen, berühren, immer wieder aufs Neue bemüht ihn durch Nichtbeachtung zu negieren, was aber nicht gelingt.

Dora trifft statt auf Brandenburger Idylle auf den Dorf-Nazi und allerlei verschrobene Personen. Einfach nicht hinsehen und negieren gelingt ihr nicht, sie muss sie auseinandersetzen und kommt ins Grübeln.

Übergriffige Hilfsbereitschaft, offene Ausländerfeindlichkeit, daneben aber auch anrührende Szenen. Mit Humor und Nüchternheit beschreibt die Autorin das Anderssein im eigenen Land, das mitunter wie eine Parallelwelt wirkt.

Die Dorfbewohner wählen die blaue Partei, sei es aus Überzeugung oder Frust, machen kein Hehl aus der Ablehnung und Feindschaft gegenüber Nichtdeutschen, belächeln die Städter und scheuen sich auch nicht beim gemütlichen Grillabend das Horst Wessel Lied zu singen.
Ich würde gerne diesen Fleck wegwischen und es als Teil der deutschen Geschichte ad acta legen, aber leider ist es auch ein Teil der deutschen Gegenwart, mit der wir uns auseinandersetzen müssen.

Über Menschen ist ein Stück unangenehmer Wirklichkeit. Unbequem. Unangenehm. Notwendig.

Bewertung vom 30.10.2022
Der Pfirsichgarten
Fu, Melissa

Der Pfirsichgarten


ausgezeichnet

Selten vergebe ich 5 von 5 Sternen, bei diesem Buch ist es genau richtig.

Der Pfirsichgarten von Melissa Fu ist ein wunderbarer, einfühlsamer Roman über Flucht und Neuanfang, Selbstfindung, Vergessen und Erinnern.
Melissa Fu ist ein dichter, mitreißender Roman gelungen, der von einer Mutter (Meilin) erzählt die sich in ihrer Heimat China als junge Frau ein Leben mit Mann und Kind erträumt, ein eigener kleiner Laden, eine sorglose Zukunft. Es kommt anders und sie verliert einen Großteil ihrer Familie, muss mit ihrem kleinen Sohn Renshu flüchten und diese Flucht führt sie quer durch China bis sie schließlich nach aufregenden und beunruhigenden Erlebnissen in Taiwan strandet.
Sie bemüht sich stets ihrem Sohn ein gutes Leben zu geben, es sind schwere Zeiten, die beiden müssen immer wieder umziehen, weiterziehen, finden bei Fremden, Freunden oder Verwandten Unterschlupf. Meilin arbeitet als Näherin, in einem Haushalt oder auf dem Markt und gibt alles um zu überleben.

Renshu wird älter, Meilin ermöglicht ihm die weiterführende Schule, dank der Unterstützung des Schwagers auch ein Studium in den USA. Aus Renshu wird Henry, die chinesische Vergangenheit und die amerikanische Gegenwart überfordern ihn oft, dennoch geht er seinen Weg und gründet eine Familie, wird Vater von Lily.
Als diese grösser wird, stellt sie Fragen, aber Renshu schweigt, er weigert sich ihr die Familiengeschichte zu erzählen, bis es viele Jahre später ein Gespräch gibt in dem er berichtet, was ihn geprägt und bewegt hat.

Als LeserIn dürfen wir teilhaben an den Entwicklungen in China, an der Kulturrevolution, an Bürgerkrieg und der japanischen Invasion, das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens und die stete Angst vor Denunzierungen und Verhaftungen, die Henry auch nach Jahren und Jahrzehnten noch vorsichtig sein lassen und: schweigen.

Die Autorin schreibt so bildreich, dass die Gerüche und das Licht, die Geräusche, das Gewusel in den engen Gassen, die Unsicherheit ebenso wie die kleinen Freuden hautnah spürbar sind.

Der Pfirsichgarten ist einfühlsam geschrieben, die Personen sind wunderbar beschrieben, die detailreiche Sprache vermittelt das Gefühl der Verbundenheit zu Meilin und Renshu, zu Lily und dem was sie erleben.

Dieser wirklich gelungene Debütroman hat mich berührt und er garantiert nach jeder Lesepause die Vorfreude auf den nächsten Leseabschnitt.

Klare Leseempfehlung !

