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PMelittaM
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Köln

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Insgesamt 600 Bewertungen
Bewertung vom 18.01.2026
Ziebula, Thomas

Waldmann


sehr gut

Nachdem seine Ehefrau während eines Urlaubs in Nigeria vor sieben Jahren spurlos verschwunden ist, leidet Kommissar Johannes Waldmann immer noch unter dem Trauma. Während eines Einsatzes, bei dem der Verdächtige entkommen kann, wird er gegen einen Kollegen gewalttätig, und muss sich einer Therapie unterziehen. Eigentlich will ihn sein Vorgesetzter danach einem anderen Kommissariat zuordnen, doch der Zufall will es, dass er bei einem Mordfall als erster am Tatort ist, und somit zunächst weiter daran arbeiten kann. Wie sich herausstellt, bleibt es nicht bei dem Mordfall, der Fall ist deutlich komplexer.

Der Roman ist sehr spannend. Ein traumatisierter Kommissar, eine Journalistin, die geheimnisvolle Susanna und mehrere ukrainische Zwangsprostituierte, dazu eine länderübergreifende Ermittlung, ergeben eine Melange, die es in sich hat.

Erzählt wird aus mehreren Perspekiven, neben Waldmann zum Beispiel auch die Susannas und die der Journalistin Pia Ludinger, so dass man einen größeren Überblick über das Geschehen hat, als es eine reine Erzählung der Ermittlungsarbeit hätte. Auch die Antagonisten kommen dabei zu Wort. Gestört hat mich die sich andeutende Liebesgeschichte, die ich überhaupt nicht passend finde.

Thomas Ziebula hat es schnell geschafft, mich in seinen Roman zu ziehen, ich konnte mit den Protagonist:innen mitfühlen, und meine Abneigung gegen die Antagonisten war stark. Ich habe Daumen gedrückt und gehofft. Nicht jede Handlung der Protagonist:innen konnte ich nachvollziehen, dazu lag ihre Lebenswelt vielleicht zu weit von meiner entfernt. Susanna zum Beispiel, aber auch Waldmann, taten mitunter Dinge, die auf mich undurchdacht, manchmal fast naiv wirkten, in der Logik der beiden aber wohl richtig schienen. Susannas Hintergrund hat man erst nach und nach erfahren, wodurch manches verständlicher wurde. Beide sind gebrochene Individuen, haben ihre ganz eigenen Päckchen zu tragen.

Dazu passt dann auch das Ende. Es bleiben Fragen offen, was eine Fortsetzung möglich macht, aber, es könnte auch hiermit enden. Ein nicht alltäglicher Kriminalroman, der eher ein Thriller ist, benötigt kein übliches Ende.

Für mich ist dieser, als Kriminalroman betitelte, Roman eher ein Thriller. Die Geschichte ist komplex und spannend, die Charaktere haben Kanten und Probleme. Für mich war der Roman ein packender Pageturner, den ich gerne weiterempfehle.

Bewertung vom 16.01.2026
Gwynne, John

Blutnacht / Die Blutgeschworenen Bd.3


ausgezeichnet

Orka, Elvar, Varg, Biórr und Guđvarr sind mit ihren jeweiligen Gruppen unterwegs, doch das Ziel ist klar, Orka, Elvar und Varg wollen Lik-Rifa, die Drachengöttin, besiegen während die beiden anderen hinter ihr stehen. So ist ein Aufeinandertreffen der einzelnen Gruppen nur eine Frage der Zeit.

Und dieses Aufeinandertreffen wird episch, das kann ich jetzt schon sagen. Die Protagonist:innen haben alle ihre ganz eigenen Gründe für ihr Handeln, das hat man schon in den beiden Vorgängerbänden erfahren, und nun wird sich zeigen, inwieweit sie das erreichen können.

