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Buecherbriefe

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Insgesamt 28 Bewertungen
Bewertung vom 13.05.2024
Das Blut der Herzlosen / Die Legende vom Tränenvogel Bd.1
Lee, Young-do

Das Blut der Herzlosen / Die Legende vom Tränenvogel Bd.1


ausgezeichnet

Mit Das Blut der Herzlosen veröffentlichte der Koreaner Lee Young-Do im Jahre 2003 den ersten Band einer Fantasy-Reihe, die in seiner Heimat ein Millionenpublikum fand. Nun liegt der Auftakt auch hierzulande vor - Doch hat sich das Warten gelohnt?

Moderne koranische Fantasy

Die Handlung selbst ist dabei (bislang) nicht sonderlich innovativ: Unterschiedliche Charaktere bilden eine heterogene Gruppe, die einen klar umrissenen Auftrag durchführen muss, dazu viel unterwegs ist und dabei eine Reihe von Problemen lösen muss – soweit so bekannt.

Faszinierendes Setting

Was dieses Buch von anderen Genre-Werken hervorhebt, ist das Setting. Young-Do gelingt es, bekannte westliche Motive mit der koranischen und asiatischen Mythologie zu verweben und den Leser dadurch mit vielen außergewöhnlichen Ideen begeistern zu können.
Dies beginnt bereits mit den verschiedenen Völkern: Anstatt auf Zwerge, Elfen und Co. zu treffen, dürfen wir uns mit Lekons, Nagas und Dokebis herumschlagen. Während es sich bei Lekons um drei Meter große, unglaublich starke und gefiederte Wesen handelt, kann man sich Dokebis wohl als magisch begabte Goblins vorstellen, die zu allerlei Späßen neigen.

Im Mittelpunkt dieses Bandes steht jedoch das Volk der Nagas, reptilienartige Wesen, die als Kaltblüter im Dschungel dominieren, außerhalb dessen jedoch kaum überlebensfähig sind. Wir dürfen dabei relativ tief in ihr Leben eintauchen und dabei Kultur, Politik, Religionen und Wirtschaft in allen Spielarten kennenlernen. Interessant sind dabei insbesondere die „vertauschten“ Geschlechterrollen: Bei den Nagas stellen die Frauen das starke Geschlecht dar, während Männer ohne wirkliche Rechte ausgestattet sind und lediglich der Fortpflanzung dienen.

Möchte man daran etwas kritisieren, dann allenfalls, dass die Verteilung von Schwächen künstlich wirkt. Während die panische Angst der Dokebis vor Wasser zumindest ein Stück weit nachvollziehbar ist, wirkt die („bloße“) psychische Angst eines ganzen Volkes vor Blut nicht besonders glaubwürdig.

Interessante Charaktere

Nicht sonderlich überraschend besteht unsere Heldentruppe jeweils aus einem Vertreter eines Volkes. Während die Gruppe als Ganzes recht harmonisch erscheint und sich die Einzelnen in ihren Eigenschaften und Fähigkeiten gut ergänzen, liegt der Fokus auf zwei Figuren.
Relativ viel Zeit wird etwa Kaygon Draka gewidmet, der neben seiner interessanten Vergangenheit und seinen Fähigkeiten beinahe schon unglaubwürdig wirken würde, wenn nicht immer wieder eine verborgene Seite hervorscheinen würde. Die zweite Hauptfigur stellt Ryun Pey dar, ein sogar für Naga-Verhältnisse schwacher Mann, der mehr oder weniger freiwillig in seine Rolle gedrängt wurde und nun zerrissen wird vom Kampf zwischen Tradition und Moderne.

Klare Prosa

Sprachlich handelt es sich um ein solides Werk. Der Autor verwendet eine klare und präzise – niemals zu komplizierte – Prosa und schafft es, Passagen sprachlich zu verdichten oder auszudehnen. Action-Szenen bilden dabei einen festen Bestandteil des Romans, sind abwechslungsreich ausgearbeitet und werden dynamisch und wendungsreich beschrieben. Gewalt steht niemals im Mittelpunkt, wird aber durchaus explizit beschrieben.

Langsames Erzähltempo

Das Erzähltempo ist – wie es sich für den Auftakt einer vierbändigen Reihe gehört - insgesamt recht behäbig. Zwar sorgen zahlreiche Dialoge für einen schnellen Lesefluss. Allerdings nimmt sich der Autor viel Zeit, um uns seine Welt vorzustellen. Bis es zu einem Treffen der Gefährten kommt, ist bereits die Hälfte des Romans vergangen und auch danach wird das eigentliche Hauptziel immer wieder durch kurzweilige und unterhaltsame Abenteuer aufgelockert.

Apropos auflockern: Humor ist ein entscheidender Faktor innerhalb der Reihe. So sorgen alleine schon die kulturellen Unterschiede innerhalb unserer Hauptgruppe für zahlreiche unterhaltsame Missverständnisse.
Wenn es wirklich etwas zu bemängeln gibt, dann ist es die Aufteilung des Bandes. Das Buch ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Innerhalb eines Abschnittes wechseln wir jedoch häufig Figuren und Orte, ohne dass wir dies als Leser optisch bemerken. Das hätte man angenehmer organisieren können, ist aber auch nicht kriegsentscheidend.

Fazit

Das Blut der Herzlosen von Lee Young-Do bildet den erfreulich unterhaltsamen Auftakt einer Fantasy-Reihe, die frischen Wind ins Genre bringt. Die Handlung mag nicht sonderlich innovativ erscheinen und auch optisch hätte man das Buch leserfreundlicher gestalten können.
Doch dafür wird man als Leser mit einem unverbrauchten und von asiatischer und koreanischer Mythologie geprägten Setting belohnt, welches auch alte Hasen bei Laune hält. Ob der Autor das Niveau auch über vier Bände halten kann, bleibt abzuwarten – zuzutrauen ist ihm dies jedoch.

Ein westlicher Plot trifft auf ein asiatisches Setting – dieser Band ist damit jedem Genre-Fan ans Herz gelehnt, der sich nach Abwechslung in seinem Lesealltag sehnt. Eine der interessanteren Neuerscheinungen des Jahres.

Bewertung vom 28.04.2024
Artifact Space
Cameron, Miles

Artifact Space


sehr gut

Der Hintergrund unserer Erzählung unterscheidet sich dabei zunächst nicht grundlegend von dem anderer Science-Fiction-Romane: Einige Jahrhunderte in der Zukunft ist die Erde zu klein für die Menschheit geworden. Zwangsläufig hat sie sich im Weltraum ausgebreitet und unzählige Planeten besiedelt. Den Kitt dieser verstreuten Gesellschaft stellt der nach wie vor florierende Handel dar. Dieser wird vor allem durch die Großschiffe ermöglicht, die dazu mehrere Jahre am Stück unterwegs sind.

