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Benutzername: 
Anna-Lena
Wohnort: 
Moosburg an der Isar

Bewertungen

Insgesamt 53 Bewertungen
Bewertung vom 23.03.2025
Lyneham
Westerboer, Nils

Lyneham


sehr gut

Fesselndes Science Fiction Abenteuer

Lyneham ist ein wirklich spannendes und fesselndes Science Fiction Abenteuer. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Henry, seine Schwester Loy, sein Bruder Chester und sein Vater Charles landen an Henrys Geburtstag auf einem fernen Planeten, besser gesagt Mond, den sie gemeinsam mit anderen Menschen besiedeln sollen. Denn die Erde ist unbewohnbar geworden, seit das Universum gekommen ist. Die Überlebenden haben sich in Biomen aufgehalten, bis die Reise zu einem anderen Ort im Universum und dessen Besiedelung möglich war. Die Mutter der Familie, Mildred, ist noch einige Zeit auf der Erde geblieben, um mit einem bis dahin entwickelten schnelleren Antrieb früher auf dem Mond zu landen, und die Voraussetzungen für die Besiedelung zu schaffen. Doch hierbei geht einiges schief und als ihre Familie ankommt, sind wie auf der Erde nur Biome bewohnbar. Und der Mond birgt noch einige weitere Gefahren. Der Name des Mondes lautet Perm, was den Hintergrund hat, dass er sich in Bezug auf den geologischen Zustand auf dem Stand des Perm-Zeitalters auf der Erde befindet.

Das Buch ist abwechselnd aus Henrys und Mildreds Sicht geschrieben, die beiden Perspektiven ergänzen sich gut und bringen immer mehr Licht ins Dunkel. An dieser Stelle komme ich zu einem Kritikpunkt. Ich persönlich habe lange gebraucht, um die raffinierten physikalischen Ideen und Zusammenhänge, aber auch die Umwelt auf dem Mond Perm zu verstehen. Dies hat zum einen Henrys Perspektive gut widergespiegelt, der ebenfalls am Anfang nicht ganz versteht, was um ihn herum vorgeht. Gleichzeitig hätte ich mir gewünscht, dass das Buch einfach etwas ausführlicher ist und sich mehr Zeit nimmt, um die wundervoll inszenierte neue Welt noch genauer zu beschreiben. Beispielsweise habe ich lange gebraucht um zu verstehen, worum es sich bei der Windleite handelt, den Planeten, um den der potentiell bewohnbare Mond Perm kreist.

Im Großen und Ganzen kann ich das Buch aber definitiv empfehlen, allerdings primär an Menschen, die gerne Science-Fiction lesen.

Bewertung vom 15.03.2025
Die Magnolienkatzen
Morishita, Noriko

Die Magnolienkatzen


sehr gut

Samtpfoten

Die Magnolienkatzen ist eine zarte Erzählung über eine flauschige Katzenmutter und ihre fünf Kätzchen, die alle einen ganz eigenen Charakter haben. Die sechs werden im Garten neben dem Baumstumpf eines Magnolienbaumes geboren und von Noriko und ihrer Mutter aufgenommen.

Das zarte Band, dass sich zwischen den beiden Frauen, die eigentlich gar keine Katzenfreundinnen sind, und den sechs Katzen entwickelt, wird liebevoll und detailliert beschrieben. Immer wieder werden auch andere Katzenfreundinnen erwähnt und ihre besondere Beziehung zu den Vierbeinern.

Fiktion und Realität scheinen zu veschmelzen, man fragt sich zunächst, inwieweit die Geschichte wirklich passiert ist, da die Autorin mit ihrem Namen und ihrem Beruf selbst in der Geschichte auftaucht.

Das Buch ist kurzweilig und schön. Gleichzeitig hätte ich mir eine tiefgreifendere Botschaft, die durch die Geschichte vermittelt wird gewünscht, die Erzählung bleibt relativ eindimensional. Einen kleinen Kritikpunkt, der vermutlich allerdings kulturellen Unterschieden geschuldet ist, habe ich an der Art der Katzenaufzucht, das würde jedoch Inhalte der Geschichte vorwegnehmen.