Meine Sympathien waren bis zum Schluss bei den drei Protagonist:innen, die man seit Band 1 begleitet, nämlich Orka, Elvar und Varg. Im ersten Band gab es nur diese drei Perspektiven, während im zweiten Band die beiden anderen dazukamen. Hier kristallisierten sich die beiden Seiten deutlich heraus, und man konnte durch die verschiedenen Perspektiven von jeder Seite erfahren. Das machte den Roman erst richtig rund. Dies setzt sich nun hier fort. Als Leser:in weiß man also sehr umfänglich Bescheid. Das wirkt sich aber nicht negativ auf die Spannung aus, eher im Gegenteil. Natürlich behält sich der Autor auch das eine oder andere Geheimnis vor, so dass es durchaus Überraschungen gibt.

Auf jeder Seite gibt es gewisse Entwicklungen mancher Charaktere, so dass man den/die eine:n oder andere_n vielleicht ein Stück weit mit anderen Augen sieht, mir ging das mit jeweils einem Charakter auf beiden Seiten so.

Neben den Protagonis:innen gibt es viele weitere Charaktere (im Anhang findet sich ein Personenverzeichnis), und eine ganze Reihe davon wuchsen mir sehr ans Herz, manchmal sind es schon die Namen, wie etwa Gunnar Bugkinn, die einem die Personen bildlich vors Auge führen. Viele davon lernt man über die drei Romane hinweg sehr gut kennen, und bedauert jeden Tod, denn Tote gibt es so einige.

Nicht nur die Charaktere wurden vor meinem inneren Auge lebendig, sondern auch die Welt und all die Wesen, oder besser gesagt Vaesen, die sie bevölkern, Davon gibt es nämlich auch einige (auch hierzu findet man im Anhang mehr), Orka hat sogar zwei als Begleiter, so dass man auch über sie einiges erfährt. Die Vaesen sind meist sehr gefährliche Wesen, die in den Auseinandersetzungen zwischen den beiden Seiten mitmischen.

Am Ende des Romans ging es mir wie so oft, ich war einerseits traurig, dass ich mich nun trennen muss, andererseits auch froh, nun die ganze Geschichte zu kennen. Über das Ende will ich gar nicht viel sagen, nur, dass ich damit zufrieden bin.

„Blutnacht“ ist ein passender Titel, denn blutig wird das Ende, aber auch episch. John Gwynne ist ein sehr spannender und atmosphärischer Abschlussband gelungen. Genrefans kann ich die Trilogie sehr ans Herz legen.

Bewertung vom 13.01.2026
Reeves, Keanu;Kindt, Matt

BRZRKR 1


sehr gut

Ein Protagonist, der unsterblich und übermenschlich stark ist, und töten muss, eine Regierung, die ihm ein Versprechen gibt, auch ihren Nutzen aus ihm ziehen möchte …

Das ergibt einen sehr blutigen Comicband, der erst der erste einer Reihe ist, wirft aber auch viele Fragen auf, und erzeugt nach einiger Zeit auch ein gewisses Mitgefühl für den Protagonisten.

Dieser lebt schon tausende von Jahren und hat bereits in sehr jungen Jahren Ausbeutung erlebt. Wer ist er, woher kommt er, und warum er nicht sterben kann, das sind nur ein paar der Fragen, die man sich stellt.

Interessiert hat mich diese Reihe, weil der Schauspieler Keanu Reeves, der mir in seinen Rollen meist gefällt, und der auch abseits von Hollywood mein Interesse geweckt hat, als einer der Autoren gelistet wird. Der Protagonist erinnert im Aussehen sehr an ihn.

In den Zeichnungen, wie schon auf dem Cover, findet sich oft die Farbe Rot, wen wundert es, bei diesem Thema, und sie sind sehr explizit. Ganz klar ist diese Reihe nur für erwachsene Leser:innen geeignet. Im Anhang findet sich eine Covergalerie. Wer sich über den Titel wundert, sollte an Berserker denken.

Mich hat der erste Band der Comicreihe neugierig gemacht, ich möchte nun gerne wissen, welche Geheimnisse es um den Protagonisten gibt, die aufgeworfenen Fragen und seine Herkunft geben der sehr blutigen Geschichte eine gewisse Tiefe und wecken Mitgefühl.