Auf genauso ein Großschiff – in unserem Fall die „Athen“ – wirft uns Cameron zusammen mit unserer Protagonistin Nbara und nimmt sich dabei sehr viel Zeit, um uns in die Eigenheiten des Bordalltags einzuführen. Neben relativ aufregenden Tätigkeiten wie dem Kampftraining oder ersten Flugstunden erhalten auch eher banalere Angelegenheiten wie Probleme mit der Wäscherei, die Wahl der richtigen Kantine oder der Versuch, Langeweile auf einer langen Fahrt zu vermeiden, ausreichend Raum. Die Beschreibungen erinnern dabei im Grunde genommen an die eines Schiffes – kein Wunder, war der Autor doch selbst einmal Offizier bei der amerikanischen Marine und konnte damit aus eigenen Erfahrungen schöpfen.
Während der gemächliche Einstieg den Plot zunächst nur wenig voranbringt, sorgt er dafür, dass wir das Schiff und die Crew in unser Herz schließen und damit letztlich wirklich an ihrem Schicksal interessiert sind.

Auffällig ist zudem die starke militärische Prägung des Handelsschiffes. Auch wenn es sich bei der „Athen“ offiziell um ein Handelsschiff handelt, tragen die Crewmitglieder militärische Dienstgrade, sind in hierarchische Strukturen eingebunden und ganz grundsätzlich verfügt das Schiff über ein breites Waffenarsenal. Der Begriff Handelsschiff stellt also im Grunde genommen eine Mogelpackung dar. Natürlich werden Waren umgeschlagen, aber davon bekommen wir als Leser nur am Rande etwas mit. Zum Glück will ich hinzufügen, bleibt uns so zumindest ein zweiter Robinson Crusoe erspart.

Leider gelingt es dem Autor nicht, aus diesem vielversprechenden Setting Kapital für seine Figuren und die Charakterentwicklung zu schlagen. So ist etwa bei unserer Hauptfigur Marca Nbara Potential für eine tiefgründige Figur vorhanden, die eine interessante Entwicklung verspricht. Leider spielt ihre Vergangenheit abgesehen von den ersten Seiten keine wirkliche Rolle. Keiner ihrer Fehler hat Konsequenzen für sie als Person (allenfalls für ihr Umfeld, womit sie aber recht gut klar zu kommen scheint …) und sämtliche Herausforderungen gehen ihr ein Stück weit zu leicht von der Hand.
Darin liegt auch mein Hauptkritikpunkt: Natürlich macht es Sinn, dass die alleinige Erzählerin in alle relevanten Entwicklungen involviert ist. Aber wirklich glaubwürdig ist es nicht, wenn ein Frischling an Bord eines Schiffes innerhalb eines Jahres zur besten Pilotin, Teilzeit-Logistikerin, Spionageagentin, erfahrenes Kampfmitglied, Leiterin der Flugraumüberwachung, Sprachexpertin für außerirdische Rassen und Ausbildungsleiterin wird.

In einem begrenzten Rahmen von ein oder zwei Romanen und weil wir ihr doch ein Stück weit Sympathien entgegenbringen können – schließlich ist sie mit uns an Bord gekommen – kann man über diese Schwächen hinwegsehen. Leider handelt es sich bei ihr aber um keinen Sci-Fi Horatio Hornblower, diesen Weg hat bereits der erste Band nachhaltig verbaut.
Darüber hinaus gibt es noch eine überschaubare Anzahl von Nebenfiguren mit wiederkehrenden Auftritten. Auch diese sind nicht sonderlich gut ausgearbeitet, erwecken aber auch nicht den Eindruck, dass mehr als eine klar umgrenzte Aufgabe hinter ihnen steckt. Wenigstens sorgen Figuren wie eine sehr eigenwillige Schiffs-KI und ein Spionageoffizier, der eine Parodie sämtlicher männlicher Klischees darstellt, für viele unterhaltsame Momente.

Rein handwerklich profitiert der Roman von der jahrzehntelangen Erfahrung des Autors. Cameron weiß einfach, wie man einen Roman und die dazugehörigen Spannungskurven aufbauen muss – keine Selbstverständlichkeit für einen Roman mit einer einzigen Erzählfigur. Er weiß, an welchen Stellen er das Tempo anziehen muss und wann wir Leser wieder Zeit zum Durchatmen brauchen. So ist es kein Wunder, dass ich den Roman - trotz der schwachen Hauptfigur - kaum aus den Händen legen konnte. Die Action-Szenen verlaufen routiniert und dynamisch, stehen aber eindeutig nicht im Mittelpunkt des Geschehens und sind insgesamt rar gesät.

Fazit

Artifact Space von Miles Cameron erfindet das Genre nicht, weiß aber durchgängig zu unterhalten. Das Setting mag nicht neu sein, dafür sorgen die Einblicke in den Alltag eines Schiffes aus der Perspektive eines Neulings für ausreichend Abwechslung. Einen Horatio Hornblower im Science-Fiction Gewand darf man angesichts des unrealistischen Werdegangs der Hauptfigur leider auch nicht erwarten. Damit handelt es sich um einen wirklich unterhaltsamen Science-Fiction Roman für zwischendurch, bei dem Genre-Fans sicherlich nichts falsch machen können.

Bewertung vom 08.03.2024
Red Team Blues - Vom Jäger zum Gejagten
Doctorow, Cory

Red Team Blues - Vom Jäger zum Gejagten


ausgezeichnet

Mit Red Team Blues hat Cory Doctorow einen Finanzthriller verfasst, der gegen so ziemlich jede Regel des modernen Romans verstößt und sich beharrlich den Konventionen jeglicher Genres verweigert. Was den Roman dennoch so unterhaltsam macht, erfahrt ihr in dieser Rezension.

Das rote Team greift an, das blaue Team verteidigt …

Alleine schon die Ausgangslage ist mehr als nur ungewöhnlich: Unsere Hauptfigur ist ein beinahe siebzig Jahre alter forensischer Buchhalter, der mithilfe seines Laptops die Finanzströme der Welt durchschaut, spielerisch mit Kryptowährungen und Co. umgeht, dabei Geldwäsche und andere kriminelle Aktivitäten aufdeckt und sich mit faulen Behörden, gierigen Tech-Start-ups und gnadenlosen Drogenbanden anlegt, während er wahlweise Whisky oder Hanf-Gummibärchen zu sich nimmt – Was kann da schon schief gehen?

Und tatsächlich scheint es auf den ersten Blick viele Punkte zu geben, die wir als Leser kritisieren könnten: So ist das Ausgangsszenario – abgesehen vom Krypto-Rahmen - nicht sonderlich innovativ: ein alternder Held, der einen allerletzten Job erledigen möchte, bevor er sich endgültig zur Ruhe setzt und dabei in große Schwierigkeiten gerät – das haben wir so oder so ähnlich schon öfters gehört.

Unkonventionelle Strukturen

Darüber hinaus scheint „Red Team Blues“ nicht dem üblichen Aufbau eines Romans zu folgen: So ist der eigentliche und größte Spannungsbogen nach gut der Hälfte des (viel zu kurzen) Romans abgeschlossen und die entscheidenden Fragen sind zu diesem Zeitpunkt bereits geklärt.
Hinzu kommt ein recht ungewöhnliches Verständnis des Autors für Timing und Beschreibungen. Während die meisten Action-Szenen und eigentlich alle relevanten Entwicklungen sozusagen „Off-Screen“ vonstattengehen, kommen wir in den Genuss vieler – dafür aber nicht sonderlich ausführlicher – Beschreibungen von Essen, Alkohol und Sex.
Irgendwo in einer nicht weit entfernten Zukunft

Und dennoch habe ich mich durchweg hervorragend unterhalten gefühlt. Doch woran liegt das? Vielleicht am interessanten Szenario, das Doctorow vor uns aufbaut. Dass sich der Roman dennoch wie ein Science-Fiction-Roman anfühlt, hat in erster Linie damit zu tun, dass unsere Handlung weitestgehend im Silicon Valley in San Francisco angesiedelt ist.

