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MD
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Frankfurt

Bewertungen

Insgesamt 133 Bewertungen
Bewertung vom 13.01.2026
Kim, Jee-Hye

Yu-jins Bücherküche der großen Träume


sehr gut

Leise, aber eindringlich

Wie die meisten asiatischen Bücher ist dieses Buch der Autorin Jee-Hye Kim, das in Korea spielt, als Kurzgeschichtensammlung aufgebaut. Yu-Jin eröffnet in Soyangri ein Buch-Café. In kurzen Kapiteln steht jeweils eine andere Person im Mittelpunkt. Alle Protagonisten sind mit Yu-Jin oder den Angestellten der Bücherküche verbunden. Der Ort lädt zum Reflektieren, Lesen, Loslassen und Bleiben ein. Die einzelnen Protagonisten stehen selbst an einem Punkt in ihrem Leben, an dem sie darüber nachdenken, wie es weitergehen soll. Dies geschieht teilweise bewusst, aber auch unbewusst.
Der Leistungs- und Wettbewerbsdruck sowie das angepasste Leben in Korea spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Yu-Jin selbst hat keine einprägsame Rolle. Sie wirkt eher fad und agiert meiner Meinung nach zu wenig. Der Schreibstil ist angenehm, jedoch das Tempo ist eher langsam. Die Geschichten sind leise, aber mit entscheidenden Botschaften. Es passiert zwar nicht viel, aber die wenigen Worte regen mich als Leser zum Nachdenken und Reflektieren an. Besonders gelungen finde ich die vielen Verweise auf Bücher. Der Einblick in die koreanische Lebensweise war spannend.
Insgesamt ein interessantes Buch, in dem die einzelnen Charaktere leise glänzen. 4/5 Sterne

Bewertung vom 26.12.2025
Graf, Maren

Einfach Sunny


ausgezeichnet

Aufgeben verboten
Mit großem Einfühlungsvermögen, Witz und Ironie wird in einer spannenden Detektiv-Geschichte den jungen Lesern/Zuhörern über Sunny, die eine Sehbehinderung hat, erzählt. Sunny ist eine selbsternannte Sachen-Sucherin und hilft Ben das geheime Dings wieder zu finden. Hierbei setzt Sunny ihre Sinne ein und beweist Mut. Im Laufe der Geschichte erkennt Ben, dass Sunny auch mit ihrer Sehbehinderung wunderbar sehen kann und dass man auch als Junge nicht immer mutig und stark sein muss. Der Schreibstil ist wunderbar altersgerecht, herzerwärmend und transportiert die wichtigen Themen in angemessen langen Kapiteln. Die farbigen Illustrationen sind toll gestaltet und unterstreichen das Gelesene. Dieses Buch wird definitiv die Einstellung und Wahrnehmung von Kindern hinsichtlich Blinden verändern. Beide Charaktere sind sympathisch und realistisch beschrieben. Es ist toll die beiden zu verfolgen und zu erkennen, wie ihre Freundschaft wächst und sich ein toller Zusammenhalt zwischen Sunny und Ben entwickelt. Dieses Buch ist ein Jahreshighlight, weil es auf wunderbare Weise Grundwerte transportiert und zeigt auf was es wirklich zwischen Freunden ankommt. Ein sehr gelungenes Buch, das ich wärmstens weiterempfehle. 5/5 Sterne

Bewertung vom 10.12.2025
Beyer, Martin

Elf ist eine gerade Zahl


gut

Selbstfindung

Mit Elf ist eine gerade Zahl verknüpft Martin Beyer die kalte Krankenhausrealität mit einer magischen Fantasiegeschichte. Dank des bildlichen Schreibstils und der Sprachgewalt des Autors wird der Leser in die faktenbasierende Krankenhausrealität reingeworfen. Der Leser leidet mit der 14-jährigen Paula, die sich einer Krebsoperation unterziehen muss. Paulas Mutter Katja befindet sich in einer Lebensphase zwischen Angst und Schuldgefühlen. Sie schöpft Kraft und Hoffnung, in dem sie ihrer Tochter eine fantasievolle Geschichte erzählt, um die Wartezeit zu überbrücken. Paula schöpft Kraft aus der düsteren Geschichte, die mit realem Bezug gespickt ist. Es ist ein einfühlsamer und authentischer Roman.