Bewertung vom 12.01.2026
Page, Libby

Das Jahr voller Bücher und Wunder


ausgezeichnet

Tilly Nightingales Ehemann Joe ist vor ein paar Monaten gestorben, und Tilly immer noch tief in ihrer Trauer versunken, als sie einen Anruf aus einer Buchhandlung erhält. Joe hatte vor seinem Tod ein Buchjahr für Tilly arrangiert, jeden Monat erhält sie nun ein extra ausgesuchtes Buch zusammen mit einem Brief von Joe.

Für mich ist das ein Buch, das mich auch persönlich trifft, denn auch mein Mann ist vor gar nicht so langer Zeit gestorben. Für mich war die Lektüre daher besonders, denn sie gab mir Anregungen und Denkanstöße, und hat mir so ein Stück weit geholfen. Wie sagt Alfie so schön auf Seite 9: „Das richtige Buch in den Händen der richtigen Person genau im richtigen Moment kann ein Leben für immer verändern“.

Neben Tilly erhalten aber auch noch andere Personen Raum, vor allem Alfie Lane, der Buchhändler, der selbst jemanden verloren hat. Seine Buchhandlung ist ihm gerade deshalb besonders wichtig, und sie scheint nun in Gefahr.

Der Roman hat viele Gefühle bei mir ausgelöst, ich habe geweint, gelacht, mich auch mal geärgert, und wäre gerne bei einigen Situationen mit dabei gewesen. Die Charaktere, besonders Tilly und Alfie sind mir schnell ans Herz gewachsen, aber auch Joe lernt man kennen und mögen, wenn auch nur aus seinen Briefen und den Erinnerungen an ihn.

Die Geschichte ist in die einzelnen Monate eines Jahres gegliedert, beginnend mit Januar, die jeweils ,it Buchempfehlungen von Alfie, starten, die ich mir alle noch genauer ansehen werde, manche kenne ich auch bereits. Neugierig war ich auch auf die Bücher, die Joe für Tilly ausgesucht hat, und die es alle wirklich gibt. Schon bald war ich sehr neugierig darauf, welche Bücher es noch sein würden. Alle davon sind liebevoll und passend ausgesucht, und wirken sich auf ihre eigene Weise auf Tilly aus – und vielleicht auch auf die Leser:innen, wenn auch auf jeweils andere Weise. Wie schon gesagt, ich bekam Anregungen und Denkanstöße, die mir auch in meiner Trauer helfen konnten, auch wenn sich mein und Tillys Leben doch sehr unterscheiden.

In diesem Buch dreht sich viel um Bücher, für jemanden, der wie ich Bücher sehr liebt, schon seit meiner Kindheit, ist das einfach schön. Sogar Tillys Beruf, sie ist Lektorin, hat damit zu tun, und spielt natürlich auch seine Rolle.

Für mich war dieser Roman wunderbar passend, ich habe ihn sehr gerne gelesen, er hat mich berührt und mir auch ein Stück weit geholfen. Wahrscheinlich wird er auch noch länger nachhallen. Ich denke, dass man auch, wenn man nicht, wie Tilly und ich, in Trauer ist, sehr viel mitnehmen kann, und empfehle diesen Roman daher allen, die Bücher lieben.

Bewertung vom 08.01.2026
Schwarz, Alexander

Die Entdeckerin der Welt / Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe Bd.9


ausgezeichnet

1691 zieht Maria Sibylla Merian mit ihren beiden Töchtern nach Amsterdam. Sie ist da schon keine Unbekannte mehr, hat mehrere Bücher veröffentlicht und sich mit der Metamorphose der Schmetterlinge beschäftigt. Ihre künstlerische Tätigkeit und ihre naturkundlichen Arbeiten will sie nun wieder aufnehmen und vertiefen, vor allem aber will sie sich endlich ihren größten Wunsch erfüllen und eine Forschungsreise nach Suriname machen.

Die letzten Jahre hat sie, nach der Trennung von ihrem Ehemann, bei der Labadistensekte verbracht, doch nun will sie endlich wieder auf eigenen Beinen stehen und ihre Profession und Berufung nachgehen. Ein bisschen Angst, ob sie alles schaffen wird, ob man sie und ihr Können auch in Amsterdam zu schätzen weiß, ob sie das eigene Leben und das ihrer Kinder sicherstellen kann, ist natürlich auch da. Doch bald zeigt sich, dass Amsterdam eine gute Wahl war.