Wir bewegen uns also nicht in einer Zukunftsvision, sondern viel mehr in einer Parallelwelt. Als eine der bedeutendsten Keimzellen des technologischen Fortschritts zeigt die Region dabei ihre zwei bekannten Gesichter: Auf der einen Seite die glänzende Metropole, in der jede Woche neue Start-Ups entstehen von Abermilliarden von Dollars umgesetzt werden, auf der anderen Seite in direkter Tuchfühlung bitterste Armut und der alltägliche Kampf ums Überleben.

Die Untiefen der Finanzbranche

Diese Umgebung gibt auch die bestimmenden Motive des Romans vor. Doctorow zeigt uns dabei auf, wie neue Errungenschaften wie Krypto-Währungen von herkömmlichen Kriminellen und bekannten Institutionen missbraucht werden. Ich bin kein Experte auf dem Finanzmarkt und auch nicht vernarrt in Kryptowährungen, aber die von ihm entworfenen Szenarien sind auch für mich extrem faszinierend und haben dazu geführt, dass ich mich tiefer in das Thema eingelesen habe.

Spezialwissen muss man übrigens nicht haben – auch ohne den entsprechenden Hintergrund kann man die Geschichten genießen, auch wenn es das Lesevergnügen steigert, wenn man beispielsweise weiß, was ein Ledger oder eine Blockchain ist.

Unterhaltsamer Erzähler

Es schadet sicherlich auch nicht, dass unser Autor ein unterhaltsamer Erzähler ist. Trotz des oben angeschriebenen ungewöhnlichen Poltaufbaus herrscht in der ganzen – alleine aus der Perspektive von Martin Hench erzählten – Geschichte ein hohes Erzähltempo vor. Neben vielen Monologen hilft es, dass Doctorow durchaus dazu in der Lage ist, zeitliche Abläufe sprachlich zu verdichten, wenn er denn nur will.
Freunde gepflegter Action-Szenen könnten hingegen enttäuscht werden. Trotz des Geldwäsche-Rahmens und der Verstrickung diverser Behörden und krimineller Vereinigungen sehen wir meist nur die Ergebnisse der zu erwartenden Eskalationen.

Sympathisches Figurenensemble

Das ist insoweit konsequent, als dass unsere Hauptfigur Martin Hench nun einmal auf die siebzig zugeht und keinen Expendables-Verschnitt oder auch nur einen Detektiv der alten Schule darstellt. Auch sonst handelt es sich bei ihm eine ungewöhnliche Figur. Hench bewegt sich seit der Dotcom-Blase im Fahrwasser bekannter Tech-Größen und verdient sein Geld als eine Art forensischer Cyber-/Krypto-/Finanzbuchhalter. Seine Aufgabe ist es dabei, in den Wirren finanzieller, tatsächlicher und rechtlicher Konstruktionen Daten und Informationen auf nicht immer ganz legalen Wegen zu beschaffen.

Fazit

Cory Doctorow spielt in Red Team Blues mit der Erwartungshaltung seiner Leser und liefert einen in jeglicher Hinsicht ungewöhnlichen, dafür aber nicht weniger unterhaltsamen, brisanten und hochaktuellen Roman ab!

Bewertung vom 09.02.2024
Das Herz der Sonne
Sanderson, Brandon

Das Herz der Sonne


sehr gut

„Das Herz der Sonne“ entstammt dem erfolgreichsten Kickstarter Projekt aller Zeiten (Secret Projects) und ist im Kosmeer-Universum angesiedelt – einem umfangreichen und mehr oder weniger stark verbundenen Romanuniversum, in dem Sanderson die meisten seiner Erzählungen spielen lässt.

Der Roman stellt Sanderson-Neulinge dabei vor einer Reihe von Problemen. Nicht nur, dass die zahlreichen Anspielungen und Easter Eggs wohl nur Fans der Sturmlicht-Chroniken verstehen dürften.
Noch viel mehr fällt ins Gewicht, das sich Sanderson zahlreicher wichtiger Elemente der Sturmlicht-Chroniken bedient und diese beim Leser als bekannt voraussetzt.

Dies gilt insbesondere für das Magiesystem, dass eine tragende Rolle in der Handlung einnimmt. Natürlich handelt es sich dabei um keine Raketenwissenschaft und ein geübter Fantasy-Leser wird sich das System in groben Zügen selbst erschließen können. Aber bis das geschieht, vergehen einige Seiten, die das Lesevergnügen doch deutlich trüben.

Unterhaltsame und überzeugende Welt

Dass wir den Roman nach und während dieser Eingewöhnungsphase dennoch genießen können, liegt vor allem daran, dass dieser Roman in einer futuristischen Version seiner Welten angesiedelt ist – und damit zu einer Zeit, in der noch nicht einmal die Hauptserie angelangt ist. Der Vorsprung der Stammleser ist demnach nur begrenzt.

Um eine Vorstellung von Sandersons Ideenreichtum zu entwickeln reicht es alleine schon, sich die Ausgangssituation zu vergegenwärtigen: Sanderson wirft uns unvermittelt auf einen absolut lebensfeindlichen Planeten, in dem Sonnenstrahlen den sofortigen Tod verheißen und auf dem sich dennoch viele verschiedene Lebewesen und Gruppierungen tummeln.

Und auch wenn die Science-Fiction Elemente eindeutig überwiegen, kommt auch der Fantasy-Anteil nicht zu kurz – etwa, wenn es um die grausame Gewinnung von Energie oder das Magiesystem geht. Kurzum – es handelt sich um eine überaus interessante Welt, bei der man sich als Leser wünscht, noch länger dort verweilen zu dürfen und die zahlreichen Abzweigungen zu betreten, die der Autor immer wieder andeutet– und das erinnert wiederum stark an das Worldbuilding eines Jack Vance.

Western mit Sci-Fi Elementen

Da fällt es auch nicht allzu schwer ins Gewicht, das der Plot nicht sonderlich innovativ wirkt: Ein abgehalfterter Held kommt in ein heruntergekommenes Dorf, freundet sich mit den Bewohnern an und hilft ihnen beim Kampf gegen den örtlichen Tyrannen. Lässt man die Science-Fiction Elemente weg, so fühlt man sich nicht von ungefähr an einen alten Western erinnert.

Hohes Erzähltempo …

Die Geschichte weist dabei ein geradezu absurd hohes Erzähltempo auf. Nicht nur, dass die Handlung nur wenige Tage umfasst. Sanderson gibt uns als Leser keinerlei Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen. Nahtlos reiht er Actionszene an Actionszene und in den seltenen Pausen wird man mit Informationen überhäuft. So vergeht die Zeit wie im Fluge – erstaunlich für ein Buch, dass nicht außergewöhnlich viele Dialoge aufweist.