Persönlich habe ich jedoch den Twist zwischen Krankenhausrealität und Fantasiegeschichte nicht hinbekommen. Die zwei Geschichten waren mir zu weit auseinander, als das ich mich mit der Fantasie-Geschichte beschäftigen und reinlesen hätte können. Der Autor hat den Umgang mit der Krankheit, die medizinische Fakten sowie die Mutter-Tochter-Beziehung sehr gut recherchiert und sprachlich gut transportiert. Aber am Ende war mir die Kombination zu düster und die von der Mutter erzählten Geschichte zu lang und zu unstrukturiert. 3/5 Sterne

Bewertung vom 01.12.2025
Bestgen, Sarah

Safe Space


ausgezeichnet

Raffiniert, wendungsreich und erschütternd
 
Anna ist Psychologin und hat einen raffinierten Plan. Jemand hat vor 6 Jahren ihre Schwester umgebracht, aber ihre Leiche wurde nie gefunden. Aus diesem Grund fängt sie genau in dem Gefängnis als Psychologin an, in dem er als Straftäter einsitzen soll.
 
Sarah Bestgen hat mit ihrem neuen Buch einen originellen, extrem spannenden und gut ausgearbeiteten Thriller geschrieben. Der lebendige und realistische Schreibstil wird durch den ständigen Perspektiv- und Zeitenwechsel noch spannender. Tiefgründige Charakterbeschreibungen zeigen das düstere Ausmaß. Psychologische Beschreibungen sind auch für Laien sehr gut nachvollziehbar. Der Leser hält beim Duchsuchten des Thrillers eigentlich permanent den Atem an, weil er ständig neue Informationen bekommt, die in die Handlung selbst auch reinfließen. Gewisse Vergangenheitsbeschreibungen haben mich aber auch regelrecht erschüttert. Leser die Manipulation sowie Wendungen lieben und dabei auch noch miträtseln wollen, sind mit diesem Thriller genau richtig. Ein wirklich tolles Buch, das man auf keinen Fall verpassen sollte. 5/5 Sterne

Bewertung vom 14.11.2025
Petrowitz, Michael

Magic Music, Band 1 - Der rätselhafte Rückwärtszauber


ausgezeichnet

Magische Musikreise
Eine Prise Magie liegt über dem musikalischen Ort Glennyfey. Tristan macht mit seiner Mutter Urlaub, als er Mel, die auf der Suche nach einem
Gitarristen ist, kennenlernt. Die zwei werden schnell Freunde und begeben sich auf die Suche nach dem Geheimnis rund um die magische Harfe und dem Rückizücki-Song.

Die Geschichte ist absolut altersgerecht in mehreren Kapiteln geschrieben. Der Schreibstil ist warmherzig und bildlich. Authentische Charaktere lassen die Geschichte noch bildlicher erscheinen. Die zur Handlung passenden schwarz-weiß Illustrationen sind wunderschön illustriert. Meine Tochter (6) ist der Geschichte und dem Geheimnis um die Melodie der Harfe aufmerksam gefolgt. Sie eignet sich perfekt zum abendlichen Vorlesen / Selbstlesen. Die warmherzige Atmosphäre überträgt sich direkt auf den Zuhörer/Leser.

Insgesamt ein toller spannender Reihen-Auftakt rund um das Thema Magie, Music, Freundschaft und Zusammenhalt. Ein absoluter Jahreshighlight für meine Tochter. 5/5 Sterne

Bewertung vom 06.11.2025
Ramcke, Inga Marie

Die Astronautin von nebenan. Eine Reise vom Kinderzimmer ins Weltall


ausgezeichnet

Tolles Weltraumabenteuer

In diesem Kinderbuch sind wissenswerte Fakten über den Weltraum mit einer fantasiereichen Abenteuergeschichte rund um Maya sehr gut kombiniert. Maya ist krank und kann nicht wie geplant mit ihrem Papa zu ihren Großeltern nach Indien fliegen. Da ihre Mutter arbeiten muss, hilft die Nachbarin Josi, die ein paar Tage frei hat, aus. Josi ist Astronautin und hat viel Fantasie sowie Wissen über das Thema Weltall. So wird kurzerhand Mayas Kinderzimmer zu einer Weltraumstation umgebaut. Kuscheltier Tönning und die Großeltern via Tablet gehören zur Crew dazu und steuern zum Beispiel den Rover aus Indien aus.

Das komplexe und schwierige Thema Raumfahrt ist verständlich und spielerisch erzählt. Anhand vieler Experimente werden Sachverhalte erläutert. Die Illustrationen sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet und ergänzen den Text perfekt. Besonders gelungen finde ich den Sachbezug zu Beginn jedes Kapitels, der die Lust weckt noch tiefer in das Thema einzusteigen. Geeignet ist dieses Buch sowohl für Selbstleser als auch um Vorlesen. Die Kapitellänge unterstützt die Aufmerksamkeit des Lesers/Zuhörers. Meinem Sohn (10), der sehr Weltraumbegeistert ist, hat dieses Buch sehr gut gefallen und nebenbei haben wir beide auch noch was gelernt. Ein wirklich tolles Leseerlebnis, dass eigentlich mehr als 5 Sterne verdient hätte.