Der Roman setzt ein als die Protagonistin schon eine gestandene Frau ist, die weiß, was sie will, und die vor allem ein großes künstlerisches Können und ein fast ebenso großes Faible für die Erforschung der Natur mitbringt. Beides zu verbinden, und der Welt zu zeigen, wie zum Beispiel eine Raupe mit einem Schmetterling zusammenhängt, und das im tatsächlichen Umfeld, in dem beide leben, ist das Einzigartige, das sie nicht nur ihren Zeitgenossen, sondern auch der Nachwelt gegeben hat, sie war auch die erste, die die Natur Surinames in Wort und Bild erfasst hat. Neben der Protagonistin und ihrer Familie trifft man hier eine ganze Reihe weiterer historischer Persönlichkeiten.

Maria Sibylla Merians Leben vor ihrem Umzug nach Amsterdam wird immer wieder rückblickend aufgegriffen. Der Roman endet zwei Jahre vor ihrem Tod, als sie schon von Krankheit gezeichnet ist, so dass man am Ende einen guten Eindruck ihres gesamten Lebens erhalten hat.

Dem Roman gelingt es gut, den Leser:innen diese faszinierende Frau nahezubringen. Ihre Sorgen und Nöte, aber auch ihr Wissen und ihr Wollen kann man fühlen, der Autor hat dazu noch die verschiedenen Techniken, die sie nutzte, um ihre Bücher zu gestalten und zu veröffentlichen, recherchiert und lässt sie mit in den Roman einfließen, das Sammeln und Züchten der Exponate, das Präparieren, das naturnahe Zeichnen, das Kupferstechen, das Drucken. Das las sich für mich alles sehr interessant, und die Protagonistin und ihr Umfeld kamen mir dabei sehr nahe. Im Nachwort erläutert der Autor einiges zur Datenlage und zu Fakten und Fiktion.

Der Roman hat mir eine interessante und beeindruckende Frau und ihr Werk nahe gebracht, und mir zugleich eine spannende Geschichte erzählt.

Bewertung vom 02.01.2026
Dippel, Julia

Velvet Falls, but the Gods forgot to die / Velvet-Dilogie Bd.1


sehr gut

Vor einigen Jahren fielen die Sterne vom Himmel, Magie kam in die Welt und neue Götter. Dämonen nutzen Risse zwischen den Welten, und müssen bekämpft werden. Die Gilde der Dämonenreiter entstand, Menschen die von Dämonen besessen wurden, können, wenn sie diese bezwingen, deren Fähigkeiten nutzen. Velvet Rose Devereaux ist eine von ihnen. Eine der Fähigkeiten, die sie von ihrem Dämon erhielt, sind Visionen, die sie vor Gefahr warnen. Doch seit neuestem nehmen diese Visionen überhand und zeigen immer dasselbe, offenbar handelt es sich um den Tod der Götter. Um diese Zukunft zu verhindern, muss Velvet Kontakt mit ihrem Ex Kashmere Sinclaire aufnehmen. Kashmere ist nicht irgendwer, denn er ist einer von sieben Göttersöhnen. Leider war die Trennung vor fünf Jahren für beide traumatisch, und so ist eine Zusammenarbeit nicht einfach.

Schon der Start in den Roman ist heftig, Velvet ist eine toughe Protagonistin, die sie zu wehren weiß, aber auch Emotionen kennt. Bis Seite 139 steht sie im Fokus und erzählt die Geschichte aus ihrer Ich-Perspektive. Danach kommt eine zweite Ich-Perspektive dazu, die Kashmeres, Velvets überwiegt aber weiterhin.

Beide Protagonist.innen haben ihre Geheimnisse, und sind nicht einfach im Umgang mit anderen, wobei Kashmere der Smartere ist. Was genau zwischen ihnen in der Vergangenheit passiert ist, erfährt man nach und nach in Rückblenden, das wahre Ausmaß wird aber erst gegen Ende klar. Überhaupt gibt es einige Fragen, die lange offen bleiben, und einen als Leser:in ins Grübeln bringen. Ich kann aber hier schon sagen, dass man nicht mit allen Fragezeichen in den nächsten Band gehen wird, es handelt sich hier um eine Dilogie. Dennoch gibt es, natürlich, am Ende Cliffhanger, die erst im zweiten Band aufgelöst werden.