… unter dem die Charaktere leiden

Opfer dieses Erzähltempos und des begrenzten Zeitraums sind in erster Linie die Charaktere. Wir haben einfach zu wenig Zeit, um sie alle kennenlernen zu können und noch viel weniger, um Entwicklungen oder Ähnliches feststellen zu können.

Im Mittelpunkt der Handlung steht die Figur Nomad. Nomad besitzt magische Kräfte und ist theoretisch dazu in der Lage, ganze Welten zu durchqueren. Dummerweise hat er mit seinem Sprung auf den Planeten all seine Kräfte verbraucht und steht nun vor einer schwierigen Entscheidung: Soll er eine Kraftquelle suchen und einfach verschwinden oder den hilfsbereiten Bewohnern der Stadt Biike helfen?

Begleitet wird Nomad von Auxilium, eine Art Werkzeug, das in Nomads Verstand wohnt und sich äußerlich zu jedem beliebigen Gegenstand manifestieren kann. Auxilium ist aber nicht nur Werkzeug, sondern besitzt auch eine eigene und eigenwillige Persönlichkeit. So kommt es immer wieder zu höchst humorvollen Buddy-Szenen, die das ganze Geschehen auflockern.

Nebenfiguren sind en masse vorhanden, erhalten aber in den seltensten Fällen so viel Raum, dass sie einer Erwähnung wert wären. Auch der Antagonist dieses Bandes – der Zunderkönig – ist nicht wirklich gut ausgearbeitet und wirkt so, als sei er einem B-Movie entnommen worden. Aber auch hier gilt: Wirklich wichtig wäre eine genaue Ausarbeitung so oder so nicht geworden, von daher kann man diesen Umstand getrost verkraften.

Fazit

Das Herz der Sonne von Brandon Sanderson ist ein solider Roman, der sich in erster Linie an Fans der Sturmlicht-Chroniken richtet. Wer bereits Vorkenntnisse besitzt, wird mit einer temporeichen und actionreichen Geschichte belohnt, die die Wartezeit zum nächsten Sanderson-Abenteuer verkürzt. Neueinsteiger können die Geschichte ob des gefälligen Schreibstils und Ideenreichtums auch genießen, müssen aber einige Abstriche beim Verständnis machen und sich erstmal in der Welt von Sanderson zurechtfinden.

Bewertung vom 29.11.2023
Weit über der smaragdgrünen See
Sanderson, Brandon

Weit über der smaragdgrünen See


ausgezeichnet

Weit über der smaragdgrünen See kann einen idealen Einstieg in Sandersons Werk bieten, bekommt man dadurch doch die rare Gelegenheit, in sein Schaffen zu schnuppern, ohne sich gleich für eine mehrbändige Reihe verpflichten zu müssen. Denn auch wenn der Roman im Kosmeer-Universum angesiedelt ist, lässt er sich problemlos als Einzelband lesen und genießen.
Doch worum handelt es sich nun bei diesem Roman? Einen guten Anhaltspunkt bietet das Nachwort. Dort lässt uns Sanderson wissen, dass er insbesondere von William Goldings Brautprinzessin inspiriert wurde: So störten er und seine Frau sich daran, dass die weibliche Hauptfigur eine so untergeordnete Rolle spielte. Doch ist ihm mit diesem Roman eine Korrektur gelungen?

Modernes Märchen

Hat man diesen Punkt im Hinterkopf, so überrascht einem zunächst nicht, dass in der Tat vieles an Goldings berühmten Roman erinnert:
Auch hier führt uns im Duktus eines engagierten Geschichtenerzählers eine Figur (Hoid) durch das Geschehen, die selbst Bestandteil der Handlung ist. Der Erzähler weiß dabei in etwa so viel wie ein allwissender Erzähler – und er scheut sich auch nicht davor, uns diesen Umstand immer wieder vor Augen zu führen. Beständig würzt er das Geschehen mit bissigen Kommentaren, greift vor, zieht dann wieder zurück und glänzt insbesondere durch seinen trockenen Humor.
Dies ist oft unterhaltsam, könnte aber auch ob der ungewöhnlichen Erzählform und einiger zu moderner Aussagen einige Leser abschrecken. Jedenfalls muss man dieser Erzählerwahl zugutehalten, dass dadurch elegante Verknappungen ermöglicht werden, die das Erzähltempo insgesamt sehr hochhalten. Verstärkt wird dieser Effekt durch den einfachen Satzbau und das Fehlen umfangreicher (Landschafts-)Beschreibungen. Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass relativ wenigen Dialoge vorhanden und erzählerbedingt nur wenige Monologe möglich sind.

Wenig innovative Handlung

Die Handlung an sich dürfte dabei für die meisten Leser nur wenig Neues bereithalten: Es handelt sich um eine weitestgehend klassisch verlaufende Heldenreise. Die Hauptfigur bricht zu einer Reise mit einem klar definierten Ziel auf, muss sich auf ihrem Weg vielen Herausforderungen stellen, an denen sie wachsen kann und vollendet schließlich ihre Reise mitsamt Reifeprozess mit einer schwierigen Entscheidung.
Oft passieren genau die Dinge, die man auch erwartet und die Ergebnisse der großen Handlungsstränge und „Mysterien“ dürften den meisten Lesern nach wenigen Seiten klar sein. Allerdings gilt dies wirklich nur für die großen Aspekte. Gerade in Detailfragen schlägt Sanderson so manches Mal einen so ungewöhnlichen und trockenen Weg ein, dass man als Leser einfach nur laut loslachen muss. Beispielhaft und filmreif sind etwa die Flucht von der Insel, die nur gelingt, weil ihre Eltern sie unterstützen oder das Lösen von Problemen durch Nachdenken.

Spannende Welt

Sanderson wirft uns zu Beginn kopfüber in diese verrückte Welt und nicht von ungefähr erinnert vieles an das chaotische und kreative Worldbuilding eines Jack Vance. Idee folgt auf Idee und es bleibt dem Leser überlassen, diese Ideen weiterzuspinnen. Später folgen (leider) zu viele Erklärungen, die zwar in sich stimmig sind, der ganzen Erzählung aber ein Stück weit von ihrem märchenhaften Charme nehmen.
Natürlich ist auch hier nicht alles bis ins letzte Detail durchdacht und wer es wirklich darauf anlegt, der findet auch hier noch das eine oder andere Haar in der Suppe – man kann aber auch ein Märchen einfach nur Märchen sein lassen und die Geschichte genießen.

Überzeugende Charaktere

Eine große Stärke des Romans ist das gesamte Figurenensemble – soweit man sich vor Augen hält, dass der Märchenaspekt im Vordergrund steht. Der Band ist einfach zu kurz, als dass eine angemessene Charakterisierung der vielen Figuren erfolgen könnte.
Am ehesten ist dies noch bei der Hauptfigur Tress der Fall, die so gar nicht ins Märchenschema passt. Sie ist von Beginn der Erzählung an kein Mauerblümchen, sondern eine starke Frauenfigur, die mit Verstand, Entschlossenheit und Einfühlsamkeit agiert. Besonders sympathisch macht sie, dass sie selbst keine übernatürlichen Kräfte besitzt, sondern oft einfach durch Nachdenken und Teamwork (denkt an den Märchencharakter!) an ihr Ziel gelangt.