Bewertung vom 02.11.2025
Luka, Saskia

Lass uns noch bleiben


gut

Als Vinka Anna plötzlich verlässt, bricht für Anna ihre Welt zusammen. Sie zieht sich in ihr Schneckenhaus zurück und vereinsamt regelrecht. Doch auf einmal steht Alex in ihrem Pflanzenladen und braucht dringend ein Zimmer. Anna nimmt ihn auf und dieser holt Anna unbemerkt aus ihrer Einsamkeit und Tristesse raus. Anna beginnt sich zu öffnen und merkt, dass sie noch einmal mit Finke reden muss. Die beiden treten eine Reise der Veränderungen an.
Die Autorin hat mit diesem Roman eine zarte, leise Geschichte geschrieben, die viel Platz für Veränderung, Freundschaft und Verarbeitung bietet. Der Schreibstil ist ruhig und fast poetisch. Persönlich bin ich aber nie mit Anna warm geworden und konnte vieles ihrer Handlungen nicht verstehen. Manchmal hatte ich auch das Gefühl, dass mir Zusammenhänge fehlen. Der Roman ist tiefgründig, aber ohne jegliche Spannung. Er bietet viel Raum für Interpretation.
Insgesamt hatte ich mir mehr versprochen , wurde aber nicht gänzlich enttäuscht. 3,5/5 Sterne

Bewertung vom 02.11.2025
Ahern, Cecelia

Ein Herz aus Papier und Sternen


ausgezeichnet

Zart und tiefgründig
Pip hat sich selbst aufgegeben. Sie ist sehr junge Mutter geworden, aber wurde eher fremdbestimmt und konnte nicht ihren eigenen Weg und ihre eigenen Erfahrungen gehen. Sie flieht sich oft in ihre Tagträume, malt und faltet kleine Kunstwerke. Ein trister Alltag, ohne große Emotionen und Erlebnisse und das Verhältnis zu ihrer Tochter hat eher den Charakter von großer Schwester als Mutter.
Cecilia Ahern hat einen traurigen, aber nachhallenden Roman geschrieben. Die einzelnen Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet. Pip entwickelt sich während der Geschichte. Sie lernt zu kämpfen, für sich und andere einzustehen und sich selbst zu sehen. Die Botschaft der Autorin ist klar kommuniziert und bleibt im Herzen. Sie zeigt dem Leser, dass selbst kleine Richtungsänderungen große Veränderungen hervorrufen.
Ein Highlight für all die Leser, die tiefgründige, zarte Literatur lesen möchten. 5/5 Sterne

Bewertung vom 29.10.2025
Engler, Leon

Botanik des Wahnsinns


sehr gut

Komplexe Verwandtschaft

Die Angst am gleichen Schicksal wie seine Verwandten zu erkranken, treibt den jungen Ich-Erzähler regelrecht in den Wahnsinn. Studiert selbst Psychologie, um das Leid seiner Familie, die sehr komplex ist, anhand eines Stammbaumes verfolgen zu können. Flüssig und scheinbar mühelos werden tiefgründige und nicht leicht zu verdauende Themen literarisch gut erzählt. Engler schreibt emotional und berührend, aber erweitert auch den Horizont des Lesers durch den hohen Detailgrad der unterschiedlichen psychischen Erkrankungen. Eine interessante Familienforschung, die nicht alltäglich ist und sich nicht wie in der Botanik katalogisieren lässt. 4/5 Sterne

Bewertung vom 27.10.2025
Schreiber, Jasmin

Da, wo ich dich sehen kann


ausgezeichnet

Eindringlich erzählt Jasmin Schreiber die Geschichte von der neunjährigen Maja, dessen Mutter von ihrem Vater getötet wurde. Jasmin Schreiber konzentriert sich hierbei nicht nur auf Maja, sondern hat  
den Fokus auch auf die Hinterbliebenen sowie Freunde gelegt. Die authentischen Beschreibungen der seelischen Auswirkungen der Tat durch den Vater, der Trauer um die Mutter und die Frage der Schuld spielen hierbei eine zentrale Rolle. Realistisch, lebhaft und authentisch werden in verschiedenen Erzählsträngen die Emotionen, Beziehungsdynamiken und Gefühlsebenen beschrieben. Faktenbasierte Einschübe von Gerichtsbeschlüssen, Obduktionsberichten und Zeitungsausschnitten runden die Geschichte ab. Der Leser merkt deutlich, dass Jasmin Schreiber das Thema Femizid wichtig ist und sie mit diesem Buch ein Statement setzen möchte, was ihr auch vortrefflich gelungen ist.
Auch wenn es zahlreiche Wendungen in dem Buch gab, so blieb der Roman für mich ohne große Spannung. Es stand eher das Seelenheil der Protagonisten im Vordergrund. Jedoch bewegt die Geschichte einen sehr. Sie hallt nach und man sieht zahlreiche Dinge anders. Lebensnäher kann eine Geschichte nicht geschrieben sein. 4,5/5 Sterne