Mir persönlich ging vor allem Velvet manchmal auf die Nerven, statt zu reden oder zuzuhören, geht sie lieber in unklare Situationen oder macht unüberlegte Dinge. Wie so oft, könnte ein klärendes Gespräch wirklich helfen, aber dann wäre der Roman vielleicht auch nur halb so lang. Kashmere dagegen mochte ich, auch wenn auch er nicht immer richtig handelt. Dennoch scheint er mir mehr kopf- als bauchgesteuert zu sein, im Gegenteil zu Velvet.

Mehr als die beiden mochte ich jedoch andere Charaktere. Da ist zum Beispiel Eddie, der Velvet von der Gilde als Lehrling regelrecht aufgezwungen wird, sich dann aber doch als nicht nur störend und vor allem sehr sympathisch entpuppt. Auch Kashmere hat einen Sidekick, in seinem Fall zwar eher dämonischer Art, man muss ihn aber auf seine Art trotzdem gernhaben, zudem bringt er Humor ins Spiel. Interessant fand ich die anderen sechs Göttersöhne, die alle sehr unterschiedlich sind, ich hätte mir über sie mehr Hintergrundinformationen gewünscht, und hoffe, sie bekommen im zweiten Band auch noch eine Rolle.

Die Antagonisten sind im Grunde durchweg böse, ihre Motivation habe ich noch nicht wirklich durchschauen können. Es gibt weitere Charaktere, die man noch nicht gänzlich einordnen kann.

Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist unsere, aber eben nach dem oben erwähnten Fall der Sterne und den Folgen daraus. Der Roman spielt größtenteils in den USA, es gibt nur wenige kurze Ausflüge in andere Länder, diese lernt man dadurch nicht näher kennen. Im Anhang gibt es ein paar Erklärungen zur Welt, für mich waren diese nicht nötig, um die Geschichte verstehen zu können.

Natürlich gibt es auch hier einige unerwartete Wendungen, die man nicht alle vorhersehen konnte. Wer nicht so gerne spicy Szenen liest, davon gibt es mehrere im Roman, kann sie gut überspringen, denn sie sind extra gekennzeichnet. Ich finde aber, dass einem dann auch ein Teil Hintergrundwissen fehlt.

Ich persönlich finde den Roman sehr spannend, er hat mich gut unterhalten, so dass ich mich schon auf die Fortsetzung freue. Man muss sich ein bisschen auf die Geschichte einlassen, die man erst nach und nach durchschaut, und man sollte sich auf Blut, Gewalt und Spice einstellen. Für mich war es der erste Roman von Julia Dippel, hat mich aber neugierig auf ihre anderen Werke gemacht.

Bewertung vom 31.12.2025
Cogman, Genevieve

Die unsichtbare Bibliothek Bd.1


sehr gut

Irene Winters ist Bibliothekarin der Bibliothek, einer Institution, die besondere Bücher aus allen Parallelwelten einsammelt, um sie zu bewahren. Irenes neuer Auftrag scheint harmlos, sie bekommt sogar einen neuen Lehrling, Kai Strongrock, zur Seite gestellt. Doch dann entpuppt es sich als sehr gefährlich, und Irene und Kai müssen all ihr Können aufbieten.

Für mich ist dieser erste Band der Reihe nicht der erste, den ich gelesen habe, ich bin mit Band 3 eingestiegen, wollte aber immer die ersten Bände nachholen. Ich finde es schön, zu erfahren, wie alles angefangen hat, und auch, dass ich manchen der Charaktere bereits kenne, macht den Roman für mich interessant.

Wie eigentlich immer, trifft man Irene zunächst in einem anderen Abenteuer, das auch nicht ohne Gefahr ist, bevor es dann mit der eigentlichen Geschichte losgeht. Es ist schon faszinierend, wie viele unterschiedliche Welten es hier gibt, beziehungsweise, wie unterschiedlich diese sich entwickelt haben. Auch Elfen und Drachen, die Chaos beziehungsweise Ordnung symbolisieren, sind hier bereits ein Thema.