Fazit

Brandon Sanderson hat mit Weit über der smaragdgrünen See ein herzerwärmendes und humorvolles modernes Märchen verfasst. Auch wenn nicht jeder Leser mit der Erzählform zurechtkommen dürfte und nicht jeder Aspekt bis ins letzte Detail ausgearbeitet wurde, begeistert der Roman mit skurrilen und liebenswerten Figuren, wichtigen Botschaften, kreativen Einfällen und einer spannenden und innovativen Welt. Die perfekte Lektüre, um unsere Herzen in kalten Zeiten zu erwärmen!

Bewertung vom 03.11.2023
Lucy Gayheart
Cather, Willa

Lucy Gayheart


ausgezeichnet

In ihrem 1935 erschienenen Spätwerk Lucy Gayheart spielt Willa Cather gleich mehrfach mit den Erwartungen ihrer Leserschaft. Doch kann der auch Roman darüber hinaus überzeugen?

Das Leben als Bühne

Das Leben scheint es mit der jungen Lucy Gayheart gut zu meinen: Als Tochter eines deutschen Musiklehrers und Uhrenmachers ist sie ihrem provinziellen Heimatdorf Haverford in Nebraska entkommen und studiert erfolgreich Musik in der Großstadt Chicago.
Ihr Heimatdorf vergöttert sie, ihr Professor respektiert sie und schon während des Studiums erhält sie erste Jobangebote. Und auch der reiche und junge Erbe Harry Gordon hat bereits ein Auge auf sie geworfen. Doch Gordon bedeutet gleichzeitig auch Haverford und so stürzt sich Lucy instinktiv auf den deutlich älteren Sänger Sebastian Clement.
Doch trifft sie damit die richtige Entscheidung? Und spielt dies überhaupt eine Rolle?

Meisterhafte Erzählerin

Lucy Gayheart ist als ein Werk konzipiert, dass sich trotz des recht schmalen Umfangs jeglicher Einordnung und Kategorisierung entzieht. Das fängt bereits bei der Erzählperspektive an, die im Laufe des Romans hin und herwechselt und die unterschiedlichen Figuren aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet.
Weiterhin gelingt es der Autorin mit wenigen Worten die Natur Nebraskas bildreich vor unseren Augen entstehen zu lassen. Ihre Motive sind dabei düster und dunkel, nicht ohne Grund spielt der größte Teil der Handlung während dunklerer Jahreszeiten. Dass gleichzeitig in jedem Bild ein Hinweis auf den weiteren Verlauf der Handlung versteckt ist, ist ein weiteres Zeichen wahrer erzählerischer Meisterschaft.
Umso stärker wirkt der Kontrast zum lebendigen und leuchtenden Chicago. Einer Stadt, in der das Leben genauso fließend verläuft wie die alles beherrschende Musik. Die Abschnitte dort wirken erzählerisch wie ein wilder Ritt, kaum ein Augenblick, an dem sich unsere Protagonisten ausruhen können, immerzu geht es weiter, von der Probe zum Auftritt zum Restaurant und so fort, ohne dass auch nur Zeit zum Durchatmen verbleibt.

Musik als Bestandteil der Handlung

Gerade die Abschnitte in Chicago sind mit zahlreichen musikalischen Anspielungen gespickt. Auch wenn die Anmerkungen diesbezüglich für Aufklärung sorgen, bin ich in Sachen Musik einfach nicht bewandert genug, um jedes Detail zu verstehen. Scheinbar scheint sich Cathers Musik-Auswahl jedoch hervorragend in das Gesamtkonstrukt einzugliedern. Der Roman lässt sich allerdings auch ohne diese Kenntnisse hinreichend verstehen und genießen – dazu reicht bereits der abgedruckte Text.

Überraschende Wendungen

Die Handlung selbst weist bereits von Anfang an so viele Überraschungen auf, dass ich eigentlich nicht viele Worte dazu verlieren möchte. Nur so viel: Mag die Inhaltsbeschreibung anfangs noch auf eine gewöhnliche Liebesgeschichte hindeuten und mögen wir im zweiten Schritt eine Emanzipationsgeschichte erwarten, so dreht sich die Handlung gleich mehrfach in verschiedene Richtungen und lässt uns am Ende fassungslos zurück.
Cather behandelt dabei Themen wie den gesellschaftlichen Aufstieg, streift Migrationsaspekte, die Emanzipation der Frau und den Unterschied von Stadt und Land. Rasch wendet sich jedoch das Blatt und wir stellen uns in einem melancholisch düsteren Tonfall die Frage, wie und ob wir mit Rückschlägen umgehen können, ob man Sicherheit oder die große Freiheit wählen sollte und ob wir überhaupt Kontrolle über unser Leben erlangen können

Realistische Charaktere

Das Herzstück des Romans bilden die zahlreichen Charaktere, die man am ehesten noch als realistisch gezeichnet bezeichnen kann. Wirkliche Sympathieträger oder Hassfiguren finden wir hier nicht. So haben wir es weder mit künstlich überhöhten noch mit übertriebenen Menschen zu tun.
Niemand wird durch irgendein Ereignis plötzlich Gut oder Böse, diese Eigenschaften gelten sowieso nicht. Vielmehr sind alle Figuren dem wirklichen Leben nachempfunden und könnten bis hin zur kleinsten Nebenfigur genauso auch im wirklichen Leben auftauchen.

Fazit: Lucy Gayheart von Willa Cather ist ein herausragendes Stück Literatur, dass trotz seiner Kürze in beinahe allen Aspekten überzeugen kann. Der Stil zeugt von wahrer Meisterschaft. Spielerisch geht Cather mit verschiedenen Erzählperspektiven um, erhöht das Tempo in der lebendigen Großstadt Chicago und verliert sich in malerischen Landschaftsbeschreibungen im ländlichen Nebraska.
Die Handlung ist in mehrfacher Hinsicht überraschend und die behandelten Motive sind trotz der sie durchziehenden Melancholie zeitlos. Nicht zuletzt findet man eine so realistische Figurenzeichnung nur äußerst selten.
Insgesamt handelt es sich um ein wahres Meisterwerk, das völlig zurecht neu aufgelegt wurde. Ein idealer Einstieg in das Werk der Autorin!

Bewertung vom 27.10.2023
Aus Sternen und Staub
Klune, T. J.

Aus Sternen und Staub


sehr gut

Mit Aus Sternen und Staub widmet sich Shootingstar T. J. Klune wieder dem Science-Fiction Genre, verzichtet dieses Mal jedoch auf Roboter und Weltuntergangsstimmung. Gelingt es ihm damit, unsere Herzen zu erobern?

Wer ist Artemis Darth Vader?

Nate Cartwright steht 1995 vor einer Reihe von Problemen: Seine Eltern haben ihn vor Jahren wegen seiner Sexualität verstoßen, sein Bruder spricht aus demselben Grund kein Wort mehr mit ihm und seinen Job bei der Washington Post kann er nach einem Skandal vergessen.