Bewertung vom 09.03.2025
Hase und ich
Dalton, Chloe

Hase und ich


ausgezeichnet

Eine ganz besondere Freundschaft

Hase und Ich ist eine wunderschöne Geschichte. Das besondere daran ist, dass sie eine wahre Begebenheit erzählt. Chloe Dalton berichtet von einer wundersamen Freundschaft mit einem Feldhasen, den sie als kleines Häschen mit der Flasche aufgezogen hat. In liebevollen Details beschreibt sie das Häschen, seine Entwicklung, seinen besonderen Charakter, seine ruhige und friedvolle Ausstrahlung sowie das zarte Band, dass sich zwischen der Autorin und dem Hasen entwickelt. Gleichzeitig ist das Buch eine Liebeserklärung an die Natur und ein Plädoyer für besseren Schutz der heimischen Wildtiere. Was mir sehr gut gefallen hat, war, dass sich das Buch wirklich nur auf den Hasen, die Beziehung der Autorin zu dem Tier und die Entwicklungen, welche die Begegnung in der Autorin angestoßen hat thematisiert hat, im Vergleich zu vergleichbaren biographischen Romanen, in denen häufig das Leben des Autors mehr im Vordergrund steht als das Tier.

Das Buch ist kurzweilig und die perfekte Lektüre für ein schönes Frühlingswochenende. Es wäre das perfekte Ostergeschenk für Tier- und Naturliebhaber.

Bewertung vom 20.02.2025
Das Lieben danach
Bracht, Helene

Das Lieben danach


ausgezeichnet

Selbsttherapie

Am Ende des Romans hatte ich das Gefühl, soeben einen Abschlussbericht einer erfolgreichen tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie gelesen zu haben. Und in diesem Fall ist die erfolgreiche Therapie ohne die Hilfe von außen geschehen, Helene Bracht macht in ihrer Erzählung den Eindruck, ihre Persönlichkeit, ihr Selbst in Zusammenhang mit ihren Lebenserfahrungen und in der Dynamik mit bedeutsamen Bezugspersonen vollständig reflektiert und verstanden zu haben.

Ich finde es unglaublich mutig, wie klar und offen sie über die schreckliche Erfahrung eines Missbrauchs als Kind spricht und sich dann mit dem Thema auseinandersetzt, wie sich eine solche Erfahrung auf das Verhalten in Liebesbeziehungen, eigene Sexualität, Bindung und Vertrauen auswirkt. Den Titel finde ich außerordentlich gut gewählt, weil er den Inhalt sehr passend widerspiegelt.

Ich kann das Buch vor allem an Menschen empfehlen, die im psychologischen oder sozialpädagogischen Bereich arbeiten, das macht es auch einfacher die erwähnten psychodynamischen Konzepte zu verstehen. Wichtig ist jedoch auch zu erwähnen, dass die Missbrauchserfahrungen sehr genau beschrieben werden und das Buch somit für Personen mit eigenen unverarbeiteten Missbrauchserlebnissen nicht geeignet ist.

Bewertung vom 10.02.2025
Das Leben fing im Sommer an
Kramer, Christoph

Das Leben fing im Sommer an


ausgezeichnet

Zeitkapsel

Ich war total begeistert darüber, einen Roman in den Händen zu halten, den ein ehemaliger Fußballprofi geschrieben hat. Und auch noch ein Roman, der nur am Rande etwas mit Fußball zu tun hat. Meine Begeisterung stieg noch, als ich anfing, den Roman zu lesen. Der Schreibstil hat mir richtig gut gefallen und auch die inhaltliche Idee, alles was das Teenager-Sein ausmacht, innige Freundschaften, Träume, das erste Mal verliebt sein, Liebeskummer, Partys, Akne, Selbstzweifel, aber auch Glück und Unbeschwertheit, in eine drei Tage lange Handlung zu packen.

Die Geschichte hat mich sehr berührt, zum einen, weil Christoph Kramer so viel von seiner eigenen Persönlichkeit, von eigenen Gedanken, Gefühlen und Träumen einfließen lassen hat. Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität waren fließend. Zum anderen, weil sie mich selbst in meine eigene Jugend zurückversetzt hat und viele schöne Erinnerungen wachgerufen hat. vor allem solche mit Bezug auf die Fußball-WM 2006. Auch wenn ich zu dieser Zeit etwas jünger war als die Hauptperson der Geschichte, habe ich den Sommer als wunderschön, unbeschwert und leicht in Erinnerung und ich glaube, dass es vielen Lesern ähnlich gehen könnte. Auch Erinnerungen an die Zeit der Fußball-WM 2014 sind wach geworden, bei der Christoph Kramer ja selbst Weltmeister wurde. In dieser Zeit war ich so alt wie der Protagonist und habe mich oft ähnlich unsicher, aber gleichzeitig voller Träume und Potential gefühlt.

Ich kann den Roman vor allem Leserinnen und Lesern zwischen 15 und 35 empfehlen. Teenager können sich in ihrer eigenen Unsicherheit und mit ihren eigenen Problemen verstanden und angenommen fühlen, junge Erwachsene an ihre eigene Jugend erinnert fühlen. Aber generell ist der Roman etwas für jeden, der gerne schöne und berührende Geschichten liest.