Bewertung vom 07.03.2022
Im Dorf der Schmetterlinge
Wiebusch, Michaela;Erz, Rita

Im Dorf der Schmetterlinge


gut

Im Dorf der Schmetterlinge, eine Erzählung von Michaela Wiebusch
Und Illustrationen von Gisela Goppel

Der Klappentext verrät, dass es um Jule geht, die mit sich Ende vierzig ihren Ängsten vor dem Älterwerden stellt. Im Traum findet sie sich an einem Bachlauf mit einem Wegweiser wieder, der in zwei Richtungen zeigt: »Rückweg« und »Mein bestes Leben«. Ihre Wahl führt sie in ein Dorf, das von außergewöhnlichen Menschen und Tieren bewohnt wird.

Mein Leseeindruck:
Ein Leben wie viele andere, Alltagstress, Frustration, eine in die Jahre gekommene Partnerschaft, Selbstzweifel und dann ein Traum, eine Nacht, die alles verändert.
Die Autorin nimmt uns mit auf eine Reise die geprägt ist von Begegnungen mit besonderen Menschen und Tieren und dem Hinterfragen des eigenen Lebens.
Was will ich und warum bin ich so unglücklich ? Das ist der Ausgangspunkt der Protagonistin Jule.
Auf ihrer Traumreise macht sie inspirierende Erfahrungen und begegnet ihrem besten Leben. Was das sein soll, was da auf dem Wegweiser steht ahnt sie nicht und nur zögerlich kann sie sich auf die Entdeckungs- und Abenteuerreise einlassen.

Fazit
Im Dorf der Schmetterlinge ist ein Buch für alle die Motivation für ihr eigenes Leben suchen, die von Selbstzweifeln verwirrt sind und sich wünschen, es gäbe so einen Wegweiser der sie in ihr eigenes bestes Leben führen könnte.
Der Schreibstil war angenehm, das Buch gut zu lesen, die Illustrationen von Gisela Goppel gelungen. Es waren nicht wirklich neue Erkenntnisse, aber viele gute Gedanken, die sicher mancher Leserin weiterhilft, vor allem, wenn sie sich in der Geschichte selbst entdecken kann. Gefallen hat mir die Grundidee, die Reise zu sich selbst als Reise ins Dorf der Schmetterlinge zu verpacken.
Wer Lust hat auf eher leichtes Lesevergnügen und neugierig ist auf den Specht namens Cupido oder den Garten der Liebe und bereit sich auf die inspirierenden Begegnungen einzulassen sollte sich aufmachen ins Dorf der Schmetterlinge.

Kurzmeinung
Leichtes Lesevergnügen mit inspirierenden Gedanken

Bewertung vom 08.12.2021
Im Winter Schnee, nachts Sterne. Geschichte einer Heimkehr
Geda, Fabio;Akbari, Enaiatollah

Im Winter Schnee, nachts Sterne. Geschichte einer Heimkehr


sehr gut

Im Winter Schnee, nachts Sterne ist Teil 2 vom Autorenteam Fabio Geda und Enaiatollah Akbari.
Die Reise von Afghanistan nach Italien wird wohl inhaltlich im ersten Band beschrieben, den ich nicht (noch nicht) gelesen habe, aber der Roman setzt das auch nicht voraus.
Der junge Afghane Enaiatollah beschreibt sein neues Leben in Italien, von Heimat würde ich nicht sprechen, denn die bleibt wohl immer sein Geburtsland Afghanistan, das Land seiner Kindheit, seiner Familie.
Es ist ein Roman der deutlich macht, wie verbunden wir mit unserer Herkunft sind, aber auch wie wertschätzend wir mit den vielen Selbstverständlichkeiten umgehen sollten.
Ich bin erstaunt und berührt von der Schilderung und werde mir auf jeden Fall noch das erste Buch holen um noch mehr zu verstehen. Wobei 'verstehen' ist schwer möglich, die Kultur, die Lebensweise ist so anders als dass was ich als Kind und Jugendliche erlebt habe. Und heute ist mir so vieles selbstverständlich, was für andere undenkbar ist.
Das sichere soziale Netz, das Leben in Frieden und vieles mehr.
Ich stelle mir vor, wie es wäre hier auf ein Amt zu gehen und nur mit Bargeld weiterzukommen oder das Taxi wechseln zu müssen, weil die Beamten mich sonst an der nächsten (erneut) Straßenecke abzocken könnten. Unvorstellbar.
Ich stelle mir vor, dass mir Reisefreiheit nicht mehr möglich wäre, dass Trinkwasser nicht mehr selbstverständlich zur Verfügung steht, dass Angst vor Verfolgung und Folter zum Alltag gehören könnte.
Wir alle sind gefordert das was wir haben wieder mehr wertzuschätzen und es zu erhalten durch unser Zutun.
Danke an den Autor für dieses wichtige Buch und danke an Enaiatollah für das Teilen seiner Geschichte.