Da kommt es ihm gerade recht, dass seine Eltern gestorben sind und ihm eine einsame Hütte in den Bergen vermacht haben. Weit und breit keine Menschenseele – genau das, was er jetzt braucht. Unglücklicherweise haben ein Mann und ein kleines Mädchen seine Hütte ebenfalls als Wohnort auserkoren - und das ist nur der Startschuss für das Abenteuer seines Lebens…

Shootingstar der queeren Phantastik

Aus Sternen und Staub (The Bones Beneath My Skin) erschien bereits 2018 im Selbstverlag und fand erst dieses Jahr seinen Weg nach Deutschland. Vermutlich handelt es sich um einen Vorläufer/ Test einer größeren Welle, kann der Autor doch auf über zwanzig in Deutschland noch unveröffentlichte Werke zurückblicken.

Feel-Good Science-Fiction

Seinen Erfolg verdankt er vor allem der Tatsache, dass er seine Leser auf der emotionalen Ebene erreicht und mit einer warmherzigen Wohlfühlatmosphäre aus dem tristen Alltag entführt. Dabei kombiniert er zumeist ein phantastisches Genre mit einer Liebesgeschichte. Genau diese Formel ist auch Grundlage dieses Romans.

Liebevolle Hauptfiguren

Im Mittelpunkt unserer Erzählung stehen natürlich die drei Hauptfiguren, die junge Artemis Darth Vader, der ehemalige Journalist Nate und der ehemalige Marine Alex. Ihnen allen gemein ist, dass sie Außenseiter mit einer tragischen Vergangenheit darstellen und erst miteinander ihr Glück (wieder-)finden. Gerade das Zusammenspiel zwischen dem griesgrämigen Alex, dem zurückhaltenden Nate und dem Wirbelwind Artemis sorgt für einige Lacher und herzerwärmende Momente. Wer würde diesen Figuren auch ihr Glück verwehren wollen?

Da fällt es auch nicht allzu sehr ins Gewicht, das gerade die Liebesgeschichte zwischen Alex und Nate sehr schablonenhaft wirkt und genau so auch in jedem beliebigen Roman stattfinden könnte. Ausgeglichen wird dies durch einige wunderbar schräge Nebenfiguren wie einem Verschwörungstheoretiker oder einer alteingesessenen Reporterin bei der Post.

Solides Handwerkszeug

Sein Handwerk beherrscht Klune allemal. Auffällig ist die Dialoglastigkeit des Romans, die für ein insgesamt hohes Lesetempo sorgt und die gut 500 Seiten wie im Flug vergehen lässt. Etwas vermisst habe ich bei den Dialogen den aus der Familie Lawson bekannten Humor. Während sich seine Protagonisten dort Wortgefecht an Wortgefecht lieferten, geht es hier insgesamt gesitteter zu – auch wenn die kleine Artemis mit voller Kraft dagegenhält.

Dafür müssen wir allerdings auch deutlich weniger Kitsch ertragen. Natürlich – es ist eine Liebesgeschichte und da kann man natürlich nicht völlig darauf verzichten. Aber auf keinen Fall erreichen wir das Kalenderspruchniveau des Vorgängerbandes.

Allerdings durchbricht er seine sonst so gut funktionierende Wohlfühl-Atmosphäre an einigen Stellen. So überrascht eine außerordentlich explizite Sex-Szene und auch einige wenige Gewaltausbrüche passen nicht so recht in das große Ganze des Romans. Da hilft es auch nicht, dass er die Handlung in das Jahr 1995 versetzt hat und wir immerhin nicht von Smartphones und ähnlichen Lästigkeiten gestört werden.

Keine innovative Handlung

Auch vermag die Handlung insgesamt nicht zu überraschen. Im Grunde verläuft die Geschichte genauso, wie man es sich nach der ersten Begegnung zwischen unseren Figuren vorgestellt hat. Uns erwarten weder überraschende Wendungen noch innovative Einfälle – stattdessen bekommen wir einen soliden Roadmovie-Plot, der möglichst viele Leser abzuholen versucht und gerade genug kleine Überraschungen aufweist, um uns nicht zu langweilen.

Aber was genau auf der Handlungsebene passiert, ist letztlich irrelevant. Es geht um größere Themen wie Liebe, das Leben, zweite Chancen, Trauer und Frühstücksspeck – und genau diese Themen behandelt der Autor auch in angemessener Breite.


Fazit: Aus Sternen und Staub von T. J. Klune stellt eine klassische Feel-Good-Geschichte dar, die den Leser wieder einmal vor allem auf der emotionalen Ebene abholt. Das Zusammenspiel der Protagonisten funktioniert hervorragend und glücklicherweise verzichtet Klune zu weiten Teilen auf überflüssigen Kitsch.

Dafür sieht man auch gerne über eine nicht wirklich innovative Handlung und eine oberflächliche Liebesgeschichte hinweg. Ein Roman für alle Leser, die vor allem auf eine Wohlfühl-Atmosphäre Wert legen und für einige Stunden dem tristen Alltag entkommen wollen.

Bewertung vom 29.09.2023
Meine Antonia. Roman
Cather, Willa

Meine Antonia. Roman


ausgezeichnet

In ihrem 1918 veröffentlichten Roman Meine Antonia entführt uns Willa Cather in die Weiten der amerikanischen Prärien und schildert das entbehrungsreiche Leben der ersten amerikanischen Siedler.

Ungewöhnliche Perspektiven

Uns geleitet der junge Jim Burden als Ich-Erzähler durch das Geschehen – und es handelt sich dabei um einen „echten“ Ich-Erzähler. Wir erfahren also nur das, was Jim selbst (mit-)erlebt hat bzw. was ihm zugetragen wird und müssen dabei stets die subjektive Färbung dieser Perspektive beachten.

Für sich genommen wäre diese Tatsache wahrscheinlich nicht sonderlich außergewöhnlich, wenn es sich bei Jim um die Hauptperson des Romans handeln würde. Dabei stellt Jims Lebensgeschichte nur den Ausgangspunkt für eine Vielzahl von Abzweigungen und Verästelungen dar, die diesen Roman durchziehen und entscheidend prägen.

Wunderschöne Naturbeschreibungen

Heimlicher Star dieses Romans ist - noch vor allen Charakteren und der Handlung - die amerikanische Prärie. Willa Cather nimmt sich ausreichend Zeit, um die schönen, aber auch erbarmungslosen Seiten der Natur aufzuzeigen.
Diese Beschreibungen erfüllen über die Schönheit ihrer Worte hinaus die Funktion, die Abhängigkeit der Menschen vom Verlauf der Jahreszeiten zu verdeutlichen, haben die Jahreszeiten und das Wetter doch einen unmittelbaren Einfluss auf den Alltag und die Planung der Siedler.

Gleichzeitig hat die Natur einen großen Einfluss auf das Erzähltempo. Befinden wir uns auf dem Land, dann ist das Tempo gemächlich, während Abschnitte in der Stadt von härteren Schnitten und längeren Zeitsprüngen geprägt sind.