Bewertung vom 08.02.2025
Dunkle Asche
Thomsen, Jona

Dunkle Asche


sehr gut

Kalifornien an der Ostsee

Dunkle Asche ist ein klassischer, kurzweiliger und spannender Thriller. Die Geschichte spielt in Kalifornien, jedoch nicht im US-amerikanischen Bundesstaat. Kalifornien ist ein kleiner Badeort an der Ostsee. Hier treffen zwei Welten aufeinander. Die ärmeren Schönberger und die reichen Kieler, die dort Ferienhäuser besitzen. Jugendliche beider Gruppen treffen sich gerne in der Dorfdisko. Doch 1992 geschah das Unfassbare, eine junge Frau wurde ermordet, das Ferienhaus ihrer Familie kurz danach in Brand gesetzt.

Jahre später tauchen neue Beweise auf. Gudrun und Judith, zwei Komissarinnen der Cold Cases Abteilung ermitteln. Als Leser verdächtigt man ständig neue Charaktere und ist am Ende von der Auflösung trotzdem überrascht. Gudrun selbst ist in die Geschehnisse von damals verstrickt und hat ihre eigenen dunklen Erinnerungen an diese Nacht.

Was mir an dem Buch besonders gefallen hat, sind die beiden Komissarinnen, die sehr unkonventionell sind. Beide sind circa 55 Jahre alt, Gudrun singt immer noch in einer Band und ist offen für One-Night-Stands. Die 20 Jahre jüngere Jasmin geht ihr einfach nicht aus dem Kopf. Judith dagegen stammt eigentlich aus Rostock. Was ist dort passiert, dass sie von ihrer Familie weggezogen ist, um trotzdem noch als Polizistin arbeiten zu können?

Bewertung vom 26.01.2025
Die Brandung - Leichenfischer
Kliewe, Karen

Die Brandung - Leichenfischer


gut

Polizistin oder Archäologin

Der Roman konnte mich leider nicht ganz überzeugen. Ein Grund dafür waren die Charaktere. Auf der einen Seite sind sie vielschichtig und interessant, gleichzeitig nicht ganz schlüssig konzipiert. Warum sollte eine Polizistin aus dem Dienst ausscheiden, weil sie mit den mentalen Anforderungen der Tätigkeit nicht zurechtkommt, nur um sich dann als Archäologin ständig in polizeiliche Ermittlungen einzumischen? Auch wenn ich die Idee interessant finde, eine Archäologin zur Hauptfigur eines Krimis zu machen, hätte man dies meiner Ansicht nach besser umsetzen können. Ein weiterer Grund sind die häufigen Perspektivwechsel, die manchmal als solche gekennzeichnet sind, manchmal jedoch nicht. Dies habe ich als Leserin etwas irritierend empfunden.

Ein wichtiger Schwerpunkt des Krimis ist das Thema „Femizide“. Einige junge Frauen werden entführt, andere getötet. An dieser Stelle hatte ich persönlich den Eindruck, dass der Roman die Perspektive vermittelte, Frauen hätten sich auf eine ganz bestimmte Art und Weise zu präsentieren, um weniger in Gefahr zu laufen, als Opfer ausgewählt zu werden. Genauer kann ich nicht darauf eingehen, um wichtigen Inhalte vorwegzunehmen, empfand diesen Punkt jedoch als sehr kritisch.

Im Großen und Ganzen war der Roman jedoch unterhaltsam und abwechslungsreich. Er ist die Fortsetzung des Romans Moorengel. Man muss den ersten Teil jedoch nicht gelesen haben, um den zweiten zu verstehen.

Bewertung vom 17.01.2025
Barfuß in Tetas Garten
Abboud, Aline;Heymann, Nana

Barfuß in Tetas Garten


ausgezeichnet

Über ein wunderschönes Krisengebiet

Im Überlebensmodus - diese Kapitelüberschrift innerhalb des Buches ist mir am meisten in Erinnerung geblieben. Aline Abboud, Journalistin und Tagesschau-Moderatorin, erzählt in dieser Autobiographie von ihrer geliebten zweiten Heimat, dem Libanon. Ein Land, in dem die Menschen sich dauerhaft im Überlebensmodus befinden, denn es wird von zahlreichen Konflikten und Krisensituationen geprägt. Aline Abboud schildert eindrücklich wie sie selbst den Ausbruch des Libanon-Kriegs 2006 hautnah miterlebte. Dennoch oder gerade deswegen sind die Menschen ganz besonders herzlich und lebensfroh.