Der Ort, den Irene und Kai hier bereisen, ist eine Art viktorianisches London, mit einigen Steampunkelementen. Die Welt gefällt mir, ich konnte sie mir auch sehr gut vorstellen. Neben Irene und Kai, die man beide im Lauf der Geschichte etwas besser kennenlernt, gibt es eine ganze Reihe weiterer interessanter Charaktere, manche Freunde, manche Feinde, bei manchen ist es auch nicht so ganz klar.

Der Erzählstil ist lebendig, die Geschichte sehr spannend, natürlich gibt es auch die eine oder andere Überraschung beziehungsweise Erkenntnis. Das Abenteuer ist abgeschlossen, es ist aber schon eine übergreifende Geschichte zu erahnen, und manche Frage, die man sich beim Lesen stellt, möchte noch beantwortet werden.

Der erste Band der Reihe erzählt eine spannende Geschichte, die Lust auf mehr macht, auch die Charaktere werden bereits gut etabliert. Mittlerweile ist die Reihe beendet, mir haben auch die späteren Romane gut gefallen.

Bewertung vom 29.12.2025
Lahme, Tilmann

Thomas Mann


sehr gut

Nachdem „Buddenbrooks“ seit meinem 14. Lebensjahr ein Lieblingsbuch für mich ist, das ich schon mehrfach gelesen habe, und ich auch andere Werke des Autors kenne, wurde es nun wirklich Zeit, einmal eine Biografie über Thomas Mann zu lesen.

Diese von Dr. Tilmann Lahme eignete sich gut dafür, sie ist nicht so mächtig, wie andere, ich habe aber dennoch einen guten Blick auf Thomas Mann, sein Leben und seine Werke werfen, und auch Neues erfahren können, denn der Autor stützt diese Biografie teilweise auf bisher unveröffentlichtes beziehungsweise unbekanntes Material.

Im Fokus steht dabei auch Thomas Manns Homosexualität. Diese hat ihn offenbar sehr belastet, man kann das seinen Tagebüchern, aber auch Briefen an seinen langjährigen Freund Otto Grautoff, den er schon seit Kindheitstagen kennt, entnehmen, und man findet dies auch in seinen Werken wieder, wie der Autor aufzeigt. Zur damaligen Zeit war Homosexualität nicht nur strafbar, sondern es gab auch Versuche, sie medizinisch zu therapieren. Mit dieser Thematik hat sich Thomas Mann nachweislich schon früh ausführlich befasst.

Auch seine Ehe scheint ein Versuch gewesen zu sein, dem zu entkommen, auch, wenn trotzdem sechs Kinder daraus hervorgingen. Ich persönlich hätte gerne ein bisschen mehr über diese Familie, vor allem die einzelnen Kinder, gelesen, aber dafür gibt es auch andere Werke.

Ich habe mir beim Lesen hin und wieder überlegt, ob Thomas Manns Homosexualität nicht zu sehr im Fokus steht, aber sie beeinflusst ja tatsächlich sein Leben und seine Werke sehr. Letzteres wird recht klar, denn Tilmann Lahme verfasst ausführliche Inhaltsangaben, an denen er dann aufzeigt, was man daraus lesen kann.

Sehr gut gefallen haben mir die vielen Fotos mit ausführlicher Erklärung. Der Anhang mit Bild- und Textnachweisen, Personenverzeichnis und zusätzlichen Texten, wie etwa den der jungen Susan Sonntag über einen Besuch bei Thomas Mann, ist sehr umfänglich.

Diese Biografie Thomas Manns ist fundiert, gibt einen guten Überblick über das Leben und die Werke des Nobelpreisträgers, und lässt sich flüssig lesen. Wer sich für Thomas Mann interessiert, kann hier bedenkenlos zugreifen.