Erbarmungsloses Leben

So schön ihre Beschreibungen auch sein mögen, so vergisst Cather nicht, auch die schrecklichen Seiten des Lebens darzustellen. Gewalt, Morde, Selbstmorde und Vergewaltigungen gehören genauso zum Alltag der Siedler und werden von ihr auch ausreichend thematisiert.

Vielfältiges Figurenensemble

Eine große Stärke dieser Erzählung bilden die zahlreichen liebenswerten Figuren, die die ganze Welt erst lebendig machen.
Da wäre natürlich zum einen Jim, der es vom Farmerjungen schlussendlich nach Harvard schaffen soll. Sein Leben ist natürlich interessant genug, um ihm zu folgen, aber letztlich auch nicht so interessant, dass wir den Fokus nur noch auf ihn legen wollen.

Naturgemäß kommt einem als Nächstes natürlich die titelgebende Figur Antonia in den Sinn. Und hier war ich ein Stück weit „enttäuscht“, weil ich aufgrund des Titels und der Faszination von Jim mehr von dieser Figur erwartet hätte. Dabei ist sie gar keine Sympathieträgerin im eigentlichen Sinne, sondern fällt eher durch ihr egoistisches und stellenweise habgieriges Gehabe auf.
Natürlich kann man aus Leserperspektive ihr Verhalten nachvollziehen. Im Gegensatz zu Jim befindet sie sich in keiner privilegierten Situation. Sie muss als Einwanderin überleben und kann es sich einfach nicht leisten, zur Schule zu gehen. Aber wenn ich eine Figur so sehr in den Mittelpunkt stelle und sie Lernprozesse durchlaufen lasse, muss ich ihr dann das klischeehafteste Ende überhaupt angedeihen lassen?

Versteckte Anthologie

Dafür lässt Willa Cather die anderen Figuren umso mehr glänzen und gibt ihnen ausreichend Raum dazu. Im Grunde handelt es sich bei diesem Roman nämlich um eine versteckte Kurzgeschichtensammlung. In Nebraska versammelt sie Einwanderer und Glücksritter aus aller Herren Länder und oft haben diese eine bewegende und/oder unterhaltsame Hintergrundgeschichte zu bieten.

Als Beispiel sei etwa die Wolfsgeschichte um die beiden Russen Peter und Pavel genannt, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat und genau so auch in einer Kurzgeschichtensammlung abgedruckt werden könnte.
Überrascht haben mich auch die vielen starken Frauenfiguren. Gerade unter den Migrantenmädchen gibt es so einige, die ihr Glück als starke und unabhängige Frauen finden und fernab jeglicher gesellschaftlicher Erwartungen Erfolge feiern können.

Fazit

Meine Antonia von Willa Cather ist ein Roman, der gleich in mehrfacher Hinsicht zu überraschen vermag. Handwerklich begeistert die Geschichte mit einer ungewöhnlichen Erzählperspektive, die es trotz subjektiver Ausgangslage schafft, ein möglichst objektives Bild vom Leben in den amerikanischen Prärien zu zeichnen.

Wir erleben hautnah, was es heißt, als Migrant nach Amerika zu kommen und welche Probleme es zu überwinden gilt. Gleichzeitig treffen wir viele starke Frauenfiguren, die trotz gesellschaftlichen Drucks ihren eigenen und selbstbestimmten Weg gehen. Die Schilderungen der amerikanischen Landschaft sind dabei so schön, dass wir das bisschen Pathos gerne verzeihen können.

Damit handelt es sich um eine überraschend unterhaltsame Lektüre, die gleichermaßen Coming-of-Age, Migrations- und Emanzipationsgeschichte in einem ist. Lesenswert!

Bewertung vom 04.08.2023
Die gelbe Tapete & Herland - Zwei feministische Klassiker in einem Band
Gilman, Charlotte Perkins

Die gelbe Tapete & Herland - Zwei feministische Klassiker in einem Band


ausgezeichnet

Die 1860 in Amerika geborene Charlotte Perkins Gilman wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, schloss die Schule ohne einen richtigen Abschluss ab und schöpfte ihr Wissen – wie so viele große Literaten der damaligen Zeit – vornehmlich aus öffentlichen Bibliotheken. Ihr Vater verließ die Familie in frühen Jahren, was in ihr den Wunsch nach Kontrolle und Unabhängigkeit nachhaltig einprägte.

Eine nach der Geburt ihres ersten Kindes erlittene Depression brachte sie schließlich zum Schreiben. So stammt aus dieser Zeit unter anderem die Geschichte Die gelbe Tapete. Bereits nach wenigen Jahren Ehe ließ sie sich scheiden – ein in damaligen Zeiten aufsehenerregender Schritt – und widmete ihr Leben fortan der Frauenbewegung.

Es dauerte nicht lange, bis sie sich einen Namen als Rednerin und Journalistin machte und mit The Forerunner gab sie sogar ein eigenes Magazin heraus. Den Kampf um die Unabhängigkeit der Frauen führte sie sowohl in belletristischen als auch in wissenschaftlichen Werken und wurde so binnen kürzester Zeit eine Ikone der Frauenbewegung.
1935 wählte sie angesichts einer sich ausbreitenden Brustkrebserkrankung den Freitod – und behielt damit bis zum Schluss die Kontrolle über ihr Schicksal.

Bei der ersten Geschichte „Die gelbe Tapete“ handelt es sich um eine klassische Schauergeschichte. Völlig unabhängig vom feministischen Hintergrund handelt es sich um eine handwerklich wirklich gut gemachte Geschichte, die vor allem durch eine durchweg beklemmende Atmosphäre überzeugen kann. In Form von Tagebucheinträgen verfolgen wir dabei gebannt, wie unsere Protagonistin nach und nach dem Wahnsinn verfällt.

Geschickt steigert Gilman die Spannung von Eintrag zu Eintrag, bis die Geschichte in einem fulminanten Finale endet. Auch wenn das Ende wohl nur wenige Leser überraschen vermag, so gelingt es ihr durch die kompakte Erzählweise den Leser derart zu fesseln, dass solche Gedanken während der Lektüre unterbleiben.

Noch interessanter als die Geschichte selbst ist ihr Hintergrund: Wie Gilman in ihrem kurzen Nachwort erläutert, litt auch sie selbst nach der Geburt ihrer Tochter an einer Depression. Ihr erging es wie ihrer Protagonistin – unter anderem durfte sie sich auf Anraten des Arztes nie wieder einer kreativen oder wissenschaftlichen Tätigkeit widmen. Natürlich verschlechterte sich ihr Zustand. Besserung trat erst ein, als sie alle Ratschläge ignorierte und selbst körperliche und geistige Tätigkeit wieder aufnahm.

Tatsächlich hatte diese Geschichte sogar handfeste Auswirkungen: So nahm etwa (nicht nur) ihr damaliger Arzt nach der Lektüre dieser Geschichte Abstand von dieser Behandlungsmethode. Damit hat eine Horrorgeschichte ausnahmsweise nicht seine Leser in den Wahnsinn getrieben, sondern sogar davor gerettet.

Die 1915 ursprünglich als Fortsetzungsgeschichte im Magazin The Forerunner erschienene Novelle Herland schlägt eine ganz andere Richtung ein.