Der Autorin gelingt es, ein Bild des Libanon zu zeichnen, das die Schönheit des Landes beschreibt und nicht nur auf kriegerische Auseinandersetzungen und politische/ gesellschaftliche Probleme eingeht. Ein wahnsinnig interessantes Buch, das ernsthafte Themen durch witzige Anekdoten über die "Les Abbouds" auflockert.

Bewertung vom 11.01.2025
Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
Decker, Anika

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben


ausgezeichnet

So viel mehr als eine schöne Liebesgeschichte

„Wahre Liebe kennt kein Alter“ – so könnte der Titel einer Rezension für diesen Roman lauten. Doch er würde ihm nicht ansatzweise gerecht werden, auch wenn der Klappentext zu der Erwartung führt, dass es in dem Roman hauptsächlich um die Liebesgeschichte zwischen Nina und dem 20 Jahre jüngeren David geht. Doch die humorvolle, ironische, fesselnde, romantische, dramatische Geschichte ist so viel mehr. Sie ist auch gesellschaftskritisch und feministisch. Auch „Nieder mit dem Patriarchat“ wäre daher ein passender Rezensionstitel.

Der Roman ist größtenteils entweder aus der Perspektive von Nina oder ihrer jüngeren Schwester Lena verfasst. Passagen aus Ninas Perspektive sind in der Ich-Form geschrieben, jene aus Lenas Perspektive in der dritten Person. Dies führt dazu, dass man mit Nina stärker sympathisiert, was aber auch daran liegt, dass Nina eine willensstarke Persönlichkeit ist, die sich im Rahmen von Missbrauchsvorfällen in ihrer Firma für die betroffenen Frauen einsetzt. Unterstützung dabei erhält sie von ihrer sympathischen türkischen und lesbischen besten Freundin Zeynep. Lena dagegen bleibt stets im Schatten ihres Ehemann Florins. Sie möchte einfach nur zu den „coolen Mamas“ der Nachbarschaft gehören und tut alles dafür, ihr Ziel zu erreichen. Interessant ist, dass einige wenige Kapitel auch aus der Sicht von Lenas Mann oder Ninas Liebhaber geschrieben sind. Die Sichtweise der beiden Männer kennenzulernen ist sehr spannend.

Ich kann den Roman absolut weiterempfehlen, er ist ein richtiges Lesehighlight! Und als Tipp: hinten im Buch befindet sich ein QR-Code, der zu einer passenden Buch-Playlist führt. Das finde ich eine richtig tolle Idee, habe ihn aber zu spät entdeckt.

Bewertung vom 15.12.2024
Dorn
Beck, Jan

Dorn


ausgezeichnet

Das Schicksal auf weißen Pfoten

Ich muss zugeben, der Roman hat meine Erwartungen übertroffen. Ich hatte einen Standard-Thriller erwartet, doch „Dorn“ konnte mich überraschen.

Interessant sind schon einmal die Hauptfiguren. Simon Dorn lebt in einem alten Hotel, das seiner Familie gehört und verlässt es niemals. Der von Schicksalsschlägen gebeutelte Kriminalpsychologe nutzt seine Zeit, um Cold Cases aufzuklären. Lea Wagner ist eine junge Kripobeamtin, die sich nicht von Konventionen aufhalten lässt. Auf dem Dach ihrer Wohnung züchtet sie Hühner und Bienen und führt ein unbeschwertes Leben. Der Mord an einer ihrer Kolleginnen führt sie zu Simon Dorn. Auch Johannes Lorenz, ein LKA-Beamter aus Hamburg schaltet sich in den Fall ein, der in einer rasanten Verfolgungsjagd schon bald von Hamburg über Passau nach Salzburg führt.

Der Roman ist aus wechselnden Perspektiven geschrieben. Interessant ist, dass es zwei verschiedene Ich-Erzähler gibt. Eine Frau, welche die Partnerin des Täters zu sein scheint und von ihm gleichzeitig scheinbar beschützt und misshandelt wird. Auf der anderen Seite der Täter selbst, der von seinen ersten Morden einige Jahre zuvor erzählt.

Zudem hatte der Thriller noch ein mystisches Element, ein weißer Schäferhund, der immer genau dann aufzutauchen schien, wenn er gebraucht wurde, um zu helfen oder um das Schicksal in eine andere Richtung zu lenken.

Man kann den Roman nur schwer aus der Hand legen und gerade am Ende gibt es einige überraschende Wendungen. Die Auflösung selbst war meiner Ansicht nach zwar spektakulär, aber dennoch etwas unrealistisch. Wobei der Roman sich ja generell nicht immer nur an der blanken Realität orientiert. Ich kann ihn definitiv an alle Thriller-Fans empfehlen!