Bewertung vom 28.12.2025
Istin, Jean-Luc

West Fantasy. Band 2


ausgezeichnet

Als die Schamanin Isha nach Hause kommt, findet sie ihr ganzes Dorf ermordet vor. Durch einen Zauber erfährt sie, wer die Täter sind, und setzt sich auf deren Spur. Sie will Rache! Derweil erhält Marshal Douglas Reeves den Auftrag einen kriminellen Troll zu stellen. Auf dem Weg schließt sich ihm der Totengräber Schiinkel Ac‘Nite an.

Schiinkel ist der einzige Protagonist, den man aus dem Vorgängerband schon kennt. Auch hier findet er einen Begleiter, der zu ihm passt. Dass der Marshal ein Geheimnis mit sich trägt, kann man schnell ahnen, auf die Auflösung wäre ich zunächst nicht gekommen, sie passt aber gut zu ihm. In diesem Band ist er der Ich-Erzähler.

Dass die indigene Bevölkerung in dieser Parallelwelt der USA Elfen sind, finde ich auch sehr passend. Isha ist eine starke Protagonistin, die weiß, was sie will, und stolz auf sich und ihre Herkunft ist. Dass sie dennoch versucht, sich dort anzupassen, wo es nötig ist, und ihr entgegen kommt, spricht für sie.

Die Antagonist:innen können ebenfalls überzeugen, ihre Hintergrundgeschichte, die man im späteren Verlauf erfährt, zeigt, dass es auch in ihnen Grautöne gibt, was aber ihre Taten nicht wirklich relativieren kann.

Wie schon im ersten Band sollte man das Making-of auf keinen Fall überblättern.

Auch in diesem zweiten Band sind sowohl Text als auch Illustrationen sehr ausdrucksstark, passen gut ins Setting und machen die Geschichte rund.

Bewertung vom 21.12.2025
Chambers, Becky

Und hoffentlich zu lernen ...


ausgezeichnet

Nachdem die Menschen die Möglichkeit gefunden hat, ihre Körper so zu verändern, dass sie sich an die Verhältnisse auf anderen Himmelskörpern anpassen können, ist damit eine Voraussetzung gegeben, das eigene Sonnensystem zu verlassen und nach Leben außerhalb davon zu suchen.

Die Ich-Erzählerin ist eine der Astronaut:innen, die dafür ausgebildet wurden, mit drei anderen bereist sie an Bord ihres Raumschiffes vier ganz unterschiedliche Himmelskörper und macht erstaunliche Entdeckungen.

Becky Chambers ist von ihrem ersten Roman an eine meiner Lieblingsautorinnen. Sie versteht es authentische außerirdische Welten zu erschaffen, vor allem die Lebewesen, die diese bevölkern, finde ich immer sehr faszinierend. Mit ihren Eltern, einer Astrobiologin und einem Luft- und Raumfahrttechniker, hat sie einen perfekten Hintergrund dafür.

Im Gegensatz zu ihrem Wayfarer-Vierteilers sind die nachfolgenden Bände deutlich dünner ausgefallen, aber dadurch nicht weniger faszinierend. Jedes Mal bin nach Beendigung eines der Romane gespannt, was mich im nächsten erwartet.

Dieser nun ist tatsächlich derjenige, der mir ein bisschen weniger gefallen hat als die anderen, was aber Meckern auf hohem Niveau ist, da ich alle Vorgänger fantastisch fand, und diesen immer noch sehr gut. Auch er hat mich gefesselt, schon alleine, weil die Autorin vier ganz unterschiedliche Planeten und Monde entworfen hat, auf denen die Protagonist:innen Station machen, daher dort jeweils ganz andere Verhältnisse herrschen, und daraus jeweils andere Erkenntnisse erwachsen. Allerdings gibt es hier weniger Einblicke in das nichtmenschliche Wesen als in den bisherigen Bänden, was ich ein bisschen schade finde, auch wenn es hier gar nicht gepasst hätte. Ich habe es dennoch ein bisschen vermisst.

Becky Chambers ist und bleibt eine meiner Lieblingsautorinnen. Auch „Und hoffentlich zu lernen“ ist ein wunderbarer Roman, der mich in unbekannte Welten entführt hat, und sich immer glaubhaft lesen lässt.