Drei Männer, darunter ein Frauenrechtler, ein Macho und unser Erzähler stoßen auf einer Forschungsreise auf Herland, einem abgeschiedenen Landstrich, der seit Jahrtausenden ausschließlich von Frauen bevölkert wird. Unser Protagonist schildert dabei aus der Rückschau von der ersten Begegnung bis zum nicht ganz freiwilligen Abschied den längeren Aufenthalt in diesem außergewöhnlichen Land.

Weite Teile der Erzählung bestehen dabei daraus, dass Gilman die Überlegenheit einer nur von Frauen geprägten Gesellschaft schildert. Sie widmet sich dabei einem breiten Spektrum an Themen - etwa der Bedeutung von Geschlechtern im Allgemeinen, der Kindererziehung oder (sehr kritisch) der Bedeutung und dem Einfluss von Religionen in diesem Zusammenhang. Dass Herland dabei keine reine Utopie ist, deutet sie zwar am Rande an, geht aber darauf verständlicherweise nicht genauer ein.

Aus Lesersicht hat die Geschichte trotz des inhaltlichen Schwerpunktes durchaus ihren Reiz. Insbesondere dann, wenn sie die überlegenen kulturellen Errungenschaften der Frauen auf die Vorurteile der Männerwelt treffen lässt, ergeben sich unterhaltsame und humorvolle Szenen. So gerät unsere Männergruppe so manches Mal in Erklärungsnot, wenn sie mit den Problemen einer von Männern dominierten Gesellschaft konfrontiert werden.

Leider fehlt es hier an einer richtigen Spannungskurve. Im Grunde stellt Gilman immer wieder Thesen auf, die von den Männern nicht widerlegt werden können und widmet sich dann wieder einem anderen Thema. Inhaltlich mag dies durchaus interessant sein, aber dafür müssen wir auch auf wirkliche Spannung oder gar einen Plot verzichten.

Fazit: Die gelbe Tapete und Herland von Charlotte Perkins Gilman sind zwei unterhaltsame Geschichten, die sowohl inhaltlich als auch handwerklich auch heute noch überzeugen können.

Bewertung vom 29.07.2023
Der Weg der Vergessenen / Söldnerkönig-Saga Bd.3
Martell, Nick

Der Weg der Vergessenen / Söldnerkönig-Saga Bd.3


ausgezeichnet

Nachdem die Stadt Kessel als alleiniger Schauplatz der ersten beiden Bände diente, wagt Nick Martell mit diesem Band einen längst überfälligen Schritt: Er verlässt besagte Stadt und lässt uns all jene Orte aufsuchen, die uns während der tristen Tage in Kessel als so hoffnungsvoll und verlockend erschienen.

Leider wirkt es dabei so, als ob Martell sämtliche Ecken besuchen wollte, die er in den ersten beiden Bänden verpasst hat. So hetzen wir unentwegt auf Land- und Seewegen von Ort zu Ort. Wir besuchen Städte, Inseln und mysteriöse Orte, ohne uns längere Aufenthalte zu genehmigen. Die gut 700 Seiten reichen bei Weitem nicht dazu aus, um uns die jeweiligen Eigenheiten näher zu bringen. So bleiben die Orte beliebig austauschbare Schauplätze und nicht viel mehr als bloße Namen ohne jegliche Besonderheiten.

Im Grunde handelt es sich um ein Symptom eines viel größeren und bereits bekannten Problems. Bereits im vorherigen Band wurde deutlich, dass Martell über eine große Vorstellungskraft verfügt und zahllose interessante Ideen in seinen Werken verarbeitet. Leider schafft er es nicht, diese in ein übergreifendes Konzept zu integrieren. Stattdessen schreibt er scheinbar planlos alles nieder, was ihm gerade in den Sinn kommt, ohne dabei auf die vorherigen Geschehnisse Rücksicht zu nehmen.

Das ist schade, da Martell an sich viele handwerkliche Grundlagen beherrscht. Begann der erste Band noch mit einem alleinigen Ich-Erzähler, so spielt dieser Band mit unterschiedlichen Ansätzen. So erleben wir eine Handvoll Kapitel aus der Perspektive anderer Charaktere und es gibt sogar eine kurze Szene, in der sich der Erzähler persönlich an uns wendet.

Positiv ist zudem das insgesamt sehr hohe Erzähltempo zu vermerken. Dass die gut 700 Seiten wie im Flug vergehen liegt sicherlich auch daran, dass Martell auf Filler-Szenen verzichtet und auf jeder Seite die Handlung vorantreibt. Zudem präsentiert er sich actionreicher – wenngleich auch genauso blutarm – als in den Vorgängerbänden und präsentiert uns Lesern eine abwechslungsreiche Mischung verschiedenster Arten und Szenarien.

Nicht zuletzt haben auch die zahlreichen Dialoge einen großen Anteil am Erzähltempo. Leider stellt dies gleichzeitig auch ein großes Problem dar. Sowohl inhaltlich als auch stilistisch kommt man nicht umhin, ihnen Soap-Charakter zu attestieren. Die Konflikte könnten aus einer spanischen Telenovela stammen und unabhängig von den Charakteren wirkt es oft so, als ob kleine Kinder miteinander sprechen würden.

Dies gilt insbesondere für unseren Hauptprotagonisten Mikael, der eine Art Rückfall erlitten zu haben scheint. Während er in den ersten beiden Bänden eine Art Reifeprozess durchlief und seine wehleidige Jugendversion nach und nach hinter sich ließ, kommt der quengelige Jugendliche im dritten Band mit voller Wucht zurück.

Gleiches gilt für die unglaubwürdige Liebesbeziehung zwischen Mikael und Serena. Zunächst bestand gar keine Verbindung zwischen den beiden und auf einmal soll es sich um die größte Liebe aller Zeiten handeln, die allen Widrigkeiten zu trotzen vermag. Eine schwach dargestellte Liebesgeschichte ist dabei natürlich eine Sache. Etwas ganz anderes ist es aber, wenn die ganze Handlung des Romans auf dieser vermeintlich großen und einzigartigen Liebe aufgebaut ist.

Leider lässt sich über die anderen Charaktere nicht viel Besseres sagen. Es kommt zu Auftritten zahlreicher Figuren, jedoch verbleibt es bei Momentaufnahmen. Kaum ein Handlungsstrang wird zu einem befriedigenden Ende geführt. Stattdessen führt Martell wieder zahllose weitere Charaktere ein, neigt zu großen Reden und Szenen - nur um dann am Ende sich und seinen Figuren alle Türen offen zu halten und die Konsequenzen ihres Handelns möglichst gering zu halten.

Insgesamt verbleibt der Eindruck, dass der Autor den Roman mit voller Absicht so gestaltet hat. Anstatt die Trilogie zu einem befriedigen Abschluss zu führen, scheint es sich um die Vorbereitung zu einem viel größeren Romanuniversum zu handeln – ein solches wäre jedenfalls nötig, um alle offenen Handlungsstränge zu beenden.

Fazit: Der Weg der Vergessenen von Nick Martell stellt einen durch und durch mittelmäßigen Roman dar, der wütend ob des ungenutzten Potentials macht. Nach dem vielversprechenden Auftakt eine große Enttäuschung.